
In einer wunderbaren Gedankenassoziation verknüpfte vor genau 25 Jahren der Heilige Papst Johannes Paul II in einer Weihnachts-Predigt (24.12. 2001) grundlegende Wahrheiten, die über die Bedeutung von Weihnachten hinaus den Sinn des menschlichen Lebens offenlegen; und die das „Wofür“ und „Warum“ unserer Existenz erklären.
Damals sagte der Heilige:
Im Licht von Weihnachten sehen wir, dass es sich lohnt, Mensch zu sein – denn der Mensch ist berufen, sich mit Gott selbst zu vereinen.
Gerne empfehle ich, in der noch verbleibenden Stille der zu Ende gehenden Weihnachtszeit dieser Wahrheit im Austausch mit Gott nachzuspüren: Es lohnt sich Mensch zu sein, weil Gott Dich ruft, sich mit ihm zu vereinen. Überlege mit und vor Gott: Was bedeutet das für mein Leben?
Welche neuen und besseren Wege ergeben sich daraus, so dass ich wie die Könige nicht mehr zu dem verlogenen Leben des Herodes und seines Hofes mitsamt des erschrockenen Jerusalems (vgl. Mt 2,3.8.12.16) zurückkehre. Ähnlich haben sich die Hirten und dann die 3 Könige mit Gott ausgetauscht; und zwar wie Maria, die „alle diese Worte bewahrte und sie in ihrem Herzen erwog“ (Lk 2,19).
Sowohl die Hirten wie auch die Sterndeuter sahen mit eigenen Augen erst einmal nur ein junges, armes Elternpaar mit dem Neugeborenen. Aber wie die Hirten alles aus der Perspektive der ihnen von den Engeln geoffenbarten Gottesworte, so sahen die noch heidnischen Weisen alles aus der Perspektive des geheimnisvollen Wirkens Gottes in seiner Schöpfung, der den Stern bedeutungsvoll erstrahlen ließ.
Deshalb beugten sie in Ehrfurcht ihre Knie, wie Matthäus berichtet: „da fielen sie nieder und huldigten ihm“, und sie „holten ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar“. (Mt 2,11). Ganz ähnlich den Hirten, die bei ihrer Rückkehr „Gott rühmten und ihn für alles priesen, was sie gehört und gesehen hatten.“ Lk 2,20)
Spätestens von da an lebten sowohl die Hirten wie die drei Könige deutlich anders als Herodes und alle nur irdisch Gesinnten. Die Hirten wie die Könige sind im Neugeborenen dem Gott begegnet, der Mensch wurde, damit wir Menschen nicht länger nur irdisch, sondern im Irdischen göttlich und himmlisch leben; ganz so, wie Jesus es später zu beten gelehrt hat: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ Wo wir zulassen und dabei mitwirken, dass sich Gott mit uns vereint, da wird auch unser irdisches Leben himmlisch und göttlich zugleich. Und wir werden aus der Kraft des Gebetes Gott selber in all unserem ehrlichen, Frieden und Glück bringenden Wirken, Schaffen und Gestalten begegnen und finden.
(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)
