
Das Pfingstfest steht seit Generationen für die reale Erfahrung, dass Gott zum einen mitten unter uns ist; wobei die Initiative, zu uns zu kommen, von Gott aus geht. Und weiterhin steht das Pfingstfest seit Generationen für die Erfahrung, dass es mit Gott und von ihm her überraschend leicht wird, sich untereinander gut zu verstehen und miteinander in Frieden leben zu können.
Die rasante Entwicklung der Kommunikationsmittel hat dies nicht ermöglicht. Auch nicht die rasante Abnahme der geografischen Entfernungen: allein dadurch, dass wir uns geographisch nähergekommen sind, ist das Miteinander nicht deutlich besser geworden. Es gibt weiterhin Ungleichgewichte, die zu Konflikten führen. Bis hinein in den Alltag und die unmittelbare Nachbarschaft sind wir Menschen aggressiv und streitsüchtig; viel zu oft oberflächlich und schwierig. Einander zu verstehen ist anspruchsvoll. Und schnell verschließt man sich im eigenen Ich und in den eigenen Interessen.
Das Pfingstfest steht für die reale Erfahrung, dass Gott sich mit uns Menschen vereinigt und so dann auch wir unter- und miteinander eins werden und uns gegenseitig verstehen. Damit wird uns geschenkt, was wir so sehr brauchen
und wodurch wir erfüllt leben können. Das Pfingstfest überwindet die Sprachverwirrung, die uns seit dem Turmbau zu Babel knechtet und in den Streit führt. In Babel versuchten die Menschen wie Gott zu sein und sich an die Stelle Gottes zu setzen. Sie dachten, dass sie stark genug wären, selbst einen Weg zum Himmel hinauf zu bauen, dessen Türen aufzustoßen und sich an die Stelle Gottes setzen zu können. Stattdessen konnten sie auf einmal nicht mehr gemeinsam bauen: statt miteinander bauten sie gegeneinander. Sie wurden schwach darin, sich zu einigen, sich zu verstehen und gemeinsam zu arbeiten.
Auch heute scheint es vielen wieder überholt und unnütz, Gott zu bitten, dass er komme und in uns wohne. Sie meinen - wie damals in Babylon - alles selber errichten und verwirklichen zu können. Und sie merken nur schwer, dass sie so dasselbe erleben, wie damals die Menschen beim Turmbau.
Einheit gibt es in Vollendung nur durch den Heiligen Geist, der uns ein neues Herz und eine neue Sprache, eine neue Fähigkeit der Kommunikation ermöglicht. Dafür steht Pfingsten seit Generationen.
