Geistliche Berufungen im Alltag (Pfarrnachrichten KW 18+19/2026)

„Niemand lebt sich selbst!“
08.05.2026
Andreas Dr. Kuhlmann
Bild: Der Heilige Carlo Acutis, wenige Monate vor seinem plötzlichen Tod mit 15 Jahren

An diesem Sonntag begehen Christen auf allen Kontinenten den 63. Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Im Erzbistum Köln steht er unter dem Leitwort „Niemand lebt sich selbst!“ Berufungen können nicht gemacht werden. Sie sind ein besonderes Geschenk Gottes. Auch ist eine Berufung nie nur Privatsache. Gott ruft Menschen immer zugleich für andere. Darum ist dieser Tag für die ganze Kirche weltweit von großer Bedeutung. Worum es geht, möchte ich gerne mit Worten von Antonia Salzano Acutis veranschaulichen, der Mutter des vor kurzem heiliggesprochenen Carlo Acutis.
Dieser jugendliche Heilige starb mit 15 Jahren an einer aggressiven Form von Leukämie nach einem ganz gewöhnlichen, was die äußeren Umstände eines normalen Schülers betrifft, aber zugleich einem ganz außergewöhnlichen Leben, was sein alltägliche Verbundenheit mit Gott und in liebevoller Hingabe anderen gegenüber betrifft. Im Sommer 2006 vor seinem Tod fragte er seine Mutter, was sie davon hielte, wenn er Priester würde. Im Rückblick auf diese seine Frage erzählt seine Mutter: „,Falls er bis zur Priesterweihe gelangt wäre, hätte er sich wahrscheinlich entschieden, Diözesanpriester zu werden. Er achtete diese Priester ganz besonders. Er schätzte ihre tägliche Arbeit im Verborgenen und in der Stille, eine Arbeit, die dem Leben der ihnen anvertrauten Gläubigen gewidmet ist: ein Christentum im Alltag sozusagen.
Für Carlo zeigte sich Jesus gerade im alltäglichen Leben und wandelte mit seinem Volk. Er suchte ihn nicht in großen Dingen, sondern in den kleinen gewöhnlichen Begebenheiten des Lebens. Ich habe mich oft gefragt, was für ein Priester er wohl geworden wäre, wenn er das gottgeweihte Leben gewählt hätte. Die überzeugendste Antwort fand ich bei einem berühmten Priester, dem heiligen Pfarrer von Ars: »Es ist der Priester, der das Werk der Erlösung auf Erden fortführt ... Wenn ihr einen Priester seht, denkt an unseren Herrn Jesus Christus ... Alle guten Werke zusammen erreichen nicht den Wert eines einzigen Messopfers, denn es sind die Werke von Menschen. Die Messe aber ist Gottes Werk. Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu.« Ich bin sicher, dass diese Beschreibung dem gleicht, was auch Carlo in sich selbst gespürt hat.“ Lasst uns also für gute Priester beten. Und mögen zahlreiche Jugendliche sich die Frage stellen, ob Gott nicht auch sie beruft, um durch sie als dazu Berufene segensreich in dieser Welt gegenwärtig sein und wirken zu können. (Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

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