Glaube trotz Gottes anderem Weg (Pfarrnachrichten KW 36+37/2026)

„Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt 16, 24)
08.09.2026
Andreas Dr. Kuhlmann

Es gibt Augenblicke im Leben, in denen wir glauben, genau zu wissen, wie es weitergehen soll. Wir haben unsere Vorstellungen, unsere Pläne, unsere Wünsche. Und manchmal meinen wir sogar, wir wüssten, was für einen anderen Menschen das Beste ist.

Auch Petrus meinte, es zu wissen. (vgl. Mt 16, 21 ff)

Jesus spricht zum ersten Mal ganz offen davon, dass er nach Jerusalem gehen, leiden und getötet werden wird. Und Petrus kann und will das nicht akzeptieren. Er nimmt Jesus beiseite und sagt: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ (ibid., 22)

Eigentlich spricht aus diesen Worten etwas sehr Menschliches: Petrus liebt Jesus. Er möchte ihn bewahren. Er möchte verhindern, dass ihm etwas Schlimmes geschieht.

Und doch weist Jesus ihn mit ungewöhnlicher Schärfe zurück: „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ (ibid., 23) Das ist ein Wort, das auch uns treffen kann.

Denn wie oft haben wir unsere eigenen Vorstellungen davon, wie Gott handeln sollte! Wir bitten ihn um etwas - und wünschen uns eigentlich, dass er unsere Pläne bestätigt. Wir beten um Gesundheit, um Erfolg, um eine bestimmte Lösung, um die Erfüllung eines Wunsches. Und wenn Gott einen anderen Weg geht, fragen wir: Warum?

Glaube bedeutet nicht, dass Gott unsere Vorstellungen erfüllt. Glaube bedeutet vielmehr, dass wir ihm vertrauen, auch wenn wir seinen Weg noch nicht verstehen.

Zum Glauben gehört unter anderem die Erfahrung, dass Gott uns nichts von dem weg nimmt, was gut, was schön und was wahr ist. Weiterhin gehört zum Glauben die Erfahrung, das wir der Erlösung bedürfen; und damit zusammenhängend die Erfahrung, dass nicht nur die anderen, sondern auch wir „einen Knacks haben“, den wir aus eigener Kraft nicht reparieren können.

Und so kommen wir zur wahren Einsicht immer nur über das Kreuz, an dem all das dem Tod übergeben wird und wir davon befreit werden, was der Herr sich an von Menschen verursachter Bosheit hat aufladen lassen. Er hat es in den Tod getragen, damit wir alle mit ihm leben können. Und deshalb sagt der Herr: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (ibid., 24)

Pfr. Dr. Hildebrandt

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