Pfarrnachrichten 49 / 2022

Mosaik Johannes’ des Täufers mit der Inschrift Ό άγιος Ιω[άννης] ό Πρόδρομος („der heilige Johannes der Vorläufer“) in der Hagia Sophia in Istanbul / Byzanz, 12. Jhd.

Der Eröffnungsvers des zweiten Adventsonntags kündigt eindringlich an: „Der Herr wird kommen, um die Welt zu erlösen.“ Dieser Ankündigung folgen eine ernste Aufforderung: „Volk Gottes, mach dich bereit!“ und ein konkreter Rat: „Höre auf ihn, und dein Herz wird sich freuen.“ So fasst der Eröffnungsvers zusammen und bringt auf den Punkt, was Matthäus im Sonntagsevangelium (Mt 3,1-12) über Johannes den Täufer und sein wirkmächtiges Auftreten berichtet!

In jenen Tagen „verkündete er in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Dem Evangelisten ist wichtig, den Täufer in die alttestamentliche Prophetentradition einzureihen. „Er war es“ unterstreicht Matthäus, „von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen.“ Johannes der Täufer führt also die Prophetentradition fort. In ihm kommt sie zugleich an ihr Ende und Ziel.

Fordernd und handelnd stand er da und wirkt in seinem Auftreten bis heute fort. Er war damals und ist weiterhin auch heute der strenge Rufer zur Metanoia, zum Umdenken. Nicht nur den Juden damals, sondern auch den Christen aller Zeiten führt er vor Augen, dass wir ein Leben lang „umdenken“ müssen: beständig und immer wieder.

Unsere natürlichen und in sich erst einmal guten Neigungen verleiten uns nämlich unreflektiert zu einem Ungleichgewicht; etwa: uns über den Maßen behaupten zu wollen; nicht nur Gleiches mit Gleichem, sondern im Eifer des Gefechtes auch mit Ungleichem und Ungerechtem zu vergelten und uns so in die Mitte zu stellen, dass wir unsere Mitte verlieren.

Das gilt ganz besonders in unserer Beziehung zu Gott. Wer ihn finden und ihm begegnen möchte, muss innerlich umkehren. Er muss beständig, und tatsächlich immer und immer wieder in die andere Richtung gehen. Wir leben nämlich – allerdings nicht nur – in einer Welt des Sichtbaren. Sie dringt in den Social Media, im Verkehr, in allen Vorgängen des täglichen Lebens so gewaltig auf uns ein, dass wir versucht sind zu meinen, es gebe sonst nichts als sie. Aber in Wahrheit ist das Unsichtbare größer und mehr wert als alles Sichtbare.

Deshalb ist es nötig umzukehren. Ohne Umkehr bliebe das Unsichtbare in seiner lebensspendenden Kraft, in seiner erfüllenden Größe und in seiner mit Gott verbindenden und so das menschliche Wesen von Gott her vergöttlichenden Umgestaltung und Erneuerung in dem verborgen, was an Möglichkeit jedem Menschen in die Wiege gelegt ist. Um ganz Mensch zu werden muss jeder sich innerlich gleichsam herumdrehen, sich für das Unsichtbare bereithalten, es „feinhörig“ und „feinsichtig“ wahrnehmen wollen.

Das ist am Ende wichtiger als all das, was so massiv Tag für Tag auf uns einstürmt. Metanoeite: Kehrt um; lass euch erneuern! Denkt um, auf dass ihr die Anwesenheit Gottes in der Welt wahrnehmt! Denkt um, auf dass Gott anwesend werde in euch und durch euch in der Welt. Dieser schwere Vorgang des Umdenkens, der Bekehrung und des Umkehrens blieb auch Johannes dem Täufer nicht erspart. Das fängt schon damit an, dass er als Rufender in der Wüste den verkündigt, den auch er selbst nicht kennt.

Damit sagt der Täufer „den Pharisäer und Sadduzäer, die zur Taufe kamen“ aus dem Innersten seiner eigenen Erfahrung und intimsten Auseinandersetzung: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen.

Dass Johannes der Täufer es ehrlich meint, lässt sich an seiner anspruchslosen Lebensweise ablesen. Keine exquisite Küche, sondern Heuschrecken und wilder Honig – wahrscheinlich Substanzen, welche Sträucher in der Einöde absondern. Keine Klamotten von Gucci, sondern ein selbstzusammengestricktes Gewand aus Kamelhaar.

Von überwältigender Demut verortet der Täufer sich selber weit unter dem Allmächtigen, dem es gefällt, als Kind in der Heiligen Familie Mensch zu werden. Über sich selber und seine Verhältnis zum Messias sagt deshalb Johannes: „Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen.“

Diese Demut des größten aller Propheten zieht sich durch das Leben des Täufers, so weit wir das verfolgen können. Er weist auf Ihn mit den Worten hin: „Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt.“ Ihm müsst ihr nun folgen. Einige seiner Jünger werden die ersten Apostel des Messias. Und dann das großartige Wort des Täufers: „Er muss wachsen, ich muss abnehmen.“ Und so ruft er dazu auf: „Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!“

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

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