Pfarrnachrichten 03/22 (C)

Hochzeit zu Kana, Bilddetail, Louvre - Paolo Veronese

„In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.“ So beginnt das Evangelium von diesem zweiten Sonntag im Jahreskreis (vgl. Joh 2,1-11).

Nach dem Besuch der drei Könige an der Krippe, der Taufe Jesu im Jordan ist als drittes Ereignis die Hochzeit zu Kana ein sogenanntes „Epiphanie Geschehen“, also ein Ereignis, bei dem die göttliche Größe und Besonderheit Jesu für alle sichtbar aufleuchtet und „erscheint“.

Mit dieser dritten „Epiphanie“ beginnt Jesus sein öffentliches Wirken ausgerechnet anlässlich einer Hochzeit. Womöglich haben wir uns schon öfter einmal gefragt: „Herr, wie warst bzw. wie bist du eigentlich? Hast Du auch gelacht? Und lachst du weiterhin? Oder bist du immer nur ernst?“

Anlässlich der Hochzeit von Kana und des ersten von Jesus dort gewirkten Wunders, die Verwandlung von Wasser in Wein, lernen auch wir ihn kennen, wie damals die Jünger der ersten Stunde. Jesus ist kein finsterer Asket. Mit ihm wollen und dürfen auch wir uns von ganzem Herzen freuen.

Das Leben als Christ macht wirklich Freude. Wer nicht auch Spaß am Leben hat, ist womöglich ein schlechter Christ. Man übersieht leicht den Eingang zum Himmel und läuft daran vorbei, wenn man nur mit erstem Gesicht unterwegs ist.

Jesus verwandelte Wasser in Wein. Damit rettete er eine ausgelassen Hochzeitsfeiert. Und er unterstützte damit, dass Menschen sich auch materiell – an Speise und Trank, an Gesang und Tanz – erfreuen konnten!

Da war bestimmt gute Stimmung! Und Jesus, seine Mutter und seine Jünger waren mittendrin. Jesus führte seine Jünger nicht in die Einsamkeit, sondern mitten unter die Menschen. Dort lebte er unbefangen und nahm an ihren Festen teil. Wir können uns hier ruhig einmal ganz ehrlich fragen: Bin auch ich ein Jünger, ein Schüler Jesu? Lasse ich mich von ihm dorthin führen, wo meine Anwesenheit zum Segen werden soll?

Aber das Evangelium von der Hochzeit zu Kana sagt uns noch viel mehr. Jesus spricht von seiner „Stunde“, die „noch nicht gekommen ist“. Dann redet er seine Mutter mit „Frau“ an und doch wirkt er auf ihre Fürsprache das Wunder, das der Evangelist ein „Zeichen“ nennt.

In keiner neutestamentlichen Schrift kommt der Begriff „Stunde“ so oft vor wie bei Johannes. Was bei den anderen Evangelisten der „Kairos“ ist, ist beim vierten Evangelisten „seine Stunde“:

Im siebten Kapitel bei Johannes etwa heißt es (Joh 7,30): „Da suchten sie ihn festzunehmen; doch keiner legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.“ Und dann fünf Kapitel weiter (Joh 13,1): „Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.“ Und kurz vor der Passion dann erneut (Joh 17, 1): „Er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!“

Das sind nur drei von den insgesamt 19 Stellen, in denen von der „Stunde Jesu“ die Rede ist. Diese Rede von der „Stunde“ wird meist so gedeutet (vgl. Papst Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, in: JRGS 6/1, S.460): Das Wesentliche dieser Stunde ist zum einen das „Hinübergehen“ (metabainein); und zum anderen die bis ans Ende reichenden Liebe (agápe). Beide Bedeutungen erklären sich gegenseitig. Und sie sind voneinander untrennbar.

Beim „Hinübergehen“ wird das ins Leben verwandelt, was dem Tod verfallenen ist. Und diese Verwandlung gründet in der Liebe. Die „Stunde“ Jesu ist also die Stunde der Verwandlung. In ihr wird das Geschaffene durch die Liebe, die Agape, umgeschmolzen und ganz neu gemacht. Diese Stunde ist damit Hinübergehen – im Sinne von Verwandlung – und Liebe in einem.

Deshalb überliefert Johannes die Worte (19,30) „Es ist vollbracht“ als letzte Wort des Gekreuzigten. Es ist die Liebe bis in den Tod hinein, die bis ans Ende sich schenkende Agape, die alles neu macht und dann für immer so sein lässt.

Jetzt erklärt sich auch, warum Jesus seine Mutter scheinbar zurückweist. Er redet sie nicht mit Mutter, sondern mit „Frau“ an. Jesus drückt damit aus, dass das persönlich-familiäre Verhältnis von Mutter und Sohn vorbei und zu Ende ist. Das ist nicht mehr.

Das Wort „Frau“ drückt darüber hinaus auch ein „Noch nicht“ aus. Seine Stunde ist „noch nicht“ gekommen. Wenn sie aber kommt, dann wird Maria eine neue Aufgabe haben, die ihr jetzt noch nicht zukommt.

Vom Kreuz aus, unmittelbar vor seinem Übergang zum Vater, blickt Jesus auf seine Mutter und auf Johannes. Er redet sie erneut mit „Frau“ an. Beide Augenblicke greifen also ineinander. Kana ist Vorgriff auf die endgültige Hochzeit; auf den neuen Wein, den der Herr als sein Blut schenken will. Am Kreuz wurde zur Wirklichkeit, was in Kana noch vorausdeutendes Zeichen war. (vgl. Papst Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, in: JRGS 6/1, S. 582.)

Wenn Jesus trotzdem erst auf die Intervention Mariens hin das Wunder wirkt, dann ist es ein augenblickliches, ein vorübergehendes Aufleuchten des Kommenden; ein Anzeichen dessen, was nachher sein wird, wenn sie die Mittlerin in seinem Reich ist.

Insbesondere deutet Johannes schließlich das, was vom Evangelium der Hochzeit zu Kana in die Augen springt, generell als Zeichen. Wörtlich (2,11): „So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.“ Nicht die Verwandlung der zudem ungewöhnlichen Menge von 600 Litern Wasser in vorzüglichen Wein ist das Entscheidende. Sondern der Glaube an die göttliche Sendung des Herrn, die er in Tod und Auferstehung vollenden wird.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 02/22 (C)

Taufe Jesu - 1440 von Fra Angelico

Coronabedingt haben wir im vergangenen Jahr sehr oft die Gottesdienste mit dem „Asperges-Ritus“ begonnen: begleitet von einem Messdiener schritt der Priester mit dem Weihwasserwedel durch den Mittelgang. Und einige Gläubige sind dabei richtig nass geworden. Auf der anderen Seite haben kleinere Kinder, die nur wenig Weihwasser mitbekommen hatten, auf dem glatten Steinboden nach weiteren „Weihwassertropfen“ gesuchte, die „daneben“ gegangen waren. - Dieser Ritus in Verbindung mit den Worten „Herr, wasch ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein”, erinnert an die Taufe.

An diesem Sonntag feiern wir das Fest der Taufe Jesu. Sie erscheint immer in Verbindung mit einer anderen großen Persönlichkeit, mit Johannes dem Täufer in der Wüste. Besonders auffällig an ihm ist seine Selbstlosigkeit, mit der er vor allem auf Jesus hinweist. Johannes hält niemanden bei sich fest. So lässt er seine eigenen Freunde und Jünger zu Jesus gehen, als wolle er sagen: „Der nach mir kommt”, ist die Zukunft. Folgt ihm; nicht mir.

Eine kaum fassbare Selbstlosigkeit liegt auch im Verhalten Jesu. Als er zum Jordan kam, lagen die prägenden Erfahrungen der Kindheit und der Jahre des „Zunehmens an Alter, Weisheit und Gnade“ (vgl. Lk 2,52) hinter ihm. In diesen Jahren war das überwältigende Bewusstsein einer ungeheuren Aufgabe gewachsen. Ihm war seine Aufgabe bewusstgeworden, als „Menschensohn“ die verloren gegangene Verbundenheit der ganzen Schöpfung mit Gott wiederherzustellen. In unergründlicher Tiefe war Gott selber in ihm und göttliche Kraft durchströmte ihn.

Romano Guardini hat in seinem Buch „Der Herr“ hierzu geschrieben: „Die erste Gebärde aber, die wir von ihm (Jesus) sehen, und das erste Wort, das er spricht, sind Demut. Nirgendwo der Anspruch der Ungewöhnlichkeit, der sagt: ‚Das gilt für andere, nicht für mich!‘ Er kommt zu Johannes und verlangt die Taufe. Sie verlangen heißt das Wort des Täufers annehmen und sich als Sünder bekennen; Buße tun und sich dem öffnen, was von Gott herkommen will. So verstehen wir, wie Johannes erschrocken abwehrt. Jesus aber tritt in die Reihe (vgl. Mt 3,14 f). Er beansprucht keine Ausnahme, sondern stellt sich unter die ‚Gerechtigkeit', die für alle gilt.

So wie für Johannes der Weg in die Zukunft die Gemeinschaft mit Jesus war, so liegt für Jesus die Zukunft im Reich Gottes, in der Verbundenheit des Menschen mit Gott.

Johannes hat sich mit ganzer Kraft dafür eingesetzt, die Menschen mit Jesus bekannt zu machen. Denn wer mit Jesus zusammenkommt, der hat Zukunft. Denn Jesus hat Gott auf seiner Seite. Und das weiterführend hat sich Jesus mit ganzer Kraft dafür eingesetzt, in engster Verbundenheit mit Gott zu leben. Dann wird einem bewusst, wofür und aus welcher Kraft man lebt.

Auch ein mit Gott zutiefst Verbundener hört „nicht immer die Engel singen.“ Aber er erlebt, dass sich immer wieder „der Himmel öffnet“, wie es an diesem Sonntag im Evangelium heißt.

Wenn der Himmel sich auftut, hagelt es nicht Gesetze und Vorschriften, sondern Gott kommt in die Welt. Dann gilt für jeden, was über Jesus bei seiner Taufe gesagt wurde: Er ist der geliebte Sohn, an dem der Vater seine Freude hat.

In einem Kinderlied wird dieses Gefühl gut getroffen: „Wenn einer sagt: Ich mag dich, du, ich find dich ehrlich gut, dann krieg ich eine Gänsehaut und auch ein bisschen Mut.

In Gemeinschaft mit Johannes dem Täufer und dem „Menschensohn“ Jesus Christus bekommen auch wir dieses Wort zu hören.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 01/22 (C)

Hl. Drei Könige (pixabay)

In seiner Katechese am 2. Sonntag nach Weihnachten rief Papst Franziskus dazu auf, Jesus in unser Leben einzuladen. Wörtlich sagte er: „Die Krippe zeigt uns, dass Jesus in unser ganz konkretes gewöhnliches Leben kommt, in dem nicht immer alles gut läuft und wo es viele Probleme gibt."

In seiner kurzen Ansprache ging Franziskus vom Johannesprolog aus, den Johannes an den Anfang seines Evangeliums gestellt hat. Dieser Prolog ist dann auch das für diesen Sonntag vorgegebene Evangelium. Der Evangelist Johannes schreibt dort unter anderem: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (1,14).

Hierzu erklärte der Papst: „Genaugenommen sind es Worte die ein Paradoxon enthalten. Sie bringen zwei gegensätzliche Realitäten zusammen: Wort und Fleisch. ,Wort' verweist darauf, dass Jesus das ewige Wort des Vaters ist, unendlich, seit jeher existierend, vor allen geschaffenen Dingen; ,Fleisch' dagegen verweist auf unsere geschaffene Wirklichkeit: zerbrechlich, begrenzt, sterblich."

Doch mit unserer Schwachheit konfrontiert, ziehe sich der Herr nicht zurück, stellte Franziskus fest. „Das ist das Werk Gottes: in unsere Mitte zu kommen. Auch wenn wir uns für unwürdig halten, hält ihn das nicht auf. Wenn wir ihn ablehnen, wird er nicht müde, uns zu suchen. Wenn wir nicht bereit und willens sind, ihn zu empfangen, zieht er es vor, trotzdem zu kommen."

Damit, dass Jesus in einem Stall in Bethlehem, in Armut, geboren wurde, habe er uns sagen wollen, dass er in unser Leben kommen wolle – ganz gleich, wie problembehaftet und armselig dieses auch sei. Gott suche die Vertrautheit mit uns, und wir müssten nur Platz für ihn schaffen, schlussfolgerte der Papst und erklärte, wie wir diese Vertrautheit mit dem Herrn erreichen können:

„Zum Beispiel, indem wir vor der Krippe innehalten, denn sie zeigt, dass Jesus in unser ganz konkretes, gewöhnliches Leben kommt, in dem nicht immer alles gut läuft und wo es viele Probleme gibt: Hirten, die hart arbeiten müssen, Herodes, der das Leben die Unschuldigen bedroht, große Armut... Aber mitten in all dem ist Gott, der unter uns Wohnstatt nehmen will. Und er wartet darauf, dass wir unsere Situation, unser Leben vor ihn tragen. Sprechen wir also vor der Krippe mit Jesus über unsere konkrete Situation. Laden wir ihn offiziell in unser Leben ein, vor allem in die dunklen Bereiche, in unsere ‚inneren Ställe‘. Und erzählen wir ihm auch furchtlos von den sozialen und kirchlichen Problemen unserer Zeit, denn Gott liebt es, unter uns zu wohnen."

(Quelle: vaticannews, 02 Januar 2022, 12:16 - https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2022-01/papst-franziskus-angelus-katechese-vertrautheit-jesus.html?fbclid=IwAR04GcmNCHOWPeGHXH5Z6q6IWzX6yZf9_YoieuqVme4mFiHU94OECmAL88o)