Pfarrnachrichten 10/2019 (C)

Zum Karneval gehört der Aschermittwoch wie Sylvester zu Neujahr.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Auf die ausgelassenen Karnevalstage folgt – beginnend mit Aschermittwoch – die vierzigtägige Fastenzeit zur Vorbereitung auf das große Osterfest. Als Empfehlung für diese Zeit werden in der Heiligen Messe am Aschermittwoch die folgenden drei Ratschläge unseres Herrn als Evangelium (Mt 6,1-5.16-18) vorgetragen:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

1 Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.

 2 Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

3 Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut.

4 Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

6 Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

16 Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

17 Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,

18 damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

So lade ich Sie herzlich dazu ein, nach Karneval den Aschermittwoch mit dem Besuch einer der Gottesdienste und dem Empfang des Aschenkreuzes zu begehen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 09/2019 (C)

Bergpredigt – Fra Angelico 1437-1445

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der für die Koordination der Seelsorge in der Innenstadt beauftragt Pfarrer Dr. Dominik Meiering lädt mit dem folgenden Schreiben alle Menschen guten Willens zu einem Konvent ein. Bei diesem Konvent geht es vor allem um die Frage: „Was können wir tun, um Menschen bei Ihrer Suche nach Sinn und auf ihrem Glaubensweg zu unterstützen, damit sie erfahren, dass Gott für ihr Leben relevant ist?

Machen Sie bitte mit, wenn auch Ihnen diese Frage wichtig ist und Sie sich zum Wohle aller mit einbringen möchten. – Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

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Neues wagen?! – Katholische Kirche Köln-Mitte

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Menschen guten Willens,

von vielen bin ich in den vergangenen Wochen immer wieder gefragt worden: Wie geht das weiter mit der Katholischen Kirche in der Kölner City? Braucht es neben dem vielen Guten, was es gibt, nicht auch neue Aufbrüche? Wie werden Glaube und Kirche in der kommenden Zeit erlebbar werden? Mit diesen Fragen setzen wir uns in unterschiedlichen Kreisen seit dem vergangenen Jahr auseinander. Und dabei hat die Diskussion über Aufbrüche und Neuanfänge von Kirche vor Ort für viele gerade erst angefangen.

Der Herr sprach zu Abram: Brich auf und zieh los in das Land, das ich Dir zeigen werde! Ich werde dich segnen und Du sollte ein Segen sein. Daher lade ich Sie – auch im Namen des Vorbereitungsteams und des Pastoralteams – ganz herzlich zu einem Konvent ein, bei dem wir über wichtige Weichenstellungen für die Katholische Kirche in Köln-Mitte sprechen wollen.

Termin: 30. März 2019 von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Ort:       Erzbischöfliches Berufskolleg Köln, Berrenrather Straße 121, 50937 Köln

Im Zentrum steht die Frage: Was können wir tun, um Menschen bei Ihrer Suche nach Sinn und auf ihrem Glaubensweg zu unterstützen, damit sie erfahren, dass Gott für ihr Leben relevant ist?  Der Konvent ist öffentlich zugänglich. Jede und jeder ist willkommen und kann mitmachen, der oder die dieses zentrale Anliegen unterstützen will. Die Pfarreien werden sich daran ebenso beteiligen, wie die fremdsprachigen Missionen, verschiedene Einrichtungen und jede Menge weitere engagierte Personen. Ab dem 15. März wird es die Möglichkeit geben, sich genauer auf der Internetseite www.katholisch-in-koeln.de zu informieren und dort anzumelden – was für unsere Planung hilfreich ist. Man kann aber auch einfach so zu dem Konvent kommen.

Wir werden auf verschiedene Projekte und Ideen schauen, die den sechs Handlungsfeldern zugeordnet sind, die in den vergangenen Monaten identifiziert worden sind: Nah – Wo wird Kirche erfahrbar? Wirksam – Was kann Kirche für die Menschen sein? Stark – Wie sind wir mit den Menschen auf Augenhöhe? Gesendet – Wer wird morgen von Gott sprechen? Berührt – Wo tanke ich geistlich auf? Einfallsreich – Wie sind wir up to date? Der Konvent will Prioritäten und Schwerpunkte formulieren, er ist auf gemeinschaftliches Nachdenken und gemeinsames Verantwortlichmachen ausgerichtet. Ziel des Konventes ist es, zu den oben skizzierten Handlungsfeldern zukunftsweisende Projekte in den Blick zu nehmen, die anschließend in Arbeitsgruppen weiterverfolgt werden. Wir wollen miteinander und voneinander lernen und neu Menschen, Glauben und Kirche relevant machen.

Danke für Ihr Kommen und Mitdenken!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Dominik Meiering

Koordinator Sendungsraum Köln-Mitte

 

Pfarrnachrichten 07/2019 (C)

Der dreimal heilige Gott ruft auch uns - Der wunderbare Fischfang (1515), Raphael

Auf dem Weg des geheimnisvollen Vollzugs der Eucharistie fordert der Priester die Gläubigen auf: „Erhebet die Herzen!“ Alle erheben sich zum Zeichen, dass sie nun mit ganzem Herzen, Willen und Verstand mit eintreten in das Geheimnis Gottes.

Ähnlich erging es dem Propheten Jesaja (vgl. Jes 6, 1-2a.3-8), als der heilige, unnahbare Gott ihn rief. Dabei wird Gottes Größe von den Engeln mit dem dreimal Heilig besungen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt.“ Angesichts dieser Größe erfuhr Jesaja sich als unwürdigen, kleinen Menschen: „Weh mir, ich bin verloren, ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen.“ Jesaja realisiert den unendlichen Abstand zu Gott, seinem Schöpfer, und vor Gottes Heiligkeit seine eigene Unwürdigkeit.

Nicht anders stehen auch wir vor Gott. Deshalb wiederholen wir in jeder Eucharistie den Lobpreis der Engel und stimmen in das dreimal Heilig ein. Vor der Wandlung erheben wir unsere Herzen zu Gott in Erwartung, dass er in der zweiten menschgewordenen Person des Sohnes in unsere Mitte herabsteigt: in der Gestalt von Brot und Wein, die in sein Leib und Blut verwandelt werden. Müssten nicht auch wir sagen: „Weh mir, ich bin verloren“?

Dann aber berührt ein Engel mit einer glühenden Kohle den Mund des Propheten. Das tut anscheinend weh. Aber es befreit zugleich. Schlagartig verändert sich die Situation. Die Schuld ist dem Propheten genommen. Nun sieht er Gott nicht mehr erdrückend und gefährlich, sondern als den, der bittet und fragt: „Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?

Wie ist das bei uns? Die Frage ist nicht, ob Gott Schrecken einjagt oder ob wir vor Gott Angst haben. Wir sollten fragen: Wo ist es für mich heilsam, aus falscher Sicherheit aufgeschreckt und aufgerüttelt zu werden! – Wir kennen das vom „Sekundenschlaf“ am Steuer: Gnade dem, der noch rechtzeitig aufschreckt und nicht schon gegen einen Baum gefahren ist.

Ähnlich ist es mit dem religiösen Leben, insbesondere dem Gottesdienst. Es kann zur Routine werden. Und dann leben wir in einer unfruchtbaren Selbstgefälligkeit, die uns für Gott und sein rufendes Wort taub macht. Da ist das Erschrecken über Gottes Größe, über seine Heiligkeit und unsere Nichtigkeit heilsam. Auch wenn es weh tut wie eine glühende Kohle.

Nicht anders ist es Petrus und seinen Freunden ergangen (vgl. Lk 5,1-11). Sie wurden Zeugen des wunderbaren Fischfangs. Dabei wurde ihnen bewusst, wie klein und unwürdig sie sind im Vergleich zum Herrn, der auch Macht über die Fische hat. Deshalb „fiel Petrus Jesus zu Füßen und sagte: ‚Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder‘.“ Ohne dieses heilsame Entsetzen wären sie Jesus wohl nicht gefolgt. Und sie wären keine Menschenfischer geworden.

Erstaunen und Erschrecken über Gottes Größe und Heiligkeit sind notwendiges Durchgangsstadium zu einem neuen Selbstbewusstsein, das Gott auch uns schenken möchte. Denn auch uns möchte er fragen: „Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?“ Nur auf dem Weg der Anbetung, der Suche nach Gottes Größe und seiner geheimnisvollen Gegenwart in unserem Scheitern und Gelingen werden wir antworten können: „Hier bin ich, sende mich!

So mögen uns die wachsende Säkularisierung, das wachsende Vergessen Gottes, die zunehmende Individualisierung und Vereinzelung und das daraus folgende Auseinanderbrechen nachbarschaftlicher und gesamtgesellschaftlicher Solidarität erschrecken. Das alles ist für den, der Gott dennoch sucht, hilfreich und reinigend. Es gehört zum Weg der Erneuerung und Umkehr, um geläutert und gereinigt dann wieder sagen zu können: „Hier bin ich, sende mich.

Gott ruft auch heute. Zum Beispiel, den sonntäglichen Gottesdienst neu zu entdecken. Und das Bußsakrament sowie das tägliche Beten. Gott ruft auch heute, die eigene Familie, den Ehepartner, die Kinder bis hin zu Nachbarn und Kollegen vor ihn zu bringen. Und auch unsere alltägliche Arbeit mit ihren Erfolgen und Misserfolgen.

Da erfährt man Gottes Gegenwart. Mit Gewissheit wird man ihm begegnen. Und das nicht nur einmal. Wir werden Wunder erleben, die sich wiederholen und angesichts derer wir immer wieder singen können: „Heilig, heilig, heilig...

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 06/2019 (C)

Jesus in der Synagoge von Nazaret

Zum Sonntagsevangelium (vgl. Lk 4,21-30): Jesus hält gewissermaßen seine „Primizpredigt“. Zuvor hat er in der umliegenden Gegend bereits Wunder vollbracht und in Synagogen gelehrt. Dafür wurde er von allen gepriesen. Nun wurde er mit Spannung in seiner Heimatstadt erwartet. Wohl alle aus Nazareth – Jung und Alt, Einfache und Vornehme – hatten sich dort versammelt.

Die Verse davor berichten, wie ihm das Prophetenbuch Jesaja gereicht wurde. Wie zufällig schlug er das 61. Kapitel, Vers 18f auf, wo es heißt: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Die sich daran anschließende erste Heimatpredigt Jesu – „heute hat sich das Schriftwort, das ihr soeben gehört habt, erfüllt“ – findet anfangs Zustimmung und Beifall.

Was meint der Herr damit? Und wieso schlägt die anfängliche Zustimmung um in Ablehnung? Beides hängt eng miteinander zusammen. – Vielleicht kann man es so erklären: Eine gute Rede zu loben und einzelnen Aussagen zuzustimmen, das ist relativ leicht.

So mag es den Mitbürgern aus Nazareth anfänglich ergangen sein. Dann aber sind sie erstaunt: „Ist das nicht der Sohn Josefs?“, fragen sie. – Inzwischen haben sie offenbar bemerkt, dass ihr ehemaliger Nachbar nicht einfach nur eine gute Rede hält. Er möchte ihre Herzen berühren, und dass sie sich verändern. Er möchte den Abstand, der gewöhnlich zwischen Redner und Zuhörer besteht, verringern; ihn sogar aufheben. Alle spüren, dass er sie auf einen Weg mitnehmen möchte.

In ihm allein wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes“, so sagt später einmal der Heilige Paulus über ihn (1 Kol 2,9). Jesus tritt in der Synagoge seiner Heimatstadt nicht nur als ehemalige Nachbar auf. Als der Gesalbte und Herr will er seine Zuhörer bewegen, dass auch sie sich der ganzen Fülle Gottes öffnen.

Wir wissen nicht, was Jesus damals in der Synagoge von Nazaret im Detail gepredigt hat. Aber offenbar waren es keine spektakulären Dinge. Denn er warf seinen Landsleuten vor, nur auf große Dinge aus zu sein: auf solche, die er in Kafarnaum gewirkt hatte. Die sollte er nun auch in Nazareth wirken.

Aber er vollbringt sie nicht. Stattdessen vergleicht Jesus seine bisherigen Nachbarn mit ihren ungläubigen Vorfahren. Zu ihrer Zeit hat Jahwe bei ihnen auch keine Wunder gewirkt; wohl aber bei den nichtjüdischen aber gläubigen Fremden: der Witwe aus Sarepta und dem Syrer Naaman.

Beide blieben zu Gott nicht in der Distanz des interessierten Zuhörers. Sie haben sich Gottes Wort zu Herzen genommen und darauf eingelassen. Der Herr wirft also seinen Zuhörer, und damit auch uns heute vor, dass wir zu sehr nur Zuhörer und Beobachter großer und interessanter Dinge bleiben wollen. Ihm jedoch geht es darum, dass alle seine Zuhörer in der Fülle Gottes wachsen und sich so bekehrend verändern.

Schließlich werden die Zuhörer von damals so wütend, dass sie ihn zum Abhang eines Berges treiben, um ihn hinunter zu stürzen. „Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.“ Er lässt sie in ihrer Wut zurück. Die dürfen sie austoben.

So besteht immerhin noch die Hoffnung, dass auf die entgleisten Leidenschaften mit Gottes Hilfe nun ein Prozess des Bedauerns einsetzt, der reinigende Wirkung hat und zur umkehrenden, positiven Veränderung führt. (Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

Pfarrnachrichten 04/2019 (C)

Hochzeit zu Kana – Johannes 2,1-11 - Zillis

Die Hochzeit zu Kana mit der Weinspende (Joh 2,1-11) als erstes von Jesus gewirkte Wunder reiht sich ein in das große Hochzeitsbild, das sich vom Anfang der Heiligen Schrift, schon im Schöpfungsbericht, bis hin zu ihrem Ende, in der geheimen Offenbarung erstreckt.

Im Anfang schuf Gott den Menschen als Mann und Frau, die in ihrer gegenseitigen Anziehung und Liebe „ein Fleisch werden“ (Gen 2,24). Von da an werden im Alten Testament die Hochzeit und die Liebe von Mann und Frau sehr oft als Bilder für die göttliche Liebe verwendet. Die hochzeitlichen Gleichnisse Jesu wiederum dienen als Bilder für das Ende dieser Welt und die Zukunft des Menschen in der Ewigkeit. Am Ende, in der geheimen Offenbarung (19,7), ist die apokalyptische „Hochzeit des Lammes“ Bild der endgültigen Erlösung.

Zur Hochzeit passt dann auch der vorzügliche Wein, den Jesus in Kana aus den Wasserkrügen schöpfen lässt. Schon hier wird deutlich, dass Gott als Mensch kein Kostverächter ist. Vor den Augen aller lebt er vor, sich in rechter Weise des Lebens zu erfreuen. Jesus hat viel gebetet und anspruchsvoll gefastet. Aber er war auch gerne zu Gast und hat selber großzügig eingeladen: In Kana, bei den Brotvermehrungen bis hin zum Abendmahl.

Gemeinsam mit Jesus gelingt es überraschen gut die goldene Mitte zu finden. Die goldene Mitte ist alles andere als Mittelmäßigkeit. Sie ist ganz präzise sogar Ihr genaues Gegenteil. Die goldene Mitte ist genau das Richtige.

Worin besteht für uns Menschen genau das Richtige, und wie findet man die goldene Mitte? Die Antwort darauf findet unter dem Strich nur, wer an den Gott glaubt, der in seiner Menschwerdung unsere Welt mit dem Himmel wieder versöhnt und verbunden hat, und der unser Leben damit neu und endgültig in der Ewigkeit verankert und in diese zurückgeholt hat.

Bei der Hochzeit zu Kana lässt sich dies im Gespräch zwischen Jesus und Maria festmachen. Nachdem Maria bemerkt hatte, dass der Wein ausgegangen war, beschränkt sie sich auf den Hinweis: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Getreu ihrer Grundhaltung (Lk 1,38) „ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ überlässt sie das Entscheidende Gott dem Herrn. Aber wir sollen ihm auch nicht alles überlassen. Denn Jesus erwidert überraschend (Joh 2,4): „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Das ist so übersetzt nur schwer zu verstehen. Es wird aber interessant, wenn man von der lateinischen Urfassung ausgeht. Da steht nämlich: „Quid mihi et tibi est, mulier?“ Wörtlich übersetzt: „Frau, was ist mir und Dir?

Das kann man dann folgendermaßen verstehen: Du willst mir jetzt, vor meiner Stunde, doch nicht alles überlassen! Diese Stunde wird kommen. Jetzt aber hat jeder seinen Anteil, den er beiträgt: Du deinen und ich meinend. Bedenke und suche beides. Wir zwei, und von nun an alle Menschen, können mit Gott leben und gemeinsam mit ihm wirken. Dann wird das Leben schon auf Erden zur goldenen Mitte hin verändert und das Wasser des Lebens wird in köstlichen Wein „verwandelt“. Und am Ende, wenn die Stunde gekommen ist, wird der Wein endgültig verwandelt: Als Erfüllung und bleibende, ewig „goldene Mitte“.

Bei der Hochzeit zu Kana ist es nur Wasser, das Jesus in wunderbaren Wein verwandelt. Als aber seine Stunde gekommen war, verwandelt er Wein in sein Blut: In das Blut seiner Hingabe und Liebe. So nimmt er beim Abendmahl und dann bei der Vergegenwärtigung dieses Mahles in jeder Feier der Eucharistie die Hochzeit des „Himmlischen Lammes“ vorweg, in die er alle hineinnehmen möchte.

Maria tut ihren Job. Sie sensibilisiert die Diener, die daraufhin auch ihr Bestes tun: Sie füllen die Krüge nicht mittelmäßig, sondern bis zum Rand: „usque ad summum.“ (Joh 2,7)

Jede gut verrichtete menschliche Arbeit – nicht jedoch schlechte und halbe Arbeit – kann zu einer Begegnung mit Gott und damit zu betendem Arbeiten werden. Dafür ist eine regelmäßige Besinnung auf Gott, ein konstantes Gebetsleben notwendig. So, wie es Maria in Kana vormacht: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Die Antwort des Herrn lässt nicht auf sich warten: „Ich bin dabei. Ich erledige meins. Tu du deins.

In dieser Verbundenheit mit Gott wird unser alltägliches Leben und Arbeiten zu einem ganz besonderen Tun. Es wird zu einem durchgebeteten, zu einem menschlich-göttlichen Tun, das unser Leben wie Wasser in Wein, in den Wein der goldenen Mitte verwandelt.

Sonntag für Sonntag wird dieses Tun als Gott dargebrachte Gabe in Brot und Wein – als Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit (Gabengebet bei der Hl. Messe) – im Geheimnis der Eucharistie zu Christus selbst. Im Geheimnis dieser Feier identifiziert sich Gott mit unserem Tun und dessen Früchte.

Als verwandelte Gaben schenkt er sich uns dann in ihnen, bis er uns am Ende ganz hineinnehmen wird in die endgültige Verwandlung zur goldenen Mitte im ewigen Leben.

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 03/2019 (C)

Taufe Jesu – JG Glockner

Johannes der Täufer ging Jesus als letzter der Propheten unmittelbar voraus. Und er taufte, indem er zum Zeichen der Läuterung und Buße alle im Wasser untertauchte, die zu ihm kamen.

Auch Jesus ließ sich von Johannes taufen. Aber nicht als Sünder, sondern in Solidarität mit denen, die ihre Sünden abwaschen und zurücklassen wollten. Zugleich erwartete Jesus als Mensch, wie der Täufer, das Reich Gottes, in das jeder persönlich und einzeln von Gott durch die Taufe hingeholt wird.

So wie Lukas die Taufe Jesu erzählt, denkt man unwillkürlich an die christliche Taufe; auch wie sie gespendet wird. Die Taufe des Johannes war wohl auch Vorbild für sie. In gewissem Sinne ist Johannes also der „Erfinder“ der Taufe.

Als aber Jesus sich taufen ließ, trat an die Stelle der Buß-Taufe des Johannes etwas Neues. Nun ist es die Taufe „mit Heiligem Geist und mit Feuer“ (Lk 3,16), die im Namen des dreifaltigen Gottes gespendet wird.

Die meisten wurden und werden als Kleinstkinder getauft. Auch wenn sie nichts davon mitbekommen, ist die Taufe Grundlage und Anfang des christlichen Lebens. Deshalb ist es gut, Kinder möglichst bald nach der Geburt zu taufen. Man gibt ihnen so das Wichtigste mit auf ihren Weg. Vielen ist das nicht mehr bewusst. Sie wissen nicht mehr, was es bedeutet, wenn jemand sagen kann: „Ich bin getauft“.

Nun sind die Erzählungen von der Taufe Jesu auch persönliche Glaubensunterweisung. Sie ermöglichen, die Bedeutung der Taufe anschaulich und einen selbst betreffend nachzuvollziehen. – Schließen Sie also einfach die Augen. Steigen Sie vor Johannes in Gedanken zusammen mit Jesus ins Jordanwasser; hinein in Ihre eigene Taufe. Durchleben sie neu, was in Ihrer Taufe geschehen ist; was sie für Sie bedeutet und was Ihnen gegeben wurde

Vertrauen Sie und haben Sie Mut. Treten Sie am Ufer des Jordan-Flusses gemeinsam mit Jesus aus der Menschenmenge hervor, direkt vor Johannes, den Bußprediger. „Bereitet dem Herrn den Weg. Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“ (Lk 3,4-6)

Gott will zu Ihnen kommen. Sind Sie bereit?

Die Taufe wird Sie von Ihren Sünden befreien und von Ihrer Gottferne ganz in Gottes Nähe bringen. Sie müssen das aber auch wünschen, von ganzem Herzen; und es wirklich wollen, soweit das Ihnen jetzt möglich ist. Dieser Wunsch und dieses Wollen schließt untergeordnet, aber unverzichtbar ein Zweites mit ein: den Wunsch zur Umkehr und die Kultivierung dieses Wunsches bis zum tätigen Wollen.

Sie müssen also wünschen, um es schließlich tun zu wollen: sich von allem Bösen verabschieden, von aller Selbstbezogenheit, von allen „Götzen“, die das Leben beherrschen und subjektiv oft wichtiger sind als Gott: Geld, Karriere, Anerkennung, Erfolg, Vergnügen, Bequemlichkeit...

Wollen Sie Gott den ersten Platz einräumen? Und das immer wieder, da wir Gott gleich schon wieder vergessen haben? Wollen Sie nach dem Evangelium leben, Jesu Worte verbindlich bedenken und ernst nehmen? Wenn, dann werden Sie auch erfahren, was es heißt, dass Sie getauft sind.

Sie treten so – gemeinsam mit Jesus, der sie begleitet und solidarisch an Ihrer Seite steht – aus der Menge heraus, hin zu Johannes. Und dieser Kerl drückt Sie unter Wasser. Sie halten den Atem an und bekommen keine Luft mehr. Das Auftauchen jedoch bestimmen nicht Sie.

Das beängstigende Gefühl unter Wasser und ohne Luft kann zur Todesangst werden. – Wenn, dann ist alles im Lot. Denn Jesus ist an Ihrer Seite. Und die Taufe ist ja wie ein Tod (vgl. Röm 6,3-4). Es stirbt der „alte Mensch“. Und das tut weh.

Es ist der schmerzliche, aber auch befreiende Abschied aus festgefahrenen, aber schlechten Gewohnheiten. Von verqueren Anhänglichkeiten, von irritierender Selbstbezogenheit, vom eigenen „Ego“. Genau jetzt und in diesem Augenblick. Diesen Schritt müssen Sie allein tun. Es ist Ihre ganz persönliche Entscheidung. Aber der Herr ist an Ihrer Seite. Und mit ihm gehen Sie nicht unter.

So erklärt es der Hl. Paulus im Brief an die Römer (s.o.): Wie „wir mit Christus begraben wurden durch die Taufe auf den Tod“, so werden wir, „wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, als neue Menschen leben“.

Sobald Sie das betend nachvollziehen, sind Sie auch schon wieder an der Wasseroberfläche. Sie atmen tief durch. Und Sie steigen als neuer Mensch aus dem Wasser, rundum und in der Tiefe Ihrer Person gereinigt und verwandelt.

Dann erleben auch Sie an der Seite unseres betenden Herrn (vgl. L 3,21f), wie „der Himmel sich öffnet“ und „der Heilige Geist sichtbar in Gestalt einer Taube“ herabkommt. Dann hören auch Sie die Stimme des göttlichen Vaters: „Du bist mein geliebter Sohn“, meine geliebte Tochter: Nun gefällst Du mir, Dir selber und allen Menschen. Lebe fortan in dieser Weise dein Leben, deinen Alltag. Und kehre immer wieder dahin zurück.

Dann werden Sie und durch Sie alle erfahren, warum der Herr schließlich den Seinen sagte (Mt 28,18-20): „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 02/2019 (C)

Lukas berichtet über die Heiligen drei Könige: „Da fielen sie nieder und huldigten ihm.“ - Drei Tage nach Epiphanie, am 9. Januar, machen wir es ihnen nach! - Herzliche Einladung zu den Gebetszeiten am Tag des ewigen Gebetes (siehe Aushang und hier auf der Home-Page).

Auf, werde Licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir“ (Jes 60,1). Am Fest der Heiligen drei Könige, dem Fest „Epiphanie“, beschreibt die Kirche in ihrer Leseordnung, worum es an diesem Festtag geht. Epiphanie ist ein Fest des Lichtes.

Mit dem göttlichen Menschenkind ist das wahre Licht in die Welt gekommen. „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ So verkünden die Engel den Hirten auf dem Feld (Lk 2,11). Den Sterndeutern aus dem Osten ist dafür ein Licht, ein Stern aufgegangen. In diesem Stern erkennen sie den, der die Menschen Licht werden lässt; der ihnen die Macht schenkt, Kinder Gottes zu werden (vgl. Joh 1,9.12).

Der Weg der Weisen aus dem Morgenland ist der Anfang einer großen Prozession, die sich die Geschichte hindurch ununterbrochen fortsetzt und nie enden wird. Mit den drei Weisen beginnt die Wanderung der Menschheit zu Jesus Christus – zu dem Gott, der im Stall geboren wurde; der am Kreuze starb und der als Auferstandener bei uns bleibt alle Tage bis zur Vollendung der Welt (vgl. Mt 28,20).

Nach den Hirten kommen die Weisen dieser Welt. Es kommen Große und Kleine, Könige und Knechte, Menschen aller Kulturen und aller Völker. Die Männer aus dem Morgenland sind die ersten, denen viele folgen alle Jahrhunderte hindurch. Nach der großen Vision des Propheten Jesaja sagt die Lesung aus dem Brief des Heiligen Paulus an die Epheser das Gleiche nüchtern und einfach aus: Die „Heiden sind Miterben“ geworden. Sie „gehören zu demselben Leib und haben an derselben Verheißung in Christus Jesus teil durch das Evangelium.“ (vgl. Eph 3,6) Auch in dieser Akzentuierung wird das bereits im Alten Testament, im zweiten Psalm vorausgesagt: „Ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum“ (Ps 2,8).

Die Weisen aus dem Morgenland sind die ersten. Sie öffnen den Weg der Völker zu Christus.

In einer Predigt am Fest der Heiligen drei Könige hat Papst Benedikt XVI. hierzu weiter ausgeführt: „Es gab wohl viele Sternkundige im alten Babylon. Aber nur diese drei sind aufgebrochen und dem Stern nachgegangen, den sie als Stern der Verheißung, als Wegweiser zum wahren König und Retter erkannten. Es waren, so dürfen wir sagen, Männer der Wissenschaft, aber solche, die nicht nur vielerlei wissen wollten: Sie wollten mehr. Sie wollten verstehen, worum es im Menschsein geht. Sie hatten wohl von der Verheißung des heidnischen Propheten Bileam gehört: »Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel« (Num 24,17).

Sie gingen der Verheißung nach. Sie waren Menschen des unruhigen Herzens, die sich nicht mit dem Vordergründigen und Gewöhnlichen begnügten. Sie waren Menschen auf der Suche nach der Verheißung, auf der Suche nach Gott. Und sie waren wache Menschen, die die Zeichen Gottes, seine leise und eindringliche Sprache wahrzunehmen vermochten.

Aber sie waren auch mutige und zugleich demütige Menschen: Wir können uns vorstellen, dass sie manchen Spott ertragen mussten, weil sie sich auf den Weg zum König der Juden machten und dafür viel Mühsal auf sich nahmen.

Für sie war nicht entscheidend, was dieser oder jener, was auch einflussreiche und gescheite Leute von ihnen dachten und sagten. Ihnen ging es um die Wahrheit selbst, nicht um die Meinung der Menschen. Dafür nahmen sie die Verzichte und Mühen eines langen und ungewissen Weges auf sich. Ihr demütiger Mut war es, der ihnen schenkte, sich beugen zu können vor dem Kind armer Leute und in ihm den verheißenen König zu erkennen, den zu suchen und den zu kennen das Ziel ihres äußeren und inneren Weges gewesen war.“

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)