Pfarrnachrichten 03/2019 (C)

Taufe Jesu – JG Glockner

Johannes der Täufer ging Jesus als letzter der Propheten unmittelbar voraus. Und er taufte, indem er zum Zeichen der Läuterung und Buße alle im Wasser untertauchte, die zu ihm kamen.

Auch Jesus ließ sich von Johannes taufen. Aber nicht als Sünder, sondern in Solidarität mit denen, die ihre Sünden abwaschen und zurücklassen wollten. Zugleich erwartete Jesus als Mensch, wie der Täufer, das Reich Gottes, in das jeder persönlich und einzeln von Gott durch die Taufe hingeholt wird.

So wie Lukas die Taufe Jesu erzählt, denkt man unwillkürlich an die christliche Taufe; auch wie sie gespendet wird. Die Taufe des Johannes war wohl auch Vorbild für sie. In gewissem Sinne ist Johannes also der „Erfinder“ der Taufe.

Als aber Jesus sich taufen ließ, trat an die Stelle der Buß-Taufe des Johannes etwas Neues. Nun ist es die Taufe „mit Heiligem Geist und mit Feuer“ (Lk 3,16), die im Namen des dreifaltigen Gottes gespendet wird.

Die meisten wurden und werden als Kleinstkinder getauft. Auch wenn sie nichts davon mitbekommen, ist die Taufe Grundlage und Anfang des christlichen Lebens. Deshalb ist es gut, Kinder möglichst bald nach der Geburt zu taufen. Man gibt ihnen so das Wichtigste mit auf ihren Weg. Vielen ist das nicht mehr bewusst. Sie wissen nicht mehr, was es bedeutet, wenn jemand sagen kann: „Ich bin getauft“.

Nun sind die Erzählungen von der Taufe Jesu auch persönliche Glaubensunterweisung. Sie ermöglichen, die Bedeutung der Taufe anschaulich und einen selbst betreffend nachzuvollziehen. – Schließen Sie also einfach die Augen. Steigen Sie vor Johannes in Gedanken zusammen mit Jesus ins Jordanwasser; hinein in Ihre eigene Taufe. Durchleben sie neu, was in Ihrer Taufe geschehen ist; was sie für Sie bedeutet und was Ihnen gegeben wurde

Vertrauen Sie und haben Sie Mut. Treten Sie am Ufer des Jordan-Flusses gemeinsam mit Jesus aus der Menschenmenge hervor, direkt vor Johannes, den Bußprediger. „Bereitet dem Herrn den Weg. Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“ (Lk 3,4-6)

Gott will zu Ihnen kommen. Sind Sie bereit?

Die Taufe wird Sie von Ihren Sünden befreien und von Ihrer Gottferne ganz in Gottes Nähe bringen. Sie müssen das aber auch wünschen, von ganzem Herzen; und es wirklich wollen, soweit das Ihnen jetzt möglich ist. Dieser Wunsch und dieses Wollen schließt untergeordnet, aber unverzichtbar ein Zweites mit ein: den Wunsch zur Umkehr und die Kultivierung dieses Wunsches bis zum tätigen Wollen.

Sie müssen also wünschen, um es schließlich tun zu wollen: sich von allem Bösen verabschieden, von aller Selbstbezogenheit, von allen „Götzen“, die das Leben beherrschen und subjektiv oft wichtiger sind als Gott: Geld, Karriere, Anerkennung, Erfolg, Vergnügen, Bequemlichkeit...

Wollen Sie Gott den ersten Platz einräumen? Und das immer wieder, da wir Gott gleich schon wieder vergessen haben? Wollen Sie nach dem Evangelium leben, Jesu Worte verbindlich bedenken und ernst nehmen? Wenn, dann werden Sie auch erfahren, was es heißt, dass Sie getauft sind.

Sie treten so – gemeinsam mit Jesus, der sie begleitet und solidarisch an Ihrer Seite steht – aus der Menge heraus, hin zu Johannes. Und dieser Kerl drückt Sie unter Wasser. Sie halten den Atem an und bekommen keine Luft mehr. Das Auftauchen jedoch bestimmen nicht Sie.

Das beängstigende Gefühl unter Wasser und ohne Luft kann zur Todesangst werden. – Wenn, dann ist alles im Lot. Denn Jesus ist an Ihrer Seite. Und die Taufe ist ja wie ein Tod (vgl. Röm 6,3-4). Es stirbt der „alte Mensch“. Und das tut weh.

Es ist der schmerzliche, aber auch befreiende Abschied aus festgefahrenen, aber schlechten Gewohnheiten. Von verqueren Anhänglichkeiten, von irritierender Selbstbezogenheit, vom eigenen „Ego“. Genau jetzt und in diesem Augenblick. Diesen Schritt müssen Sie allein tun. Es ist Ihre ganz persönliche Entscheidung. Aber der Herr ist an Ihrer Seite. Und mit ihm gehen Sie nicht unter.

So erklärt es der Hl. Paulus im Brief an die Römer (s.o.): Wie „wir mit Christus begraben wurden durch die Taufe auf den Tod“, so werden wir, „wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, als neue Menschen leben“.

Sobald Sie das betend nachvollziehen, sind Sie auch schon wieder an der Wasseroberfläche. Sie atmen tief durch. Und Sie steigen als neuer Mensch aus dem Wasser, rundum und in der Tiefe Ihrer Person gereinigt und verwandelt.

Dann erleben auch Sie an der Seite unseres betenden Herrn (vgl. L 3,21f), wie „der Himmel sich öffnet“ und „der Heilige Geist sichtbar in Gestalt einer Taube“ herabkommt. Dann hören auch Sie die Stimme des göttlichen Vaters: „Du bist mein geliebter Sohn“, meine geliebte Tochter: Nun gefällst Du mir, Dir selber und allen Menschen. Lebe fortan in dieser Weise dein Leben, deinen Alltag. Und kehre immer wieder dahin zurück.

Dann werden Sie und durch Sie alle erfahren, warum der Herr schließlich den Seinen sagte (Mt 28,18-20): „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)

 

Pfarrnachrichten 02/2019 (C)

Lukas berichtet über die Heiligen drei Könige: „Da fielen sie nieder und huldigten ihm.“ - Drei Tage nach Epiphanie, am 9. Januar, machen wir es ihnen nach! - Herzliche Einladung zu den Gebetszeiten am Tag des ewigen Gebetes (siehe Aushang und hier auf der Home-Page).

Auf, werde Licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir“ (Jes 60,1). Am Fest der Heiligen drei Könige, dem Fest „Epiphanie“, beschreibt die Kirche in ihrer Leseordnung, worum es an diesem Festtag geht. Epiphanie ist ein Fest des Lichtes.

Mit dem göttlichen Menschenkind ist das wahre Licht in die Welt gekommen. „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ So verkünden die Engel den Hirten auf dem Feld (Lk 2,11). Den Sterndeutern aus dem Osten ist dafür ein Licht, ein Stern aufgegangen. In diesem Stern erkennen sie den, der die Menschen Licht werden lässt; der ihnen die Macht schenkt, Kinder Gottes zu werden (vgl. Joh 1,9.12).

Der Weg der Weisen aus dem Morgenland ist der Anfang einer großen Prozession, die sich die Geschichte hindurch ununterbrochen fortsetzt und nie enden wird. Mit den drei Weisen beginnt die Wanderung der Menschheit zu Jesus Christus – zu dem Gott, der im Stall geboren wurde; der am Kreuze starb und der als Auferstandener bei uns bleibt alle Tage bis zur Vollendung der Welt (vgl. Mt 28,20).

Nach den Hirten kommen die Weisen dieser Welt. Es kommen Große und Kleine, Könige und Knechte, Menschen aller Kulturen und aller Völker. Die Männer aus dem Morgenland sind die ersten, denen viele folgen alle Jahrhunderte hindurch. Nach der großen Vision des Propheten Jesaja sagt die Lesung aus dem Brief des Heiligen Paulus an die Epheser das Gleiche nüchtern und einfach aus: Die „Heiden sind Miterben“ geworden. Sie „gehören zu demselben Leib und haben an derselben Verheißung in Christus Jesus teil durch das Evangelium.“ (vgl. Eph 3,6) Auch in dieser Akzentuierung wird das bereits im Alten Testament, im zweiten Psalm vorausgesagt: „Ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum“ (Ps 2,8).

Die Weisen aus dem Morgenland sind die ersten. Sie öffnen den Weg der Völker zu Christus.

In einer Predigt am Fest der Heiligen drei Könige hat Papst Benedikt XVI. hierzu weiter ausgeführt: „Es gab wohl viele Sternkundige im alten Babylon. Aber nur diese drei sind aufgebrochen und dem Stern nachgegangen, den sie als Stern der Verheißung, als Wegweiser zum wahren König und Retter erkannten. Es waren, so dürfen wir sagen, Männer der Wissenschaft, aber solche, die nicht nur vielerlei wissen wollten: Sie wollten mehr. Sie wollten verstehen, worum es im Menschsein geht. Sie hatten wohl von der Verheißung des heidnischen Propheten Bileam gehört: »Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel« (Num 24,17).

Sie gingen der Verheißung nach. Sie waren Menschen des unruhigen Herzens, die sich nicht mit dem Vordergründigen und Gewöhnlichen begnügten. Sie waren Menschen auf der Suche nach der Verheißung, auf der Suche nach Gott. Und sie waren wache Menschen, die die Zeichen Gottes, seine leise und eindringliche Sprache wahrzunehmen vermochten.

Aber sie waren auch mutige und zugleich demütige Menschen: Wir können uns vorstellen, dass sie manchen Spott ertragen mussten, weil sie sich auf den Weg zum König der Juden machten und dafür viel Mühsal auf sich nahmen.

Für sie war nicht entscheidend, was dieser oder jener, was auch einflussreiche und gescheite Leute von ihnen dachten und sagten. Ihnen ging es um die Wahrheit selbst, nicht um die Meinung der Menschen. Dafür nahmen sie die Verzichte und Mühen eines langen und ungewissen Weges auf sich. Ihr demütiger Mut war es, der ihnen schenkte, sich beugen zu können vor dem Kind armer Leute und in ihm den verheißenen König zu erkennen, den zu suchen und den zu kennen das Ziel ihres äußeren und inneren Weges gewesen war.“

(Pfr. Dr. Volker Hildebrandt)