Pfarrnachrichten 52/2014-01/2015 - 4. Adventssonntag (B) - Weihnachten

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am Sonntag vor Weihnachten begegnet uns im Gottesdienst die Mutter Jesu, wie der Evangelist Lukas (1,26-38) sie uns näher bringt. „Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

Maria erschrak nicht über die Ankunft des Engels, sondern über den Gruß. Das Heilige war ihr also vertraut. Daraus lässt sich ableiten, dass sie eine betende Frau war; denn das Beten ist die Tür, durch die hindurch wir Menschen in das wirklich Große und Heilige eintreten. Was einem dort zuteilwird, das ist schier Unfassbar. Der Engel weist daraufhin; und Maria ist darüber „erschrocken“.

Sie ist die „Begnadete“, die Auserwählte Gottes. – Wie Maria, so erfährt es jeder, der betet. Von daher ist Weihnachten auch die Botschaft von der Erwählung: „Ihr seid Gottes Volk“. Euch hat Gott erwählt, um bei Euch zu sein. Und dann ist „Friede bei den Menschen seiner Gnade“, wie es im Weihnachtsevangelium (Lk 2,14) heißt. Ein Friede, wie er bislang nie da war und ohne das Große und Heilige Gottes auch nie sein wird.

Darüber ist Maria „erschrocken“. Der Friede Gottes übersteigt alle irdischen Maßstäbe und die kühnsten Träume der Menschheit. Und sie ist die auserkorene Botschafterin, die Gottes Friede nicht nur verkünden, sondern im menschgewordenen Sohn Gottes den Menschen leibhaft schenken soll.

Ein gnadenreiches und frohes Weihnachtsfest wünscht Ihnen Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 51/2014 - 3. Adventssonntag (B)

Johannes der Täufer erklärt den Schriftgelehrten seine Sendung - Bernardo Strozzi (1581-1644) [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantalelon!

Auch dieser Sonntag ist vom Evangelium her (Joh 1,6-8.19-28) noch einmal von der Gestalt des Täufers geprägt. Der dritte Adventsonntag ist zugleich der Sonntag „gaudete“, der im Gegensatz zu den anderen Adventsonntagen einen etwas froheren Charakter hat. Der sogenannte „Introitus“, das liturgische Gebet zum Einzug bei der Heiligen Messe, ist dem Brief an die Philipper entnommen und lautet in Latein (Phil 4,4): „Gaudete in Domino semper“ („Freut euch im Herrn allezeit!“). Das erste Wort des „Introitus“ hat dem dritten Adventsonntag also seinen Namen gegeben.

Anders als das in der Vorbereitungszeit auf Weihnachten liturgisch sonst übliche Violett drückt sich die Besonderheit des dritten Adventsonntags in der für diesen Tag spezifischen Farbe Rosa aus: ein aufgehelltes Violett, das den freudigen Charakters dieses Sonntags ausdrückt. Diese Farbe wird außer am dritten Adventsonntag ein weiteres Mal im Kirchenjahr am vierten Fastensonntag getragen, der einen ähnlich frohen Charakter hat. Der vierte Fastensonntag trägt den lateinischen Namen „laetare“.

Auch hier ist es der „Introitus“, der dem vierten Fastensonntag seine Bezeichnung gegeben hat (Jes 66,10): „Laetare Ierusalem“ („Freut Euch mit Jerusalem …“). Da die zu diesen Sonntagen gehörenden rosa Gewänder nur an zwei Sonntagen im Jahr getragen werden, gehören sie oft mit zu den ältesten Messgewändern. In St. Pantaleon sind sie wohl gut dreihundert Jahre alt.

In der Fassung des Johannesevangeliums wird an diesem Sonntag „gaudete“ Johannes der Täufer gleich dreimal gefragt, wer er denn sei.

Wer bist du?“, so fragen ihn die Priester und Leviten, die von Jerusalem aus zu ihm gesandt wurden. Was der Evangelist Johannes allgemein über ihn sagt (Joh 1,8): „Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.“, das betont der Täufer in seinen Erwiderungen dann dreimal. Seine Antwort auf die erste Frage nach seiner Identität lautet: „Ich bin nicht der Messias.“

Daraufhin fragen die Priester und Pharisäer ein zweites Mal: „Was bist du dann? Bist du Elija?“ Die Antwort lautet nun kürzer, aber entschiedener: „Ich bin es nicht.“ Darauf wird Johannes ein drittes Mal, und nun ziemlich direkt gefragt: „Bist du der Prophet?“ Mit Prophet ist der erwartete Messias gemeint. Aber das hatte Johannes ja bereits in seiner ersten Antwort ausgeschlossen (s.o.). Umso kürzer, nun aber ganz entschieden antwortet er deshalb nur noch: „Nein“.

Man spürt die Unruhe, von der getrieben die Priester und Leviten nachfragen: „Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?“ Erst daraufhin wird der Täufer wieder „gesprächiger“ und antwortet nun ausführlicher: „Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. … Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.“

Wirkliche und krisenfeste Freude kommt dort auf, wo der Mensch die Nähe und Gegenwart Gottes zu ahnen beginnt, sich darauf einlässt und daraus lebt. Die Freude wird über die Maßen groß, wenn der Mensch erfährt und begreift, dass er „Bote Gottes“ sein kann und darf. Dann hat er wirklich etwas Wichtiges und Großes zu sagen. Jeder nimmt zu an Bedeutung, wie er nicht selber im Mittelpunkt stehen sondern geringer werden und den Herrn in den Mittelpunkt seines Lebens stellen möchte. So sagt Johannes der Täufer es dann wenig später mit den eindringlichen Worten (Joh 3,3): „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen frohen dritten Advent!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 50/2014 - 2. Adventssonntag (B)

Johannes der Täufer [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Johannes der Täufer steht als Wegbereiter Jesu im Mittelpunkt des zweiten Adventsonntags. Im Sonntagsgottesdienst werden Verse aus dem Prophetenbuch Jesaja vorgetragen, auf die Markus zu Anfang seines Evangeliums zurückgreift. Der Heilige Markus gründet sein Evangelium gewissermaßen in den Voraussagen des alttestamentlichen Propheten.

Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht“, schreibt Markus am Anfang seines Evangeliums (Mk 1,2a). Und er fährt fort (ibid., 2b-4): „Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.“

Schon ist der Leser oder Zuhörer des Markusevangeliums mitten im Geschehen (Mk. 1,5-8): „Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“

Im Zusammenhang mit den großen Trosterwartungen – „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht, dass ihre Schuld beglichen ist“ (Jes. 40,1f) – hat ähnliches schon der Propheten Jesaja tausend Jahre davor vorkündet (Jes. 40, 3-5): „Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.“

Trost und Erlösung, die Gott allen Menschen schenken möchte, setzen voraus, dass der Mensch das Heil von Gott, und nicht von woanders oder überhaupt nicht mehr erwartet.

Dafür spielt die Zeit der Erwartung eine wichtige Rolle. Advent ist eine solche Zeit. – Der gläubige Christ erwartet das Große, das von Gott kommt. Der Christ erwartet am Ende Gott selber. Vom barocken Prediger Angelus Silesius stammt das bekannte Wort: „Und wäre Christus tausendmal geboren, aber nicht in dir, dann wärst du dennoch ewiglich verloren.“

Viele nehmen sich diese Zeit der Erwartung, des Advents nicht mehr. Man nimmt sich stattdessen möglichst schnell, am besten sofort, was man bekommen kann, und gewöhnt sich an eine vorschnelle Erfüllung. Dabei verliert sich die eigene innere Größe. Man glaubt und vertraut ihr nicht mehr. Man gibt sich mit dem zufrieden, was man hat und was man kann. Und man nimmt nicht mehr wahr, dass das eigene Leben eine größere Würde und Bedeutung hat, als was man selber und aus eigener Kraft vermag.

„Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren“, so sagt es Johannes der Täufer. Entscheidend für diese Zeit der Erwartung ist die innere Haltung. Ich kann nur etwas erwarten, was noch nicht ist und was noch zu mir unterwegs ist. Dafür muss man nicht zuletzt der Überzeugung Raum lassen, dass das Bisherige bei weitem noch nicht alles ist.

So ist der Advent eine Zeit des Erwartens, in der man in sich geht und dann auch wahrnehmen kann, wo man verschlossen, oder weshalb man vielleicht skeptisch oder gar ungläubig dem gegenüber ist, was Gott versprochen hat. Möge uns alle diese Zeit der Besinnung und Vorbereitung auf Weihnachten innerlich wachsen lassen an Zuversicht. Möge sie für uns alle eine Zeit wahrer Erneuerung, Umkehr und Buße sein.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 49/2014 - 1. Adventssonntag (B)

Der Erzengel Gabriel verkündet der Jungfrau Maria die Ankunft des Herrn. Ölgemälde von Robert Campin, 1420–1440, Brüssel [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

„Seid wachsam!“, mit dieser Aufforderung endet das Evangelium vom ersten Advent in diesem Jahr (Mk 13,33-37). – „Seid wachsam!“ Diese uns vertraute Aufforderung lässt manche spontan an das Adventslied denken: „Wachet auf, ruft uns die Stimme …“

Ähnlich verhält es sich mit der flehentlichen Bitte aus der ersten Lesung (Jes 63,16b-17.19; 64,3-7) zum diesjährigen Beginn des Advents, die der Tiefe einer zuinnerst gläubigen Seele entstammt: „Reiß doch den Himmel auf, und komm herab, so dass die Berge zittern vor dir.“ Davon hat sich Friedrich Spee im 17. Jahrhundert bei der Abfassung des nicht weniger bekannten Adventslieds inspirieren lassen: „O Heiland, reiß den Himmel auf!“

So sind wir mit diesen beiden Schriftworten und den dazu gehörenden Kirchenliedern irgendwie schon mitten im Advent.

Bekanntlich ist das Wort „Advent“ eine zudem abgekürzte Ableitung aus dem lateinischen adventus Domini = „Ankunft des Herrn“. Man bezeichnet damit die Jahreszeit, in der sich die Christenheit auf das Fest der Geburt Jesu, also auf Weihnachten, vorbereitet. Zugleich erinnert der Advent daran, dass wir als Christen das zweite Kommen Jesu am Ende der Zeit, also am „jüngsten Tag“ mit seinem „jüngsten Gericht“ erwarten. Danach beginnt etwas Neues: die Ewigkeit. Deshalb beginnt mit dem ersten Adventssonntag auch das neue Kirchenjahr.

Aber: Sind wir wirklich, das heißt auch innerlich und nicht nur dem Kalender nach schon im Advent angekommen? Diese Frage wird keiner von uns bejahen können! Denn „Advent“ ist ein Prozess: ein schrittweises Ringen und Bemühen nicht nur von Seiten des Menschen, sondern auch von Gott aus. „Advent“ ist ein geduldiges aber zugleich aktives und keineswegs nur passives Warten des Menschen und auch unseres Gottes.

Von Gott aus gesehen können wir Menschen aus eigenem Vermögen nie direkt, sondern immer nur von unserer Erfahrung aus sprechen. Aber schon das berührt und stimmt uns in positiver Weise nachdenklich. Wer sich im Glauben aufmacht, wer sich um Wachsamkeit Gott und seinem Wirken gegenüber bemüht, der macht wirklich und in jedem Fall die Erfahrung, dass Gott uns nicht alleine lässt in unserem adventlichen Ringen und Bemühen, in unserem geduldig aktiven Warten und unserem immer wieder neuen Beginnen.

Diese Erfahrung hat die innerlich zutiefst gläubige Seele des Propheten Jesaja geprägt, der sie für uns wie folgt niederschrieb: „Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.“

Liebe Mitchristen: Wo sollten wir, jeder von uns, wieder uneingeschränkt „wachsam“ sein, sowohl für das, was Gott, wie auch für das, was andere uns sagen wollen? Das eine ist vom anderen nicht zu trennen.

Wo sind wir „eingeschlafen“, weil wir weder in unserem Beten noch in unseren sonstigen Gesprächen viel zu wenig zuhören, oder nur noch über uns oder von uns her reden? Wo sind wir möglicherweise schon regelrecht „verstockt“, so dass wir sogar das Gespräch verweigern, es vergessen und gar nicht mehr führen wollen?

Keiner von uns sollte sich befreit davon fühlen, diese Fragen ernsthaft auch sich selber zu stellen! – Hier wird deutlich, dass der Advent immer auch, von der Neuausrichtung des inneren Erwartens her, eine Zeit der Umkehr, der Erneuerung und der Buße ist.

Nach einer inzwischen sehr guten Tradition verbindet sich in St. Pantaleon der Beginn der Adventszeit mit der auf den 8. Dezember, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter und Jungfrau Maria einstimmenden „Novene“. Sie steht in diesem Jahr unter dem Leitwort: „Maria: Königin der Familie und des Friedens.“

Meine herzliche Einladung an Sie, diese Tage der Novene gemeinsam mit uns zu feiern und sich stärken und ermutigen zu lassen, verbinde ich mit dem Wunsch, dass wir wieder wachsamer für all das werden, was Gott uns direkt oder auch besonders durch unserer Familie im gegenwärtigen Augenblick sagen möchte. Wenn wir das annehmen und umsetzen, werden wir zu Werkzeugen des Friedens und der Versöhnung! Wir werden zum Segen für unsere Familie!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 48/2014 - 34. Sonntag im Jahreskreis

Werke der Barmherzigkeit - Umkreis Brueghel [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Evangelium vom letzten Sonntag im Kirchenjahr über den jüngsten Tag gehört ganz anders, als es oberflächlich betrachtet scheint, mit zu den tröstlichsten Offenbarungen Jesu, allerdings nur für den gläubigen und gerechten Menschen. Für den Ungläubigen gehört es mit zum Schlimmsten. Das Evangelium vom Weltgericht ist zudem die Grundlage des sogenannten „Christkönigssonntags“, den wir zum Abschluss des Kirchenjahres als Hochfest feiern.

Jesus gibt seinen Jüngern das folgende Bild an die Hand (Mt 25, 31-46), damit wir darüber nachdenken, wie er sich das mit den Menschen als deren Gott und Schöpfer gedacht und im Ganzen des Universums eingerichtet hat: „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden von ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.

Unmissverständlich leitet Jesus die Wirklichkeit seines Wiederkommens „in Herrlichkeit“ am Ende der Weltzeit damit ein, dass nicht autonome, weder selbsternannte noch souverän gewählte Richter das letzte Wort haben, sondern er. Jesus Christus ist der Herr, der „König“, dem auch die tiefsten Gedanken, Absichten und Wünsche nicht verborgen sind: „Das Tun aller Menschen liegt vor ihm, nichts ist verborgen vor seinen Augen“ (Sir, 39,19). Er wird als „Menschensohn“ endgültig und unfehlbar über die nie endende Zukunft entscheiden.

Seine Urteile sind wahr und gerecht“ (Offb 19,2). Jeder Einspruch gegen sein Wort erübrigt sich und ist zwecklos. Widerspruch macht keinen Sinn, weil sein Wort und sein Tun den schöpfungsgemäßen Sinn des menschlichen Lebens grundgelegt haben und an diesem Tag endgültig offen legen werden.

Nachdem er „die Schafe zu seiner Rechten, die Böcke aber zur Linken“ versammelt hat, wird er denen „auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen …“

Die davon ganz Überraschten werden ihm erwidern: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen …?“

„Der König wird ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Die „Böcke aber zur Linken“ werden dann hören: „Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen …“ Auch ihre Überraschung wird groß sein: „Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?“ Ihnen „wird der König antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan.“

Hier nun wird deutlich, wie das hierzu gehörende Schriftwort vom „Buch des Lebens“, das dann „aufgeschlagen“ wird (Offb 20,12), zu verstehen ist.

Die große Überraschung sind nicht peinliche Notizen oder schamlose Beobachtungen, die ein vermeintlicher Geheimdienst- oder Sittenwächter-Gott darin aufgeschrieben hat. Die große Überraschung ist vielmehr der Sinn allen Tuns und Lebens, der dann endgültig offen gelegt und von allen erkannt wird. Er bestimmt fortan unumkehrbar die Zukunft eines jeden.

Das habt ihr mir getan“, bzw. „mir nicht getan“: All die guten, täglich zahlreich verrichteten Werke – zur rechten Zeit durch das rechte Wort oder die rechte Tat – bleiben im Herzen Gottes, im Buch des Lebens für immer bewahrt und werden nach Tod und Auferstehung zurückgeschenkt. So bleibt der Gute und Gerechte im tiefsten Sinn des Lebens, der dann für immer in Erfüllung geht: in der überströmenden Liebe Gottes als Ursache alles Geschaffenen und Vollendeten. Der Böse und Ungerecht aber hat spätestens dann, dann aber für immer, das Nachsehen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 47/2014 - 33. Sonntag im Jahreskreis

Passend zum Gleichnis [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Sonntagsevangelium (Mt 25, 14-30) wird die Reihe endzeitlicher Bilder und Gleichnisse gegen Ende des Kirchenjahres fortgesetzt, mit denen uns der Herr die Notwendigkeit vor Augen führt, sich in der Zeit des irdischen Lebens vorzubereiten auf das, was einen jeden für immer in der Ewigkeit erwartet.

Im Gleichnis von diesem Sonntag wird von einem reichen Mann erzählt, der seinen Dienern ein riesiges Vermögen anvertraut. „Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab.“

Damit traut er jedem Diener zu, das Beste daraus zu machen. Die jeweils zugeteilte Vermögensmenge entspricht dem, was jeder einzelne optimal verwalten kann. Die beiden „talentiertesten“ verstehen sehr gut, mit dem anvertrauten Vermögen umzugehen, und schaffen es, die Summe zu verdoppeln. Der nur ein Talent erhalten hat, vergräbt es aus Furcht zu verlieren und tut nichts damit.

Bei seiner Rückkehr lobt der reiche Mann die beiden Ersten, während er dem Dritten vorwirft: „Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.“

Daraufhin befiehlt er: „Nehmt ihm darum das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.“

Jeder ist zunächst geneigt, das als viel zu hart, ja sogar als ungerecht anzusehen. Der eigentlich Schuldige, so denkt man vorschnell, ist doch der Herr, weil er dem Dritten nur ein Talent gegeben hat. Hätte er ihm mehr gegeben, dann hätte auch er etwas daraus gemacht.

Aber das stimmt so nicht; denn ein Talent Silbergeld entspricht zur Zeit Jesu etwa 25 Jahresgehältern eines jüdischen Normalverdieners. Auch der Dritte hat also ein etwa halbmillionenschweres Erbe anvertraut bekommen. Ein Erbe, mit dem man viel Vernünftiges hätte machen können. Das hält ihm der Herr auch vor: „Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.“

Der Herr macht mit seinem Gleichnis darauf aufmerksam, dass jeder versucht ist sich nach dem Motto zu entschuldigen: „Ja, wenn ich so wäre wie der da, dann würde auch ich mich mehr einsetzen und engagieren.“

Demgegenüber traut der Herr jedem zu, etwas Wunderbares aus dem zu machen, was ihm geschenkt und anvertraut ist. – Ist nicht jeder Mensch großzügig mit vielen Talenten beschenkt? Allein leben zu dürfen, ist unbezahlbar!

Aber zugleich ist das Leben immer auch schwer. Manche scheinen begünstigt, sind gesund, glücklich und vielleicht auch noch reich, andere sind krank, arm, depressiv ... Wie kann man da sagen: „Mach etwas aus deinem Leben?

Nun: Selbst Menschen, die am Boden waren, aber wieder aufgestanden sind und es geschafft haben zu leben, und selbst Menschen in schwerer Krankheit, die ihr Leid im tiefsten Elend angenommen haben, erfahren und spüren etwas von dem großen Glück, leben zu dürfen. Das ist die Hoffnung, die Gott jedem schenkt, der sich ihm anvertraut.

Gott verlangt von uns nichts Unmögliches, aber doch so viel, wie uns möglich ist.

Alles einfach so hinnehmen, wie es ist, hieße das Talent zu vergraben und im Alltagstrott zu erstarren. Viele leben so, und haben deshalb wenig Hoffnung. Hoffnung besteht unter anderem darin, dass eng mit Gott verbunden jeder Mensch aus seinem Leben etwas machen kann. Es muss nicht das Große sein. Auch der Mensch wie du und ich hat sein Talent bekommen. Hätte der dritte Diener das Geld nur auf die Bank gebracht, wäre nicht nur sein Herr, sondern er selber schon sehr zufrieden damit gewesen. So aber hat er am Ende für immer auch noch das verloren, was ihm anvertraut wurde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 46/2014 - Weihetag der Lateranbasilika

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesem Sonntag hören wir im Gottesdienst eine „krasse“ Geschichte. Der sonst so friedfertige Jesus knotet aus Stricken eine Geißel und drischt voller Kraft auf all die Händler, Verkäufer und Geschäftemacher ein, die im Vorhof des Tempels Opfertiere verkaufen und Geld in die damals im Tempel allein gültige Tempelwährung tauschen. „Er trieb sie alle zum Tempel hinaus“, berichtet der Heilige Johannes (vgl. Joh 2,13-22).

Nicht nur das. „Er schüttete das Geld der Wechsler aus, und ihre Tische stieß er um.“ Das ist großartiges Material für eine wunderbare „Action-Szene“ in einer auch sonst nicht nur friedfertigen Jeus-Verfilmung. Im Lukas-Evangelium etwa sagt der Herr (Lk 12,49): „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ Und noch eindringlicher dann im Matthäus-Evangelium (Mt 10,34): „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.

Bei der sogenannten „Tempelreinigung“ bleibt es nicht bei starken Worten, die leicht als kraftvolles und ausdruckstarkes Bild abgetan werden können. Bei der Tempelreinigung redet Jesus nicht mehr nur: Überall kullern Münzen über die Stufen des Tempelvorhofes, und sie lassen sich durch das aufgescheuchte und herumlaufende Vieh, das Jesus aus dem Tempel treibt, keinem Wechsler mehr zuordnen.

Als wir uns einmal mit Kommunion-Kindern eine von diesen Jesus-Verfilmungen anschauten, schrie ein Kommunionkind dann auch ganz empört: „Jesus schlägt ja. Das darf der doch gar nicht.“

Es kam also bei Jesu zu einem handfesten „Vulkan-Ausbruch“. Von heiliger Leidenschaft getrieben bereitet er der Geringschätzung ein Ende, die das Haus seines Vaters bei so vielen erfuhr. Für uns Christen ist es nicht mehr der Tempel, sondern die Heilige Kirche, die immer wieder verachtet und lächerlich gemacht wird. Wie meist, beruht das auf Unwissen. Das „YOUCAT“ Firmbuch erklärt Jugendlichen das Geheimnis der Kirche mit dem dargestellten Bild und schreibt dazu:

Wenn du das innerste Geheimnis der Kirche verstehen willst, dann schau dir dieses Bild einmal an: Auf den ersten Blick ist es ein Marienbild. Aber Maria gilt seit den ältesten Zeiten als „Mutter der Kirche”. Warum? Ihr Leib war die erste Wohnung des menschgewordenen Gottessohns. Mehr noch: Jesus war der ganze Lebensinhalt von Maria. Sie war um ihn; er war in ihr. Genauso muss die Kirche sein: Ein Ort, in dem der AUFERSTANDENE heute wirken kann.

Ein Ort vollkommener Liebe und Bereitschaft: „Mir geschehe nach deinem Wort”, hatte Maria gesagt, als der Engel bei ihr anklopfte. Gott suchte einen Ort, um in der Welt zu sein. Gott suchte nicht nur damals einen Ort, in dem Jesus sein Leben führen konnte. Er sucht ihn auch heute bei dir und mir. (…) Und jetzt kannst du vielleicht besser verstehen, was Euch Papst Benedikt XVI im YOUCAT-Vorwort mit den folgenden Worten sagen möchte: »Ihr selbst seid der Leib Christi, die Kirche! Bringt das unverbrauchte Feuer eurer Liebe in die Kirche ein, sooft Menschen ihr Antlitz auch entstellt haben!«

Jesus hat sich so tief auf uns eingelassen, dass wir gewissermaßen „ein Leib” mit ihm sind. Das bezeugt die Heilige Schrift an vielen Stellen. Der hl. Augustinus (350-430) hat ein tiefes Wort über das gesagt, was passiert, wenn wir die heilige Kommunion empfangen: „Empfangt, was ihr seid: Leib Christi, damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi.”

Möge Jesu Leidenschaft Jesu auch uns berühren und auf den richtigen Weg bringen, wie er hier deutlich wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 45/2014 - Allerseelen

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Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Mit den beiden ersten Novembertagen „Allerseelen“ und „Allerheiligen“ wird der Gläubige daran erinnert, das wichtigste Geschäft im Leben nicht zu vernachlässigen, geschweige denn zu verpassen. Mit Blick auf die herbstlichen Tage sagt der Heilige Josefmaría Escrivá treffend in dem wohl bekanntesten seiner geistlichen Schriften (Der Weg, 736): „Hast du an einem trüben Nachmittag im Herbst die Blätter fallen sehen? So fallen jeden Tag die Seelen in die Ewigkeit. Eines Tages bist du das fallende Blatt.

Das wichtigste Geschäft im Leben besteht doch darin, hier auf Erden so zu leben, das man sich einstimmt und vorbereitet auf die Ewigkeit; denn das irdisch-vergängliche Leben steht in einer ganz engen Beziehung zum ewigen Leben. Auch wenn das ewige Leben deutlich anders als das irdische sein wird, so besteht das ewige Leben dennoch nicht einfach in der Umkehrung des irdischen Lebens.

Das behaupten jene, die das ewige Leben als Projektion und Überlebensstrategie der Schwachen und Unfähigen abtun, die sich angesichts ihres irdisch-erbärmlichen Lebens an eine Illusion klammern würden. Nach dieser Illusion würden sich die bestehenden und derzeitigen Verhältnisse in einem vermeintlich jenseitigen Leben einfach umkehren. Die Reichen wären dann für immer arm und würden für ihr üppiges Leben hier auf Erden ohne Ende bestraft. Die Armen und Leidenden wären dann reich und selig und würden für immer getröstet werden.

Vorstellungen wie diese sind dem christlichen Glauben völlig fremd. Im Jugendkatechismus wird folgendes dazu gesagt (Youcat, 156): „Das ewige Leben beginnt mit der Taufe. Es geht durch den Tod hindurch und wird kein Ende haben.“ Was das für das irdische und ewige Leben bedeutet, bringt der Heiligen Johannes vom Kreuz (1542–1591, spanischer Mystiker, Kirchenlehrer und Dichter) dann wie folgt auf den Punkt: „Am Abend unseres Lebens werden wir nach unserer Liebe gerichtet werden.“

Die Heilige Schrift drückt das in Bildern aus (Jesaja 26,9): „Dein Gericht ist ein Licht für die Welt.“ Hier sieht sich der Mensch verstanden, der sich nach Klarheit und Wahrheit sehnt, wie es dort dann auch gesagt wird (ibid., 8): „Herr, auf das Kommen deines Gerichts vertrauen wir.“ – Das Gericht Gottes wird von denen, die ihn lieben, ersehnt. So formuliert es ein Theologe unserer Tage: „Endlich Klarheit! Endlich Wahrheit! Endlich Gerechtigkeit! Gerade die Armen und Opfer der Geschichte haben ein Recht auf das Gericht, auf ein gerechtes, endgültiges, nicht manipulierbares göttliches Gericht!

So ist dann auch der Himmel die endgültige, unsere irdische Erfahrung um ein unendliches übersteigende und erfüllende Wirklichkeit all des Guten, worum man sich hier auf Erden bemüht, das man erhofft und erwartet. Der Heilige Josefmaría fasst dies in dem schon genannten Buch (s.o., 738) so zusammen: „Die »anderen« lähmt der Tod, und sie sind entsetzt. – Uns weckt der Tod (das Leben) auf und treibt uns voran. Für sie ist er Ende, für uns Anfang.“

Gott selber ist dieses Gute, die Fülle von all dem, was gut und liebenswert ist. Deshalb sucht der Gläubige betend im Gespräch mit Gott die Auseinandersetzung mit dem Tod und dem, was danach kommt, und gerade nicht deren Verdrängung, wie man es heute zunehmend feststellen muss.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 44/2014 - 30. Sonntag im Jahreskreis (A)

Govert Fink, 1640, der barmherzige Samariter, nach einer Radierung Rembrandt van Rijns [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Laufe der Zeit waren immer mehr Einzelgebote, am Ende insgesamt 613, ins Alte Testament aufgenommen worden, so dass selbst die Schriftgelehrten nicht mehr alle vor Augen haben konnten. Das führte so weit, dass Gesetzeslehrer u.a. ernsthaft darüber diskutierten, ob ein am Sabbat gelegtes Ei gegessen werden durfte. Wir mögen darüber schmunzeln. Aber viel besser sieht es bei uns doch auch nicht aus. Jüngst wurde in der Presse die Papier-Sintflut der EU am Beispiel einer Pizza-Verordnung dokumentiert, in der auf 72 DIN A4 Seiten juristisch exakt definiert wird, was eine Pizza ist.

Das erklärt die Frage eines Gesetzeslehrers: "Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?" Mit dieser Frage wollte er Jesus auf die Probe stellen, heißt es im Sonntagsevangelium (Mt 22,34-40). Welche Art von Probe, das wird nicht gesagt.

Die Antwort Jesu lässt erkennen, dass er wirklich ein „Rabbi“, ein Meister ist. Die Frage des Schriftgelehrten gibt ihm die Möglichkeit, auf das Große und Eigentliche hinzuweisen, was wie ein Passwort Zugang zum Wort Gottes und sein rechtes Verständnis ermöglicht. Jesus antwortet mit dem alttestamentlichen „Schema Israel“ (Dtn 6,4f), das der fromme Jude bis heute morgens und abends betet: „Höre Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.

Das wichtigste ist also, „Gott zu lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Vor dem Hintergrund, dass allem voran Gott nicht ohne uns sein möchte, ist das die einzig richtige Antwort. Genauer sollten wir sagen: Gott will nicht ohne jeden einzelnen von uns sein, erst einmal ganz unabhängig davon, ob wir das zu würdigen wissen oder nicht. Von daher ergibt sich, dass der Mensch sich selber ein Unbekannter bleibt, solange wie er diese Liebe Gottes unbeantwortet lässt. Der Mensch kann sich nur verstehen, wenn er sich der schöpferischen Liebe Gottes öffnet, sie annimmt und auf sie antwortet, mit der Gott alles und jeden einzelnen gewollt und ins Dasein gerufen hat.

Was das heißt, „mit ganzem Herzen“ und „mit ganzer Seele“, ließe sich z.B. mit der Redewendung verdeutlichen, mit der man lobend und anerkennend über jemanden sagt: „Der ist eine Seele von Mensch!“ Damit würde man den Nagel sogar auf den Kopf treffen; denn Jesus fügt seiner Antwort noch etwas ganz entscheidendes hinzu. Er sagt: „Das (die Liebe zu Gott) ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Mit dem Gebot der Nächstenliebe wird das Gebot der Gottesliebe näher erläutert. Die Liebe zu Gott vollzieht sich nicht im luftleeren Raum. Sie ist konkret und lässt sich nicht trennen von der Liebe zu unserem Nächsten, wobei nach einem Wort der Heiligen Edith Stein „der Nächste nicht der ist, den ich mag. Er ist jeder, der mir nahe kommt, ohne Ausnahme.“

Gott kann und wird nur der lieben, der jedem, der einem nahekommt, ausnahmslos und durch immer wieder neues und korrigierendes Ausrichten seiner inneren Einstellung und Haltung am Ende wie selbstverständlich so liebt und umsorgt, wie sich selber. Der Weg zu Gott geht also über die Menschen, die einem die Nächsten sind, wie auch umgekehrt, der Weg zu ausnahmslos jedem, der mir nahe kommt, über Gott – der jeden liebt und eben genau dazu verhilft – am Ende wirklich gelingen wird.

So fügt es sich, dass wir an diesem Sonntag weltweit den sogenannten Weltmissionssonntag begehen, an dem wir für all die beten und durch unsere Gabe bei der Kollekte unterstützen, die unserer Hilfe weltweit im Augenblick besonders bedürfen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 43/2014 - 29. Sonntag im Jahreskreis (A)

Die kompromittierende Steuermünze

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Bekanntlich waren die Römer bei den Juden zur Zeit Jesu sehr verhasst. Jeder Jude musste damals an die Römer eine „Kopfsteuer“ zahlen. Für diese Kopfsteuer gab es eine eigene „Steuermünze“, die nur zu diesem Zweck gebraucht und deshalb ganz gezielt mit dem Abbild des römischen Kaisers und der Inschrift geprägt wurde: „Kaiser Tiberius, anbetungswürdiger Sohn des göttlichen Augustus“. Mit dieser Prägung wird den Untergebenen der Grund der Tributpflicht in aller Deutlichkeit vor Augen geführt.

Aus jüdischer Perspektive ließe sich das so lesen: Euer Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs hat versagt und euch getäuscht. Euer Glaube an ihn ist ein Irrtum. Nicht euer Gott, sondern der römischer Staat in der sichtbaren Entfaltung irdischer Macht und Größe ist der wahre Gott, der durch den Kaiser zu euch spricht. Ihn müsst ihr anbeten und verehren und allein ihm dienen, nicht euren Göttern. Da ihr euch als Nicht-Römer dagegen wehrt, müsst ihr zahlen.

Das sind die eigetnlichen Gründe zum einen für den abgrundtiefen Hass, mit dem gläubige Juden sich regelmäßig, aber vergeblich des römischen Joches zu entledigen versuchten und auf der anderen Seite für die drakonischen Strafen, vor allem die Kreuzigung, mit denen die Römer darauf antworteten.

Die Pharisäer hatten vor den Römern und ihrem Gott, der weltlichen und sichtbaren Macht des römischen Reiches kapituliert und sich des eigenen Vorteils wegen mit den bestehenden Verhältnissen arrangiert. Damit haben sie sich gegen das eigene Volk, gegen die eigene Tradition und gegen den überlieferten Glauben gestellt. So treten sie gemeinsam mit den Anhängern des Herodes gegen Jesus auf, um ihm (vgl. Mt 22,15-21) „mit einer Frage eine Falle zu stellen: … Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?

Matthäus berichtet im Folgenden: „Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin.“

Damit fielen die Pharisäer in die Grube, die sie für Jesus gegraben hatten. Hätte er ihre Frage verneint, lauerten dafür bereits die avisierten Soldaten, um ihn abzuführen. Der öffentliche Aufruf zur Steuerverweigerung galt als Kapitalverbrechen. Hätte Jesus ihre Frage bejaht, dann hätte er sich als Freund der Römer geoutet. Stattdessen ließ er sich die Steuermünze zeigen, nahm sie selber aber nicht zur Hand. Damit wurde aktenkundig: Die Pharisäer, die die kompromittierende Münze sofort zur Hand hatten, waren die unterwürfigen Steuerzahler. Sie waren die Verräter, die Heuchler, er nicht.

Jesus begnügt sich nicht damit, die Hinterlist der Pharisäer aufgedeckt und sich ihr geschickt entzogen zu haben. Er geht das dahinterliegende Problem frontal an und setzt seine Verkündigung dagegen indem er die Pharisäer fragt: „Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“

Den tieferen Sinn dieser Aufforderung – dem Kaiser zurück zu geben, was ihm gehört, und gleichzeitig wieder Gott zu geben, was ihm gebührt - hat vor drei Jahren der emeritierte Papst Benedikt XVI. in der berühmten Freiburger Rede vor allem uns Deutschen ins Stammbuch geschrieben. Er forderte seine Landsleute auf, sich zu „entweltlichen“ und doch zugleich in der Welt zu sein.

Alles, was nur auf das Irdische und Weltliche ausgerichtet und um die vergänglichen Güter wie um einen Gott kreist, das müssen wir ablegen. Das können wir getrost, und wir müssen es sogar, dem Kaiser zurückgeben und uns so „entweltlichen“. Befreit von der Verweltlichung des Lebens – in dem nur noch Erfolg, Karriere, Geld, Beauty und Wellness und am Ende der allmächtige Vater Staat regieren –, kann man Gott wieder das Seine geben, und man wird an Seele und Leib gesunden; und mit einem, die ganze Gesellschaft.

Entweltlicht“ in der Welt leben. Das hat der Heilige Josefmaria wie folgt auf den Punkt gebracht (Der Weg, 82): „Zuerst Gebet, dann Buße, an dritter Stelle, weit an »dritter Stelle«, das Tun.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 42/2014 - 28. Sonntag im Jahreskreis (A)

Ernte - Camille Pissarro (1876) [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das fünfte Mal in Folge werden uns nun Sonntag für Sonntag Evangelien vorgetragen, die uns in Form eines Gleichnisses jenes Reich anschaulich vor Augen führen, um das uns Jesus im „Vater unser“ zu beten gelehrt hat. An diesem Sonntag vergleicht Jesus das Himmelreich mit „einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete.“ (Mt 22,2)

Der König „schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.“ (ibid., 3-6)

Da ist man als Zuhörer bzw. Leser nun doch ein wenig überrascht. Wir alle haben bei königlichen Hochzeiten über die Medien miterlebt, wie die Eingeladenen stolz darauf sind, dabei sein zu dürfen. Das königliche Hochzeitspaar adelt die Gäste! Im Gleichnis aber wird mit der Ablehnung der Einladung zugleich all das verschmäht, was diese Einladung an Ehre und Vorzügen mit sich bringt.

Deshalb wurde der König im Gleichnis zornig. Er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert, eingeladen zu werden. Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.“ (ibid., 7-9)

Mit diesem Gleichnis richtet sich Jesus damals an die Pharisäer und Schriftgelehrten, heute an uns. So wie damals die Pharisäer nicht begriffen, oder nicht begreifen wollten, dass Gott Vater selber dazu einlädt, an der „Hochzeit“ seines Sohnes teilzunehmen, so ist es auch heute. Mit dem gleichnishaften Hochzeitsbild dürfte ganz präzise das gemeint sein, was später der Hl. Paulus als liebevolles Verhältnis Christi zu seiner Kirche mit dem Verhältnis des Mannes zur Frau in der Ehe vergleicht. (Eph. 5,32)

Wir sind auserwählt und berufen, ja wir sind „geadelt“ durch Christus, der uns göttliche Würde verleiht. So wie er sich mit seinem Volk verbindet, so möchte und gewährt er jedem, mit ihm in seiner Göttlichkeit verbunden zu sein und demgemäß zu leben. Das erfordert aber, seine Einladung auch anzunehmen, sie zu schätzen wissen und ihr Folge zu leisten.

Letzteres wird im Gleichnis gleich zweimal betont. Der König richtet sich in seiner Einladung zuerst an die „Eingeladenen“. Damit sind die gemeint, welche der Einladung aufgrund ihrer Voraussetzung am ehesten entsprechen könnten. Damals wären es die Pharisäer und Schriftgelehrten gewesen; heute all die, die in einer christlichen Umgebung aufgewachsen, Christus dennoch kein Gehör schenken.

Da die zuerst Eingeladenen ihre Würde aus eigener Schuld verspielen, werden nun alle anderen eingeladen: „Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.“ Unter den Gästen bemerkte der König allerdings „einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis!“ (Mt 22,10-13)

Zur Zeit Jesu war es üblich, an einem eigens für die Armen vorgesehenen Zugang zu einer königlichen Hochzeit einfache Überwurf-Gewänder auszugeben, damit auch die Armen hochzeitgemäß gekleidet waren. Wer dieses Überwurf-Gewand ablehnte, der lehnte auch den König ab; der war nicht bereit, die vom einladenden König angebotene Würde und Ehre anzunehmen.

Wenn wir an diesem Sonntag zugleich Erntedank feiern, dann schließt sich hier ein Kreis. Im Maß der Dankbarkeit für alles Empfangene ist man in der Lage, besser zu verstehen, wie sehr diese Gaben und Geschenke „adeln“ und herausheben. – Möge unsere Dankbarkeit, und unsere Bemühen um Dankbarkeit, uns immer mehr mit Christus Jesus eins werden und fähig werden lassen, seine Gaben anzunehmen und ihnen zu entsprechen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 41/2014 - 27. Sonntag im Jahreskreis (A)

Es war ein Gutsbesitzer ...
... Sie packten seine Knechte ...
... Schließlich schickte er seinen Sohn, den einzigen ... [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Für das Gleichnis des Sonntagsevangeliums (Mt 21, 33-44) vom Gutsbesitzer, der einen Weinberg anlegt und an Winzer verpachtet, die schließlich aber die Ernte für sich behalten wollen, greift Jesus das alttestamentliche „Lied vom Weinberg“ (Jes 5,1) auf, wie es uns als erste Lesung vorgetragen wird. Dieses Lied vom Weinberg schildert anschaulich, wie „ein Freund“ liebevoll einen Weinberg angelegt (ibid., 2): „Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit edelsten Reben. Er baute mitten darin einen Turm und hieb eine Kelter aus. Dann hoffte er, dass der Weinberg süße Trauben brächte, doch er brachte nur saure Beeren.“

Damit führt Jesaja dem Leser vor Augen, dass Gott für sein Volk und die Seinen, für jeden Einzelnen, alles tut; sein Volk aber keine Früchte bringt (ibid., 4): „Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn tat? Warum hoffte ich denn auf süße Trauben? Warum brachte er nur saure Beeren?“ Schließlich äußert sich der Gutsbesitzer in seinem Zorn (ibid., 5): „Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: Ich entferne seine schützende Hecke; so wird er zur Weide. Seine Mauer reiße ich ein; dann wird er zertrampelt.“

Ganz ähnlich dem Weinberglied bei Jesaja, beginnt auch der Herr sein Gleichnis mit der Erzählung, wie ein Gutsbesitzer einen Weinberg anlegte (Mt 21,33): Er „zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm.“ Dann allerdings spitzt sich die neutestamentliche Erzählung anders zu.

Der Gutsherr (ibid., 33f) „verpachtete den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.“ Die Winzer aber wollen alles für sich behalten. Mehrfach verprügeln sie die Knechte und bringen einige sogar um. Schließlich schickt der Winzer sogar seinen eigenen Sohn (ibid., 37-39), „denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.“

Dieses Gleichnis ist in drei Miniatur-Szenen großartig im „Codex Aureus Epternacensis“ dargestellt. Es stellt uns vor die vielfältigen Fragen, wie wir mit den Gaben umgehen, die Gott uns geschenkt hat: Angefangen von den persönliche Gaben bis hin zu den Gaben, durch die Gott auch heute weiterhin zu uns spricht: etwas durch seine Knechte, die im Papst und den Bischöfen ein konkretes Gesicht und eine hörbare Stimme haben.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 40/2014 - 26. Sonntag im Jahreskreis (A)

Zur Seligsprechung von Bischof Alvaro del Portillo am 27.09.2014 in Madrid

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Sonntagsevangelium geht es um die Parabel des Vaters mit seinen zwei Söhnen (Mt 21, 28-32). „Der Vater ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite.“

Es kann hilfreich sein, die Frage Jesu einmal wie folgt zu ändern: „Welcher von den beiden ist euch sympathischer?“ So wird deutlich, dass die Gleichnisse Jesu mit unserem Leben zu tun haben. Denn der zweite ist uns natürlich sympathischer, weil wir alle uns selber in ihm wiederfinden, beziehungsweise wiederfinden möchten.

Manchmal sagen wir zwar ähnlich wie der erste Sohn „Ja“ und halten dann doch nicht, was wir versprochen haben. Wenn aber daraufhin keine Umkehr folgt, ist das schlimm. Und dann ist uns natürlich der sympathischer, der anfangs „Nein“ sagt, dann aber in sich geht. Später aber reute es ihn, und er ging doch“ heißt es in der Parabel.

Die Sympathie mit diesem zweiten Sohn liegt zudem darin begründet, dass auch wir alle keine Heiligen sind. Das Sympathische und Schöne ist eben die Umkehr! Darin liegt die Sympathie begründet: Wir alle sind Sünder, aber es gibt die Umkehr! Und wer umkehrt ist eben ganz anders als der „Scheinheilige“, der „Ja“ sagt, aber nur flüchtig und nicht von ganzem Herzen und deshalb am Ende eben nicht tut, was gut, sondern was böse ist.

Hier wird deutlich, dass sogar die Sünde – wohl ganz gegen den Sinn des Teufels – am Ende eine positive Wirkung erzielen kann: Wenn man sie bereut und sich von ihr aus ganzem Herzen abwendet!

In diesem Kontext lassen sich die dann folgenden Worte Jesu neu verstehen: „Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.“

Es sind Worte, die helfen, demütiger zu werden. Oft verbaut nämlich die Selbstgerechtigkeit den Weg, in der Tiefe des Herzens umzukehren. So führt der Hinweis auf die Bekehrung sogar von Zöllnern und Dirnen dazu, die eigene Selbstgerechtigkeit zu erkennen, die einer Umkehr in diesem Ausmaß im Wege steht. Und der Selbstgerechte hat die Umkehr genauso nötig, wie die Zöllner und Dirnen.

An diesem Samstag wird in Madrid Bischof Alvaro del Portillo selig gesprochen. Ich habe das Glück gehabt, ihm persönlich während meiner Studienzeit in Rom regelmäßig begegnet zu sein. Und ich habe das Glück, an seiner Seligsprechung in Madrid am 27.09. teilzunehmen. Wenn ich an diese Begegnungen zurückdenke, dann erinnere ich mich vor allem an die tiefe Menschlichkeit dieser großen Persönlichkeit. Dabei geht mir durch den Kopf: Er war ein Mensch wie du und ich. Du hast mit ihm gesprochen, ihn begrüßt, ihm zugehört, mit ihm einmal zusammen gefrühstückt und sogar ein „Zigarettchen“ geraucht usw. Was war das Besondere?

Sicher kann man da vieles aufzählen. Seine Liebenswürdigkeit, seine hohe Intelligenz, seinen gewaltigen Arbeitseinsatz zum Wohl der Kirche und vor allem an der Seite des Heiligen Josefmaria Escrivá, dessen erster Nachfolger er an der Spitze des Opus Dei war, usw. Aber das Entscheidende war doch, die immer wieder eingelöste Treue in der täglichen Erfüllung der ihm für sein Leben zugefallenen Rolle und Aufgabe. Das setzt tägliche Umkehr aus ganzem Herzen voraus und die immer wieder neue Entscheidung, „Ja“ zu sagen, allem zum Trotz; auch dann, wenn man geneigt war „Nein“ zu sagen, oder es sogar einmal gesagt hat.

Ihr Pfr. Dr. Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 39/2014 - 25. Sonntag im Jahreskreis (A)

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg aus dem Codex Aureus von Echternach
Der prachtvoll ausgestattete Einband des Codex Aureus - eine Stiftung von Kaiserin Theophanu und ihrem Sohn Otto III

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Der Codex Aureus von Echternach (Codex Aureus Epternacensis) enthält eine prachtvolle Darstellung des aktuellen Sonntagsevangeliums (Mt 20,1-16a). Der prachtvoll ausgestattete Einband dieses Codex ist übrigens eine Stiftung der uns in St. Pantaleon bestens vertrauten Kaiserin Theophanu und ihrem Sohn Otto III.

Wie das Evangelium berichtet, stellt die obere Bildreihe den Gutsherrn aus dem Gleichnis über das Himmelreich dar, der „früh am Morgen“ selber auf den Marktplatz geht, „um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben“. Das ist außergewöhnlich, und muss Jesu Zuhörer aufhorchen gelassen haben. Gewöhnlich erledigte diese Arbeit nicht der Gutsherr persönlich, sondern einer seiner Verwalter.

Die ausdrucksvolle Handgebärde des Gutsherrn unterstreicht, dass er sich klar und eindeutig „mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag einigt“. Die frohen Gesichter der Tagelöhner wiederum zeigen, dass sie mit dem Lohn einverstanden sind. Ein Denar war damals ein guter Lohn, mit dem auch eine kinderreiche Familie für einen ganzen Tag ernährt werden konnte. Es war der damals übliche Lohn für einen Tag Arbeit.

Die „Auserwählten“ gehören zu den, die Arbeit gefunden haben. Mit erfreuter Miene scheint der Arbeiter, der hinter dem Turm hervorlugt und mit dem Finger auf seine Brust zeigt, zu fragen: „Ich auch. Meinst Du auch mich? Darf auch ich mitkommen?“

Der Gutsherr geht ein weiteres Mal um die dritte Stunde, dann noch einmal um die sechste und die neune, schließlich sogar noch um die elfte Stunde, also gegen 17.00Uhr und damit eine Stunde vor dem allgemein verbindlich geltenden Feierabend, auf den Markt. Diese vier weiteren Male werden in einem einzigen Bild zusammengefasst. Diese Male wird kein Lohn festgesetzt. Entsprechend anders ist auch die Haltung der Hände des Gutsherrn. Beim zweiten und implizit beim dritten und vierten Mal sagt der Gutsherr nur: „Ich werde euch geben, was recht ist.“ Beim letzten Mal wird überhaupt nicht mehr über eine Vergütung gesprochen. Der Gutsherr fordert die Arbeitslosen, die damals nicht einmal Harz IV beziehen konnten, lediglich auf: „Geht auch ihr in meinen Weinberg!

Bei jedem Mal mehr sind es Arbeiter, die immer weniger noch Arbeit gefunden hätten. Völlig ohne Aussicht auf Arbeit waren wohl die Tagelöhner, die bis eine Stunde vor Arbeitsschluss immer noch ohne Arbeit dastanden. Vielleicht blickt deshalb der Arbeitslose ganz rechts außen den Gutsherrn auch gar nicht mehr an. Seine Situation ist hoffnungslos.

Bemerkenswert ist auch, dass jedes Mal wiederum der Gutsherr persönlich die Arbeiter anwirbt; und dazu noch bis eine Stunden vor dem für alle verbindlichen „Feierabend“. Die Arbeitsleistung und –fähigkeit dieser Tagelöhner, für die sich niemand interessierte und die deshalb von niemandem eingestellt wurden, konnte er wohl „vergessen“.

Die mittlere Bildreihe zeigt eindrucksvoll, gut beobachtet und meisterhaft wiedergegeben, die mühevolle Arbeit im Weinberg. Die Männer arbeiten mehr oder weniger im Takt. Wir nennen das heute Fließbandarbeit. Mit Hacken bearbeiten einige den Boden. Während die Arbeiter links im Bild mit ihren Hacken in den Boden schlagen – wobei der dritte Arbeiter aus dem Takt gekommen scheint –, heben die rechten Arbeiter mit dem notwendigen und anstrengenden Kraftaufwand ihre Hacken wieder nach oben, um in etwa synchron zum nächsten Schlag auszuholen.

Der Arbeiter ganz rechts kühlt sich an einer Quelle ab und deutet damit die Hitze des Tages an. Der Mann in der Mitte scheint eine Rebe zu leiten, und die Männer links außen Reben zu beschneiden.

Die Arbeiter leisten im Schweiße ihres Angesichts gute Arbeit. Das lässt ihren Ärger verstehen, der gemäß dem Evangelium dann im dritten Bild dargestellt wird.

Der veränderte Hintergrund in der unteren, der dritten Bildreihe veranschaulicht die fortgeschrittene Stunde und die sich nähernde Abenddämmerung, auf die in der linken Bildhälfte sowohl der Gutsherr wie der rot gekleidete Arbeiter mit ihren Händen hinweisen. Es ist Zeit für die Auszahlung des Lohnes. Dabei kommt es zum Eklat, den die rechte Bildhälfte in Szene setzt.

Entgegen dem sonst Üblichen gibt der Gutsherr persönlich dem Zahlmeister, der üblicherweise wusste, was zu tun ist, die Anweisung, den Arbeitern „angefangen von den letzten, bis hin zu den ersten“ den Lohn auszuzahlen. „Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar.

Dem wütend bösen Arbeiter ganz rechts hält der Gutsherr entgegen: „Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein.

Es lohnt sich, über dieses Gleichnis, mit dem der Herr das Himmelreich vergleicht, weiter nach zu denken.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 38/2014 - Kreuzerhöhung

"Kreuzerhöhung" [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Fest der „Kreuzerhöhung“ fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Es hat seinen Ursprung in Jerusalem. Dort war am 13. September 335 die Konstantinische Basilika über dem Heiligen Grab feierlich eingeweiht worden.

Der 13. September war auch der Jahrestag der Auffindung des Kreuzes durch Kaiserin Helena gewesen. Am 14. September, dem Tag nach der Kirchweihe, wurde in der neuen Kirche dem Volk zu ersten Mal das Kreuzesholz gezeigt („erhöht“) und zur Verehrung dargereicht.

Mit diesem Fest, das liturgisch Vorrang vor dem Sonntag im Jahreskreis hat, richtet die Kirche ihren Blick auf den gekreuzigten Jesus und ruft damit u.a. in Erinnerung, dass sich an Jesus damals wie heute die Geister scheiden.

Hat Jesus, wie Christen glauben, aus der Vollmacht Gottes gewirkt oder war er ein Hochstapler, ein falscher Prophet, ein Gotteslästerer und Gesetzesbrecher? In seiner Heimat wurde er abgelehnt, weil er sich an die Stelle Gottes setzte: er hat Sünden vergeben, das Sabbatgebot relativiert und sich selber Sohn Gottes genannt. In den Augen seiner Zeitgenossen waren das alles todeswürdige Verbrechen.

Aber warum ist Jesus in den Hexenkessel von Jerusalem gegangen, wissend, dass er dort sterben werde? Warum hat er sich dem Gericht nicht entzogen? Warum hat er seine Jünger nicht zum Kampf aufgerufen? Warum reagierte der Himmel nicht?

Darauf gibt es nur eine Antwort: Jesus nahm den Tod freiwillig auf sich. Er wollte tun, was der Vater will. (vgl. Mt 26,39.42) – Jesus tat das aus Liebe zu uns, sagen wir Christen. Er tat es, um uns durch sein Leiden zu erlösen. Aber: was heißt das?

Die Kreuzigung gilt als die grausamste Hinrichtungsart der Antike. Kein Römer durfte gekreuzigt werden; meistens bestrafte man damit entlaufene Sklaven. Aber Jesus wurde nicht nur ans Kreuz geschlagen. Man quälte und folterte ihn auf jede nur erdenkliche Weise: die grausame Geißelung bis auf die Knochen, die erniedrigende Dornenkrone mit unsäglich schmerzhaften Kopfwunden …

Was aber unterscheidet Jesus von den 6.000 Sklaven des Spartakusaufstandes (73—71 v. Chr.), die über Kilometer hinweg an der Via Appia, vor den Toren Roms, gekreuzigt wurden? Was unterscheidet seine Todesangst von der Todesangst der jüdischen Kinder in den Gaskammern von Auschwitz?

Zwischen den Leiden Jesu und dem millionenfachen Leid der Menschen gibt es einen Unterschied: Hier wurde nicht ein Mensch ans Kreuz geschlagen; hier starb die Liebe selbst: der menschgewordene Sohn Gottes.

Jesus litt weniger an den Wunden und dem Martyrium. Er litt weitaus mehr an all dem Hass, an der ganzen Bosheit, an all der Sünde, an allen Verbrechen und allen Lieblosigkeiten, die jemals die Erde verdunkelt haben. – Er litt auch an dir und mir.

Als Gott Mensch wurde, um seine grenzenlose Liebe zu beweisen, da setzte das Böse zu einem tödlichen Angriff an. „Tod und Leben“, heißt es in einem uralten Osterlied, „die kämpften einen unbegreiflichen Zweikampf“. – Es war, als hätte sich alles Unheil und alles Böse in der Welt zusammengerottet, um die Liebe schlechthin, um Jesus endgültig aus der Welt zu schaffen.

Es ergab sich eine Situation, die der Teufel selbst arrangiert haben könnte: Fanatismus, Hass, Lüge und falsches Zeugnis, eiskalter Zynismus, Machtspiele, Brutalität, Folter, Feigheit, Trägheit, Verrat, Schweigen. Es war, als hätte sich alles Böse in der Welt versammeln, um die Liebe endgültig auszulöschen.

Und was tat Jesus? Er ließ die Arme unten. Er schlug nicht zurück. Er verteidigte sich nicht. Er blieb stumm vor Pilatus. Er nahm das Kreuz auf sich. Er ließ es zu, dass sich die ganze Macht der Sünde an ihm austobte. Er starb, um einen neuen Anfang in der Welt zu machen.

Er gab sein Leben — auch für dich und mich.

Jesus ging freiwillig in den Tod am Kreuz, weil kein anderer an seiner Stelle tun konnte, was er für uns tat. In Jesus kam Gott ganz bei uns an. Im Land der Erbschuld. Im Elend unserer Gottesferne. Im Dunkel unserer Sünde. In unseren Traurigkeiten, unsren Leiden, unseren Schreien, unserer Verzweiflung, unserem Sterbenmüssen. In den Konzentrationslagern und Gaskammern.

Wir können immer noch weiter weglaufen von Gott. Aber wenn wir am tiefsten Punkt angekommen sind – ist da jemand: Jesus Christus. Im Tal des Todes wartet die Liebe auf uns.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt – (Der Text ist weitgehend dem YOUCAT-Firmbuch, S. 36 ff entnommen.)

 

Pfarrnachrichten 37/2014 - 23. Sonntag im Jahreskreis (A)

Die Bibel fordert dazu auf, den Sünder zurechtzu-weisen – Hier: Codes Vaticanus, Abschrift des Neuen Testamentes aus dem 4. Jahrhundert [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

“Wenn dein Bruder sündigt ...“ Mit diesen Worten beginnt das Sonntagsevangelium (Mt 18,15-20). – Wir sollten die Lektüre nach diesen vier Worten einmal unterbrechen, und fragen: Wenn dein Bruder sündigt, was ist dann? …Wenn ein anderer auf Abwege gerät und sich in Schuld verstrickt, was bedeutet das? … Hat das auch etwas mit uns, mit mir zu tun? … Vielleicht sollte man sich auch fragen: Wie reagiere ich darauf?

Weit verbreitet ist das schlechte Gerede über den „Sünder“. Andere wiederum sagen: Der muss selber wissen, was er tut. Ich halte mich da heraus. – Beide Haltungen sind verkehrt. Man wird dabei selber schnell schuldig.

Vor Jahren gab es einmal im zivilen Bereich eine Plakat-Aktion der Polizei: „Wer zuschaut macht mit“.

Auf die einleitenden Worte: „Wenn dein Bruder sündigt ...“ folgen zusammengefasst vier weitere Worte: „... dann weise ihn zurecht“! – Bereits im Alten Testament wird die Zurechtweisung eines Schuldigen gefordert (Sonntagslesung: Ez 3,7-9): „Wenn du den Schuldigen nicht warnst, dann fordere ich von dir Rechenschaft“. Jeder muss einmal dafür gerade stehen, ob er andere auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht und ihnen den rechten Weg gewiesen, sie „zu-recht-gewiesen“ hat!

Die folgende Geschichte veranschaulicht, dass eine solche „Zurechtweisung“ ein Werk der Nächstenliebe und Barmherzigkeit sein soll.

In der Fastenzeit kamen aufgebrachte Mönche zum Abt und berichteten, dass einer der Mönche in seiner Zelle reichlich Wurst, Käse, Brot und Bier verzehre. Daraufhin begleitet der Abt die aufgebrachten Mönche zur Zelle des Beschuldigten. Er klopfte an die Tür. Keine Reaktion. Er klopfte ein zweites Mal. Wieder tat sich nichts. Er klopft ein drittes Mal. Erst dann ertönte es von innen: „Herein!“ Der eintretende Abt bekam gerade noch mit, wie der beschuldigte Mönch die Schreibtisch-Schublade schloss.

Der Abt erkannte die Situation. Er setzte sich auf den Schreibtisch und ließ seine Beine vor der Schublade baumeln. Dann forderte er die anderen auf, die Zelle zu durchsuchen. Sie fanden natürlich nichts. Schließlich sagte er: „Was es auch war, Gott soll euch vergeben!“ Dann ließ er sie noch ein Gebet verrichten und schickte sie hinaus. Unter vier Augen nahm er den Beschuldigten in die Arme, gab ihm zwei Küsse auf die Wange und sagte: „Bruder, gib auf dich acht!“ Nach diesen Worten verließ auch der Abt das Zimmer.

Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm hin und weise ihn unter vier Augen zurecht.“ So die vollständige Aufforderung Jesu. Es geht nicht ums Rechthaben, auch nicht darum, dass etwas klargestellt wird. Es geht um den Menschen! Es geht darum, einen Verirrten auf den richtigen Weg zurückzubringen: Nicht von oben herab, nicht demütigend, nicht besserwissend usw.

Zu einer christlichen und brüderlichen Zurechtweisung gehört, dass der Zurechtweisende sich auf die Stufe des Zurechtgewiesenen begibt: „geh zu ihm hin“, und dass Ehre und Würde geachtet und respektiert werden: „unter vier Augen“. Dann hat ein gut gemeintes Wort auch eine gute Chance anzukommen.

Trotzdem kann einer sich verschließen. Dann sollen andere eingeschaltet werden. Und wenn alles nichts fruchtet, die Gemeinde, die Kirche (vgl. Mt 18,15-20)

Und wenn einer trotz aller Bemühungen unzugänglich bleibt? Wenn alles Zureden nichts bringt? … Dann bleibt noch das Gebet, zu dem das Sonntagsevangelium am Ende ermutigt: „Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.“ … Deshalb beten wir auch im Schuldbekenntnis: „Darum bitte ich euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.“ Wir brauchen das Gebet, sonst können auch wir auf unserem Weg nicht bestehen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 36/2014 - 22. Sonntag im Jahreskreis (A)

Jesus zu Petrus: "Weg mit Dir Satan!" (Mt 16,23)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaelon!

Im vorigen Sonntagsevangelium hörten wir, wie Petrus den Herrn als „Messias“, als „Sohn des lebendigen Gottes“ bezeugte. Unmittelbar darauf erklärte Jesus, dass Petrus der Fels sei, auf dem er seine Kirche aufbauen und dass die Unterwelt sie nicht überwältigen werde (vgl. Mt 16,13-20). An diesem Sonntag hören wir nun, wie Petrus den Herrn in Versuchung führt. Das überrascht.

Jesus hatte den Jüngern erklärt, dass er in Jerusalem "von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden (und) … getötet …, aber am dritten Tag (wieder) auferstehen werde.“ Daraufhin „nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ (Mt 16,21f)

Jesus wendet sich ungemein scharf gegen diese wohl gut gemeinten, aber verhängnisvollen Vorwürfe des Petrus, und weist ihn von sich mit den Worten: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ (Mt 16,23) Hier wird deutlich, was Versuchung und Sünde sind.

Mit der Ursünde ist sie, die Sünde, das erste Mal in die Geschichte des Menschen getreten. Die Heilige Schrift erzählt anschaulich (vgl. Gen 3,1-7), wie sich der Teufel in Gestalt einer verschlagenen Schlange an den Menschen heranmacht. Der Mensch, in diesem Fall zuerst Eva und ihr dann folgend Adam, durchschaut nicht die hinterlistige Dynamik der Versuchung.

Die Versuchung beginnt mit einer verlogenen Frage: „Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?“ (Gen 3,1) Damit ist das Interesse Evas für das Verbotene und für das Böse, das immer in einem Mangel an Gutem besteht, geweckt. Aber die Frau realisiert nicht, dass dieses Gespräch mit dem Teufel und mit der Versuchung schon ihren Fall einleitet. Sie antwortet, scheinbar noch fest und sicher auf der guten Seite stehend, dass das Verbot nur für die „Früchte des Baumes in der Mitte des Gartens“ gelte und fügt sogar eifrig hinzu: „daran dürft ihr nicht rühren“. (Gen 3,3)

Doch die Schlange, die „schlauer war als alle Tier des Feldes“ (Gen 3,1), hat nun ein leichtes Spiel. Ihr ist es gelungen, Eva zu verlocken mit dem Feuer zu spielen, ohne dass Eva dies gemerkt hat. So erkennt und durchschaut sie auch nicht mehr die nun folgende massive Lüge und Verdrehung der Realität durch den Teufel: „Ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“ (Gen 3,4-5)

Eva, die anfangs eine so enge und gute Beziehung zu Gott hatte, hat sich gegen Gott aufstacheln und sogar einreden lassen, er habe sie belogen und nur in Abhängigkeit halten wolle. Eva meint nun, sich von Gott emanzipieren zu müssen, um ganz sie selbst zu sein, und fortan nur noch das zu tun bzw. zu lassen, was sie für gut und böse halte.

Anders der Herr im Sonntagsevangelium. Er geht auf die scheinbar guten Ratschläge des Petrus überhaupt nicht ein, und verweist mit der harten Abfuhr, die er Petrus erteilt (s.o.), sehr direkt auf das, worum wir im Vaterunser beten: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe“. So ermutigt er uns, die List der Versuchung zu durchschauen und, wie er es im Folgenden sagt, sich selbst zu verleugnen, sein Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen. (vgl. Mt 16,24)

Jeder von uns hat oft genug Versuchungen erfahren, und ist ihrer nicht immer Herr geworden. Etwa: Ich will keinen Streit. Aber das muss ich jetzt doch noch sagen. … Oder: Ich will ja gar nicht vor dem Fernseher hängen bleiben, sondern nur mal eben schauen … Oder: Ich will mich ja gar nicht darauf einlassen, sondern nur ein wenig testen … Oder: Das macht doch heute jeder so … Oder: Das ist jetzt nur eine Ausnahme … usw. usw.

Die Erlösung des Menschen geht nur über den Weg des Kreuzes und der Nachfolge Christi in rechter Selbstverleugnung. Wer das wegrationalisiert, ist längst Gefangener des Teufels.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 35/2014 - 21. Sonntag im Jahreskreis (A)

Nach allen Sonntagsmessen findet die Aktion 1000plus statt!

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In den letzten Wochen und Monaten haben wir viel Böses mitbekommen. Weltweit kommt es nicht zur Ruhe; es flammt immer wieder auf: Unschuldige werden auf grausame Weise getötet oder zu lebensgefährlicher Flucht gezwungen. Ganze Landschaften werden unterjocht und geknechtet. Und das friedliche Zusammenleben wird seiner Grundlage beraubt und gnadenlos zerstört.

Verantwortlich dafür sind zum einen „sündige Strukturen“, deren mörderische Gesetze sich in der jüngeren Geschichte im Dritten Reich ungehemmt zeigen und entfalten konnten. Diese „sündigen Strukturen“ sind im Keim resistent gegen all das, was Menschen zu ihrer Überwindung unternehmen. Denn hinter den „sündigen Strukturen“ stehen Menschen, die sich verblendet, getäuscht oder getrieben aber manchmal auch ganz bewusst und gewollt in den Dienst des Bösen und seiner mörderischen Dynamik stellen.

Es sind aber nicht nur die Anderen. Auch in sich selber findet jeder den Keim des Bösen und der Zerstörung vor. Jeder weiß und erfährt es am eigenen Leib: Sowohl in der Welt wie auch in einem selber gibt es einen mehr oder weniger großen „Knacks“, den wir aus eigener Kraft nicht zu reparieren vermögen. Der christliche Glaube spricht hier von „Erbsünde“ oder „Ur-Schuld“, von der nur Gott befreien und erlösen kann.

Schaut man genauer hin, ist auch unsere zivilisierte und scheinbar so fortschrittlich kultivierte Welt in manchem nicht weniger grausam oder verblendet. Etwa beim Thema „Abtreibung“. Laut Angaben des statischen Bundesamtes wurden im letzten Jahr 102.802 Ungeborene durch Abtreibung getötet. Das ist eine „Großstadt“ (ab 100.000 Einwohner), die jedes Jahr in unserem Land ausgelöscht wird. Es lässt einen hoffen, dass die Zahl der Abtreibungen in Deutschland in den letzten Jahren spürbar und konstant zurückgegangen ist.

Im Jahr 2000 dokumentierte das Statistische Bundesamt 134.609 Abtreibungen. 2005 gab es noch 124.023 „Schwangerschaftsabbrüche“, wie man die Tötung Ungeborener auch umschreibt. 2009 entschied man sich 110.694 Mal für … sollte man realitätskonformer vielleicht sagen: „eine vorgeburtliche Entsorgung“, oder ganz direkt: „gegen das Kind“!? … 2011 wurde noch 108.867 Mal abgetrieben.

Die unterschiedlichen Formulierungsmöglichkeiten mit ihren Ecken, Kanten oder Glättungen lassen erkennen: Abtreibung ist ein komplexes Phänomen, das aber zugleich immer dem Bösen verfangen und darin eingetaucht bleibt. Der sogenannte Schwangerschaftsabbruch lässt sich aus dem Bösen nicht heraustrennen. Es gibt in keinem einzigen Fall eine Abtreibung, die gut ist. Gut ist hier nur allein der Wert des menschlichen Lebens.

Das macht es Frauen in ihren Konfliktsituationen so ungeheuer schwer. Für zahlreiche Schilderungen, die täglich ins Internet gestellt werden, möge die folgende sprechen:

„Morgen ist meine Abtreibung. Leider habe ich keine wirkliche Wahl. Ich habe 2 Kinder, bin 26 Jahre alt und studiere. Mein Mann möchte das Kind nicht haben und alleine schaffe ich es nicht. Mein Mann war bisher immer gegen Abtreibung, und jetzt, bei unserem eigenen, will er es loswerden! Ich sitze nur noch hier und weine. Ich weiß, vom Kopf her ist es wohl das Beste. Aber mein Herz sagt einfach etwas anderes.

Es ist so schwer, diese Entscheidung zu treffen, morgen dort hinzugehen und zu sagen: »Ich möchte mein Kind abtreiben lassen.« Ich habe das Herzchen schlagen sehen, aber mein Mann versteht mich einfach nicht. Er kommt dann immer mit Sätzen wie: »Es ist besser so. Das können wir uns nicht leisten. Du machst mich fertig, wenn Du noch ein Kind bekommst!«

Ich kann nicht mehr essen, kaum noch schlafen. Ich bin innerlich leer und kann nur noch Trauer und Schmerz fühlen. Ich weiß nicht, wie ich damit fertig werden soll. Ich weiß nicht, ob ich meinen Mann und meine Kinder danach noch lieben kann?! In mir ist einfach alles tot! Vielleicht zerreißt es mich morgen auch innerlich – ich weiß es nicht.

Ich hoffe, mein kleiner Stern wird frei sein und seine Seele findet eine Mami, die ihn mit offenen Armen empfangen wird. Meine Schuld werde ich ein Leben lang nicht loswerden!“

Das ist die Stimme nur einer Frau von vielen anderen, die verzweifelt sind und Rat und Hilfe suchen. Zu viele entscheiden sich in einer scheinbar aussichtslosen Lage und unter massivem Druck von außen für eine Abtreibung, mit all den negativen und belastenden Konsequenzen. Wenn man diesen Frauen hilft, hilft man zudem ihren bedrohten Kindern und der ganzen Gesellschaft. Deshalb habe ich der Spendenaktion 1000plus nach unseren Sonntags-Gottesdiensten am 23./24.8. gerne zugestimmt.

Hinter der Initiative 1000plus (www.1000plus.de) stehen Menschen, die nach dem Motto „Hilfe statt Abtreibung“ auch in diesem Halbjahr wieder 1000 und mehr Schwangeren in ihrer Not helfen wollen, eine Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind zu bieten. Helfen Sie dabei durch Ihre Spende mit!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 33-34/2014 - 19 + 20. Sonntag im Jahreskreis (A)

Phillip Otto Runge (1777 – 1810): Petrus auf dem Meer [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Heilige Matthäus berichtet im 14. Kapitel seines Evangeliums (ab Vers 22), dass der Herr nach einer wunderbaren Brotvermehrung, bei der 5.000 satt geworden waren, seine Jünger aufforderte, sie fast schon drängte, „ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.“

Das tat er und stieg unmittelbar danach „auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten.“ Er betet bis spät in die Nacht hinein. Währenddessen war das Boot mit den Jüngern schon „viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.

In der vierten Nachtwache“, also zwischen drei und sechs Uhr morgens, „kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See.“ Die Jünger erschraken darüber, „weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.“ Der Herr bemühte sich, sie zu beruhigen: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.

Wer die Heilige Schrift kennt, der kennt auch dieses Evangelium. Petrus stieg aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er jedoch bemerkte, „wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Kaum waren sie ins Boot gestiegen, „legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Wie auf dem abgebildeten Gemälde erkennbar ist, hat Philipp Otto Runge dieses Ereignis lebendig dargestellt. – Hier finden auch wir uns wieder: Ist nicht auch unser Glaube oft so klein wie die der Apostel damals, so dass oft schon eine kleinere Seenot eine viel zu große Seh-Not hervorruft, und wir in unserer Blindheit zu versinken drohen? – Die Ferienzeit ist eine gute Gelegenheit, dem Gespräch mit dem Vater im Himmel wieder die notwendige Zeit einzuräumen; ganz nach dem Vorbild Jesu (s.o.). So wird er uns die Gnade schenken, sogar – um im Bild zu bleiben – auf dem Wasser zu gehen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 31-32/2014 - 17 + 18. Sonntag im Jahreskreis (A)

Diese Ikone des Hl. Pantaleon wird anlässlich des Pantaleon-Krankensegens am 27. jeden Monats in unserer Pfarrkirche besonders verehrt.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Unser Patrozinium, der Gedenktag des Heiligen Pantaleon am 27. Juli, fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Wir werden diesen Tag gebührend feiern: In allen Heiligen Messen, einschließlich der Sonntagvorabendmesse am Samstag, besteht nach dem Schlusssegen für jeden Kirchenbesucher die Möglichkeit, den Pantaleon-Segen in der Form zu erhalten, wie er einmal im Monat – jeweils am 27. – erteilt wird.

Wie bekannt wurde, hat auch Papst Franziskus eine große Verehrung zum Heiligen Pantaleon. Er sprach dieser Tage davon, am 24. Juli, in einer Grußbotschaft zum fünfzigsten Jahrestag der argentinischen Wallfahrts- und Pfarrkirche vom Heiligen Pantaleon im Stadtteil „Mataderos“ von Buenos Aires. Fast schon nostalgisch erzählt er, wie er sich als Erzbischof von Buenos Aires wiederholt am 27. eines Monates auf den Weg machte zu der dem heiligen Arzt aus dem griechischen Nikomedien in Kleinasien als Patron anvertrauten Pfarrkirche.

Mit Blick auf das bevorstehende Jubiläum schreibt Papst Franziskus den Gläubigen dort: „Ich wünschte, bei Euch zu sein und die Male erneut zu erleben, an denen ich mich am 27. auf den Weg machte, um Euren Priestern bei der Beichte zu helfen. Immer kam ich bestärkt durch dieses Glaubenszeugnis zurück nach Hause. Ihr könnt Euch all das Gute, was ich dort empfing, nicht vorstellen. Für all dieses Gute möchte ich Euch danken. Und der Herr möge es Euch großzügig zurückgeben.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

 

 

Pfarrnachrichten 29-30/2014 - 15 + 16. Sonntag im Jahreskreis (A)

Kardinal Woelki - ein Bild vom Erzbistum Berlin

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Unser neuer Erzbischof hat wiederholt sein Verständnis vom Bischofsamt nicht nur verbal sondern vor allem auch durch seine Lebensweise zum Ausdruck gebracht, die erkennen lässt, dass er keine Privilegien oder ähnliches für sich in Anspruch nehmen will. Sein Verhal-ten legt nahe, dass er im Sinne des Heiligen Augustinus mit jedem seiner Gläubigen Christ sein will.

Vom Heiligen Augustinus stammt nämlich das interessante Wort: „Für Euch bin ich Bischof, mit Euch bin ich Christ.“ – Es bringt treffend auf den Punkt, wie das Miteinander von Bischof und dem ihm in seiner Diözese anvertrauten Gläubigen sein soll.

Möge das Wort des Heiligen Augustinus die Kölner ermutigen und bestärken, Kardinal Woelki nun auch als den zu sehen und anzu-nehmen, der er nun für uns ist: Unser neuer Erzbischof. Das heißt zum einen, für ihn zu beten, und zum anderen, ohne Abstriche auch „gute Schafe“ zu sein.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

 

Pfarrnachrichten 27-28/2014 - 13 + 14. Sonntag im Jahreskreis (A)

Von diesem Haus aus im südtiroler Passeiertal (Nähe Meran) werden in diesem Jahr unsere Messdiener manch einen Berggipfel bezwingen.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das erste Halbjahr geht dem Ende zu. Neben der verdienten Erholung laden die Sommerferien u.a. dazu ein, dankbar und mit der dafür notwendigen Zeit zurück zu blicken. Dann werden wir der Großzügigkeit Gottes inne, mit der er uns in den vergangenen Monaten reich beschenkt hat. Daraus erwachsen Kraft und Zuversicht für die Zeit nach den Sommerferien.

Gott allein weiß, wie sehr die unterschiedlichen Menschen innerlich beschenkt worden sind, die im Laufe des ersten Halbjahres in dieser Kirche St. Pantaleon in Gebet und Stille den Austausch mit ihm gesucht haben. Bescheiden aber stetig wächst die Zahl derer, die dem Herrn durch den Empfang der Sakramente, insbesondere der Eucharistie und der Buße näher zu kommen wünschen.

Beides sind und bleiben ganz herausragende und außergewöhnliche Gnadenquellen, durch welche Gott in einzigartiger Weise befreit und die Seinen zu neuen, wunderbaren Menschen macht.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 26/2014 - 12. Sonntag im Jahreskreis (A)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Mit Abstand an erster Stelle wird das Leben einer Pfarrei durch das religiöse Leben, und damit von unserem Herrn selber getragen. Er ist derjenige, der es möglich macht, dass sehr unterschiedliche Menschen „ein Herz und eine Seele“ (vgl. Apostelgeschichte 4,32) sind, wie es in bewegender Weise von den ersten Christen bezeugt ist.

Von daher haben die Gottesdienste, die Zeiten des gemeinschaftlichen und des individuellen Betens Vorrang vor allem anderen. Ebenso die Zeiten für den Empfang der Sakramente. Unter diesen Zeiten nimmt die Möglichkeit zum Empfang des Bußsakramentes sowie der religiös-geistlichen Begleitung und Anleitung für ein von Gott bestimmtes Leben im Alltag einen bedeutenden Raum ein.

Dahinter steht die Überzeugung, dass wir Gott auf diese Weise viele Möglichkeiten geben, uns positiv so zu verändern, dass wir überzeugen und gemeinschaftsfähig werden, und den Weg zur endgültigen Erfüllung eng miteinander vereint gehen können. –Noch einmal anders formuliert: Wenn wir uns für das religiöse Leben großzügig Zeit nehmen, dann geben wir Gott die Chance, aus uns liebevolle Menschen zu machen, mit denen man gerne zusammen ist!

Dazu gehört dann an zweiter Stelle, dass die christliche Gemeinde der Geselligkeit angemessen Raum gibt. Die christlichen Gemeinschaften haben sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sie über den Kreis der ihnen eng Zugehörigen auch alle anderen eingeladen haben, an ihrem Leben in Gemeinschaft teilzunehmen. Das traditionelle Pfarrfest, das wir ähnlich wie viele andere Pfarreien, einmal im Jahr feiern, ist eine der Formen, wo das konkret wird.

Vor diesem Hintergrund lade ich Sie herzlich ein, an unserem Pfarrfest am kommenden Sonntag, dem 29 Juni, teilzunehmen. Wir beginnen mit der Familienmesse um 10.00 Uhr. Daran schließt sich die Pfarrprozession an, bei der wir etwa eine Stunde singend und betend durch das Pantaleonsviertel gehen werden. Es wäre schön, wenn Sie am Prozessionsweg wohnen, Ihre Verbundenheit durch dezenten Schmuck im Fenster oder an bzw. vor Ihrem Haus bzw. Ihrer Wohnung (Fahne, Figur, Altärchen o.ä.) zum Ausdruck zu bringen.

Der Prozessionsweg verläuft in diesem Jahr wie folgt:

  • Von der Kirche St. Pantaleon über den städtischen Park, Pantaleonsstraße, Waisenhausgasse, Quirinstraße, Martinsfeld, Heinrichstraße, Ankerstraße, Schnurgasse und in der Kirche der Karmelitinnen „Maria vom Frieden“: 1. Statio
  • Von dort über die Straßen Schnurgasse, Steinstraße, Am Trutzenberg, Vor den Siebenburgen zur „Madonna am Weg“ (Kreuzung Waisenhausgasse // Trierer Str. // Am Pantaleonesberg): kurze 2. Statio
  • Über die Straße Am Pantaleonsberg zurück in die Kirche St. Pantaleon: 3. Statio

Nach dem Schlusssegen in der Kirche beginnt der gesellige Teil im wunderschönen Innenhof ab 12.15 Uhr. Neben dem Auftritt des mehrfachen Fußball-Weltrekordhalters JACEK, bekannt als „der mit dem Ball tanzt“ (http://www.der-mit-dem-ball-tanzt.de/), sind eine Luftballon Aktion geplant, ein Spiel ohne Grenzen, ein Kita-Theater (Aschenbrödel) im Westwerk, ein Fußball- und ein Tischtennisturnier.

Dafür haben einige schon manches vorbereitet. Jetzt geht`s in die Zielgerade und wir brauchen wieder großzügige Mithelfer beim Auf- und Abbau, bei der Betreuung der Stände und Theken und bei der Prozession. – Wer hilft noch mit (je mehr, umso besser!!): Beim Aufbau am Samstag, 28. Juni ab 10 Uhr (bis gegen 13 Uhr); beim Aufstellen der Pavillons am Sonntag, 29. Juni von 9 bis 10 Uhr; beim Abbau am Sonntag, 29. Juni ab 17.30 Uhr?

Wer von den Mädchen möchte wieder die ehrenvolle Aufgabe übernehmen, das Allerheiligste links und rechts von den „Himmelsträgern“ mit Blumen zu begleiten? – Bitte unmittelbar nach der Heiligen Messe vor die Sakristei kommen!! Wer von den Jugendlichen trägt wieder die Fahnen etc.? Wer von den Messdienern ist wieder mir dabei (Kreuzträger; Weihrauch; Glocken …)? usw.!

Für jede Rückmeldung und jedem, der mitmacht und mithilft, danke ich von Herzen! Auch in diesem Jahr liegt im Eingangsbereich der Kirche eine Liste aus, um sich für die Unterschiedlichen Aufgaben einzutragen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 25/2014 - Dreifaltigkeits-Sonntag (A)

Darstellung der Dreifaltigkeit

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaelon!

Am Sonntag nach Pfingsten feiert die Kirche den Dreifaltigkeitssonntag als Hochfest, an dem die ausgewählten Schriftstellen den Gläubigen vor Augen führen, dass der unendliche, ewige und für uns kleine Menschen unfassbare Gott sich uns geöffnet und sich uns zugewendet hat. Dabei wird zum einen deutlich, wer und wie Gott ist, und zum anderen, wer Gott für uns und wie er zu uns ist. Beides ist wichtig.

Gott ist weder der unverständliche alte Mann mit weißem Bart in der Himmelsecke, den man vergessen kann. Ebenso wenig ist Gott der Kumpel von nebenan, mit dem man sich auf die Schulter klopft und für alles Verständnis hat.

Auch wenn der Gläubige angesichts der Unfassbarkeit Gottes geneigt sein kann, sich mehr dafür zu interessieren, wer Gott für ihn und wie er zu ihm ist, darf er das andere, wer und wie Gott in sich selber ist, nicht vernachlässigen. Sonst bliebe Gott für uns Menschen auf das beschränkt, was wir als Menschen von ihm begreifen. Wir würden Gott auf den eigenen Wahrnehmungshorizont reduzieren, über den hinaus er uns doch gerade führen möchte. Erst dadurch geschieht Erlösung in Fülle. – Der Dreifaltigkeitssonntag bietet dazu eine gute Gelegenheit.

Die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Exodus (34,4 ff) spricht an, dass Gott in sich verschiedene, ja gegensätzlich anmutende Eigenschaften vereinigt: Gott ist heilig und unnahbar, aber auch nah und barmherzig. Beim Auszug aus Ägypten und am Sinai hat sich Jahwe vor Mose und dem ganzen Volk als der lebendige und anwesende Gott erwiesen. Aber er zeigt sich auch in seiner Majestät und in der Unveränderlichkeit seiner absoluten Größe.

So erfahren wir in der ersten Lesung (s.o.) am Dreifaltigkeitssonntag, dass „Mose am Morgen zeitig aufstand und auf den Sinai hinaufging, wie es ihm der Herr aufgetragen hatte. Der Herr aber stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin. Er rief den Namen Jahwes aus. Der Herr ging an ihm vorüber und rief: Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue. Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde und warf sich zu Boden.“

Im Alten Testament beruft sich der Mensch in seiner Schuld und Not auf Gottes Barmherzigkeit und seine Treue. Und er erfährt, dass Gott sogar dem untreuen Volk treu bleibt und es auf seinem Weg begleitet. Aber mit Mose verneigt sich auch das ganze Volk vor Gott bis zur Erde und wirft sich vor ihm zu Boden. Wo sich der Mensch durch die Anbetung Gottes das Gespür für Gottes Größe bewahrt, nur da kann er am Ende auch die Größe von Gottes Langmut und seinen Reichtum an Huld und Treu erfahren.

Im Neuen Testament schließlich offenbart sich Gott dem Menschen als der eine Gott, der in drei Personen ist. Es sind nicht drei Götter, sondern nur ein Gott. Aber das Wesen des einen Gottes ist entscheidend von den drei Beziehungen geprägt, in denen Gott als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist ist. Diese dreifache Beziehung bestimmt das Wesen Gottes. Sie ist der Grund dafür, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist drei verschiedene Personen, und dass zugleich der Vater, der Sohn und Heilige Geist ein und derselbe Gott sind.

Das ist kein höher Mathematik oder unbegreifliche Logik. Von der Logik und der Begrifflichkeit her bleibt das ganz präzise und ohne jeden Widerspruch. Aber vom Verstehen her bleibt hier immer nur eine zunehmend wachsende Annäherung möglich. Deshalb ist das ganze christliche Leben vom Bekenntnis zum einen und dreifaltigen Gott bestimmt.

Anfang und Ende, Taufe und Begräbnis, Aufstehen und Zubettgehen, Morgen- und Abendgebet, Tischsegen und andere Segnungen: Der Christ beginnt und beendet sie: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Und so ist es auch in der Liturgie: Alles Beten und Opfern richtet sich durch Christus im Heiligen Geist an den Vater. Deshalb betet die Kirche so oft das „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist!“

Der Glaube an den einen Gott in drei Personen ist das „zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens. Es ist das Mysterium des inneren Lebens Gottes, der Urgrund aller anderen Glaubensmysterien und das Licht, das diese erhellt.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 234)

Insbesondere gehen die Beziehungen aller Geschöpfe untereinander auf die Beziehung zurück, in denen der eine Gott als drei Personen ist. Als Abbild Gottes werden insbesondere die Beziehungen der Menschen untereinander in dem Maß gesunden, wie Menschen sich dem Geheimnis des dreifaltigen Gottes öffnen, nachdem Gott sein „Beziehungs-Geheimnis“ dem Menschen geöffnet und seiner Kirche anvertraut hat.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 24/2014 - Pfingsten (A)

Turmbau zu Babel (Pieter Bruegel 1563) – Am Pfingsttag hebt der Geist Gottes die vom Menschen verursachte Sprachverwirrung wieder auf. [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Fünfzig Tage nach dem Pascha-Fest, dem Fest des „Vorübergangs des Herrn“, bei dem damals in Ägypten die Erstgeburten der Israeliten verschont blieben, feierten die Juden ein großes Erntedankfest. Es war zugleich – wahrscheinlich sogar ursprünglicher – das Fest der Offenbarung der Tora an das Volk Israel. Es war im Alten Bund ein frohes Fest.

Nach neutestamentlicher Überlieferung ereignet sich in Jerusalem an diesem Tag etwas ganz Außergewöhnliches, wodurch das ganze Volk zusammengebracht wurde (Apg. 2,2 ff): „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie (= die Jünger Jesu) waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören.

In Analogie zum jüdischen Erntedankfest ereignete sich an diesem Tag auf neue Weise ein Fest der Ernte, eine Fest der Erfüllung und Vollendung. Nun werden die Früchte des erlösenden Geschehens um Ostern sichtbar: Jesus hat als Sohn Gottes und als Menschensohn die Sünde auf sich genommen, zu Grabe getragen und durch seine Auferstehung in ihrem tiefsten, ihrem gegen Gott gerichteten Wesen besiegt und überwunden.

Das neutestamentliche Pfingstfest bestätigt die Auferstehung Jesu. Nun wird allen sichtbar, dass Jesus lebt, dass er Christus, der Herr ist, und dass er in der Überwindung des Ursprungs jeder Sünde auch deren Folgen überwunden hat.

Jede Sünde entspringt am Ende dem Selbstbetrug des Menschen, aus eigener Kraft Herr des Lebens und aus sich heraus wie Gott zu sein (vgl. Gen. 3,4f: „Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben [wenn ihr von der verbotenen Frucht esst]. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“) Genau darin besteht das gegen Gott gerichtetes Wesen jeder Sünde: Auf Gott zu verzichten; bzw. ihn höchstens als alten Mann mit Bart irgendwo in der Himmelsecke sitzen zu lassen und im Übrigen ganz von Gott emanzipiert fortan nur noch so zu leben, wie es einem selber passt; und nur noch mit sich selber auszumachen, was für einen gut oder böse ist.

Die Folgen der sich unablässig wiederholenden Sünde des Menschen gegen Gott und damit am Ende gegen sich selber werden im Alten Testament wiederholt, und besonders anschaulich im Turmbau zu Babel vor Augen geführt.

Die mächtige Stadt Babel war dem biblischen Verfasser der Inbegriff menschlicher Überheblichkeit. Dort stand der Tempel des Stadtgottes Marduk mit seinem siebenstöckigen Turm, genannt „Fundament des Himmels und der Erde“. Aber diese Macht als Fundament und Grundlage des Lebens sollte nicht mehr einem Gott gehören, der wie ein Unterdrücker des Menschen empfunden wurde, sondern ihm, dem Menschen selber. So formten die Bewohner Babels Lehmziegel, brannten sie zu Backsteinen, wie es im Alten Testament anschaulich erzählt wird, und beschlossen (Gen 11,4): „Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel, und machen wir uns damit einen Namen.“

Aber statt der erhofften, gemeinschaftlich erarbeiteten Vollendung menschlicher Macht und Größe endete alles im Chaos der Sprachverwirrung: Keiner verstand mehr den anderen, weil jeder nur auf sich selber hörte.

Diese Sprachverwirrung, die ihren Ursprung in der Abwendung von Gott hat, wird am Pfingsttag endgültig aufgehoben und überwunden. Wo der Mensch sich von Gott durch das geheimnisvolle, von Gottes Geist gewirktem „Feuer und Brausen“ wieder mit ihm und dadurch mit sich selber versöhnen lässt, lebt er erneut in der Wahrheit: nicht nur mit Gott und mit sich selber versöhnt, sondern darüber hinaus auch versöhnt mit der großen Familie des einen Gottes, d.h. mit allen Menschen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 23/2014 - 7. Sonntag in der Osterzeit (A)

Christi Himmelfahrt. Kuppelgemälde im Kloster Walaam, Russland [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Pfarrbrief dieser Woche möchte ich Sie noch einmal darum bitten, unsere 10 Kommunionkinder, die am Fest Christi Himmelfahrt zum ersten Mal das Sakrament der Eucharistie empfangen haben, und ihre Familien auch weiterhin in Ihrem Gebet zu begleiten und ihrer zu gedenken. Die Kinder haben sich gut vorbereitet und waren meist auch gut dabei. Wir haben miteinander auch viel Spaß gehabt, wie die Kinder selber es formuliert haben.

Die Predigt bei der Feier der Erstkommunion war nicht nur an die Kinder sondern teilweise auch an die Eltern und Familien gerichtet. Dabei wurde auch offen und nüchtern die Situation der Sonntagsheiligung angesprochen, wie sie de facto zu beobachten und zu erleben ist. In der gleichen Offenheit kann das deshalb hier auch wiedergegeben werden.

Mit den Kindern haben wir im Kommunionunterricht wiederholt über die Bedeutung des Sonntags und den Besuch bzw. die aktive Mitfeier der Sonntagsmesse gesprochen. Die Kinder haben daraufhin ihre Eltern wiederholt darum gebeten, sonntags mit ihnen zur Hl. Messe zu gehen. Bislang ist es den Kindern von ihrem zarten Alter her tatsächlich kaum möglich, dies alleine zu tun. Die Kinder jedenfalls wären gerne gekommen.

Leider haben die Kinder bei ihren Eltern und in ihren Familien kaum Unterstützung dafür gefunden. So haben sie auch während der Zeit ihrer Kommunionvorbereitung die Sonntagsmesse nur ganz sporadisch besucht. Daran habe ich die Familien und Eltern am Tag der Erstkommunion in der Predigt erinnert. Das Thema war ihnen gut bekannt.

Das ist die Realität, so habe ich den Eltern gesagt, wie sie uns allen bekannt ist. Aber damit dürfe man sich nicht abfinden. Denn wenn wir den Sonntag nicht halten, dann wird auf Dauer auch der liebe Gott uns nicht mehr halten können.

Hiermit habe ich nun indirekt auch Sie, lieber Leser des Pfarrbriefes, an die Bedeutung Ihres stellvertretenden Gebetes erinnert und ich danke ihnen – auch im Namen der Kinder und ihrer Eltern –, dass Sie dieser Aufgabe auch in Zukunft nachkommen werden.

Selbstverständlich war die Erstkommunionfeier auch dieses Jahr wieder sehr feierlich. Viele haben bei den Familienbesuchen am Nachmittag für alles gedankt und mir auch gesagt, wie gut alles war und wie sehr die Feier auch sie als Eltern, Paten und Erwachsene angesprochen hätte.

Nun stehen bereits die nächsten Dinge an, darunter auch einige mehr profane, aber nicht weniger interessante Veranstaltungen und Begegnungen.

Am Freitag, dem 13. Juni wird um 19.15 Uhr in der Kirche St. Pantaleon der „Festsommer auf dem Pantaleonsberg“ mit einer Ausstellung zur „VIA SACRA – ein Pilgerweg der anderen Art“ eröffnet. Es geht um Planungen, an dem sich mehrere bundesdeutsche Universitäten mit dem Ziel beteiligt haben, die bedeutenden romanischen Kirchen Kölns auch städtebaulich besonders zur Geltung zu bringen. Nach den erläuternden Erklärungen der Fachleute endet dieser Auftakt mit einem kleinen Straßenfest vor und im Pfarrsaal.

Dieser Auftakt ist zugleich Bestandteil unseres diesjährigen Theophanugedenkens, in dessen Mittelpunkt die Feier der Eucharistie am Sonntag, dem 15. Juni um 18.30 Uhr steht. Auch in diesem Jahr werden wieder Vertreter vor allem der Ostkirchen mit dabei sein und unmittelbar im Anschluss an die Abendmesse das orthodoxe Totengedenken (Mnemosynon) am Grab der Kaiserin halten. Anschließend laden wir zu einer kurzen geselligen Begegnung in den Pfarrsaal ein.

Am Donnerstag, dem 19. Juni, werden wir nach alter Gewohnheit unmittelbar im Anschluss an die 10.00 Uhr - Familienmesse gegen 10.50 Uhr von St. Pantaleon aus wieder Richtung Roncalli-Platz aufbrechen und uns dort in die zentrale Fronleichnamsprozession eingliedern.

Mit dem Pfarrfest am Sonntag, dem 29. Juni findet dann das erste Halbjahr einen würdigen und schönen Abschluss: 10.00 Uhr Familienmesse, dann Prozession durch das Pantaleonsviertel und ab 12.00 Uhr Begegnung und Feier im historischen Innenhof der ehemaligen Klosteranlage. Es werden noch Helfer gesucht!!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 22/2014 - 6. Sonntag in der Osterzeit (A)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Erinnern Sie sich noch an Ihre Kindheit? Haben Sie noch in Erinnerung, was ein Kind denkt und fühlt, wenn die Mutter etwa beim sonntäglichen Nachmittagskaffee ein besonders großes Stück Kuchen dem Kind abschneidet und auf den Teller legt, das sie mehr als die anderen liebt?

Für uns Menschen ist es äußerst schwer, Liebe und Gerechtigkeit in genau der richtigen Weise miteinander zu verbinden. Wir müssen uns darum bemühen, gut abzuwägen und alles in rechter Weise aufeinander abzustimmen. Da aber wirkliche und wahre Liebe alle Grenzen übersteigt, stehen wir hier vor einem „Liebes-Dilemma“; denn die Gerechtigkeit setzt notwendigerweise Grenzen. Aber setzt sie auch der Liebe Grenzen?

Hier hilf das Evangelium vom sechsten Ostersonntag (Joh. 14,15-21). Am häufigsten kommt in ihm das Wort „Liebe“ vor: Insgesamt fünf Mal. Aber es bleibt gewöhnungsbedürftig, dass unser Herr die häufig genannte Liebe wiederholt in ganz enge Verbindung mit den Geboten bringt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ bzw. „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.

Wo genau liegt unsere Schwierigkeit bei dieser Verbindung von „Liebe“ und „Gebot“? – Hier ist hilfreich, das Gebot vom Verbot zu unterscheiden. Nicht bei allen der 10 Gebote heißt es verbietend: „du sollst nicht …“. Bei einigen heiß es auch gebietend: „du sollst ...“.

Das Verbotene benennt das, was nicht mehr geht: „du sollst nicht “, weil es der Liebe zutiefst widerspricht. Das Gebotene hingegen benennt das, was der Liebe entspricht: „du sollst …“. Von daher ist hinter jedem Verbot nicht nur zu sehen, was es verbietet, sondern immer auch das, was es gebietet.

So ist im Verbot zu Lügen das Gebot zur Wahrhaftigkeit mit eingeschlossen. Und wie das Lügen in negativer Richtung der Liebe widerspricht und sie tötet, so entspricht in positiver Richtung das Gebot zur Wahrhaftigkeit der Liebe und bringt sie zum Leben. Hier wird deutlich, wie tief der Zusammenhang zwischen beidem, zwischen der Liebe und dem Gebotenen ist: Wer die Gebote hält und wer das Gebotene tut, der wächst in der Liebe. Das Verbotene hingegen benennt deutlich das, wodurch die Liebe stirbt und sie verloren geht.

Im alltäglichen Leben ist das oft mit Mühe verbunden. Nicht selten gleicht ein Tag dem anderen. Und die Wochen vergehen, ohne dass große Veränderungen sichtbar werden. Aber wer sich immer wieder neu mit Gottes Hilfe darum bemüht, das Verbotene draußen vor zu lassen und sich dem Gebotenen zu öffnen, der tritt nicht auf der Stelle, sondern schreitet voran; denn schon das nicht Zurückfallen in die Sünde ist segensreich und bereits ein großer Fortschritt.

Schaut man sich das Evangelium dieses Sonntags näher an, fällt auf, dass der Evangelist Johannes zu Beginn mit Worten Jesu die Verbindung von Liebe und Gebot herstellt (Joh. 14,15): „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Unmittelbar darauf gibt Johannes die folgenden Worte Jesu wieder (ibid., 16f): Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“

Nach weiteren Ankündigungen der Herabkunft des Heiligen Geistes und Aussagen über den besonderen Beistand, den Gott seinen Kindern im Übermaß gewährt – ibid. 18: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch“ – kommt Johannes mit Worten Jesu auf die enge Verbindung von Gebot und Liebe – jetzt sogar in umgekehrter Reihenfolge – zurück (ibid. 21): „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.

Bei der Mühe im alltäglichen Leben und dem täglichen Bemühen darum, nicht in die Sünde zurück zu fallen, sondern – wiederholt auch beschwerlich und nicht ohne Selbstüberwindung – das Gebotene („dein Wille geschehe“) zu tun und darin voranzuschreiten, steht der Gläubige als Kind Gottes nie alleine. Die Verbundenheit mit Gott schenkt ihm nicht nur Kraft; sondern wachsende Liebe, die erfüllt und zugleich erkennen lässt, wie groß die Veränderungen und Verwandlungen sind, welche die Treue in den Geboten mit sich bringt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 21/2014 - 5. Sonntag in der Osterzeit (A)

„Ego sum via, veritas et vita“ – „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – Mosaik der Altar-Apsis in Maria Laach [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Evangelium dieses 5. Ostersonntags (Joh. 14,1-12) beginnt mit den ermutigenden Worten: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!“ Jesus möchte eine Antwort geben auf die Situation der Jünger, und die des Menschen überhaupt. Mit Blick auf diese Situation könnt man auch, ganz eng am originalen Wortlaut orientiert, übersetzen: „Euer Herz lasse sich nicht durcheinander schütteln. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!“

Die Ankündigung seines bevorstehenden Todes hat den Aposteln schwer zugesetzt. Ähnlich ist es mit anderen, mit besonderen oder auch den täglichen Herausforderungen des gewöhnlichen Lebens – die Vielzahl von Unrechtsituationen, eigenes Unvermögen, seelisch oder physisch anhaltende Schmerzen usw. –, die das Vertrauen auf Gott, den Glauben an ihn und sein Wirken „durcheinander schütteln“ können. Angesicht dieser Situation öffnet Jesus seinen Jüngern von damals und heute eine über das Irdische weit hinausgehende Lebensperspektive.

Jesus erklärt (vgl. Joh. 14,2-4), dass es im Haus seiner Vaters „viele Wohnungen“ gebe; dass er gehen werde, um seinen Jüngern „einen Platz vorzubereiten“ und dass er dann „wiederkommen“ und seine Jünger zu sich „holen“ werde, damit, wie es dann wörtlich heißt, „auch ihr dort seid, wo ich bin“. Am Ende überrascht Jesus mit der Feststellung: „Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.“

Die Verheißung des Himmels und des ewigen Lebens ist im Allgemeinen überaus hilfreich. Aber wie hilft sie konkret, wenn es im Leben eng wird; wenn unmittelbar spürbare Sorgen erdrücken und wenn Schmerz, Sorgen und Aussichtslosigkeit so groß und belastend geworden sind, dass kein Silberstreifen mehr am Horizont sichtbar ist? – Da scheint die Aussage Jesu: „Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr“ wenig hilfreich und sogar einigermaßen taktlos. Sie scheint an der als Not und Bedrängnis empfundenen Situation vorbeigeredet und diese gar nicht recht wahrzunehmen.

Jedenfalls scheint es dem Apostel Thomas so ergangen zu sein, da er dem Herrn entgegenhält: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“

Daraufhin erwidert der Herr: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Diese Antwort ändert überraschend und durchaus grundlegend die Perspektive. Mit Blick auf die vielen Wohnungen im Haus seines Vaters, von denen der Herr sprach, ist dieser Perspektivenwechsel ähnlich überraschend wie der einer kinderreichen, wohnungssuchenden Familie gegenüber einem Vermieter, der die einzig freie Wohnung nur einem „kinderlosen Paar“ geben wollte. So stellten sich schließlich die beiden ältesten Kinder dem Vermieter als „kinderloses (Geschwister)-Paar“ vor. Sie würden die Wohnung mieten. Die Eltern und die restlichen Geschwister würden dann nachziehen.

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Wenn all die „frommen“ und manchmal so nüchtern-klar formulierten und so gewiss klingenden Glaubenswahrheiten nicht mehr zu tragen und einem nichts mehr zu sagen vermögen, weil sie scheinbar keinen Bezug zur konkret erlebten Not und Bedrängnis haben und sie vor allem nicht zu verändern vermögen, dann kommt zum Tragen, was wirklich trägt: Die Beziehung, die Gott zu uns Menschen sucht und die er uns durch seinen Sohn als „Weg, Wahrheit und Leben“ anbietet.

Das setzt freilich einen täglich gelebten Glauben voraus, der sich nicht nur festhält an Glaubenssätzen und vorformulierten Glaubensbekenntnissen. Ein „gelebter Glaube“ lebt vom persönlichen Austausch und Gespräch mit Gott vor seinem Angesicht. Ein solches Gespräch mit Gott, vor allem das Hinhören auf das, was Gott uns angesichts unserer konkreten Lebenssituation sagen möchte, scheint oft zwar nicht weniger anspruchsvoll und manchmal auch ähnlich unerreichbar, wie nüchtern-klar klingende Glaubenssätze. Aber es stellt sich dann mit Gewissheit die Erfahrung ein, dass sich die Perspektive schrittweise, manchmal sogar ganz überraschend zu verändern beginnt.

Es wächst die Gewissheit, weil Gott sie jedem schenkt, dass man als von Gott geliebtes Geschöpf nicht umsonst und vergeblich unterwegs ist, und dass sich erfüllen wird, was er verkündet hat: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen … damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 20/2014 - 4. Sonntag in der Osterzeit (A)

Zum Bildwort Jesu, „Ich bin die Tür“, passt dieses Bild von einem Schafstall, wie wir ihn kennen; gemalt von Cornelis van Leemputten [public domain]

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Die biblischen Lesungen des fünften Sonntags in der Osterzeit nennen Jesus Christus „Herr und Messias“ (Apg. 2,36), „Hirt und Bischof eurer Seelen“ (1. Petr. 2,25) sowie „Tür zu den Schafen“ (Joh. 10,7). Mit dem bildhaften Vergleich „Tür“ bezeichnet Jesus sich selber in seiner gleichnishaften Rede vom Schafstall: „Ich bin die Tür, wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.

Zum rechten Verständnis muss u.a. der Kontext bedacht werden. Unter einem Schafstall ist im mediterranen Raum selten ein Gebäude, sondern meist ein geschützter Bereich auf freiem Feld zu verstehen, der von einem aus Dornengestrüpp zusammengetragenen Ringwall umgeben ist. Durch einen schmalen Zugang, der von Dornengestrüpp frei gelassen wird, werden die Schafe verschiedener Hirten und Herden am Abend hineingelassen. Nicht selten legt sich einer der Hirten die Nacht über in diese Öffnung. Als „lebendige Tür“ schützt er die Nacht über mit seiner ganzen Person die Schafe gegen wildernde Tiere, so dass nicht einmal ein Wolf sich zu nähern wagt.

Am frühen Morgen ruft dann jeder Hirten durch einen Lockruf, auf den nur die Schafe seiner Herde reagieren, seine Schafherde wieder zusammen und führt sie auf seine Weide. Das war den Zuhörern vertraut. Aber was genau will Jesus sagen, wenn er vor dem Hintergrund dieser schon antiken Alltagserfahrung seinen Zuhörer erklärt (Joh. 10,1-5): „Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen.“

Der Evangelist Johannes bemerkt abschließend, dass die Zuhörer Jesu (Joh. 10,6) „den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte, nicht verstanden.“ Streng genommen wundert das nicht. Die bildhafte Rede Jesu bedarf zusätzlicher Verständnishilfen. Sie ist aus sich selber nicht eindeutig.

Auch der das Sonntagsevangelium abschließende Zusatz schafft keine Abhilfe (ibid. 7-10): „Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Das Verständnis wird jedoch zunehmend eindeutig durch die bald einsetzende apostolische und frühkirchliche Praxis. Sie ist vom Heiligen Geist inspirierte Auslegung und Umsetzung der Worte Jesu. Der Christgläubige findet hier Orientierung; und nur von der kirchlichen Praxis und Lehre aus kann er die Worte Jesu, wie die der Heiligen Schrift, so verstehen, wie sie gemeint sind. Die Schrift alleine reicht nicht!

Diesen Weg hat Jesus selber eingeschlagen. Nach seiner Auferstehung hat er das bildhafte Wort vom guten Hirten auf den Heiligen Petrus ausgeweitet (vgl.: Joh. 21,15-17). In dieser von Jesus vorgegebenen Richtung weitet Petrus dieses Bildwort dann auf die „Ältesten“ aus. Damit sind die frühkirchlichen Bischöfe und Priester gemeint. So entfaltet sich schrittweise, was Jesus in seiner bildhaften Rede vom Schafstall alles gesagt und grundgelegt hat.

Im seinem oben bereits zitierten ersten Brief sagt Petrus getreu dieser Verständnis- und Entwicklungslinie zu den „Ältesten“ (1 Petr., 5,2-4): „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde. Wenn dann der oberste Hirt erscheint, werdet ihr den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen.“

Hier wird die unverzichtbare Bedeutung der Kirche deutlich. Verbunden mit Jesu ist auch sie „die Tür“ für die Schafe und „zu den Schafen“ (s.o.). Ihre Aufgabe besteht bis zum Ende der Zeit vor allem darin, jeden mit dem „obersten Hirten“, mit Jesus als „Herr und Meister“, als „Hirt und Bischof der eigenen Seelen“ sowie als „Tür“ bekannt und vertraut zu machen. Alles andere ist dem untergeordnet.

Daraus ergibt sich die Frage für jeden Menschen guten Willens: „Und wie setzt Du das in Deinem Leben um?“ – Es lohnt sich allemal, darüber nicht nur theoretisch zu räsonieren. Der Hl. Geist ermutigt und hilft auch heute, das alles im Sinne Jesu voranzubringen und umzusetzen. Packen wir es täglich neu an!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 19/2014 - 3. Sonntag in der Osterzeit (A)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Das Sonntagsevangelium von diesem dritten Sonntag in der Osterzeit berichtet über eine etwas überraschende und eigenartige Begegnung der Jünger mit dem Auferstanden. Dieser Bericht wurde offenbar erst bei der sogenannten Endredaktion des Johannesevangeliums noch mit aufgenommen. Zur ursprünglichen Vorfassung des Johannes-Evangeliums gehörte er scheinbar nicht dazu. Sie endete mit der Erzählung vom ungläubigen Thomas, die wir letzten Sonntag hörten. Der Grund für diese „Erweiterung“ erschließt sich aus dem Bericht.

Johannes berichtet, dass einige der Apostel offenbar unschlüssig, wie es jetzt weitergehen werde, zusammen waren. Irgendwann „sagte Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.“ (Joh. 21,2f)

Man vermag sich gut vorzustellen, wie den Aposteln zu Mute war. Nach der interessanten Zeit von drei Jahren an der Seite Jesu fühlten sie sich alleingelassen. Die große Freude über die Auferstehung und die nachfolgenden Begegnungen mit dem Auferstandenen hatten sie wohl hoch motiviert und vieles erhoffen lassen. Aber es war nicht mehr so wie früher.

Die Dauer der Begegnungen mit dem Herrn war meist nur sehr kurz. So erzählt der heilige Lukas von den Emmausjüngern, dass sie ihn erkannten, als er das Brot brach, „dann aber sahen sie nicht mehr.“ (Lk. 24,31) Darüber hinaus hat der Herr den Aposteln offenbar keinerlei Strategie oder Anweisung hinterlassen, wie sie seinen Auftrag nun konkret umsetzen sollten, „in die ganze Welt“ hinauszugehen, „alle Menschen zu taufen“ und „das Evangelium allen Geschöpfen“ zu verkünden (vgl. u.a. Mk. 16,5; Mt. 28,19f).

Der Auferstandene, auch wenn er es selber mit „Fleisch und Knochen“ und nicht sein „Geist“ war (vgl. Lk 24,38), gehörte fortan einer anderen „Spähre“ an, weshalb er u.a. Maria von Magdala aufforderte: „Halte mich nicht fest“ (vgl. Joh. 20,17).

In gewisser Weise kehrte für die Apostel nach der Auferstehung Jesu der Alltag wieder ein: „Ich gehe fischen“ (s.o.). – Petrus nimmt seinen Beruf, seine alltägliche Arbeit wieder auf, die er vor drei Jahren auf das Wort Jesu hin verlassen und aufgegeben hatte, um ihm zu folgen und fortan „Menschen (zu) fangen“ (Lk. 5,10). Auch dieser, das Leben des Petrus entscheidend verändernden Begegnung mit Jesus drei Jahre zuvor, ging ein vergeblicher Fischfang voraus (vgl. Lk. 5,5).

Die Parallelen beider Berichte sind offensichtlich und sie lassen erkennen, warum der Evangelist diesen Bericht in der sogenannten Endredaktion unbedingt noch aufnehmen musste: Die zweite Begegnung Jesu mit seinen Jüngern nach dem vergeblichen Fischfang, diesmal nach seiner Auferstehung, verdeutlicht, wie der Herr fortan Menschen begegnet und ihr Leben entscheidend verändert – wir sprechen hier von Erlösung –, wenn sie dazu bereit sind.

Um es kurz zu machen: Von seiner Auferstehung an bittet Jesus nicht nur Petrus sondern jeden Menschen: „Habt ihr (für mich) nicht etwas zu essen?“ (Joh. 21,5) Und höchstwahrscheinlich müssen auch wir, und möglicherweise sogar genervt wie Petrus und die anderen damals antworten: „Nein“ (ibid.). – Unbeirrt von unserem und der Apostel Unvermögen sagt der Herr auch heute, nicht anders wie damals: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“ (ibid. 6).

Wo Menschen nicht nur mit den Lippen, sondern mit bereitem Herzen beten: „Dein Wille geschehe“ (Mt. 6,10) und ihr Leben gemäß der Bitte „Dein Reich komme“ (ibid.) von Gott auch verändern und erlösen lassen wollen, da wiederholt sich in ihrem Leben das Wunder des reichen Fischfanges damals wie heute.

Schnell erkannten die Apostel, dass es „der Herr ist“ (Joh. 21,7), der erneut in ihr Leben eingetreten war. Und als sie an Land gingen, lud sie der Herr, der zuvor wie ein Hungriger gebettelt hatte, zum „Kohlenfeuer“ auf dem bereits „Fisch und Brot“ herrlich zubereitete waren (ibid., 9).

Wie immer lohnt es sich auch über diesen Bericht weiter nachzudenken und das eigene Leben mit Gottes Hilfe daran auszurichten.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 18/2014 - Barmherzigkeits-Sonntag in der Osterzeit (A)

Liebe Mitchristen und liebe Freudne von St. Pantaleon!

Mit 105 Personen sind wir von St. Pantaleon aus nach Rom zur Doppelheiligsprechung der beiden großen Päpste aufgebrochen. Der Tag der Heiligsprechung ist von Papst Franziskus nicht ohne Absicht auf das von Johannes Paul II. im großen Jubiläumsjahr 2000 am Oktavtag von Ostern – dem Weißen Sonntag – neu für die ganze Kirche eingeführten Fest der göttlichen Barmherzigkeit gelegt worden.

Die Entstehung dieses Festes ist eng mit der Lebensgeschichte Karol Wojtylas verbunden. Der junge Karol studierte während der deutschen Besetzung Polens im geheimen Priesterseminar von Krakau Theologie und musste gleichzeitig in der Chemiefabrik „Solvay“ Zwangsarbeit leisten. In dieser Zeit suchte er häufig ein nahegelegenes Kloster auf und kniete dort am Grab von Schwester Faustyna nieder, die bereits als 33-jährige verstorben war.

Schwester Faustyna entstammte einer einfachen polnischen Bauernfamilie und lebte in vollkommener Hingabe 13 Jahre lang in der Kongregation der Muttergottes der Barmherzigkeit als einfache Ordensschwester. Ihr wurden die Aufgaben als Köchin, Gärtnerin und Pförtnerin anvertraut. Nach außen hin war ihr Leben scheinbar eintönig und grau. Im Inneren aber war es erfüllt von einer ungewöhnlich tiefen Vereinigung mit Gott.

In mystischen Einsprechungen sagte ihr der auferstandene Christus: „Die Menschheit wird keinen Frieden finden, solange sie sich nicht mit Vertrauen an meine Barmherzigkeit wendet.“ – „Ich wünsche, dass meine Barmherzigkeit festlich am 1. Sonntag nach Ostern begangen werde.“

Ein anderes Mal gibt sie folgende Worte Jesu wieder: „Niemand soll Angst haben, zu mir zu kommen, selbst wenn seine Sünden so rot wären, wie Scharlach. Meine Barmherzigkeit ist so groß, dass kein Verstand, weder von Menschen noch von Engeln sie in Ewigkeit ergründen kann. – Jene, die am Fest meiner Barmherzigkeit beichten und die heilige Kommunion empfangen, erhalten nicht nur die Verzeihung ihrer Sünden, sondern auch den Nachlass der Strafen, die sie dafür verdienen.“

Diese scheinbar so unbedeutende junge Ordensfrau hat den jungen Theologiestudent Karol Wojtyla in den dunklen Jahren des 2. Weltkriegs angezogen. Er schöpfte aus dem Beispiel ihres Lebens Mut für seinen eigenen Weg.

Europa wurde damals geknechtet von gnadenloser Unbarmherzigkeit unsäglichen Maßes, die sich bis heute mit dem polnischen Ausschwitz verbindet. Dieser Ort liegt in der Erzdiözese Krakau. Von den Tagebuchaufzeichnungen, die Sr. Faustyna auf Anweisung ihres Beichtvaters über ihre mystischen Erfahrungen angefertigt hatte, geht zeitgleich und aus örtlicher Nähe die Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit aus wie ein stilles, aber hoffnungsspendendes Licht.

Johannes Paul II. schreibt in seinem letzten Buch „Erinnerung und Identität“, das wenige Wochen vor seinem Tod erschien: „Denen, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, erscheinen die im Tagebuch der Hl. Faustyna aufgezeichneten Worte wie ein besonderes Evangelium der Barmherzigkeit, das aus Sicht des 20. Jahrhunderts geschrieben ist. Die Zeitgenossen haben diese Botschaft verstanden. Sie haben sie verstanden gerade aufgrund der dramatischen Anhäufung von Bösem während des Zweiten Weltkriegs und durch die Grausamkeiten der totalitären Systeme.“

Das schreibt ein Mann, der diese Grausamkeit aus unmittelbarer Nähe erlebt und mehrfach lebensgefährlich von ihr bedroht am eigenen Leib erlitten hat. Von dieser Erfahrung aus schreibt er über die Botschaft von Sr. Faustyna: „Es war, als habe Christus begreiflich machen wollen, dass das Böse, dessen Urheber und Opfer der Mensch ist, an eine ihm gesetzte Grenze stößt, und dass diese Grenze letztendlich die göttliche Barmherzigkeit ist. [...] Es war, als hätte Christus durch Sr. Faustyna sagen wollen: ‚Das Böse trägt nicht den endgültigen Sieg davon!‘“

Beiden Päpsten verdankt die Kirche viele andere große und bedeutende Geschenke. Ihre Heiligsprechung ist Anlass, sich erneut und weiter mit dem zu befassen, was sie der Kirche hinterlassen haben.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 17/2014 - Ostern (A)

Giotto – Jesus sagt zu Maria von Mágdala: „Halte mich nicht fest, denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.“ [public domain]

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Von Herzen wünsche ich Ihnen, auch im Namen meiner Mitbrüder und aller, die sich in und für St. Pantaleon engagieren, ein gesegnetes und gnadenreiches Osterfest. Wir haben es gut vorbereitete, um es dann auch entsprechend feiern zu können. Allen, die in diesem wie in den vergangenen Jahren immer so treu mitgeholfen haben, danke ich von Herzen.

Für die Ostertage möchte ich Ihnen einige aufschlussreiche Gedanken zur „Gestalt des Auferstandenen“ von unserem emeritierten Papst Benedikt XVI. Ihrer Lektüre empfehlen, die er im Jahre1969, also noch als junger Professor Ratzinger, in dem Buch „I grandi teologi rispondono 11, Alba 1969“ auf den Seiten 45-47 geschrieben hat:

„Trotz der nicht unerheblichen Differenzen, die im Einzelnen zwischen den verschiedenen Auferstehungsberichten des Neuen Testaments bestehen, geht aus ihnen allen hervor, dass der Auferstandene zugleich schon der Erhöhte, zum Vater Zurückgekehrte war. Man darf also nicht annehmen, dass Christus, ähnlich wie Lazarus, noch einmal in die Geschichte und in ein irdisches Leben zurückgekehrt ist, aus dem er dann erst nach 40 Tagen in den Himmel aufgefahren wäre. Er ist vielmehr aus dem Tode heraus sogleich in das endgültige neue Dasein dessen, der nicht mehr stirbt und nicht mehr den Bedingungen dieser Geschichte zugehört, übergegangen. Anders ausgedrückt: Er ist sogleich in einem definitiven Sinn auferstanden, so wie wir am Ende der Weltzeit ins Endgültige, unverwesliche Dasein eintreten werden.

Das bedeutet, dass er auch nicht mehr wie ein Mensch dieser unserer irdischen Geschichte sichtbar gewesen ist, sondern dass er nur denen sichtbar wurde, denen er sich zeigen wollte. Es bedeutet, dass seine Erscheinungen vom Vater her aus der Vollmacht des Erhöhten erfolgten. Diese Vorgänge haben ohne Zweifel die normalen geschichtlichen Erfahrungsformen gesprengt und sind deshalb für die Zeugen nur in stammelnden Chiffren mitteilbar gewesen. Sie mussten die Berührung des ganz anderen, der neuen Welt der Auferstehung, mit den Sprach- und Vorstellungsmitteln dieser unserer Welt auszudrücken versuchen. Von daher erklärt sich die eigentümliche Gebrochenheit der Auferstehungsberichte und auch ihre eben erwähnte teilweise Gegensätzlichkeit. Von da aus erklärt sich auch die Doppelseitigkeit in der Schilderung des Auferstandenen, die allen Berichten mit verschiedenen Akzentsetzungen durchgehend eignet. Allen ist gemeinsam, dass Christus einerseits derselbe ist, mit dem sie vorher im Leben zu tun gehabt hatten, so dass sie sogar die Wundmale des Gekreuzigten sehen und berühren können. Allen ist aber auch gemeinsam, dass er der ganz andere ist, den sie erst wieder erkennen, wenn er ihnen das Herz geöffnet hat und wenn sie sich ihrerseits im Glauben für ihn geöffnet haben. In dieser Einsicht ist z. B. auch die Erzählung von den Emmaus-Jüngern lehrreich. Durch die Auslegung der Schrift und durch die Gemeinschaft des Brotbrechens erst werden die Augen der Jünger aufgetan, um in ihrem geheimnisvollen Begleiter den Herrn wiederzuerkennen. Der Evangelist verweist damit zugleich auf die beiden Grundelemente der christlichen Liturgie: auf den Wortgottesdienst und auf die eucharistische Gemeinschaft. Er zeigt so, dass darin der Christ dem Auferstandenen begegnet und ihn glaubend als anwesend erkennt, auch wenn er ihm nicht mehr, wie den Emmaus-Jüngern, sichtbar wird. Von diesen Ausgangspunkten her lassen sich auch die Texte des Johannesevangeliums gut verstehen. Magdalena kann den Herrn nicht erkennen, solange sie ihn als Irdischen, Unverwandelten sucht und ihn mit ihren Händen festhalten möchte. Sie erkennt ihn erst, als sie sich von dem zum Vater Aufgestiegenen anrufen lässt.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 16/2014 - Palmsonntag (A)

Jesus in Getsemani – Die Passion Christi, USA 2004, Regie: Mel Gibson

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, in der gläubige Christen Jesus Christus auf seinem letzten und alles entscheidenden Weg auf Erden innerlich bis zum Ende begleiten. Dieser Weg der Passion fasst alles zusammen und bringt alles auf den Punkt, was vorausgegangen war.

Viele Jahre hat Jesus im Vorborgenen gelebt als Sohn Mariens und als Sohn des Zimmermanns, des Hl. Josefs, der ihm wie ein Vater war. Alles begann mit einer göttlichen Botschaft, die Maria als Jungfrau in jungen Jahren vom Erzengel Gabriel erhielt (Lk. 1,31): „Du wirst empfangen und einen Sohn gebären, und du wirst ihm den Namen Jesus geben.“ Bald danach hat ein anderer Engel dem noch anders denkenden Josef die genaue Bedeutung dieses Namens erschlossen (Mt. 1,21): „Er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“ Daraufhin entschloss auch Josef sich, vorbehaltlos für das Wirken Gottes verfügbar zu sein.

Vom ersten Augenblick an verbinden sich im Leben Jesu und seiner Familie Freuden und Leiden; ähnlich wie in jeder Familie und im Leben eines jeden von uns. Maria und Josef wurden reich beschenkt, als Heerscharen von Engeln, die Hirten und die Großen dieser Welt das neugeborene Kind anbeteten und Gott lobten. Aber schon 40 Tage nach der Geburt erfuhr Maria vom greisen Simeon, dass ihr eine Aufgabe im Ganzen der Erlösung und an der Seite ihres Sohnes zugedacht war, die Leiden und Opfer fordern würden. Simeon sagte zu ihr (Lk. 2,34-35): „Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“

Kurz darauf musste die Hl. Familie vor der Grausamkeit des machtlüsternden Herodes nach Ägypten fliehen. Sehr bald also wurde offensichtlich, was für ihr gesamtes irdisches Leben galt: Weder Jesu, noch Maria noch dem Nährvater Josef sind die Erfahrung des Schmerzes, die Mühsal der Arbeit und auch nicht das Helldunkel des Glaubens erspart geblieben.

Nach Jahren im Verborgenen trat Jesu im reifen Alter an die Öffentlichkeit. Vom Menschlichen her verdankt Jesus sehr viel seiner Mutter Maria und seinem Nährvater Josef. Als einmal eine Frau aus dem Volke wegen all des Guten, was Jesus tat und sagte, auch seine Mutter lobte und ausrieft (Lk. 11,27-28): „Selig der Leib, der dich getragen, und die Brust, die dich genährt hat“, erhalten wir vom Herrn zur Antwort: „Ja selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ Damit nimmt der Herr das an seine Mutter gerichtete Lob auf und gibt es an jene weiter, die auf dem besten Weg sind selig, d.h. froh, erfüllt und glücklich zu werden.

Selig ist, und wird, wer ähnlich wie Maria aufrichtig, uneingeschränkt, mit Herz, mit Hingabe und bis zum Letzten „das Wort Gottes hört und es befolgt.“ Für Maria begann dieser Weg mit ihrer Bereitschaftserklärung (Lk. 1,38): „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ In dieser Lebenshaltung geht schließlich auch das irdische Leben Jesu dem Ende zu. In Getsemani verleiht er dem Ausdruck mit den Worten (Mt. 26,39): „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“

Wer näher betrachtet, wie diese Ereignisse in der Hl. Schrift überliefert sind, dem kommen unweigerlich die Worte des Propheten Jesaja über den Gottesknecht in den Sinn, der die Sünden der Menschen auf sich nimmt; für sie leidet und stirbt, um sie zu erlösen (vgl. Jes. 42,1-9; 49,1-9; 50,4-9 und 52,13-53,12).

Diese Lebenseinstellung macht glücklich. Sie führt zur Erfüllung und „tut sich gewöhnlich nicht in auffälliger Weise kund, sondern im verborgenen und stillen Opfer des Alltags.“ Der Wert unseres Lebens hängt nicht davon ab, „ob die großen Taten, die unsere Phantasie sich manchmal ausmalt, Wirklichkeit werden, sondern davon, dass wir den göttlichen Willen treu annehmen und mit ganzer Bereitschaft die kleinen Opfer jeden Tages tragen.“ (Hl. Josefmaria Escrivá, Christus begegnen, Nr. 172)

Möge die Mitfeier der Karwoche uns die Augen dafür öffnen und im Glauben daran bestärken, dass unser Heil nur möglich ist, wenn wir dem Herrn getreu seinen Worten auf dem Weg des Kreuzes nachfolgen (Mt. 16,24): „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 15/2014 - 5. Fastensonntag (A)

Die Auferweckung des Lazarus - Giotto di Bondone - Assisi [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Auch an diesem, dem fünften Fastensonntag wird uns ein überraschend langes, aber zugleich überaus bereicherndes Evangelium vorgetragen. Nach der Heilung des Blindgeborenen (Joh. 9,1-41) am vergangenen geht es um die Auferweckung des toten Lazarus (Joh. 11, 1-45) an diesem Sonntag.

Ähnlich wie letzten Sonntag beginnt auch diesmal alles mit den grundsätzlichen Fragen um Krankheit und Tod. Bei der ersten Begegnung mit dem Blindgeborenen hatten die Jünger Jesus gefragt (Joh. 9,2): „Wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?“

Tod und Krankheit gehen auf die Entfremdung des Menschen mit Gott, auf die Sünde zurück. Mit dem Sündenfall kamen der Tod und mit ihm auch die Krankheit in die Welt (vgl. Gen 3,19 ff und Röm. 5,12). In der überraschenden Antwort Jesu – Joh. 9,3: „Weder er (der Blindgeborene) noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden“ – wird deutlich, dass Tod und Krankheit nun zugleich den tiefen Sinn haben, das Wirken Gottes erneut sichtbar zu machen. Sie sind also nicht nur ein Übel, wie es oberflächlich scheint. Sie sind wegen der fortdauernden Neigung des Menschen zur Sünde, trotz Taufe und Umkehr, nun auch ein wichtiges „Heilmittel“.

Das Evangelium dieses Sonntags beginnt damit, dass die mit Jesus eng befreundeten Schwestern Marta und Maria ihm eine Nachricht zukommen ließen. Ihr Bruder Lazarus war schwer erkrankt. „Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.“ Der Evangelist fügt noch hinzu (ibid. 5f): „Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus. Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.“

Angesichts der von Johannes eigens betonten Freundschaft mit diesen drei Geschwistern, ist die Gelassenheit Jesu, mit der er sich jede Menge Zeit nahm, sehr verwunderlich. Zudem wusste Jesus, dass Lazarus an seiner Krankheit inzwischen gestorben war. Das ist so überliefert (Joh. 11, 12-15): „Jesus sagte zu seinen Jüngern: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken. Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden. Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf. Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben. Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen.“

Als schließlich (Joh. 11,20-27) „Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen (und) sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“

Indirekt, aber doch deutlich spürbar, wirft Marta – irgendwie auch ganz zu Recht – Jesus vor, warum er auf ihre Nachricht hin nicht sofort gekommen wäre. Lazarus hätte dann vielleicht noch eine Chance gehabt, meinte sie. Daraufhin (Joh. 11,23-27) „sagte Jesus zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. (...) Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“

Als praktizierende Christen wiederholen wir im Glaubensbekenntnis Sonntag für Sonntag die auf das Wesentliche verdichteten Glaubenssätze. Sie gehören unverzichtbar und ohne jede Abänderung zum Glauben dazu. Aber Glaubenssätze erlösen nicht.

Erst die gläubige Begegnung mit dem „Menschensohn“, mit dem in Jesus menschgewordenen Gott führt dazu, dass diese Glaubenssätze von der Auferstehung, der Erlösung, der Überwindung von Krankheit und Tod einen Sitz im Leben bekommen. Dann werden sie zur Erlösung, sie werden erfahrbar und verändern nachhaltig das Leben.

Unsere Krankheiten, auch die Blindheiten unserer Seele, bis hin zu unserer Sterblichkeit, wie auch – aus weltlicher Perspektive betrachtete – alle anderen „Übel“, die uns belasten, bieten als „Heilmittel“ die große Chance, die Begegnung mit dem Erlöser bis hin zur Nachfolge auf dem Weg des Kreuzes zu suchen. Uns werden so das Wirken und die Herrlichkeit Gottes offenbar; sie werden erfahrbar und auch für viele andere sichtbar.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 14/2014 - 4. Fastensonntag (A)

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Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am vierten Fastensonntag wird uns eines der längsten Sonntagsevangelien vorgetragen (Joh. 9,1-41). Es geht in diesem Evangelium nicht nur um die Heilung eines Blindgeborenen, sondern zugleich um das von Gott dem Menschen angebotene Heil, dem sich zu allen Zeiten leider nicht wenige verschließen.

So nahmen auch viele Augenzeugen der damaligen Blindenheilung Gottes Heil nicht an, obwohl es in der Blindenheilung greifbar nahe und indirekt sichtbar wurde. Zur Rechtfertigung, dass sie den Weg des Glaubens an Jesus nicht einschlagen, führten sie wiederholt sich gleichende Argumente ins Feld. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert; wie in allen entscheidenden Grundfragen des Lebens.

Zu Beginn der Begegnung Jesu mit dem Blindgeborenen geht es den Jüngern um die Frage (Joh. 9,2): „Wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?“

Hier wird ein tiefes Gespür dafür deutlich, dass Tod und Krankheit auf die Entfremdung des Menschen mit seinem Gott zurückgehen. Mit dem Sündenfall kamen als Folge davon der Tod und mit ihm auch die Krankheit in die Welt (vgl. Gen 3,19 ff und Röm. 5,12).

Die Antwort Jesu auf die Frage seiner Jünger macht allerdings deutlich, dass noch etwas Anderes und sogar Wesentliches in diesem Zusammenhang zu bedenken ist. So überliefert der Hl. Johannes (Joh. 9,3), dass „Jesus (den Jüngern) antwortete: Weder er (der Blindgeborene) noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.“

Nach dem Sündenfall und der aus ihm folgenden und andauernden Ferne zu Gott sind nun der Tod, die Gebrechlichkeit und manch anders, was wir von der vergänglichen Welt aus als „Übel“ betrachten, eine zusätzliche Chance, das Wirken Gottes wahrzunehmen und so an Gott glauben zu können.

Ausgehend von seiner Heilung nahm der Blinde diese Chance wahr und begegnete dadurch Jesus auch als dem Sohn Gottes (vgl. Joh. 9,35-38). Die Pharisäer jedoch, und die Nachbarn des Blinden, ließen sich nicht dazu bewegen. Dies wird am Ende dieses langen, aber sehr lesenswerten Evangeliums noch einmal deutlich (Joh. 9, 40-41): „Einige Pharisäer, die bei ihm waren … fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wäret, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“

Die Fastenzeit ist unter anderem auch deshalb so wertvoll, weil das Fasten uns sehr deutlich macht, wie groß unsere verzichtbaren Abhängigkeiten wieder einmal geworden sind, und wie sehr sie uns unfrei und blind machen. Sehr leicht führen diese verzichtbaren Abhängigkeiten dazu, schuldig zu werden, es zu bleiben und weiter zu sündigen.

Warum fällt es Menschen so schwer, diese Zusammenhänge zu erkennen, so dass sie von der Sünde nicht loskommen und ihr ausgeliefert bleiben? Ganz offenbar, weil „sie sehen und doch nicht sehen“, wie es an anderer Stelle in der Schrift heißt (Mt. 13,13).

Hier wird ein Grunddilemma deutlich, aus dem sich kein Mensch selber befreien und von dem er sich selber nicht erlösen kann. Deshalb ermutigt die Kirche in der vorösterlichen Zeit neben dem Fasten auch zum Empfang des Bußsakramentes. So wie das Fasten ein erprobter Weg ist, unsere verzichtbaren Abhängigkeiten aufzudecken, ist die Beichte ein altbewährter Weg, von diesem Grunddilemma – „zu sehen und doch nicht zu sehen“ – erlöst und befreit zu werden.

Hier bewahrheitet sich zum einen der Grundsatz: „Nur wer bekennt, der erkennt auch.“ Und weit darüber hinaus ist noch entscheidender „die liebevolle Umarmung“, die Gott bei jeder Beichte gnadenhaft schenkt. So hat es Papst Franziskus mit Hinweis auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn bzw. vom barmherzigen Vater in seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz am 19. Februar 2014 veranschaulicht: „Immer wenn wir beichten, umarmt Gott uns und richtet ein Fest für uns an! Lasst uns auf diesem Weg voranschreiten. Gott segne euch!

Gerne schließe ich mich der hier indirekt ausgesprochenen Aufforderung an, zumindest in dieser Fastenzeit zur Beichte zu gehen, und dem damit verbundenen päpstlichen Segenswunsch.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 12/2014 - 2. Fastensonntag (A)

Papst Franziskus ruft eindringlich zu einer Neuorientierung in der Kirche auf. Bei der Hl. Messe am Gründonnerstag 2013 in einem Jugendgefängnis wusch er zwölf Häftlingen die Füße.

Papst Franziskus – Fastenbotschaft 2014 – Teil II (Fortsetzung und Schluss)

Wir könnten … meinen, der „Weg“ der Armut sei eben jener Jesu gewesen, während wir, die wir nach ihm kommen, in der Lage seien, die Welt mit geeigneten menschlichen Mitteln zu retten. Doch dem ist nicht so. In jeder Zeit und an jedem Ort rettet Gott weiterhin die Menschen und die Welt durch die Armut Christi, der arm wird in den Sakramenten, im Wort und in seiner Kirche, die ein Volk der Armen ist. Der Reichtum Gottes kann nicht durch unseren Reichtum vermittelt werden, sondern immer ausschließlich durch unsere persönliche und gemeinschaftliche, vom Geist Christi beseelte Armut.

Wir Christen sind aufgerufen, es unserem Meister gleichzutun und die Not unserer Brüder und Schwestern anzusehen und zu berühren, sie auf uns zu nehmen und konkret zu wirken, um sie zu lindern. Not ist nicht gleichzusetzen mit Armut; Not ist Armut ohne Vertrauen, ohne Solidarität, ohne Hoffnung. Wir können drei Arten der Not unterscheiden: die materielle Not, die moralische Not und die spirituelle Not. Die materielle Not ist das, was gemeinhin als „Armut“ bezeichnet wird und von der jene Menschen betroffen sind, die unter menschenunwürdigen Umständen leben: ihrer Grundrechte beraubt und ohne die Möglichkeit, grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung, Wasser, Hygiene, Arbeit zu befriedigen oder sich persönlich und kulturell zu entfalten. Angesichts dieser Not bietet die Kirche ihren Dienst, ihre diakonia an, um den Bedürfnissen entgegenzukommen und diese Wunden, die das Antlitz der Menschheit entstellen, zu heilen. In den Armen, in den Letzten sehen wir das Antlitz Christi; indem wir die Armen lieben und ihnen helfen, lieben und dienen wir Christus. Ziel unserer Bemühungen ist es auch zu bewirken, dass die Verletzungen der Menschenwürde, die Diskriminierungen und Übergriffe, die vielfach die Ursachen der Not sind, weltweit ein Ende finden. Werden Macht, Luxus und Geld zu Götzen, so werden diese der Notwendigkeit einer gerechten Verteilung des Reichtums übergeordnet. Daher bedarf es dringend einer Umkehr der Gewissen zu den Werten der Gerechtigkeit, der Gleichheit, der Genügsamkeit und des Teilens.

Nicht minder beunruhigend ist die moralische Not, bei der die Menschen zu Sklaven von Lastern und Sünde werden. Wie viele Familien sind in ängstlicher Sorge, weil eines ihrer Mitglieder – zumeist ein junges – dem Alkohol, den Drogen, dem Glücksspiel oder der Pornographie verfallen ist! Wie viele Menschen können keinen Sinn mehr im Leben erkennen, sind ohne Zukunftsperspektiven und haben jede Hoffnung aufgegeben! Und wie viele Menschen geraten in diese Not durch ungerechte soziale Bedingungen; weil sie durch das Fehlen von Arbeitsplätzen der Würde beraubt werden, die damit verbunden ist, das Brot nach Hause zu bringen; aufgrund von Ungleichheit im Hinblick auf das Recht auf Bildung und Gesundheit. In solchen Fällen kann die moralische Not zu Recht als beginnender Selbstmord bezeichnet werden. Diese Form der Not, die auch finanziellen Ruin mit sich bringt, ist immer mit spiritueller Not verbunden. Diese sucht uns heim, wenn wir uns von Gott entfernen und seine Liebe ablehnen. Die Auffassung, dass wir uns selbst genügen und daher Gott, der uns in Christus seine Hand entgegenstreckt, nicht brauchen, führt uns auf einen Weg des Scheiterns. Allein Gott ist es, der wirklich rettet und befreit.

Das Evangelium ist das wahre Gegenmittel gegen die spirituelle Not: Der Christ ist aufgerufen, überallhin die befreiende Botschaft zu bringen, dass es die Vergebung des verübten Unrechts gibt, dass Gott größer als unsere Sünde ist und uns bedingungslos liebt, immer, und dass wir für die Gemeinschaft und für das ewige Leben bestimmt sind. Der Herr fordert uns auf, frohe Überbringer dieser Botschaft der Barmherzigkeit und der Hoffnung zu sein! Es ist schön, die Freude an der Verbreitung dieser guten Nachricht zu erfahren, den uns anvertrauten Schatz mit anderen zu teilen, um gebrochene Herzen zu trösten und vielen Brüdern und Schwestern, die von Finsternis umgeben sind, Hoffnung zu schenken. Es geht darum, Jesus zu folgen und es ihm gleichzutun, ihm, der den Armen und Sündern entgegengegangen ist wie der Hirte dem verlorenen Schaf, und dies voller Liebe getan hat. Mit ihm vereint können wir mutig neue Wege der Evangelisierung und der Förderung des Menschen eröffnen.

Liebe Brüder und Schwestern, möge die gesamte Kirche während dieser Fastenzeit bereitwillig und eifrig jenen, die von materieller, moralischer und spiritueller Not betroffen sind, Zeugnis geben von der Botschaft des Evangeliums, das zusammengefasst ist in der Botschaft von der Liebe des barmherzigen Vaters, der bereit ist, in Christus jeden Menschen zu umarmen. Dies wird uns in dem Maße gelingen, in dem wir uns nach Christus richten, der arm wurde und uns durch seine Armut reich gemacht hat. Die Fastenzeit eignet sich ganz besonders zur Entäußerung. Und es wird uns gut tun, uns zu fragen, worauf wir verzichten können, um durch unsere Armut anderen zu helfen und sie zu bereichern. Vergessen wir nicht, dass wahre Armut schmerzt: Ein Verzicht, der diesen Aspekt der Buße nicht einschließt, wäre bedeutungslos. Ich misstraue dem Almosen, das nichts kostet und nicht schmerzt.

Der Heilige Geist, durch den wir wie »Arme [sind], aber doch viele reich machen; nichts haben und doch alles haben« (2 Kor 6,10), möge diese unsere Vorsätze unterstützen und in uns die Aufmerksamkeit und die Verantwortung gegenüber der menschlichen Not stärken, damit wir barmherzig werden und Barmherzigkeit üben. Diesem Wunsch schließt sich mein Gebet an, dass jeder Gläubige und jede kirchliche Gemeinschaft den Weg der Fastenzeit fruchtbringend zurücklegen möge. Und ich bitte euch, für mich zu beten. Der Herr segne euch und die selige Jungfrau Maria behüte euch.

Aus dem Vatikan, am 26. Dezember 2013, dem Fest des heiligen Diakons und Märtyrers Stephanus.

 

Pfarrnachrichten 11/2014 - 1. Fastensonntag (A)

Teil I von II der Fastenbotschaft 2014 von Papst Franziskus

Liebe Brüder und Schwestern, anlässlich der Fastenzeit lege ich euch einige Gedanken vor, in der Hoffnung, dass sie dem persönlichen und gemeinschaftlichen Weg der Umkehr dienen mögen. Ausgehen möchte ich von einem Wort des heiligen Paulus: »Denn ihr wisst, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen« (2 Kor 8,9). Der Apostel wendet sich an die Christen von Korinth, um sie zu ermutigen, den Gläubigen von Jerusalem, die in Not sind, großzügig zu helfen. Was sagen diese Worte des heiligen Paulus uns Christen von heute? Was sagt uns heute der Aufruf zur Armut, zu einem Leben in Armut im Sinne des Evangeliums?

Zunächst einmal sagen sie uns, welches der Stil Gottes ist. Gott offenbart sich nicht durch die Mittel der Macht und des Reichtums dieser Welt, sondern durch jene der Schwäche und der Armut: »Er, der reich war, wurde euretwegen arm...« Christus, der ewige Sohn Gottes, an Macht und Herrlichkeit dem Vater gleich, wurde arm; er ist herabgestiegen mitten unter uns, ist jedem von uns nahe gekommen; er entäußerte sich, „entleerte“ sich seiner Gottesgestalt, um in allem uns gleich zu sein (vgl. Phil 2,7; Hebr 4,15). Die Menschwerdung Gottes ist ein tiefes Geheimnis! Doch der Grund all dessen ist die Liebe Gottes – eine Liebe, die Gnade, Großzügigkeit, Wunsch nach Nähe ist und die nicht zögert, sich für die geliebten Geschöpfe hinzugeben und zu opfern. Liebe bedeutet, das Schicksal des Geliebten voll und ganz zu teilen. Die Liebe macht einander ähnlich, sie schafft Gleichheit, reißt trennende Mauern nieder und hebt Abstände auf. Und eben dies hat Gott mit uns getan. Denn Jesus hat »mit Menschenhänden (...) gearbeitet, mit menschlichem Geist gedacht, mit einem menschlichen Willen (...) gehandelt, mit einem menschlichen Herzen geliebt. Geboren aus Maria, der Jungfrau, ist er in Wahrheit einer aus uns geworden, in allem uns gleich außer der Sünde« (Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst. Gaudium et spes, 22).

Der Zweck des Armwerdens Jesu besteht nicht in der Armut an sich, sondern – wie der heilige Paulus sagt – darin, »euch durch seine Armut reich zu machen«. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein Wortspiel oder um einen effekthascherischen Ausdruck! Diese Worte bringen die Logik Gottes auf den Punkt, die Logik der Liebe, die Logik der Menschwerdung und des Kreuzes. Gott hat das Heil nicht von oben auf uns herabfallen lassen, wie das Almosen dessen, der einen Teil des eigenen Überflusses mit mitleidiger Geste hergibt. Die Liebe Christi ist nicht solcher Art! Als Jesus in den Jordan hinabsteigt und sich von Johannes dem Täufer taufen lässt, tut er dies nicht, weil er der Buße, der Bekehrung bedarf. Er tut es, um sich mitten unter die Menschen zu begeben, die Vergebung brauchen, mitten unter uns Sünder, und um die Last unserer Sünden auf sich zu nehmen. Das ist der Weg, den er gewählt hat, um uns zu trösten, um uns zu retten und aus unserem Elend zu befreien. Uns beeindrucken die Worte des Apostels, der sagt, dass wir nicht durch den Reichtum Christi, sondern durch seine Armut befreit wurden. Und doch weiß der heilige Paulus sehr wohl um »den unergründlichen Reichtum Christi« (Eph 3,8), des »Erben des Alls« (Hebr 1,2).

Was also ist diese Armut, durch die Jesus uns befreit und uns reich macht? Es ist gerade die Art, wie er uns liebt, die Tatsache, dass er für uns zum Nächsten wird wie der barmherzige Samariter, der zu dem Mann hingeht, der halb tot am Straßenrand zurückgelassen wurde (vgl. Lk 10,25ff). Was uns wahre Freiheit, wahres Heil und wahres Glück schenkt, ist seine barmherzige, zärtliche und teilnahmsvolle Liebe. Die Armut Christi, die uns reich macht, ist seine Menschwerdung, dass er unsere Schwächen, unsere Sünden auf sich nimmt und uns so an der unendlichen Barmherzigkeit Gottes teilhaben lässt. Die Armut Christi ist der größte Reichtum: Jesus ist reich durch sein grenzenloses Vertrauen auf Gott den Vater, dadurch, dass er sich in jedem Moment ihm anvertraut und dabei stets und ausschließlich seinen Willen und seine Ehre im Sinn hat. Er ist reich, wie es ein Kind ist, das sich geliebt fühlt und seine Eltern liebt und keinen Augenblick an ihrer Liebe und Zuwendung zweifelt. Der Reichtum Jesu ist seine Sohnschaft, seine einzigartige Beziehung zum Vater stellt das unumschränkte Vorrecht dieses armen Messias dar. …

Nach Léon Bloy gibt es nur eine einzige wahre Traurigkeit: kein Heiliger zu sein. Wir könnten auch sagen, dass es nur ein einziges wahres Elend gibt: nicht als Kinder Gottes und als Brüder und Schwestern Christi zu leben.

 

Pfarrnachrichten 10/2014 - 8. Sonntag im Jahreskreis (A)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Papst Franziskus hat dem schon länger gehegten Wunsch unseres bisherigen Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner entsprochen, und ihn von seinen Leitungsaufgaben als Diözesanbischof fast auf den Tag genau nach 25 Jahren Amtszeit an diesem Freitag, dem 28. März, entpflichtet. Wer ein aufrechter Mensch mit gesundem Verstand und realitätsnaher Wahrnehmung ist, kann nicht anders, als diesem Kirchenmann zu danken für seine Standhaftigkeit und seinen Mut, mit denen er ein Vierteljahrhundert lang das Kölner Erzbistum durch eine bewegte Zeit geleitet und geführt hat.

Nach katholischer Tradition hat der Bischof den dreifachen Auftrag, eine Teilkirche, in der die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche wahrhaft wirkt und gegenwärtig ist, zu lehren, zu heiligen und zu leiten. Dabei soll der Bischof „Diener des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt“ (Leitwort der X. Vollversammlung aller Bischöfe, Oktober 2001 in Rom) sein.

Es sind also drei Aufgaben – lehren, heiligen und leiten –, die der Bischof kraft seines Hirtenamtes vor allen anderen zu erfüllen hat.

Zum Lehrauftrag des Bischofs gehört, dass er das Wort Gottes verkündet, auslegt und verbindlich erklärt. Deshalb soll er auf die Menschen zugehen, das Gespräch mit ihnen suchen und so die ihm Anvertrauten zum Glauben rufen und sie „im lebendigen Glauben stärken“.

Zum Heiligungsauftrag des Bischofs gehört, dass er besonders für die Spendung der Sakramente verantwortlich ist und das liturgische Leben fördert, so „dass die Gläubigen durch die Feier der Eucharistie das österliche Geheimnis tiefer erkennen und leben“.

Zum Leitungsauftrag des Bischofs gehört, dass er alles, was an wichtigen Aufgaben und Entscheidungen in seinem Bistum ansteht, mitträgt und notfalls auch ein Machtwort spricht, um die Einheit der ihm anvertrauten Gläubigen zu wahren und zu fördern. In diesem Sinne soll er sich global um die Seelsorge in seiner Diözese kümmern, die Armen, Verfolgten und Leidenden vor Augen haben, ökumenische Impulse geben und sich auch den Nichtgetauften zuwenden. Bei all seinen Handlungen soll es dem Bischof darum gehen, dem innigen Wunsch Jesu zu entsprechen (Joh. 17,21): „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“

Darüber hinaus ist der Bischof Mitglied im Kollegium aller Bischöfe. So hat er als Vorsteher eines Bistums zugleich Teil an der Sendung der universalen Kirche und übt sein Amt in gegenseitiger Verbundenheit mit den Bischöfen und mit dem Papst aus. Auch wenn der einzelne Bischof in seiner Diözese in eigener Vollmacht handelt, kommt ihm somit zugleich die Aufgabe zu, in seinem Bistum die für die ganze Kirche gemeinsame Ordnung und Einheit zu fördern. So ist der Bischof auch sichtbares Band der kirchlichen Gemeinschaft von Orts- und Weltkirche.

Es gehört zur Stillosigkeit unserer Zeit, die Verdienste eines Menschen zu schmälern, weil er einem nicht nach dem Munde redet. All jenen, die wiederholt behauptet haben, Meisner spalte und polarisiere, sei gesagt, dass mit einem Minimum an gesundem Menschenverstand und ehrlichem Wohlwollen immer genau erkennbar war, was Kardinal Meisner mit welcher Absicht gesagt und getan hat. Sein Bemühen und seine Äußerungen dienten stets jener Einheit, um die Jesus für die Seinen den Vater im Himmel gebeten hat (Joh. 17,23): „Sie sollen vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.“

Nicht Meisner hat polarisiert, sondern jene Meisner-Kritiker polarisieren, denen die von Jesus gestiftete und ausdrücklich gewollte Einheit nicht am Herzen liegen.

Wir sind unserem bisherigen Erzbischof für alles dankbar! Wir wünschen Prälat Dr. Stefan Heße als Diözesanadministrator Gottes Beistand und Segen und beten nun vermehrt dafür, dass Gott uns erneut einen guten Bischof als Nachfolger von Kardinal Meisner schenken möge.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 09/2014 - 7. Sonntag im Jahreskreis (A)

Hl. Johannes Gualbertus - Andachtsbild

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Vielleicht haben Sie früher einmal Tischtennis gespielt; oder Sie tun's heute noch. Tischtennis ist ein beliebter Sport: Er kostet nicht viel, hält fit, und die Grundregeln sind denkbar einfach: Zwei Spieler stehen sich mit einem Schläger an einer grünen Platte gegenüber und es kommt lediglich darauf an, das kleine Zelluloidbällchen über das Netz in das gegnerische Feld zurückzuschlagen.

Das Spiel bereitet besonderen Spaß, wenn es gelingt, bei aller Raffinesse des Gegenspielers das Zelluloidbällchen möglichst lang im Spiel zu halten. Da geht es hin und her. Und trotz anschneiden, „schnibbeln“ oder schmettern wird das Bällchen erneut zurückgeschlagen. Manchmal geht das bis zu 30mal hin und her, ohne dass das Bällchen ins Netz oder ins Aus geht.

Zurück schlagen: Pong - Ping und Ping – Pong; das Tischtennisspiel lebt davon!

Es hat wohl einen gewissen Reiz, das Leben wie ein Tischtennisspiel aufzufassen, und einmal und noch einmal zurückzuschlagen. Aber es hat weit mehr Reiz, das Leben so anzupacken, wie es an diesem Sonntag im Evangelium (Mt 5,28-48) verkündet wird.

Das Prinzip des Zurückschlagens, das Prinzip der vermeintlich gerechten Vergeltung "Auge für Auge und Zahn für Zahn" wird vom Herrn eindeutig verabschiedet. Jesus stellt einen gänzlich neuen Grundsatz auf: "Ich aber sage euch, leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin."

Das ist keine leichte Kost, die einem hier zugemutet wird. Aber es lohnt sich, das eingehender zu bedenken, um es im Rahmen der eigenen Verantwortung und Möglichkeiten sogar täglich umzusetzen.

Jeder hat mit vielen Menschen zu tun: in der Familie, am Arbeitsplatz, beim Sport, im Urlaub usw. Da gibt es oft Anläse und Gründe, sich über irgendetwas oder irgendjemanden zu ärgern. Und dann ist es schnell geschehen: Ärger und Frust werden am anderen ausgelassen oder postwendend dem Verursacher um die Ohren geschlagen.

Wie Tischtennisspieler ihr weißes Bällchen, so werden unbedacht – und meist getrieben durch niedere Motive – das verletzende Wort, das erlittene Unrecht oder die Verärgerung an den anderen zurückgegeben. Das gekonnte Zurückgeben oder Zurückschlagen mag einen gewissen Reiz haben. Die begrenzte und heimtückische Freude daran können jedoch den schlimmen Teufelskreis von Leid und Unrecht nicht verdecken, der hier entsteht und immer wieder neu entfacht wird.

Dieser Teufelskreis signalisiert in aller Deutlichkeit: Die Freude und der Spaß am Zurückgeben und Zurückschlagen entsprechen nicht der Wahrheit des Menschen. Es sind trügerische Freuden und egoistischer Spaß, welche die gute Laune ganz schön verderben und die Heiterkeit des Herzens zerstören.

In einem Spiel mit eindeutigen Regeln und im abgegrenzten Raum des Wettbewerbs ist die Freude daran legitim, mit gleicher oder sogar mit mehr Kraft und größerer Raffinesse zurückzugeben. Aber das Leben selber ist mehr als ein Spiel; und es lässt sich nicht darauf reduzieren. Will der Mensch wie ein Mensch leben, muss er sich an den Worten Jesu orientieren: "Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm."

Auch Zurückzahlen von an sich Gutem mit nur gleicher Münze macht nicht froh! Das sagt Jesus ausdrücklich: "Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr davon erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?"

Die Leitsätze Jesu gipfeln in der zweifachen Forderungen: 1) „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ und 2) seid „vollkommen, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ – Das Leben des heiligen Johannes Gualbertus (+ 12. Juli 1073) verdeutlicht, wie sehr diese zweifache Forderung wahre Menschlichkeit ermöglicht.

Als junger Edelman, aus Florenz stammend, suchte er lange nach dem Mörder seines Bruders, um sich an ihm zu rächen. Solches pflegte man damals, in der Zeit der Blutrache, selber in die Hand zu nehmen. Als er ihn endlich an einem Karfreitag fand, fiel dieser reumütig auf die Knie, breitete hilflos seine Arme aus, so dass er dem gekreuzigten Jesus ähnelte und bat: »Um Jesu willen, der heute am Kreuz seinen Mördern vergeben hat, erbarme dich meiner«!

Statt den Wehrlosen aus Rache zu töten – wie ursprünglich beabsichtigt –, verzieh ihm Johannes. Als er bald danach an einem Kreuz betend niederkniete, war ihm, als hörte er den gekreuzigten Jesus sagen: »Weil du verziehen hast, sei auch dir verziehen«.

Im Alter von 18 Jahren entschloss Johannes Gualberto sich, sein ganzes Leben in den Dienst Jesu zu stellen und wurde Mönch. Bereits 1093, zwanzig Jahre nach seinem Tod, wurde er heiliggesprochen. Wir feiern seinen Gedenktag am 12. Juli.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 08/2014 - 6. Sonntag im Jahreskreis (A)

Bergpredigt - Carl Heinrich Bloch - 1834-1890 [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Zum rechten Verständnis des Evangeliums ist es unverzichtbar, die heiligen Worte in ihrer gegenseitigen Ergänzung und somit das Evangelium als Ganzes zu lesen. Nicht anders ist es mit der Bergpredigt, einem Herzstück des Evangeliums. Auch die Einzelaussagen Jesu in dieser grundlegenden Predigt lassen sich nur mit Blick auf alle anderen Aussagen richtig verstehen.

Als ein Teil aus der Bergpredigt wurden vor zwei Wochen im Sonntagsevangelium die Seligpreisungen vorgetragen; und vergangene Woche der Auftrag Jesu, das Neue seiner Botschaft weiterzugeben – als Salz der Erde und Licht der Welt.

An diesem Sonntag nun stellt Jesus das Neue, das er verkündet, dem Bisherigen gegenüber. Ihm ist dabei wichtig, dass das Neue nicht als Bruch mit dem Alten missverstehen wird. Das „Alte“ ist die bisherige Überlieferung, die auf den ersten Bund Gottes mit den Menschen durch Moses am Berge Sinai zurückgeht. Deshalb nimmt Jesus „im Licht der Gnade des Neuen Bundes Stellung zum Gesetz, das beim ersten Bundesschluss am Sinai von Gott gegeben worden war.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 577)

Jesus sagt wörtlich (Mt 5,17): „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ Das sogenannte „mosaische Gesetz“ ist aus christlicher Sicht „die erste Stufe des geoffenbarten Gesetzes“ und fasst in den zehn Geboten sittliche Vorschriften zusammen, die für jeden Menschen grundlegend sind, damit sein Leben gelingt. Dieses Gesetz ist heilig, aber noch unvollkommen (vgl. ebd., 1963). Es bereitet das Kommen Christi vor und zeigt, was zu tun ist, gibt aber von sich aus nicht die Kraft, es auch zu erfüllen. Seine Erfüllung ist nur möglich mit der Gnade des Heiligen Geistes.

Papst Johannes Paul II. erklärte dies einmal so: „Es ist klar, dass Gott das Gesetz, das er selbst gegeben hat, nicht ‚außer Kraft‘ setzen könnte. Er kann aber – wie Jesus Christus es tut – seine volle Bedeutung aufhellen, seinen rechten Sinn verständlich machen sowie die irrigen Auslegungen und willkürlichen Anwendungen richtigstellen, denen das Volk und ihre Lehrer und Meister selbst es unterworfen haben, indem sie den Schwächen und Begrenzungen der menschlichen Natur nachgaben.“ (Ansprache vom 14.10.1987)

Hier wird etwas deutlich, das wir alle kennen. Und genau darum geht es. – Neigt nicht jeder mehr als gut ist dazu, den bequemeren Weg zu wählen. Begnügen wir uns nicht zu oft damit, nur das Notwendige zu tun und das Gebotene mehr äußerlich und zu wenig aus vollem und mit frohem Herzen zu erfüllen? Neigen wir nicht alle dazu, in diesem Sinne „Pharisäer“ zu sein? Eine Bezeichnung, die biblischen Ursprungs ist.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten in ihrer Selbstgerechtigkeit nicht mehr wahrnehmen können, dass die Erfüllung der Gebote einem tiefen Glaubensgehorsam entspringt und in der Logik der Selbsterziehung zu einer wachsenden Verbundenheit mit Gott und einem noch tieferen Gehorsam ihm gegenüber führt. Jesus verkündet und fordert deshalb eine höhere Gerechtigkeit als die der Schriftgelehrten und Pharisäer. Jesus fordert die Gerechtigkeit, die Gott selbst sich vorgegeben hat, weshalb er den nicht unbedingt notwendigen, aber doch dem der vollen Gerechtigkeit entsprechenden Weg der Erlösung über den Tod am Kreuz gewählt hat (vgl. hierzu auch Mt 3,15). „Der Menschensohn wirkt also als ein Gott, der das wiederherstellt, was Gott ein für alle Mal gewollt und festgelegt hat“ (Papst Johannes Paul II, s.o.)

Das neue Gesetz „offenbart die ganze göttliche und menschliche Wahrheit des alten Gesetzes. Es fügt ihm nicht neue äußere Vorschriften hinzu, sondern erneuert das Herz, die Wurzel der Handlungen; hier wählt der Mensch zwischen Rein und Unrein, und hier bilden sich der Glaube, die Hoffnung und die Liebe und mit ihnen die anderen Tugenden. So bringt das Evangelium das Gesetz zur Vollendung, indem es fordert, vollkommen zu sein wie der himmlische Vater.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 1968)

Die Erneuerung des Herzens als „Wurzel der Handlung“ und das zuversichtliche Bemühen darum, im Leben „vollkommen (bzw. heilig) zu sein wie der himmlische Vater“ (vgl. auch Mt 5,48), werden dem Menschen vom Heiligen Geist geschenkt, wenn er sich im Glauben dem Gesetz und den Geboten in der Weise unterwirft, wie es Jesus Christus verkündet und vorgelebt hat.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 07/2014 - 5. Sonntag im Jahreskreis (A)

Liebe Mittchristen und Freunde von St. Pantaleo!

Salz ist heutzutage ein Massenprodukt, im Sonderangebot schon für 19 Cent das Pfund zu haben. In der Antike war das anders. Salz war ein äußerst kostbares Gut. So wurde es auch »das weiße Gold« genannt.

Die Römer hatten ein ganzes Netz von Salzstraßen aufgebaut, über denen der Handel lief. Nicht wenige Städte lebten sogar davon. Prachtvolle Bauten waren Zeugen, wie lukrativ der Handel mit Salz war. Anstelle von Geld wurden römische Legionäre nicht selten sogar mit Salz als Lohn ausbezahlt. Salz war kostbar und wichtig; und ist es noch heute.

In den Sonntagslesungen lenkt der Herr den Blick seiner Jünger von damals und heute auf die Welt um einen herum. Wie der des Herrn soll auch ihr Blick voll Liebe und Verantwortung auf alle Menschen und auf die ganze Welt gerichtet sein. Mit zwei Bildern, vom Salz und vom Licht, führt Jesus den Seinen ihre Aufgabe und Verantwortung für die Welt vor Augen.

Der Herr sagt (Mt 5,13a und 14a): „Ihr seid das Salz der Erde“ und „Ihr seid das Licht der Welt“.

Salz macht haltbar, es schützt Lebensmittel vor dem Verderben. Salz ist ein hervorragendes Konservierungsmittel: für Salzheringe, Pökelfleisch und anderes mehr. Der menschliche Organismus braucht fünf Gramm täglich davon. Ohne Salz würden wir sterben. Badekuren im äußerst salzhaltigen Toten Meer sind vom Feinsten. Aber was meint der Herr, wenn er sagt: »Ihr seid das Salz der Erde.«

Heute noch, wie schon bei den Israeliten und anderen Völkern der Antike, gehört der gemeinsame Verzehr von etwas Salz zu den Gesten von Gastfreundschaft. In ländlichen Gegenden lebt noch der schöne Brauch, den jung Vermählten etwas Brot und Salz zu überreichen zum Zeichen, dass man ihnen Glück und Erfüllung wünscht. Damit kommen wir dem Bildwort vom „Salz der Erde“, das wir als Christen sind, schon einen Schritt näher.

Alle Getaufte sind in einem umfassenden und tiefen Sinn »Salz der Erde« bzw. „Licht der Welt“. Der Herr sagt nicht, und das fällt auf, dass seine Jünger Salz bzw. Licht sein können oder sollen. Der Herr trifft eine Feststellung: Ihr seid es! So wie Salz (in anderer Weise das Licht) überaus wertvoll ist, so seid Ihr es für die Erde, sagt der Herr. Die Erde braucht euch! Die Menschen werden ohne Euch, ohne euren Einsatz und ohne euer Engagement nicht glücklich.

Die Art, wie heute viele leben, ist weitgehend davon geprägt, dass Gott gar keine Rolle mehr im Leben spielt. Der gängige Lebensstil ist weitgehend materialistisch und diesseitig. Das tut dem Menschen nicht gut; und er verkümmert.

Der atheistische Existentialist Jean Paul Sartre (1905 – 1980) ist ein Vorreiter dieser Lebensweise. Er hat die Behauptung aufgestellt: Der Mensch ist „zuerst gar nichts“, und später „nichts anderes, als was er selber aus sich macht!“ – Aber: Ist der Mensch wirklich nur das, was er selber tut, was er selber aus sich macht?

Ohne Zweifel kann der Mensch sehr viel. Er kann auch sehr viel aus sich machen. Aber das alles ist nicht von Dauer. Bezeichnend hierfür ist die Redewendung: »Das war es dann.«

Es ist wiederspricht der Erfahrung und ist deshalb schlichtweg falsch, dass all das, was der Mensch in seiner Kreativität hervorzubringen vermag, dass diese ganze Sinnfülle, die sich da auftut, nur im Menschen selber verankert ist. Diese ganze Sinnfülle würde dann ja mit dem Menschen wieder zu Grunde gehen, und es bliebe unklar, woher sie eigentlich kommt. Käme sie aus dem Nichts, wie Sartre behauptet, dann würde sie auch dorthin wieder verschwinden. Dann wäre die Erfahrung des Menschen, etwas wirklich Sinnvolles und Erfüllendes tun zu können, eine böse Täuschung. Und man müsste logisch notwendig die der Erfahrung widersprechende These vertreten, dass im Leben wirklicher Sinn gar nicht zu finden wäre, sondern nur eine Einbildung oder eine Illusion davon; und dass es wirklich Sinnvolles am Ende überhaupt nicht gäbe.

Die Sinnleere, die sich heute zunehmend in unserer Gesellschaft auftut, ist bekannt. Hier sagt der Herr: „Ihr seid Salz der Erde … ihr seid das Licht der Welt.“

Wer im Gebet und in den Sakramenten Gott sucht, und ihn so dann auch findet, vermag seiner Zeit, und der gegenwärtigen ganz besonders, den verloren gegangenen Lebenssinn wieder zurück zu geben. – Dies sagt Jesus all seinen Jüngern prägnant und präzise: „Ihr seid das Salz der Erde …. Ihr seid das Licht der Welt“. – Wo und wie sind wir Salz und Licht als Christen und Jünger Jesu?

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 06/2014 - Darstellung des Herrn (A)

Rembrandt starb am 4. Oktober 1669. Auf der Staffelei stand noch dieses Bild: „Simeon mit dem Christuskind". Es ist unvollendet geblieben. - Kurz zuvor hatte Rembrandt noch die "Heimkehr des verlorenen Sohnes" gemalt. So wollte er offenbar seinem Tod entgegengehen: Als der müde, heruntergekommene Sohn des Gleichnisses. Und so wollte er aufgenommen sein: Als armer Mensch, der nur die Hoffnung hat, er möge für Gott so wertvoll sein, dass ihn offene Arme und ein offenes Herz empfangen. - Mit diesem letzten Bild folgt noch der Dank: Der erfüllte Abschied, den Rembrandt von dieser Welt nimmt und ihn mit dem biblischen Simeon beten lässt (Lk 2,29): "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.“ [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am 2. Februar begeht die katholische Kirche das Fest der „Darstellung des Herrn im Tempel” oder, wie es bis vor etwa 50 Jahren hieß, „Mariä Lichtmess”: genau 40 Tage nach Weihnachten, dem Geburtsfest Jesu Christi. Dieses Fest am 2. Februar geht zurück auf die Erzählung im Lukasevangelium (2, 22-40): Den Vorschriften des jüdischen Glaubens entsprechend bringen Maria und Josef das neugeborene Kind 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel. Es musste dort den Priestern vorgestellt werden. Außerdem hatte die als „unrein” geltende Mutter dabei ein Reinigungsopfer darzubringen. Bei dieser „Darstellung des Herrn im Tempel“ kommt es zur Begegnung mit dem greisen Simeon und der 85-jährigen Prophetin Hanna.

Von seinem biblischen Ursprung wie von seiner Entstehungsgeschichte her hat das Fest, das wir diesen Sonntag feiern, eine lange, vielfacettige Tradition. Das Fest ist seit dem 4. Jahrhundert zur Erinnerung an Christus als Licht der Welt bezeugt und wahrscheinlich aus einem heidnischen Lichterfest entstanden, bei dem man den seit Dezember schon eine ganze Stunde länger hellen Tag feierte. – In Jerusalem wurde es mindestens seit Anfang des 5. Jahrhunderts gefeiert; es wurde „mit gleicher Freude wie Ostern begangen“ (Bericht der Pilgerin Aetheria). In Rom wurde es um 650 eingeführt.

Im Osten wurde es als „Fest der Begegnung des Herrn“ verstanden: der Messias kommt in seinen Tempel und begegnet dem Gottesvolk des Alten Bundes, vertreten durch Simeon und Hanna. Als Fest der Darstellung des Herrn ist es ein sogenanntes Herrenfest, bei dem Jesus Christus im Mittelpunkt steht. Seit der Liturgiereform von 1960 wird „Mariä Lichtmess“ auch in der römischen Kirche wieder als Fest des Herrn gefeiert: Fest der „Darstellung des Herrn“.

Im Westen wurde es anfangs mehr wie ein Marienfest begangen: „Reinigung Marias“ nach dem jüdischen Gesetz (Lev 12). Als Fest „Maria Lichtmess“, wie es bis zur Reform der Liturgie bis 1960 hieß, standen zusammen mit Maria besonders auch die Kerzenweihe und eine Lichterprozession im Mittelpunkt. Kerzenweihe und Lichterprozession kamen allerdings erst später hinzu. Anlässlich dieses Festes wurde dabei auch der Jahresbedarf an Kirchenkerzen geweiht, sowie zahlreiche Kerzen für die Verwendung zuhause. Von den gesegneten Kerzen im Haushalt erhoffte man sich unter anderem die Abwehr von Brand und Unwetter sowie Beistand bei Krankheit und Tod.

Das Fest galt früher traditionell als Ende der Weihnachtszeit, an dem auch die Weihnachtsbäume und Krippen abgebaut wurden. Gleichzeitig entwickelte sich dieser Termin im Laufe der Zeit als Beginn des Bauernjahres. Die Mägde und Knechte erhielten an diesem Stichtag den Rest ihres Jahreslohnes, bekamen einige Tage Urlaub, konnten Verwandte besuchen und durften auf Wunsch auch gleich den Dienstherren wechseln.

Das volkstümliche Fest fand in der Kirche nicht immer nur begeisterte Zustimmung, da man Sorge vor der Rückkehr des Aberglaubens hatte. So versuchte man beim Konzil von Konstantinopel 692 das Fest wie auch einige andere „Verdächtige” zu streichen, was aber in diesem Falle misslang. Regional haben sich im Laufe der Jahrhunderte rund um Mariä Lichtmess viele Bräuche entwickelt, so z.B. das „Kirchleintragen“ in Bad Eisenkappel im Vellachtal. In einer Prozession werden dort mit Kerzen beleuchtete gebastelte Kirchen von der Wallfahrtskirche Maria Dorn bis zum Ufer der Vellach getragen, wohl zur Erinnerung an rettende Hilfe bei Hochwasser.

Da am 3. Februar das Fest des heiligen Märtyrerbischofs Blasius begangen wird, hat es sich aus praktischen Gründen eingebürgert, dass schon im Anschluss an die Heilige Messe vom 2. Februar der Blasius-Segen erteilt wird. Die bekannteste Erzählung über Blasius, der zu den 14 Nothelfern zählt, berichtet davon, wie er während seiner Gefangenschaft in Rom einem jungen Mann das Leben rettete, als dieser an einer Fischgräte zu ersticken drohte. Dessen Mutter war wie viele Ratsuchende von außen ans Kerkerfenster gelaufen, um vom Bischof den rettenden Segen für den erstickenden Jungen zu erflehen.

Mit zwei gekreuzten langen Kerzen vor dem Hals des vor ihm stehenden Christen spricht der Priester den Segen: „Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist." – Hier ist unmissverständlich formuliert, dass es allein Gott selbst ist, dem wir Wohlergehen und Gesundheit verdanken und der uns in der Not rettet. Dabei kann er sich durchaus der Mithilfe von Nothelfern bedienen, wie in diesem Falle des heiligen Blasius, der von Beruf vorher übrigens Arzt war.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 05/2014 - 3. Sonntag im Jahreskreis (A)

Jesus beruft Simon und Andreas - Tafelbild von Duccio di Buoninsegne, Siena 1311 [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Evangelium von diesem Sonntag setzt zwei Schwerpunkte. Den ersten leitet der Evangelist Matthäus mit den Ereignissen um Johannes den Täufer ein, die zu seiner Ermordung führten. Diese Einleitung dient zugleich als Veranschaulichung. Den zweiten Schwerpunkt macht Matthäus fest an der Berufung der ersten Jünger durch Jesus.

Zum ersten Schwerpunkt: Der Täufer war ein aufrechter Kämpfer, der seiner Lebensaufgabe bis zum Ende treu war. Neben vielem anderen hatte der Täufer laut ausgesprochen, was in sich und damit ohne Wenn und Aber falsch und böse ist: Man darf nicht mit der Frau eines anderen wie in einer Ehe zusammenleben. So etwas ist in keinem einzigen Fall und auch durch nichts zu rechtfertigen. Dem Herodes, der mit der Frau seines Bruders zusammenlebte, war es ein Dorn im Auge, dass Johannes so offen und klar die Wahrheit sagte. So entledigte er sich des Täufer, indem er ihn ins Gefängnis werfen ließ.

Das himmelschreiende Unrecht und der Machtmissbrauch durch Herodes lässt den ersten Schwerpunt des Sonntagsevangeliums aktuell und konkret werden. Matthäus gibt dem Ganzen zudem ein ganz besonderes Gewicht, indem er auf das Alte Testament zurückgreift. Mit Jesus habe sich erfüllt (Mt 4,14-16), „was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: … Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.“

Jesus ist das Licht hat der Welt. Mit ihm ist es möglich, alle Dunkelheit, allen Machtmissbrauch, alle Unterdrückung wie auch alle eigenen Abgründe zu überwinden und aus dem eigenen Leben zu verbannen.

Deshalb predigt Jesus als Sohn Gottes, der vom himmlischen Vater, dem Schöpfer aller Menschen kommt (ibid. 17): „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Jesus fasst hier in sieben Worten das umfassende „Programm“ zusammen, für das er als ewig aus dem Vater hervorgehender Sohn in Bethlehem als Mensch geboren wurde. Er redet fortan den Menschen ins Gewissen, dass Ehebruch, unkeusches Ausleben der Sexualität, Völlerei, ein auf Sinnlichkeit ausgerichtetes Leben, Unrecht, Machtmissbrauch, Unterdrückung und anderes dieser Art dem Menschen in seiner Würde nicht entspricht.

Die Nähe des Himmelreiches verbietet fortan, weiterhin so zu leben. Die Nähe des Himmelreichs macht darüber hinaus den liebenden und barmherzigen Gott erfahrbar. Dies befähigt, ein Leben in der Dunkelheit durch Ab- und Umkehr hinter sich zu lassen. Als helles, von Gott kommendes Licht, erlöst Jesus aus einem Leben in den Niederungen und Schattenseiten des irdischen Daseins und holt jeden dort herausholt, der das möchte. Keiner bleibt mehr dazu verurteilt, in Dunkelheit leben zu müssen.

Für diese Sendung und Aufgabe stützt sich Jesus auf Mitstreiter. Er spricht sie an; und sie lassen sich dafür gewinnen. Damit sind wir beim zweiten Schwerpunkt des Sonntagsevangeliums: Die Berufung der ersten Jünger und was das für von uns heute bedeutet.

Es ereignet sich wie zufällig (ibid. 4, 18-19): „Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“ Und doch lässt sich in dem scheinbar Zufälligen eine gezielte Absicht Gottes erkennen; denn als Jesus weiterging, wiederholt sich fast dasselbe mit (ibid., 21) „zwei anderen Brüdern, Jakobus, dem Sohn des Zebedäus, und seinem Bruder Johannes.“ Auch sie richteten – dieses Mal sogar zusammen mit ihrem Vater – nach dem Fischfang am Ufer ihre Netze her. Auch sie (ibid., 22) „verließen sogleich das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.“

Das Sonntagsevangelium endet damit, dass Jesus (ibid., 23) „in ganz Galiläa umherzog, in den Synagogen lehrte, das Evangelium vom Reich verkündete und im Volk alle Krankheiten und Leiden heilte.“

So wie damals die Apostel, so spricht Jesus heute uns an, gemeinsam mit ihm in dieser Welt Licht zu sein. – Wie sind wir das mit Gottes Hilfe? …

Durch unser Leben: Wenn wir so leben, wie es uns entspricht und wie es Gott durch seinen menschgewordenen Sohn vorgelebt hat. Dann wird überwältigend deutlich, um wieviel besser es ist, als Abbild Gottes zu leben; als in der Dunkelheit und den Niederungen des irdischen Lebens hängen zu bleiben.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 04/2014

Johannes der Täufer beim Gebet - Juan van der Hamen y León - 1620-22 [public domain]

Liebe Mitchristenund Freunde von St. Pantaleon!

Unser Leben wird entscheidend mitbestimmt von zahllosen Wiederholungen. Viele Abläufe und Bewegungen sind uns seit Jahren vertraut. Wir wiederholen sie täglich: nach einer gewissen Lernphase inzwischen längst ohne große Mühe und ohne noch eigens darüber nachzudenken. Durch dieses tägliche, immer wiederkehrende Tun haben wir uns Gewohnheiten angeeignet, die uns nicht nur Sicherheit und Effizienz verleihen, sondern die auch unseren Charakter prägen.

Diese lebenswichtigen Wiederholungen bleiben nicht auf die körperlich-materiellen Lebensvollzüge beschränken. Auch unser geistiges Tun, unser Verstand, unsere Vernunft, ja sogar unsere kreative Spontaneität sind auf Wiederholungen angewiesen.

„Repetitio est mater studiorum“: „Wiederholung ist die Mutter des Studierens“ – Die bekannte lateinische Phrase bringt eine Erfahrung auf den Punkt, die jeder von uns vielfach gemacht hat. Nicht nur Melodien, Gedichte, prosaische Texte, historische Zahlen, physikalisches oder medizinisches Grundwissen usw. eignen wir uns durch stetes Wiederholen an. Auch ganz neue Einsichten setzen das Wiederholen von Bekanntem voraus. Nur so können wir ganz neue und noch nicht entdeckte Bezüge herstellen und im Verständnis wachsen.

Durch Wiederholen bleibt Wichtiges präsent – man verlernt sehr schnell – und nur so kann Neues daraus wachsen.

So ist auch die Sonntagsmesse von Wiederholungen geprägt. Aber es ist nie dasselbe. Die entsprechende Disposition und den aufrichtigen Wunsch vorausgesetzt, führt das regelmäßige Beten immer tiefer hinein in die Begegnung und das Zusammenleben mit Gott, dem Herrn.

Wenn wir an diesem Sonntag ein uns vertrautes Evangelium hören, gilt auch hier: Ein-, zwei-, drei und sogar noch öfter hören reicht nicht. Die tieferen Zusammenhänge erschließen sich erst allmählich.

Der Evangelist berichtet (Joh 1,29), wie „Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen sah und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Damit knüpft Johannes indirekt an das prophetische Wort von Jesaja über den Gottesknecht an (Jes 49,6): „Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht für die Völker, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.“

Jesus ist nicht nur Licht und Messias für Israel. Er ist der vom himmlischen Vater Gesalbte, der „Gottesknecht“ für die ganze Welt.

Obwohl Johannes, der Täufer, und Jesus miteinander verwandt waren und sich beide gewiss gut kannten, bezeugt Johannes (Joh 1,33f): „Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen. und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.“

Erst durch das regelmäßige Beten und die ausdauernde Treue, mit der Johannes in der Wüste und am Jordan seine ihm zugefallene tägliche Arbeit verrichtete, kam es schließlich zu dieser entscheidenden Begegnung, bei der ihm seine Augen und auch sein Herz für den Messias geöffnet wurden, den er schließlich in seinem Verwandten erblicken konnte. Dieser Begegnung gingen gewiss viele Tage, Monate und womöglich Jahr der inneren Suche nach der erlösenden Gewissheit voraus.

Die Heiligen bezeugen diese Erfahrung: „Im inneren Leben - nicht anders als in der menschlichen Liebe – ist Ausdauer nötig. Ja, du sollst immer wieder auf dieselben Themen zurückkommen, sie stets von neuem bedenken, bis du auch das Altvertraute mit neuen Augen siehst. Dann fragst du dich überrascht: Aber wieso sehe ich erst jetzt so klar? – Nun, manchmal sind wir wie Steine, über die das Wasser hinwegfließt, ohne dass ein einziger Tropfen eindringen kann. Deshalb ist es notwendig, immer neu das gleiche – das ja nicht dasselbe ist! – zu erwägen, damit wir fähig werden, die Segensfülle der göttlichen Gaben in uns aufzunehmen.“ (Josémaria Escrivá, Im Feuer der Schmiede Nr. 540)

Wir sehr wünsche ich Ihnen – für Ihr Wohl und für das Wohl aller, mit denen Sie zu tun haben –, dass diese Zeilen Sie darin bestärken, im wiederholten Beten und Mitfeiern der Gottesdienste nicht nachzulassen. Nur so kann sich Neues auftun. Nur so kann es geschehen – und es geschieht dann auch –, dass wir existentiell begreifen und verstehen, wie gut ein Leben mit Gott ist, und wen wir an ihm, unserem Gott haben, den wir kennen und doch noch lange nicht wirklich kennen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 03/2014

Taufe Jesu - Meister des Hitda-Evangeliars [public domain]

Liebe Mitchristen und Freunde von St.Pantaleon!

Mit dem Fest der Taufe des Herrn geht die Weihnachtszeit nun zu Ende. Noch vor wenigen Tagen haben wir am 6. Januar das Fest der Heiligen Drei Könige gefeiert. Zwischen dem Ereignis, das sich hinter diesem Fest verbirgt, und der Taufe Jesu am Jordan liegen drei Jahrzehnte. In diesen Jahren wuchs das Kind Jesus heran, begann der jugendliche Jesus auch zum Schmerz seiner Eltern seine eigenen Wege zu gehen – er blieb eigenmächtig und ohne ihnen etwas zu sagen im Tempel von Jerusalem zurück (vgl. Lk 2,41-52) – und trat der erwachsene Jesus schließlich als „Sohn des Zimmermanns“ (vgl. Mt 13,55) in die Fußstapfen seines Pflegevaters Josef: In den Jahren seines „verborgenen“ Lebens verdiente sich Jesus sein tägliches Brot durch gute und rechtschaffene Arbeit.

Es sind Jahre, in denen Gott seine irdische Persönlichkeit als Mensch entwickelt und entfaltet: Gott reift als Mensch in seiner irdischen Persönlichkeit so heran, wie es charakteristisch ist für jeden normalen Menschen. Es sind interessante, ja unverzichtbare Jahre zum Heil aller Menschen. Das lässt sich erschließen von der Taufe Jesu her und dem dann beginnenden öffentlichen Leben mit seiner Predigt- und Wundertätigkeit.

Anfangs wollte Johannes „es nicht zulassen“, dass „Jesus an den Jordan kam, um sich von ihm taufen zu lassen“ (Mt 3,13f). Das ist verständlich; denn kurz vorher hatte der Täufer erklärt (Mt 3,11): „Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ So widersetzte sich Johannes mit den Worten (Mt 3,14): „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“

Jesus aber (Mt 3,15) „antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.“

Man muss die vier Worte „Lass es nur zu!“ unbedingt zusammen mit dem „so erfüllen wir ganz die von Gott geforderte Gerechtigkeit“ lesen. – „Lass es nur zu!“ Damit ist folglich kein beliebiges und von Lust und Laune gesteuertes Zulassen gemeint, sondern ein Zulassen von dem, was und wie etwas von Gott kommt.

Von hier aus lassen sich die drei Jahrzehnte verborgenen Lebens Jesu in ihrer Bedeutung für unser Leben verstehen; denn Gott erklärt durch sein menschliches Leben in Jesus Christus, wie auch wir unser Leben gestalten und bis zum Ende durchformen müssen, um richtig zu sein und gerecht dazustehen. – Dass Jesus dreißig Jahre unerkannt und verborgen lebte, arbeitete und sein Brot verdiente, das kam von Gott. Es kam von Gott, dass Jesus sich zur Taufe an den Jordan und von dort in die Wüste zum vierzigtägigen Fasten begab. „Lass es nur zu!“: diese Lebenshaltung prägte auch das öffentliche Leben Jesu bis in den Tod hinein, auf den seine Auferstehung folgte.

Lassen auch wir zu, was und wie es von Gott kommt? Denken wir meist nicht vorrangig von uns und viel zu wenig von Gott her? Das fängt schon damit an, dass viele Eltern ihre Kinder erst nach Monaten, manchmal erst deutlich nach dem ersten Lebensjahr zur Taufe bringen. Das setzt sich dann weiter fort. Ohne Glaubens- und ohne Gebetspraxis kann keine Erfahrung dafür wachsen, dass Gott durch unser Leben, unser Bemühen und gutes Arbeiten bis hin durch unser hoffnungsvolles Aushalten von Krankheiten und Gebrechen Größeres bewirkt, als wir selber aus eigener Kraft es vermögen.

Was genau ist denn das Große, was Gott da bewirkt? – Antwort: Wer betend und aus der vertrauten Zwiesprache mit Gott heraus zulässt, was Gott und wie er es für unser Leben will, der steht richtig und gerecht dar, und er wird so mit Gewissheit der göttlichen Liebe begegnen. Und es gibt nichts Schöneres und Wertvolleres, nichts, was uns mehr erfüllt und beglückt, als eine Liebeserklärung, wie Gottvater sie Jesus gegenüber ausgesprochen hat. Matthäus berichtet darüber (Mt 3,16-17): „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“

Gott Vater konnte vom Himmel aus Jesus gegenüber das so sagen und aussprechen, weil Jesus ihn in seinem Leben hat handeln und wirken lassen. – Was Jesus dem Johannes sagte: „Lass es nur zu!“, das sagt Jesus also gewiss auch uns!

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 02/2014

An diesem Donnerstag, 9. Januar, ist in St. Pantaleon „Tag des Ewigen Gebetes“

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nach dem liturgischen Kalender endet die Weihnachtszeit mit dem Fest der Taufe Jesu am kommenden Sonntag. Nach altem Brauch können Krippe und Weihnachtsbäume noch bis zum 2. Februar in der Kirche verbleiben. An diesem Tag feiern wir dann das Fest der „Darstellung des Herrn im Tempel“. Dann wird die Krippe abgebaut und auch die Weihnachtsbäume haben ihren Dienst getan.

Den Älteren unter uns ist dieses Fest noch unter dem Namen „Maria Lichtmess“ bekannt. Und sie erinnern sich vielleicht noch daran, dass die Weihnachtszeit vor der Reform des liturgischen Kalenders bis zu diesem Fest andauerte. Darauf geht die Gewohnheit zurück, den weihnachtlichen Schmuck bis zu diesem Tag in der Kirche zu belassen.

In der kommenden, noch im vollen Sinne und deshalb noch ganz weihnachtlichen Woche folgt für uns in St. Pantaleon am 9. Januar, drei Tage nach dem Fest der Heiligen Drei Könige, der in diesem Jahr auf einen Donnerstag fallende „Tag des Ewigen Gebetes“. Jeweils an einem Tag im Jahr betet eine Kirchengemeinde oder ein Seelsorgebereich ganz besonders für alle anderen Gläubigen und ihre Anliegen in unserem Erzbistum. An 364 Tagen im Jahr sind wir in St. Pantaleon „Nutznießer“ dieser bistumsweiten Gebetssolidarität.

An diesem Donnerstag jedoch, dem 9. Januar, fällt uns die ehrenhafte Aufgabe zu, die Bemühungen, Anstrengungen, Anliegen, Hoffnungen, Vorsätze, Freuden und Sorgen aller in unseres Bistums, und jeden einzelnen selber – vom Bischof bis zum Neugetauften –, in besonderer Weise durch unser Gebet mitzutragen. An diesem Tag sind wir über unseren gemeinsamen Vater im Himmel allen Menschen guten Willens in unserem Bistum ganz eng verbunden. Und so wie wir an den anderen 364 Tagen uns auf das Gebet anderer stützen, dürfen dann diese sich auf uns verlassen.

Mit diesen Zeilen möchte ich Sie ganz herzlich zur solidarischen Teilnahme an diesem „Tag des Ewigen Gebetes“ einladen, in welcher Form auch immer. Wenn Sie zu den angebotenen Gebetszeiten (s. Aushang und Auslage) unterwegs sind und deshalb nicht physisch daran teilnehmen können, dann bitte ich Sie, zumindest von unterwegs, von zu Hause oder von Ihrem Arbeitsplatz aus all der Vielen in unserem Erzbistum betend zu gedenken und ihnen innig verbunden zu sein. An diesem Tag rechnen viele, bewusst oder unbewusst, mit den Betenden in St. Pantaleon. Lassen wir all die Vielen an diesem Tag nicht alleine und sich selber überlassen.

Die Hirten und die drei Könige können uns dabei helfen und inspirieren, wie sie u.a. wohl auch Pate standen bei der Textfassung des allseits bekannten Weihnachtslied „Nun freut euch, ihr Christen“ (Gotteslob, Nr. 143). Im Refrain heißt es dort: „Kommt, lasset uns anbeten, kommt, lasset uns anbeten, kommt lasset uns anbeten den König, den Herrn.“

Der Pfarrer von Ars erzählte verschiedentlich, wie er eine Zeit lang einen einfachen Bauern beobachtete, der regelmäßig auf den Knien lange vor dem Tabernakel im Gebet verweilte. Daraufhin habe er ihn gefragt: „Was machst du da?“ Dieser gute Landwirt antwortete ihm im dorfüblichen Dialekt: „Je le vois; il me voit“ – „Ich schaue ihn an, und er schaut mich an.“

Hier drückt ein Mann des Volkes eine wunderbare Vertrautheit mit der Nähe Gottes aus, wie sie uns in der Mitte unserer katholischen Kirchen mit dem eucharistisch gegenwärtigen Herrn im Tabernakel geschenkt ist. – Ähnlich bewegend begab sich der Gründer der ökumenischen Taizé-Gemeinschaft, Frère Roger Schütz, obwohl selber evangelischer Christ, calvinistisch geprägt und aufgewachsen, hin und wieder in die kleine katholische Dorfkirche in Taizé, um dort vor dem Tabernakel zu beten. Und er notiert dazu in seinem Tagebuch: Ce lieu est habité„Dieser Ort ist bewohnt“.

Wer so und in diesem Glauben betet, der beugt die Knie vor dem, dem wir alles verdanken und lässt auf diese Weise ihn, den Herrn, auch immer mehr handeln. – Der „Tag des Ewigen Gebetes“, in St. Pantaleon an diesem Donnerstag, 9. Januar, ist dafür eine gute Gelegenheit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt