Pfarrnachrichten 52/2011 und 01/2012 - Weihnachten

Anbetung der Könige - Roger van der Weyden

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wieder einmal feiern wir Weihnachten. Während der Festtage selber dürfen wir dankbar innehalten und uns freuen, dass Gott es wirklich gut mit uns meint.

Der Heilige Vater, Papst Benedikt, hat bei seinem Deutschlandbesuch wunderbar das Eigentliche von Weihnachten auf den Punkt gebracht. Er sagte wörtlich: „Die Liebe ist nicht nur irgendwie in Gott, er selbst ist vom Wesen her die Liebe. Und die göttliche Liebe will nicht für sich sein, sie will sich verströmen. Sie ist in der Menschwerdung und Hingabe des Sohnes Gottes in besonderer Weise auf die Menschen zugekommen. Er ist aus dem Rahmen seines Gottseins herausgetreten, hat Fleisch angenommen und ist Mensch geworden; und zwar nicht nur, um die Welt in ihrer Weltlichkeit zu bestätigen und ihr Gefährte zu sein, der sie ganz so läßt, wie sie ist. Zum Christusgeschehen gehört das Unfaßbare, daß es – wie die Kirchenväter sagen – ein ‚sacrum commercium’, einen Tausch zwischen Gott und den Menschen gibt, in dem beide – wenn auch auf ganz verschiedene Weise – Gebende und Nehmende, Schenkende und Empfangende sind.“

Von Herzen wünsche ich Ihnen einen auch sehr persönlichen Zugang zu dieser Wirklichkeit des „sacrum commercium“, des heiligen Austauschs zwischen diesem Gott, der Liebe in Person ist, und Ihnen, die sich darauf glaubend und vertrauend einlassen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 51/2011 - 4. Adventwoche (B)

Handschrift Dombibliothek – Miniatur – Verkündigung

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der vierte Adventssonntag stimmt uns mit dem Evangelium der Verkündigung ein auf das nahende Weihnachtsfest. Über alle Unbeständigkeit und Untreue der Menschen hinweg hat Gott seine Verheißung wahr gemacht und ist mit seiner erlösenden Herrlichkeit zu uns gekommen.

Aber Gott ist nicht mit äußerer Macht gekommen, und er setzt für sein Ankommen auf Erden auch keine Repressalien ein. Er braucht jedoch unsere innere Zustimmung. Ohne unser Wünschen und Wollen möchte er uns sein Heil – gemeint ist wirkliche Erlösung, wie sie nur von ihm kommen kann – nicht aufzwingen.

Maria ist die erste der Erlösten, die mit ihrem „Ja“ die Vorraussetzung dafür geschaffen hat. Sie hörte das Wort des Gottesboten Gabriel und antwortete als „Magd des Herrn“. Diese Haltung – Magd des Herrn – lässt sie aus der Kraft des Glaubens, dass „bei Gott nichts unmöglich ist“, über sich selber hinauswachsen in die Größe Gottes hinein.

Als Maria kurz darauf ihre Verwandte Elisabeth besucht, preist diese Maria selig, weil sie „geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“. Und Maria kann darauf antworten und ohne jede Art von Selbstbespiegelung über sich selber sagen: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“

Die letzten Adventtage sind Tage ganz besonderen Wartens auf die Ankunft des Herrn; Tage des Wünschens und Bittens, er möge wirklich ankommen. Die Zeit bis zur Ankunft ist meist mit einer bestimmten Unruhe verbunden; mit gewissen Vorstellungen und Erwartungen, und dem nicht völlig sicheren Wissen, ob am Ende auch alles in Erfüllung geht.

Es wäre schade, wenn man die Zeit des Ankommens und Erwartens nicht hätte. Manches ginge einem verloren und vieles vom Erwarteten bliebe unbeachtet und würde leicht überhört und nicht recht wahrgenommen werden. – Somit ist nach alt hergebrachter Erfahrung und Überlieferung für das Weihnachtsfest der Advent, die Zeit des Erwartens unverzichtbar. Wer den Advent vernachlässigt, ihn in der Begehrlichkeit des Kaufens und Verkaufens nicht mehr wahrnimmt, ihn unbeachtet lässt, der verliert früher oder später auch Weihnachten.

Weihnachten ist eine ganz persönliche und intime Begegnung des Menschen mit seinem Seinsgrund: Mit seinem Schöpfer und Erlöser. Erst in dieser Begegnung kommt der Mensch wirklich an und findet Frieden: mit Gott, mit seinem Nächsten und mit sich selber. Der Advent hilft, das Ziel nicht zu verfehlen und nicht zu einem Menschen zu werden, der über das irdische Leben hinaus nichts mehr zu erhoffen und zu erwarten vermag.

Wer den Advent ernst nimmt, der entdeckt insbesondere, dass Gott zum einen längst angekommen ist, zugleich aber immer wieder erst noch ankommen muss. Denn jeder von uns ist jetzt anders als vor einem Jahr. Wir sehen manches inzwischen ganz anders als vor 12 Monaten um diese Zeit. Wir hören manches anders als im vergangenen Jahr. Wir denken anders, als letztes Jahr. Deshalb muss Gott in gewisser Weise beständig in uns neu geboren werden.

Der Advent ist also nicht ein unaufrichtiges „so Tun, als ob“ Gott noch gar nicht angekommen wäre. Er ist angekommen und hat uns erlöst! Er muss aber auch in uns ankommen, sonst würden er und seine Gaben an uns vorbeirauschen und uns nicht berühren. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bis zum nahenden Fest eine segensreiche letzte Adventwoche, die zur inneren Umkehr in all dem führen möge, wo Gott, da wir uns weiter entwickelt haben, noch nicht angekommen ist.

Für diesen Prozess empfehle ich Ihnen von ganzem Herzen die Hl. Beichte! Durch dieses Sakrament lassen wir vor allem Gott handeln, bei dem, wie Maria es geglaubt hat, „kein Ding unmöglich ist“; eben auch nicht eine tiefgreifende Umwandlung unserer selbst hin zu einem grenzenlosen Vertrauen in Gottes heilende und erlösende Kraft.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 50/2011 - 3. Adventwoche (B)

vor und nach der Einweihung des neuen Kerzenopferlichtständers

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nach dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember und der darauf vorbereitenden Novene, die in diesem Jahr übrigens sehr gut besucht war – ab dem 30. November täglich, neun Tage lang, ein feierlicher Gottesdienst mit besonderer Predigt –, wird St. Pantaleon an diesem Montag, dem 12. Dezember, noch einmal Ort besonderer Marienverehrung sein. Wie seit Jahren werden wir auch diesmal wieder das Fest der Gottesmutter von Guadalupe in besonderer Form und mit Teilnahme von zahlreichen Gläubigen aus Südamerika feiern. Im Pontifikalamt, von unserem Weihbischof Dr. Klaus Dick zelebrieret, wird zudem ein neuer Kerzenopferlichtständer gesegnet.

Der Kerzenopferlichtständer ist eine Bronzearbeit der Künstlerin Maria Fernandez, und er ist ihr außergewöhnlich gut gelungen. Er bleibt zukünftig aufgestellt in der Josefmariakapelle und verbindet ein Marienbild, eine getreue Darstellung des Gnadenbildes der Gottesmutter von Guadalupe – ein Geschenk vom derzeitigen Rektor der Basilika von Guadalupe in Mexiko, Mons. Enrique Glennie –, mit einer Darstellung des Heiligen Josefmaria Escrivá. So können an diesem Ort in Zukunft Maria wie auch der Heilige verehrt werden. Wer möchte, kann seine Verbundenheit mit Maria, mit dem Heiligen oder auch beider zusammen durch das Aufstellen einer Votivkerze zum Ausdruck bringen und entweder die eine oder den anderen, oder auch beide gemeinsam als Fürsprecher in seinen Anliegen anrufen, und seine Bitte oder Dankbarkeit mit einem Kerzenopferlicht unterstreichen.

Der Kerzenopferlichtständer besteht aus zwei Teilen: einer mit feinem Sand – zum Aufstellen der Kerzen – gefüllten, wunderbar proportionierten und sorgfältig in Bronze gestalteten mandelförmigen Opferkerzenwanne, und einem darüber auf einer Konsole befestigtem Marienbild, das umgeben ist von einem ebenfalls hochwertig bearbeitetem bronzenem Rahmen. Auf der Konsole kniet, liebevoll modelliert, der Hl. Josefmaria. Er hält eine Rose in der Hand und blickt auf Maria.

Diese Darstellung greift eine Begebenheit aus dem Leben des Heiligen auf, über die in der Zeitschrift Mariologisches (August 2010, S. 7) wie folgt berichtet wird:

„Das Leben des hl. Josefmaria schloss ab, wie er es sich gewünscht hatte: Als er fünf Jahre vor seinem Tod für eine kurze Zeit in Jaltepec weilte, betrachtete er mit inniger Anteilnahme ein Bild, auf dem Maria dem Seher Juan Diego lächelnd eine Blume reicht. Spontan flammte in seiner Seele der Wunsch auf: ‚So möchte ich sterben: Maria schauen, indem sie mir eine Blume schenkt.’

Das gewährte ihm der Herr: Am Tag seines Hinscheidens, als er von einem Besuch … zurückkehrte und in sein Arbeitszimmer eintrat, wandte er seinen Blick zu einem Bild Marias – einer Darstellung der Jungfrau von Guadalupe – und sank sterbend zu Boden: Sein Herzenswunsch war erfüllt!“

Der hl. Josefmaria wurde öfter gefragt, wie man seinem Beispiel folgen könnte. Der Heilige hat daraufhin mit großer Entschiedenheit erklärt, dass er in seinem Lebensstil, in seiner Art als Christ und Priester zu leben, nicht nachgeahmt werden möchte. Eine Ausnahme allerdings gestand er zu und pflegte dann zu sagen: „Wenn ihr mich nachahmen wollt, dann nur in der Liebe zu Maria!“

So verbinde ich mit der endgültigen Aufstellung dieser Kerzenopferlichtschale mit dem Bild der Gottesmutter von Guadalupe und der Darstellung des Heiligen Josefmaria die feste Zuversicht, dass dieses kunstvolle Kleinod viele Menschen anspricht und ihnen etwas von der Zuversicht, der Freude, der Stärke, dem Glauben und der Liebe der Heiligen vermittelt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 49/2011 - 2. Adventwoche (B)

Johannes der Täufer - Braunschweiger Dom

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Ohne Johannes den Täufer wäre der Advent nicht Advent. Johannes ist der Rufer in der Wüste, der auch heute, nicht zuletzt im vorweihnachtlichen Rummel, den Weg zum Wesentlichen und Entscheidenden weist. Es ist traurig, dass der Advent in der Hektik der Festvorbereitung und all den Begehrlichkeiten des Kaufens und Verkaufens teilweise schon überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird.

Advent ist Zeit sehnsüchtigen Wartens und Hoffens auf das, was kommen wird. Damit hängt zusammen, dass Advent zugleich die wichtige und unverzichtbare Zeit ist, sich wieder einmal „in die Augen zu schauen“ und über sich selber und sein Leben größtmögliche Klarheit zu gewinnen. Dabei muss man achtgeben auf falsche Selbstzufriedenheit. Sie kann im Ergebnis nur zu einer vordergründigen Selbstgerechtigkeit führen. Hier ist kritische Distanz zu sich selber gefragt. Eine solche Distanz wird möglich, wenn man das Laufrad andauernder Betriebsamkeit und darauf immer wieder neu folgender Belohnung seiner selbst einfach einmal anhält.

Nur eine gesunde Distanz zu sich selber macht fähig zu einer guten Selbstkritik. Man muss sie auch reinen Herzens und uneingeschränkt wünschen und wollen, ohne die mögliche Feststellung zu scheuen, dass Verhaltensweisen oder Einstellungen gegebenenfalls auch grundlegend zu verändern sind. Nun reicht die eigene Kraft für grundlegende und nachhaltige Korrekturen und Veränderungen meist nicht aus.

Hier kommt uns am zweiten Adventssonntag der Prophet Jesaja entgegen: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden.“

Nach christlichem Verständnis ist die Schuld beglichen und ist die „volle Strafe“ abgebüßt, wenn ein Mensch sich mit Gottes Hilfe dazu aufrafft und durchringt, nicht mehr länger vor sich und seinem Nächsten mit inneren Brüchen, nicht mehr in der Unwahrheit über sein Leben und in der Lüge über sich selber leben zu wollen. Deshalb verbindet Jesaja die Worte des Trostes mit der Aufforderung: „Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!“

Advent ist nicht „Wellnes-Relaxen“, sondern besinnliches Sich-Einlassen auf eine ehrliche Konfrontation mit sich selber in der liebenden Gegenwart des allmächtigen Gottes. Dem Advent eignet somit ein besonderes „Ambiente“, das der Prophet Jesaja nach biblischer Art wie folgt beschreibt: „Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.“

In dem folglich von Gott selber gewährleisteten „Ambiente“ adventlicher Besinnung lassen sich mit der Bereitschaft zu auch grundlegender Korrektur Fragen wie diese stellen: „Auf welchem belastbaren Fundament gründe ich mein Leben? – Wohin bin ich eigentlich unterwegs? Ist das stimmig? – Welche Absichten aus meinen tieferen und tiefsten Schichten bestimmen letztlich mein Handeln? Bin ich da ehrlich? Kann ich auch vor Gottes Angesicht dazu stehen?“

In seinem zweiten Brief schreibt der Heilige Petrus mit Blick auf das zu Erwartende, auf das was kommen wird: „Bemüht euch, von ihm ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden.“ In diesem Sinne ist Johannes der Täufer, dieser Mann in der Wüste, ganz konzentriert. Sein Leben kennt nur eine einzige Aufgabe: Vorbote und Wegbereiter zu sein für den, der viel größer ist als er.

Für diesen Advent wünsche ich uns allen sehr, durch die Begegnung mit diesem Größeren – warum nicht auch im Bußsakrament? – wieder ganz zu sich selber zu finden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 48/2011 - 1. Adventwoche (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Mit diesem Sonntag, dem ersten Advent, beginnt ein neues Kirchenjahr. Advent heißt – übersetzt in die Sprache der Herzen – Sehnsucht. Man sehnt sich nach dem, was kommen soll und wird. Und man sehnt sich immer wieder; jedes Mal von neuem.

Das Wort „Advent“ ist dem lateinischen „adventus“ = Ankunft entnommen, bzw. dem lateinischen Verb „advenire“ = ankommen, eintreffen. So bezeichnet Advent zum einen die Wochen, in denen man sich auf Weihnachten, auf das kommende Hochfest der Geburt Christi vorbereitet. Man seht sich danach, dass Christus auch bei einem selber ankomme. Der barocke Prediger Angelus Silesius drückt dies in seiner Weise aus: „Wär´ Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, doch nicht in dir: du bliebst noch ewiglich verloren.“

Zugleich erinnert der Advent daran, dass wir als Christen das zweite Kommen Jesu Christi erwarten, wo dann endgültig alles in Erfüllung geht. Da macht es Sinn, dass mit dem ersten Advent auch das neue Kirchenjahr beginnt. Wie zu Neujahr hofft man, dass das kommende Gutes bringt; nicht nur ein wenig, sondern viel mehr Gutes als das zu Ende gegangene.

Da verwundert nicht, dass sich das Evangelium des ersten Advent nahtlos an das der letzen Sonntage anschließt. Es geht noch einmal um das Kommen des Herrn am Ende der Zeit, um das letzte Gericht und darum, wie wir uns darauf vorbereiten. Der Herr fordert zur Wachsamkeit auf.

Leben wir oft nicht so, als ob es kein Ende gebe? Schließen wir nicht oft die Augen vor dem, was einmal auf uns zukommen wird? – Im Schlussgebet des ersten Adventsonntag ist zusammengefasst, wie wir leben sollen: „Zeige uns den rechten Weg durch diese vergängliche Welt und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche.“ – Man muss sich auf das Ende einstimmen, sonst verpasst man es.

Durch die Menschwerdung Gottes, wie wir sie zu Weihnachten als Jesu erstes Kommen feiern, hat sich alles verändert. Und doch sind wir noch unterwegs zu dem und erwarten das, was er bereits wirklich und tatsächlich gebracht hat. „Reiß doch den Himmel auf, und komm herab“ hören wir in der ersten Lesung (Jesaja 63,19b). Das irdische Leben ist eine Einstimmung, eine Vorbereitung auf das Große, das Gott uns einmal für immer schenken möchte und wofür er bei seinem ersten Kommen die Grundlage gelegt hat.

Dieses Große ist in manchem so anders, so unendlich viel größer, dass es nur durch innige Sehnsucht, durch inniges Beten, Bitten und Glauben erkannt werden kann; so aber selbst dann, wenn die vorübergehende und oft auch raue irdische Wirklichkeit dem zu widersprechen scheint. So etwa hat auf der Wand eines Kellers in Köln ein Jude, der sich während des Zweiten Weltkrieges dort versteckt hielt, geschrieben: „Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint. Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht fühle. Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt.“

„Reiß doch den Himmel auf, und komm herab!“ In diesem alttestamentlichen Wunsch, in dieser Sehnsucht nach dem Heil Gottes schwingt Israels Bekenntnis der eigenen Schuld und Untreue mit: „Wir haben gegen dich gesündigt, von Urzeit an sind wir treulos geworden“. Die Schuld des Menschen hindert ihn dennoch nicht daran, Gott liebevoll vorzuwerfen: „Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, so dass wir dich nicht mehr fürchten?“

Gott lässt sich auf diese sehnsüchtige Bitte des Menschen ein. Beten wir also auch heute, wie schon damals, in vertrauensvoller Reue und im Schmerz des Gnadenverlustes dennoch von Gott gehalten: „Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.“ – In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 47/2011 - 34. Woche im Jahreskreis (A)

Das Jüngste Gericht - Hans Memling

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Aus dem alltäglichen Leben sind uns ernsthafte Hinweisschilder nicht nur bekannt, sondern sie werden gewöhnlich auch sehr geschätzt und für unverzichtbar gehalten: Achtung, Hochspannung – Lebensgefahr!“, „Vorsicht – bissiger Hund!“ oder „Betreten der Baustelle verboten“. Kein Vernünftiger ärgert sich darüber oder montiert sie einfach ab.

Am Ende des kirchlichen Jahreskreises werden uns Gleichnisse Jesu vorgetragen, die offen, deutlich und nachvollziehbar erklären, was alle Menschen einmal erwartet (Matthäus 25, 31), „wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm.

Dass unser Universum nicht ewig sein kann, gilt naturwissenschaftlich durch das Entropiegesetz und den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik als bewiesen. Was dann aber sein wird, vermag die Naturwissenschaft nicht mehr zu berechnen. Sie vermag nur den sogenannten „Wäremtod des Alls“ näher zu bestimmen, bei dem zwingend alle bekannten Abläufe der Natur erstarren und zum Stillstand kommen werden. Mehr nicht. Auch philosophische Spekulationen helfen nicht weitet. Sie kommen zu keiner verbindlichen und logisch zwingenden Antwort über das Ende.

Jesus aber erklärt, dass der wiederkommende Herr sich am Ende der Welt „auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen" werde, und dass „alle Völker von ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.“

Alle Völker, also nicht nur Kirchgänger oder solche, die zufällig ihren Taufschein dabei haben, werden nach der „Auferstehung der Toten“ mit ihrem Leben vor Christus stehen und er wird sie unaufhebbar voneinander trennen „wie der Hirt die Schafe von den Böcken“.

Die Trennung von Tieren großer Herden war zur Zeit Jesu ein allgegenwärtiges Geschehen. Sie war unvermeidlich. Die Entscheidung traf allein der Hirte, der seine Herde immer im Blick hatte. Jesus gebraucht ein starkes Bild. Es ist wie ein Hinweisschild: „Achtung – Das kommt auf Dich unabwendbar zu.“

Sofort nach dem Trennen, so erklärt Jesus im Evangelium, wird er als Richter zuerst zu denen sprechen, die vor ihm auf der guten Seite stehen dürfen: „Dann wird  der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist.“

Jesus als König und Richter der Welt stellt hier die Einheit mit seinem Vater fest und betont den ursprünglichen und ganz am Anfang stehenden Wunsch, dass die Menschen als seine Kinder „das Reich in Besitz nehmen“. Das geht aber nicht automatisch; denn der Mensch ist ein freies Geschöpf, den auch Gott nicht zu seinem Heil zwingen möchte. Der Mensch muss es wollen und dafür auch etwas tun.

Dies ist der Hintergrund vor dem der Herr den Geretteten dann sagen wird: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“

Die Überraschung wird groß sein: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? …“ uns so weiter. „Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Nur der Unvernünftige übersieht den deutlichen Hinweis, der mit Blick auf das Ende unserer Welt allen Menschen hier gegeben wird: „Achtung, auch Du stehst einmal vor mir und wirst nach dem gerichtet, was Du dem geringsten meiner Brüder getan“, beziehungsweise „nicht getan“ hast; denn auch das steht in diesem Evangelium.

Ist unsere Liebe groß genug? Bedürfen wir nicht der gläubigen Bitte und der Hilfe Gottes, um am Ende von ihm auf die richtige Seite geholt zu werden?

Ihr Pfr. Dr. Volker Hldebrandt

 

Pfarrnachrichten 46/2011 - 33. Woche im Jahreskreis (A)

In vielen Gleichnissen des Herrn stehen Personen im Mittelpunkt, zu deren Tagesgeschäft der Umgang mit sehr viel Geld gehört. – In diesem Bild malt Rembrandt nach seiner Vorstellung das Gleichnis vom reichen Kornbauern. – Im Sonntagsevangelium ist die Rede von drei Dienern, denen ihr Herr eine große Geldsumme zur Verwaltung anvertraut. Entscheidend ist: Wie gehen sie damit um?

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wie am vergangenen Sonntags geht es in den Lesungen auch an diesem Sonntag um das Ende der Welt, um die Wiederkunft Christi und um die Gestaltung unseres Lebens mit wachem Blick auf das, was am Ende unabwendbar auf alle Menschen zukommt. Jesus spricht über die Ereignisse am Ende unserer Welt in Gleichnissen. So vermögen wir uns ein vages Bild von dem zu machen, was die bisherigen Verhältnisse jenseits von allem, was wir bisher erfahren haben, verändern und für die Ewigkeit endgültig umgestalten wird.

An diesem Sonntag hören wir von drei Verwalten (Matthäus 25,14-30), denen der Herr je nach Begabung und Fähigkeiten fünf, zwei und ein Talent Silbergeld zum Wirtschaften anvertraute.

Der weltliche Hintergrund dieser Gleichnisrede ist die römisch-antike Finanz- und Wirtschaftswelt, die sich von der unsrigen nur unwesentlich unterscheidet. Es geht zudem um Millionenbeträge. Ein Talent Silbergeld entspricht zur Zeit Jesu etwa 25 Jahresgehältern eines jüdischen Normalverdieners. Ausländische Investoren, oft mit Hauptwohnsitz in Rom, ließen ihre weit verstreuten Güter von hervorragend qualifizierten Sklaven verwalteten, die – ähnlich wie heute ein Prokurist – persönlich dafür hafteten. Diese „Top-Sklaven“ genossen den besonderen Schutz der römischen Besatzungsarmee und Justiz. Sie waren unverzichtbar für Bestand und Blüte der antiken Wirtschafts– und Sozialstruktur.

Der „Mann“ im Gleichnis, „der auf Reisen ging“, jedem „Diener nach seinen Fähigkeiten“ Teile seines Vermögens anvertraute, und „nach langer Zeit zurückkehrte, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen“, war den Zuhörern Jesu also bestens vertraut.

Im Gleichnis nennt der Herr die beiden, die mit dem übertragenen Vermögen von fünf bzw. zwei Talenten den Betrag jeweils verdoppelt haben, „tüchtige und treue Diener“. Er lobt, dass sie „im Kleinen ein treue Verwalter“ waren und überträgt ihnen zum Dank „eine große Aufgabe“, die interessanterweise ganz anderes als die bisherige ist: „Komm, nimm teil an der Freude des Herrn!“

Mit diesem Gleichnis führt Christus vor Augen, dass ihm unsere Talente und Begabungen überaus wichtig und Grundlage für etwas ganz Großes sind. Sie sollten es also auch für uns sein.

Das Gleichnis verurteilt eindringlich das Versagen des „schlechten und faulen Dieners“, der aus vermeintlicher Angst, hinter der sich wohl eine gute Portion Trägheit verbarg, „ein Loch in die Ede grub, um das Geld des Herrn“ zu verstecken. Der Herr wirft ihm vor: „Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.“

Liebe Mitchristen: Die uns von Gott anvertrauten Talente und Fähigkeiten haben eine große Bedeutung für unser zukünftiges Leben nach dem Tod. Sie stellen eine Herausforderung dar, der wir uns nicht aus Faulheit und falschem Selbstmitleid verschließen dürfen. Die Art, wie wir mit ihnen umgehen, die Verantwortung, die wir mit ihnen zu übernehmen bereit sind, bestimmen darüber, „ob wir an der Freude des Herrn“ einmal teilnehmen können oder nicht. Denn „wer nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat“. Mit andern Worten: Wer trotz der empfangenen Talente und Begabungen, mit denen er seiner Aufgabe im Leben mit Gottes Hilfe und Gnade sehr gut entsprechen kann, diese nicht dafür einsetzt, diese nicht im Sinne des Herrn entfaltet, der wird am Ende auch noch das Empfangene verlieren.

Der Blick in die zukünftige Endzeit, den die Evangelien uns gewähren, offenbaren zugleich den tiefen Sinn, der in der jeweiligen Lebensaufgabe geborgen liegt, die zusammen mit den dafür notwendigen Begabungen und Talenten jeder ebenso von Gott empfangen hat. In der Entfaltung der Talente und im vertrauten Zwiegespräch mit Gott ebene auch darüber entfaltet auch sie sich und zeigt sich uns. Es lohnt sich allemal; denn so, und nur so, wird uns eine noch viel größere Aufgabe, und dann für immer, erwarten können: „Nimm teil an der Freude des Herrn“.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 45/2011 - 32. Woche im Jahreskreis (A)

Friedrich Wilhelm von Schadow (1788-1862) - Die fünf klugen und die fünf törichten Jungfrauen

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu. Nach alter Gewohnheit sieht die kirchliche Leseordnung für die letzten Sonntage im Jahreskreis Evangelientexte vor, die das große, abschließende Finale der öffentlichen Predigten Jesu wiedergeben. So sind die Evangelien der kommenden drei Sonntage der fünften und letzten großen Rede aus dem Matthäusevangelium entnommen. Vor der Kulisse des gewaltigen Tempelbaus, den König Herodes hat errichten lassen (vgl. Mt 24,1f), blickt Jesus in die Zukunft. Er belehrt seine Jünger über sein Wiederkommen (seine ‚Parusie’) und über das Ende der Welt (Mt 24,3 – 25,46).

Die großen Schlussreden sind von Vorstellungen geprägt, die dem heutigen Empfinden fremd sind. Erschreckende Ereignisse, Kriege und Erdbeben sowie große Nöten werden vorausgesagt. Sie sind Zeichen für das Ende der Welt.

Diese, dem Zeitgeist fremde Vorstellungen haben ihre Wurzeln im Judentum der Jahrhunderte vor und nach Jesu Christi. Der Herr übernimmt diese Vorstellungen und spricht von ihnen her über das, was am Ende sein wird; sowohl nach dem Tod eines jeden wie auch nach dem Ende der Welt. Jesus prophezeit in diesen letzten Reden seine Wiederkunft als Auferstandener und zugleich als Richter im endzeitlichen Gericht.

An diesem Sonntag hören wir aus diesen Schlussreden das Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen, die auf den Bräutigam warten. Die fünf Klugen nahmen anders als die fünf Törichten genug Öl für ihre Lampen mit. Da sich die Ankunft des Bräutigams verzögerte, standen die fünf Törichten schließlich ohne Öl da.

Als mitten in der Nacht laute Rufe zu hören waren: „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!“, versuchten sie noch, ausreichend Öl zu kaufen. Aber es war zu spät. Als sie schließlich zum Hochzeitssaal kamen, waren die Türen längst verschlossen. Auf ihre Bitte: „Herr, Herr, mach uns auf!“ antwortete der Herr von Innen: „Ich kenne Euch nicht.“ – Und Jesus beschließt das Gleichnis mit der Mahnung: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“

Dem dänischen Philosophen Sören Kierkegaard verdanken wir die treffende Tagebuchnotiz, dass „das Christentum durch den Gedanken an den Tod, den nahen Tod, vielleicht morgen, vielleicht heute, das Leben intensiver“ mache. Die gedankliche Vorwegnahme des eigenen Todes führe dazu, „den Tag ungeheuer intensiv zu nutzen.“

Der Tod lässt sich nicht verdrängen; es sei denn, man versucht albern und kindisch, gegen die Wahrnehmung der Realität, sein eigener Herr und Gott zu sein. Das kann eine zeitlang gelingen, aber bis höchstens in die Sterbestunde hinein. Und dann ist es vorbei und für eine Korrektur zu spät, wie es für die fünf Törichten zu spät war.

Die Klugen hatten ausreichend Öl dabei, weil sie vertrauend und vorausschauend die nächtlichen Rufe: „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!“ schon vor dem Ende wahr- und sich zu Herzen genommen hatten: Deshalb kannten sie den Bräutigam schon bevor er eintraf, und umgekehrt. Die Törichten aber waren unbekannte Fremde. Sie kannten nur sich selber. Sie wollten es nicht anders. Und so bleiben sie dann für immer: Ganz alleine und nur für sich selber.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 44/2011 - 31. Woche im Jahreskreis (A)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In den Sonntagslesungen geht es um die eng miteinander verwobenen Werte der Treue, der Glaubwürdigkeit wie der Übereinstimmung von Wort und Tat. Wie ein roter Faden ziehen sich diese Haltungen durch die Bibelstellen des 31. Sonntags im Jahreskreis. Auch wenn an Ihnen überwiegend Priester gemessen werden, sind diese Werte für jeden verbindlich.

Während die erste Lesung jene Priester anklagt, die ihrem Dienst vor Gott untreu wurden und Falsches verkündet haben, kritisiert Jesus das nach Außen gekehrte Leben der Pharisäer und Schriftgelehrten. In ihrem Inneren sind sie verarmt. Ihrem Lippenbekenntnis folgen keine Taten: „Sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.“

Paulus hingegen spricht vom Bestreben, glaubwürdig das Evangelium zu verkünden und danach zu leben: „Wir wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem eigenen Leben.“ Es folgt die entscheidende Begründung, die ein solches Bemühen dann auch wunderbar gelingen lässt: „Denn ihr ward uns sehr lieb geworden.“

Von dieser Begründung her erschließ sich ein tiefer Zugang, wie diese eng miteinander verwobenen und anspruchsvollen Werte gelebt und umgesetzt werden können. Dann nämlich, wenn man die Liebe zu- und gemäß der ihr innewohnenden Dynamik auch wachsen lässt. Von dieser Begründung her lässt sich zugleich erkennen, dass dem Praktisch-Werden guter und richtiger Grundsätze ein Leben als Pharisäer entgegensteht. Genau dies kritisiert Jesus in aller Deutlichkeit zwischen den Zeilen: „Sie schnüren schwere Lasten zusammen, wollen selber aber keinen Finger rühren. Alles tun sie nur, damit die Menschen es sehen.“

Immer wieder führt uns die Heilige Schrift das Entscheidende vor Augen. Der Schlüssel zu allem Guten ist die dreifache Liebe: Die Liebe zu Gott und zum Nächsten wie zu sich selber, die aus der lebendigen Begegnung mit unserem Schöpfer und Erlöser genährt wird. Dem innerlich verarmten und ausgebrannten Pharisäer hingegen ist die Verbundenheit mit Gott verloren gegangen. Er hält nur noch mit den Lippen an Überliefertem fest. Die im Buch Maleachi verklagten Priester haben gleich alles über Bord geworfen.

Eine lebendige Beziehung zu Gott kann von uns Menschen weder erzwungen noch selbstgemacht werden. Sie kann uns nur von Gott geschenkt werden. Aber um dieses Geschenk muss man sich – das lehrt die Erfahrung – anspruchsvoll und mit großer Zähigkeit bemühen; ähnlich wie um die Liebe zu unserem Nächsten. „Wie haben wir uns gemüht und geplagt“, erinnert sich Paulus, „bei Tag und bei Nacht haben wir gearbeitet.“ Von daher lautet also die zuverlässige Devise, die uns die Hl. Schrift ans Herz legt: Du bleibst glaubwürdig und treu, und in deinem Leben werden Wort und Tat übereinstimmen, wenn du in deinem Bemühen um uneingeschränkte Treue zum Wort Gottes nicht nachlässt und dich so der ganzen Liebe Gottes öffnest, die er dir dann in jedem Fall auch schenken wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Hinweise für Allerseelen

Vom 1. bis 8. November kann täglich einmal ein vollkommener Ablass für die Verstorbenen gewonnen werden. Neben den üblichen Voraussetzungen (Beichte, wobei eine zur Gewinnung mehrerer vollkommener Ablässe genügt; entschlossener Abkehr von jeder Sünde; Kommunionempfang und Gebet auf Meinung des Heiligen Vaters – diese Erfordernisse können mehrere Tage vor oder nach dem Kirchen- bzw. Friedhofsbesuch erfüllt werden) sind erforderlich:

a) am Allerseelentag (einschließlich 1. November ab 12 Uhr): Besuch einer Kirche oder öffentlichen Kapelle, Vaterunser und Glaubensbekenntnis; in Hauskapellen können nur die zum Haus Gehörenden den Ablass gewinnen;

oder b) vom 1. bis zum 8. November: Friedhofsbesuch und Gebet für die Verstorbenen.

Fehlt die volle Disposition oder bleibt eine der Bedingungen unerfüllt, ist es ein Teilablass für die Verstorbenen. Ein solcher kann in diesen und auch an den übrigen Tagen des Jahres durch Friedhofsbesuch wiederholt gewonnen werden.

Wo zu Allerheiligen am Nachmittag Totenfeiern üblich sind, soll in ihnen nicht nur die Trauer, sondern vielmehr das österliche Heilsgeheimnis der Auferstehung zum Ausdruck kommen.

 

Pfarrnachrichten 43/2011 - 30. Woche im Jahreskreis (A)

Wie ist das mit der Liebe, mit dem wichtigsten und dem ebenso wichtigen Gebot? - Jesus erteilt treffend Auskunft.

Liebe Mitchristen und Freunde von St.Pantaleon!

Wissen Sie, wie es sich mit der Liebe als dem wichtigsten und dem ebenso wichtigen Gebot verhält? Jesus erteilt treffend Antwort darauf.

Nachdem Jesus in der Frage nach der Auferstehung „die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte“, forderte ihn „ein Gesetzeslehrer“ mit der Frage heraus: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“ Angesichts der 248 Gebote und der 365 Verbote des alten Testamentes eine nicht leichte Aufgabe, die nur ein „Meister“ richtig lösen konnte. Jesus bestand die „Probe“. Seine Gegner verstummten.

Das Besondere der Antwort Jesu besteht nicht darin, dass er das berühmte Schema Israel (Deuteronomium 6,4f), das der fromme Jude bis heute morgens und abends betet: „Höre Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ in leicht geänderter Fassung mit dem Gebot der Menschenliebe aus dem Buch Levitikus (19,18) zusammen bringt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das Besondere liegt in der Präzisierung, wie beide Gebote jenseits der reinen Vernunftlogik miteinander verwoben sind.

Bei der katechetischen Unterweisung der Heiden etwa, die zum jüdischen Glauben übertreten wollten, war die Konzentration auf das doppelte Liebesgebot der Gottes- und Menschenliebe weit verbreitet. Jesus jedoch lehrte eine besondere Rangordnung und Beziehung dieser beiden Gebote. Das war neu.

Die Gottesliebe, sagt Jesus, ist „das wichtigste und erste Gebot“. Im Folgenden wird er scheinbar unlogisch; denn wie kann das erste Gebot „das wichtigste“ sein, und das zweite „ebenso wichtig“? Der Heilige Augustinus löst den scheinbaren Widerspruch folgendermaßen auf: Das erste Gebot sei in der Ordnung des Gebotenen das wichtigste. In der Ordnung des Tuns jedoch habe das zweite Gebot den Vorrang. Man könne den unsichtbaren Gott doch gar nicht lieben, wenn man ihm nie wirklich begegnet sei, ihn bislang nicht richtig wahrgenommen habe. Deshalb solle man zuerst den Nächsten lieben, den man sieht, und dann begegne man als Grund und Ursache dieser Liebe dem unsichtbaren Gott. Dann wiederum begreife man, dass die Gottesliebe wichtiger sei als die Nächstenliebe und unbedingt an erster Stelle stehen muss.

Augustinus betont damit im Sinne Jesu den Vorrang der Gottesliebe vor der Menschenliebe, ohne damit die Menschenliebe an die zweite Stelle zu setzen. Indirekt kritisiert er damit die Neigung, sich auf die Menschenliebe zu beschränken. Dem hohen Anspruch wahrer Menschenliebe kann nur genügen, wer sich der Gottesliebe hingibt. Ohne die Priorität der Gottesliebe wird Menschenliebe zur Philanthropie, für die man den in Jesus menschgewordenen Gott nicht mehr braucht. Seine Inspiration jenseits einer nur durchschnittlichen Mitmenschlichkeit ginge ebenso verloren wie der Glaube an ihn. Papst Benedikt hat in seiner Freiburger Rede zwischen den Zeilen auch darüber gesprochen. Es lohnt sich, sie daraufhin erneut zu lesen, im Gebet zu bedenken und danach zu handeln.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 42/2011 - 29. Woche im Jahreskreis (A)

Mit dieser Münze, Zeichen der Unterdrückung und einer fragwürdig religiösen Herrschaftsbegründung, musste jeder seine Steuern an die Römer zahlen.

Entweltlicht in der Welt

Zur Zeit Jesu musste jeder eine „Kopfsteuer“ zahlen. Die Steuermünze trug das Abbild des römischen Kaisers und die Inschrift: „Kaiser Tiberius, anbetungswürdiger Sohn des göttlichen Augustus“. So war sie Ausdruck einer verkehrten Welt: Ein Regierungschef und sein Staat maßen sich göttliches Wesen auf Kosten anderer an, und legitimierten damit zugleich ihre vermeintliche Autorität. Demgegenüber „hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht“, eine durch irgendeinen Glauben begründete Rechtsordnung vorgegeben. „Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen“, wie Papst Benedikt vor dem Deutschen Bundestag sagte, wobei freilich der Zusammenklang beider Bereiche „das Gegründetsein in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt“.

Die Steuermünze war so fragwürdig wie die Absichten der Pharisäer, die ihre Jünger mit den „Anhängern des Herodes“ zum Schmeicheln zusammen brachten: „Wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst“, um schließlich den Herrn mit einer Fangfrage auszuschalten: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen?“

Die öffentliche Steuerverweigerung galt als Kapitalverbrechen. Die Pharisäer haben damals mangels innerer Stärke vor der Übermacht der Römer kapituliert, sich arrangiert und schließlich kollaboriert. So auch hier. Gemeinsam mit den Herodianern gingen sie gegen den vor, der „wirklich den Weg Gottes lehrte“. Aber „Jesus erkannte ihre böse Absicht“. Er sollte entweder als Kapitalverbrecher von den Römern abgeführt oder öffentlich als Steuerzahler, und damit als Verräter ‚der Wahrheit und der Wege Gottes’ bloßgestellt werden. „Ihr Heuchler“, erwiderte er und forderte sie auf, ihm eine Steuermünze zu zeigen.

Dumm, wie Mitläufer es oft sind, „hielten sie ihm einen Denar hin“. Damit hat Jesus die Sache für sich entschieden. Nicht er, sondern sie waren Verräter. Nicht er, sondern sie waren unterwürfige Steuerzahler. Die kompromittierende Münze, die sie sogleich zur Hand hatten, legte alles offen. Jesus ließ sie sich nur zeigen. Er nahm sie nicht einmal in die Hand.

Dann sagt der Herr das Entscheidende: „Gebt also dem Kaiser zurück, was dem Kaiser gehört, und Gott was Gott gehört.“ Das erinnert an die Mahnung von Papst Benedikt in seiner Freiburger Rede vor engagierten Katholiken, sich zu „entweltlichen“ und doch zugleich in der Welt zu sein. Die ersten Christen haben so gelebt: Als Beamte, Landwirte, Handwerker, Soldaten, Geschäftsleute, Jungfrauen, Mütter, verheiratete Väter, Musiker, Dichter und Philosophen. Der weltlichen Übermacht der Römer und dem Trend der Zeit vermochten sie bis zum Martyrium zu widerstehen, weil sie vor dem Abbild des Kaisers nicht in die Knie gingen, sondern betend das Abbild Gottes suchten, das er seiner ganzen geliebten Schöpfung eingeprägt hat. Um es zu finden, muss man freilich zuerst beten und beten und noch einmal beten. Daraus folgt dann das rechte Tun. So haben die scheinbar Machtlosen betend, und erst dann handelnd, das zu Unrecht gewordene römische Herrschaftssystem schließlich bezwungen und dem Zusammenklang der in Gott gegründeten Natur und der Vernunft des Menschen als Spiegel der schöpferischen Vernunft Gottes bis in unsere Gegenwart zu seinem Recht und einer wunderbaren Entfaltung verholfen.

Wir Christen sind manchmal dabei, durch Verweltlichung, Anpassung und innere Aufweichung das wieder aufzugeben. Darum ist der Papst in sein Heimatland gekommen und hat Wichtiges gesagt. Man muss die geradezu prophetischen Deutschlandreden des Papstes deshalb mehrmals lesen, sie genauer bedenken und ins Gebet nehmen. Dann öffnen sie Augen und Herz und weisen den rechten Weg.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 41/2011 - 28. Woche im Jahreskreis (A)

Zum Festmahl waren alle geladen, aber nicht alle haben der Einladung in Würde entsprochen.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die erste Lesung und das Evangelium sprechen von einem Festmahl, bei dem der Herr allen, nicht nur den Privilegierten, „feinste Speisen“ (Jesaja), „Ochsen und Mastvieh“ (Matthäus) bringen lässt. Mit dem Bild vom Festmahl feiert der alttestamentliche Text Gott als den, der rettet: „Wir wollen jubeln und uns freuen“. In Ergänzung dazu betonen die anderen Perikopen, dass der Mensch diesem rettenden Gott deshalb mit Frömmigkeit und Gottesfurcht zu entsprechen hat.

Paulus erklärt den Philippern am Beispiel seines Leben, was dann passiert: Er komme mit Entbehrungen gleichermaßen zu Recht wie mit Überfluss. Durch Frömmigkeit und Gottesfurcht vermag er alles „durch IHN, der mir Kraft gibt.“

Frömmigkeit und Gottesfurcht entstehen aus der Gotteskindschaft: ein kindliches Vertrauen, das durch beständige Pflege wie von selber, also gnadenhaft, im Inneren des Menschen durch Gottes Nähe wächst und positiv verändert. In der Folge stellen sich Gleichmut und Größe, Gelassenheit und Noblesse ein. – Nehmen wir uns doch einmal reichlich Zeit für die ernste und zugleich befreiende Frage: Fällt es unseren Nachbarn durch unsere Präsenz ähnlich leicht wie damals den Philippern durch die Nähe des Paulus, an Gott und seine verwandelnde Kraft zu glauben?

In Evangelium wird das vertieft. Die mit vielen Vorzügen ausgestatteten Großen und Edlen sind viel zu sehr mit sich selber beschäftigt. Auch die zweite Einladung zur Hochzeitsfeier schlagen sie aus. Sie fällt ihnen sogar lästig und einige fallen über die Diener her. Ihre Ichbezogenheit macht sie blind dafür, dass sie ohne den einladenden Gott an sich selber ersticken und zu Grunde gehen.

Man spürt im Evangelium, menschlich gesprochen, den heiligen Eifer und die unendliche Sehnsucht Gottes nach dem Menschen. Er gibt ihn allem zum Trotz nicht auf. Auf Drängen des Herrn schwärmen die Diener zum dritten Mal aus und der Festsaal füllt sich gleichermaßen mit Guten und Bösen. Und doch unterschieden sie sich: Die Bösen haben schließlich auch das Hochzeitskleid der Barmherzigkeit Gottes angezogen. So sind nun auch sie im Himmel mit den Guten am richtigen Platz.

Einer jedoch hält das hochzeitliche Gewand der göttlichen Barmherzigkeit für überflüssig; auch noch, als er darauf angesprochen wird. So verurteilt er sich selber dazu, fortan „zu heulen und mit den Zähnen zu knirschen“.

Es gibt eine innere Einstellung, mit der die hier angesprochenen Wahrheiten des Menschen über sich selber wunderbar zu verstehen sind. Der Heilige Josefmaria Escrivá hat sie einmal in der ihm eigenen Tiefe spiritueller Erfahrung wie folgt auf den Punkt gebracht (Der Weg, 425): „Zu wissen, dass Du mich so sehr liebst, mein Gott, und – ich habe noch nicht den Verstand verloren?“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 40/2011 - 27. Woche im Jahreskreis (A)

Vincent van Gogh - Der rote Weinberg

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In der ersten Lesung wie im Evangelium von diesem Sonntag wird von einem Gutsbesitzer erzählt, der einen herrlichen Weinberg anlegt. Liebevoll, ohne Mühe zu scheuen, gräbt er ihn um. Der schützende Zaun, ergänzt durch einen hohen Turm, der alles überschauen lässt, hält Diebe und Räuber fern. Durch die neu angelegte Kelter ist erntefrischer Most garantiert. Aber die Hoffnung auf süße Trauben und edlen Wein geht nicht in Erfüllung.

Im neutestamentlichen Gleichnis sind die Pächter daran schuld. Nach den Knechten bringen sie skrupellos auch den Erben, den Sohn des Besitzers um. Sie wollen den Weinberg fortan für sich alleine, zu ihrem Vorteil und nach ihren Vorstellungen bewirtschaften.

Mit dem Sohn und Erben meint Jesus sich selber als Sohn Gottes. Dem alttestamentlichen Weinberglied ist der Menschensohn noch unbekannt. Mit dem Weinberg aber ist bildhaft schon im alten wie dann im neuen Testament der von Gott geschaffene Mensch gemeint.

Gott hat sich, menschlich gesprochen, viel Mühe mit ihm gegeben. Er ist ihm auch wunderbar gelungen; wie der Weinberg. Aber es steckt in ihm ein Keim des Verderbens, der sein ganzes Leben elend und fruchtlos machen kann. Diesen Keim des Verderbens hat die Schlange schon sehr früh wie Blendwerk ausgesät (Buch Genesis, 3,5): »Sobald ihr davon esst, werdet ihr wie Gott«. In den bildhaften Weinbergreden würde die Schlange sagen: »Genieß dich selber. Mach alles mit dir selber aus. Sei dein eigener Maßstab, dein eigener Herr und Gott«.

Wenn die Weinbergreden unsere Ohren nicht streicheln und unbarmherzig hart daherkommen, sind sie dennoch keine Drohbotschaft. In der zweiten Lesung korrigiert Paulus mögliche Missverständnisse: Gott ist ein Gott des Friedens, »der alles Verstehen übersteigt«. Er bewahrt »eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus«. – Die Weinberggleichnisse sind hart und kantig, um das Elend der Gottlosigkeit auf den Punkt zu bringen.

Ganz unberührt davon erklärt die Schlange auch heute ganz im Trend der Zeit: »Gott lügt. Du brauchst ihn nicht. Mit dem Zaun und dem Wachturm schränkt er dich nur ein. Und mit der Kelter nimmt er dir alles weg. Vergiss ihn. Erst dann wirst du wirklich leben«.

Gegen diesen Ungeist hat Papst Benedikt wiederholt seine Stimme erhoben (u.a. am 24.04.2005): »Wer Christus einlässt, dem geht nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist. Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles«.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 39/2011 - 26. Woche im Jahreskreis (A)

Der Papst im Bundestag - 22. September 2011

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nach langer Nachtfahrt müde aber glücklich aus Berlin zurück, verweise ich für die Pfarrnachrichten mit dem folgenden Link auf einen Kommentar zur Papstrede im Deutschen Bundestag einer eher als liberal geltenden überregionalen Tageszeitung.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

Pfarrnachrichten 38/2011 - 25. Woche im Jahreskreis (A)

Arbeiter für den Weinberg – Ausschnitt aus der Kassettendecke in der Hospitalkirche Hof, um 1688 / 89

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Gleichnis vom Weinberg, das diesen Sonntag aus dem Matthäusevangelium vorgetragen wird, ist schwer zu verstehen. Ein Gutsbesitzer wirbt wie üblich wohl um 6:00 Uhr früh Arbeiter für seinen Weinberg an und einigt sich mit ihnen auf einen Denar für den Arbeitstag (bis 18:00 Uhr), den damals üblichen Lohn für einen Tagelöhner. Auch damals gab es so etwas wie einen Mindestlohn.

Überraschend an dem Gleichnis ist, dass nicht, wie sonst üblich, irgendein Verwalter, sondern der Gutsherr persönlich Arbeiter für seinen Weinberg anwirbt. Auch die Einbettung des Gleichnisses in das Ganze des Matthäusevangeliums ist überraschend. Kurz vorher hatte Petrus den Herrn zur Rede gestellt (Mt 19,27): »Du weißt, wir haben alles verlassen und sind der nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?«

Die Jünger beschäftigte die aus irdischer Sicht nachvollziehbare Frage: Was bringt uns das Ganze? Bleibt am Ende auch für uns etwas übrig für den Einsatz, den wir hier aufbringen? Ausdrücklich sagt Matthäus, dass Jesus seinen Jüngern, also dem engsten Kreis seiner Vertrauten und eben nicht der Menge dieses Gleichnis erzählt.

Fragt man sich als gläubiger Christ nicht auch manchmal: Ich halte die Gebote und verzichte auf manches, was sich andere, den bequemsten Weg suchend, wie selbstverständlich leisten. Dann spende ich auch regelmäßig und schenke anderen von meiner Zeit und Kraft. Rechnet sich das? Von daher ist das Gleichnis nicht nur an die Jünger sondern ebenso besonders an die bewusst aus der Kraft des Glaubens Lebenden, an die Arbeiter der ersten Stunde gerichtet.

Überraschend am Gleichnis ist zudem, dass der Gutsherr mit den später hinzukommenden Arbeitern um 9:00, um 12:00 und um 15:00 Uhr keinen bestimmten Lohn vereinbart. Er sagt nur: »Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.« Ganz außergewöhnlich und gegen jedes unternehmerische Denken ist, dass er sogar um 17:00 Uhr, nur 1 Stunde vor Schluss, noch Arbeiter anwirbt und dazu noch ein gut meinendes Gespräch mit ihnen führt: »Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Das sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!«

Richtig spannend wird es dann im zweiten Teil des Gleichnisses. Alle Arbeiter, angefangen bei denen der letzten bis schließlich zu denen der ersten Stunde, erhalten denselben Lohn: Einen Denar. Die Arbeiter der ersten Stunde, die sich bei der auf Anweisung des Gutsherrn zuerst vorgenommen Auszahlung der Arbeiter der letzten Stunde verständlicherweise heimliche Hoffnungen gemacht hatten, sind empört. Sie »begannen, über den Gutsherrn zu murren.«

Dem Wortführer erwidert der Gutsherr, wenn man die schönredende deutsche Einheitsübersetzung durch eine wörtliche ersetzen darf: »Verschwinde mit deinem Anteil und geh! Komm mir nicht mehr unter die Augen. Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten. Ist dein Blick böse, weil ich gut bin?«

Gott ist anders. Man kann mit ihm keine Geschäfte machen, wie man es sonst so kennt. Gott ist gut, ohne all die Einschränkungen, an die wir gebunden sind. Deshalb ist im Himmel ist kein Platz für diejenigen, die „einen bösen Blick“ haben. Unsere Denkweise ist viel zu eng und eingeschränkt, um die unbegreifbare Liebe Gottes zu verstehen. Wohl aber kann man sich durch betrachtendes Beten dem Gleichnis nähern. Das ist die einzige Art, um das Gleichnisses zu allmählich zu verstehen und es so zu verinnerlichen, dass es auch unser Leben immer mehr bestimmt.

Wenn es uns gelingt, uns in kleinen Schritten der Andersartigkeit Gottes anzunähern, dann werden wir die „Entlohnung“ immer vertrauensvoller ihm überlassen können.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 37/2011 - 24. Woche im Jahreskreis (A)

Ohne Vergebung nur Streit

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Diesen Sonntag gibt uns das Matthäusevangelium grundlegende Orientierung zum Thema Vergebung. Sie ist unverzichtbar für jede Gemeinschaft. Jeder von uns wird immer wieder schuldig und ohne Vergebung schließt jeder den anderen unwiderruflich und hoffnungslos aus. Die Gemeinschaft zerbricht und hört auf. Das schmerzhafte Scheitern vieler Ehen ist oft auf die Unfähigkeit zu vergeben zurückzuführen.

Offen schreibt ein Mann im Internet: »Ich bin in einer Ehe, wo meine Frau mir aus meiner Sicht geringste Kleinigkeiten nicht verzeiht. Ich rede von Kleinigkeiten, nicht vom Seitensprung o.ä. … Meine Fehler werden mir noch nach Jahren vorgehalten. Ich entschuldige mich, aber es wird „Wiedergutmachung“ eingefordert … Das Resultat nach 26 Jahren Ehe: alles zerrüttet. Über mich wird ein „Schwarzbuch der Missetaten“ geführt. Ich ziehe nun aus. Kein Verzeihen, keine Vergebung selbst kleinster Dinge.“

Und von einer Frau ist dort zu lesen: »Gestern Abend (wieder) Streit! Ich habe mich respektlos behandelt gefühlt, im Stich gelassen, bin erniedrigt worden. Er entschuldigt sich, ruft mich an, schreibt Nachrichten, bedauert sein Verhalten zutiefst. Es fällt mir nicht schwer, ihm zu verzeihen; ich habe mehr ein Problem mit der Tatsache, dass er mich respektlos behandelt. Ich verzeihe ihm, ja! Nur die Schwierigkeit ist, ihm WIRKLICH zu verzeihen, sodass … ich keine Wut mehr in mir habe. Es geht immer ein Teil in mir kaputt. Ich stelle anschließend die Frage, ob er wirklich DER Mann an meiner Seite sein kann. … Warum behandelt er mich immer so respektlos? … Vielleicht bin ich gar nicht in der Lage, ihm zu verzeihen, selbst wenn ich es sage!? Ich weiß es nicht, meine Gedanken sind durcheinander, bin sehr verwirrt. Ich muss nachdenken.«

Petrus fragt den Herrn (Mt 18,21): »Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?« Auf die Frage »wie oft?« nimmt Petrus die Antwort gleich vorweg: »Siebenmal?«

Die jüdischen Rabbiner kannten das dreimalige Vergeben in gleicher Sache. Irgendwann, so scheint es, muss doch einmal Schluss damit sein. Man kann doch nicht immer wieder neu vergeben!

Petrus geht deutlich weiter: »Siebenmal?« Die Zahl »sieben« drückt Vollkommenheit aus. Die siebenmalige Vergebung ist also nicht nur rein numerisch, sondern als unbeirrbare Haltung zu verstehen, allem zum Trotz immer wieder neu zu vergeben. Eigentlich hätte der Herr dem zustimmen müssen. Er antwortet aber (Mt 18, 22): »Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.«

Mit einem eindrucksvollen Gleichnis (Mt 18,23-35) verdeutlicht Christus, dass sich die Fähigkeit zur Vergebung – auch sie entgegen zu nehmen – zu einer Charaktereigenschaft entfalten muss. Nur so wird Vergebungsfähigkeit zu einem immerwährenden Verhalten, das den eigenen Lebensstil zutiefst bestimmt. Vergeben ist ein Prozess, auch ein Lernprozess, der lebenslang dauert und nie aufhört.

Vergebung setzt voraus, eigene Fehler uneingeschränkt einzugestehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Deshalb sollte es nie heißen: »Es tut mir leid, dass ich so reagiert habe, aber du hast mich auch provoziert!« Dieses »Aber« bewirkt, dass die wohlgemeinte Entschuldigung eher als Beschuldigung rüberkommt und Versöhnung unmöglich macht. Mit der Übernahme der vollen Verantwortung für den Bereich, wo man wirklich gefehlt hat, wächst die innere Stärke, die Konsequenzen zu tragen und neu zu beginnen.

Auch Wiedergutmachung will in diesem Zusammenhang gelernt sein: Wenn eine Frau ihren Fehler wieder gut machen möchte, indem sie ihrem Mann die Garage aufräumt, er ihre Hilfeleistung aber eher als Einmischung empfindet, wird die Aufräumaktion wohl einen weiteren Streit provozieren.

Der Gläubige weiß sich in allem Bemühen darum nie alleine. Gott öffnet neue Türen und zeigt ungeahnte Wege und Möglichkeiten.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 36/2011 - 23. Woche im Jahreskreis (A)

»Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.« (Mt 18,20) – Mitglieder der Prager Beerdigungsbruderschaft beten am Lager eines Sterbenden (um 1772)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Jeder von uns wünscht sich Harmonie. Jeder möchte mit Menschen zusammen leben, denen er vertrauen und mit denen er gemeinsam in übereinstimmender Gesinnung etwas Gutes aufbauen kann. Zugleich weiß jeder von uns, dass dies sehr anspruchsvoll ist und leider nicht immer gelingt.

Das Leben ist oft geprägt von Konkurrenz, von Streben nach Macht und Beherrschung des anderen. Zugleich ist es geprägt von der Schwäche des Menschen. Keiner ist davon frei. Auch und gerade in der Größe des Menschen kann sich fast unbemerkt eine Erbärmlichkeit einschleichen, die alles ins Gegenteil verkehrt. Anderen können wir sehr gut raten und ihnen helfen, die Fallen der Eitelkeit, des verborgenen Stolz, der Machtgelüste wie auch der Trägheit, der Bequemlichkeit usw. besser zu erkennen und elegant zu umgehen.

Für die subtilen Erbärmlichkeiten des Menschen ist man mit Blick auf sich selber meist relativ blind; denn sie kommen mit raffinierten Begründungen, die einen selber auf’s Kreuz legen. Das eigene Denken ist nicht immer ein guter Ratgeber oder Lotse, wenn es um die Ausrichtung des eigenen Verhaltens und Tuns auf das wirkliche Gute geht. Anderen gegenüber ist das meist viel leichter. Deshalb sind wir angewiesen auf fremde Hilfe und zugleich dazu verpflichtet, anderen zu helfen.

Darum geht es im Sonntagsevangelium. »Wenn dein Bruder sündigt«, sagt der Herr (Mt. 18,15), »dann geh zu ihm und wiese ihn unter vier Augen zurecht.«

Schon die ersten Christen haben dieses Wort in besonderer Weise mit Blick auf die Gemeinschaft der Christgläubigen, also die Kirche gesehen. Diese Gemeinschaft ist einzigartig. Sie gibt es weltweit kein zweites Mal. Ihr ist der besondere Beistand des Heiligen Geistes versprochen. Von daher konnte Augustinus schon für die frühe Kirche die Zurechtweisung des Bruders mit dem Wirken Gottes zum Wohl eines jeden in Beziehung setzten. Augustinus sagt wörtlich (Reg 4,6): »Gott, der in euch wohnt, wird euch durch eure Verantwortlichkeit füreinander beschützen.«

Augustinus weiß von seiner eigen Biographie her um die Gebrochenheit des Menschen und besitzt zugleich eine große Sensibilität, für deren Auswirkungen auf andere, auch auf die gesamte Kirche, den Leib Christi. Die Verletzungen, die Menschen einander zufügen, betreffen Christus selbst, die Kirche und mit ihr die ganze Menschheit. »Denn, Brüder«, so Augustinus (Sermo 137,2 [PL 38,755]), »seht unseres Hauptes Liebe. Schon ist er im Himmel, und doch leidet er hienieden, solange die Kirche hienieden leidet.«

Ganz in diesem Sinne sagt dann viele Jahrhunderte später der Hl. Josefmaria Escrivá (Im Feuer der Schmiede 566): »Die brüderliche Zurechtweisung, deren Wurzeln im Evangelium zu finden sind, ist ein Freundschaftserweis im Zeichen des Glaubens und ein Beweis von Vertrauen. Sei dankbar, wenn du sie empfängst, und unterlasse es nicht, sie denen zu erteilen, die mit dir zusammen sind.«

Zurechtweisen heißt, den rechten Weg weisen. Das darf nie im Zorn geschehen. Auch darf dem anderen dabei nicht der Kopf gewaschen werden. Jesus hat es vorgemacht: Eher sind die schmutzigen Füße an der Reihe. Nach seiner Aufforderung zur Zurechtweisung gibt der Herr auch das Ziel einer solchen an (Mt 18,15): »Hört Dein Bruder auf dich, so hast du deinen Bruder zurück gewonnen.«

Wer also jemanden auf den rechten Weg zurückbringen möchte, tut dies nicht zu seinem Privatvergnügen oder aus persönlichem Ärger heraus, sondern im ausdrücklichen Auftrag Gottes. Das Sonntagsevangelium nennt eine Reihe sehr interessanter Vorraussetzungen, wodurch dies gewährleistet ist; insbesondere auch durch das gemeinsame Gebet (Mt 18, 19): »Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.«

Ihr Pfr. Dr. Voker HIldebrandt

 

Pfarrnachrichten 35/2011 - 22. Woche im Jahreskreis (A)

Die Versuchung Jesu, Duccio di Buoninsegna (um 1255-1319) - Die Prededellentafel ist Teil von Duccios Hauptwerk, der Sienser „Maestà“. Wie in der byzantinischen Malerei ist der Teufel als schwarzer Engel von äthiopischem Typus mit Fledermaus gesehen.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Letzen Sonntag hörten wir vom beeindruckenden Messiasbekenntnis des Petrus: »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes« (Mt. 16,16). Der Herr hat daraufhin Petrus zum Felsen auf Erden gemacht, auf den er seine Kirche bauen werde und erklärt: »die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen« (Mt 16,18).

An diesem Sonntag hören wir, was sich unmittelbar im Anschluss daran ereignet hat. Jesus kündigt mit Worten des Evangelisten Matthäus wie folgt sein Leiden an: »Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen« (Mt 16, 21). Petrus nimmt sich den Herrn zur Seite, »machte ihm Vorwürfe« und sagt ihm (Mt 16,22): »Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen!«

Wer von uns hätte es nicht genauso getan.

Daraufhin geschieht das Unglaubliche: »Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen«. (Mt 16,23).

Wer sich in diesen Zusammenhang wirklich hineindenkt, kann nicht anders, als den Atem anhalten. Der soeben ernannte erste Papst, »du bist Petrus – der Fels –, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen« (Mt 16, 18), wird nun Satan genannt.

Jesu hat den Satan, den Versucher, schon reichlich kennen gelernt. Das Hauptziel Satans besteht damals wie heue darin, Gott zu widersprechen. Satan will nicht, was Gott will. Satan will sein eigener Gott sein. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Und er scheut auch nicht davor zurück, den noch unreifen, eben erst gekürten Papst für seine Ziele zu missbrauchen.

In der unvermischten, zugleich ungeteilten Verbundenheit mit Gott widersteht der Mensch Jesu dieser Versuchung, die ihm Satan ins Ohr flüstert durch Petrus, dem engsten Freund Jesu auf Erden, dem er soeben seine ganze zukünftige Sendung auf Erden anvertraut und in die Hände gelegt hat.

Der Versucher gibt nicht auf. Am Ende des lukanischen Berichtes über die drei großen Versuchungen in der Wüste stehen wie beiläufig und schnell überlesen, die gewichtigen Worte (Lk 4,13): »Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.« Diesen Zusatz »für eine gewisse Zeit« finden wir nur bei Lukas. Wenn dieser Zusatz bei den anderen Evangelisten nicht zu finden ist, bedeutet das nicht, dass er unwichtig und zu vernachlässigen wäre.

»Für eine gewisse Zeit …« Danach aber versuchte der Satan Jesus immer wieder einmal zu Fall zu bringen. Heute versucht der Satan sich an uns. In seiner Gerissenheit ist er uns allen überlegen und legt uns so elegant auf’s Kreuz, dass wir in genau diesem Moment meinen, eigentlich doch jetzt das Richtige, Wahre und Gute zu tun.

Der letzten großen Versuchung widersteht Jesus in den dramatischer Stunden des Ölgartens vor seinem Tod am Kreuz. Mit seinem Tod löst er nun auch selber die Antwort auf die Frage ein, wie man denn dieser, dem Menschen überlegenen Gerissenheit des Teufels überhaupt widerstehen kann. Nach der uneingeschränkten Abweisung des Petrus, stehen am Ende des Evangeliums von diesem Sonntag die Worte, die ich uns allen sehr ans Herz legen möchte (Mt 16,24f): »Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.«

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 34/2011 - 21. Woche im Jahreskreis (A)

Vor dem Hintergrund allzu oft wie ein Gott verehrten weltlichen Glanzes übergibt Jesus dem Petrus die Schlüssel des Himmelreiches. – Pietro Perugino (1481-82) Fresco, 335 x 550 cm, Sixtinische Kapelle, Vatican.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Zur Zeit Jesu war Cäsaréa Philíppi ein berühmter Wallfahrtsort. Auf dem imposanten Felsmassiv neben der Ortschaft stand damals eine große und beeindruckende Tempelanlage. Herodes der Große hatte sie zu Ehren des Kaisers Augustus errichten lassen, der ihm dieses Gebiet geschenkt hatte.

Vor dieser Kulisse ereignete sich, was wir an diesem Sonntag im Evangelium hören werden. Der Herr fragt seine Jünger, für wen die Menschen ihn halten. Sie antworteten (Mt. 16, 14): »Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.« Auf diese Antwort hin spricht er sie auf ihre Position an: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« Daraufhin antwortet Petrus, wie oft in solchen Situationen, als Wortführer der anderen (Ibid., 16): »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Die Frage des Herrn und die Antwort des Petrus an genau diesem Ort sind auch insofern höchst pikant, weil sich damals die römischen Kaiser, angefangen bei eben jenem Augustus, mit „Sohn Gottes“ anreden ließen. Münzen und Inschriften belegen es.

Hier also wird der Vergottung des römischen Imperiums und seiner Herrscher eine klare Absage erteilt. – Ist das nicht auch heute wieder sehr nötig, wo die schwankenden, krisengeschüttelten Finanzmärkte und die exorbitanten Staatsverschuldungen Denken und Leben über die Maßen beherrschen und zum Ein und Alles geworden sind?

Ein weiteres an diesem Ort, dem nicht nur die Tempelanlage zu Ehren des vermeintliche kaiserlichen „Gottessohnes“ großen Zulauf und Attraktivität verschaffte, ist interessant. Hier befand sich auch das Heiligtum des griechischen Gottes Pan. Im Zweifelsfalle war dieser Gott einfach für alles zuständig.

Hier in Cäsaréa Philíppi konnte man diese von Menschen geschaffenen Götter hautnah erleben. Felsenfest standen sie da, und es schien, als könne niemand an ihnen rütteln.

Diese selbstgemachten Götter sind wie Unkraut. Immer wieder wachsen sie nach. Ist ein Götze tot, steht schon der nächste vor der Tür. – Weder Aktienkurse noch Gesundheit oder ähnliche, von Menschen geschaffene Götter wie Geld, Besitz, Ansehen, Egoismus, Macht, Sex usw. sind ein Ersatz für den einen, wahren, in Jesus Christus menschgewordenen Gott, den Petrus wider dem Zeitgeist von damals wie heute bekennt.

Mit dem »ihr aber« (s.o.) sind nun auch wir gemeint.

Die berühmte Frage von Gretchen an Faust in Goethes Tragödie Erster Teil (Vers 3415) ist und bleibt aktuell: »Wie hast du’s mit der Religion?« – Nicht von ungefähr wird seitdem eine direkte, an den Kern eines Problems gehende Frage als Gretchenfrage bezeichnet.

Ein Zweites steht im Mittelpunkt des Sonntagevangeliums und hat es weltbekannt gemacht; nämlich die Antwort Jesu auf das Messiasbekenntnis des Petrus(Mt 16,17-19):

»Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus der Fels , und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.«

Vor den naturgewaltigen Felsen in Cäsaréa Philíppi werden nicht nur die scheinbar unerschütterlichen Götter „Marke Eigenbau“ ins Wanken und zu Fall gebracht, sondern zugleich – gewissermaßen als Antwort darauf – von Gott selber durch seinen Sohn Jesus Christus ein Fels auf Erden gestiftet, der allen Anfechtungen bis zum Ende der irdischen Zeit widerstehen wird: Das Amt des Petrus ist durch Gottes Gnade unfehlbar, wenn der Papst »als oberster Hirt und Lehrer aller Christgläubigen … eine Lehre über den Glauben oder die Sitten in einem endgültigen Akt verkündet«. (vgl. u.a. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 891).

Der Weltjungetag ist beredtes Zeugnis für die Lebendigkeit und die reichen Früchte dieser ungebrochenen Glaubenstradition.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 33/2011 - 20. Woche im Jahreskreis (A)

Die kanaanäische Frau - Les Très Riches Heures du duc de Berry, Folio 164r - Musée Condé, Chantilly

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der heilige Matthäus überrascht uns diesen Sonntag mit einer nicht nur auf den ersten Blick ganz unerwarteten Reaktion Jesu. Kurz vorher waren Pharisäer und Schriftgelehrte eigens aus Jerusalem zu ihm gekommen, um ihn warnend die Frage zu stellen, warum er seine Jünger nicht zu den üblichen Reinheitsvorschriften verpflichte. Daraufhin hatte sich der Herr in das benachbarte, aber heidnische Tyrus und Sidon zurückgezogen. Dort würde man ihn nicht zu schnell erneut belästigen.

Aber es kam anders. Eine kanaanäische, also für Juden ungläubige Frau näherte sich ihm höchst auffällig. Ihr Rufen muss nach dem von Matthäus verwendeten griechischen Ausdruck „ekrazein“ ein schrilles Schreien gewesen sein (Mt. 15,22): »Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief („ekrazein“): Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.«

»Jesus aber gab ihr keine Antwort« Er würdigt sie keines einzigen Blickes. Das verwundert.

Darüber hinaus weist er die Bitte der Jünger zurück (Mt 15,23): »Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her«. Sie scheinen ungeordnet, weil nicht ganz selbstlos zu bitten; zu sehr aus dem Wunsch heraus, endlich Ruhe zu haben.

Die Reaktion Jesu gegenüber der Frau und den Jüngern lässt zugleich deutlich werden, dass jede Vorstellung eines „Kuschel– oder Softi–Jesus“ hier völlig fehlt am Platz ist. Auch die anderen Lesungen dieses Sonntags betonen, dass Jesus von seinem himmlischen Vater (Mt 15, 24) »nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt« ist. Von dieser ihm aufgetragenen Aufgabe – was „heilstheologisch“ an anderer Stelle näher zu erörtern wäre – lässt er sich nicht abbringen.

Darüber hinaus ist Liebe nur dann wahr und echt, wenn sie geordnet ist. Die Fürsprache der Jünger für diese Frau entspricht dieser Anforderung nicht. Wie aber sieht es bei der bittenden Frau aus?

Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass ihre Liebe geordnet ist. Sie will nicht einfach eine Gelegenheit, die sich ihr scheinbar unerwartet und überraschend bietet, letztlich nur in egoistischer und eigennütziger Weise nutzen. Matthäus berichtet (Mt 15,25): »Sie fiel vor ihm nieder und sagte: Herr hilf mir!«

Ihr Bitten ist demütig. Es ist durchwoben von wahrer Ehrfurcht. – Das steht beim Evangelisten zwischen den Zeilen; denn der Herr erwiderte ihr (Mt 15.26): »Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.«

Es war im Volk Israel damals üblich, die Heiden als »Hunde« zu bezeichnen. Die Worte Jesu sind von daher weder geringschätzig noch verachtend gemeint. – Für das Verständnis des Ganzen wichtiger und entscheidender ist die Haltung der Frau. Sie entgegnet Jesus (Mt 15,27): »Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.«

Sie willigt also ein, wie Gott sein Heil uns Menschen schenkt. Dem Volk Israel kommt hier ein klarer Vorrang zu. Da lässt sie keinen Neid aufkommen. Zugleich wird deutlich, dass sie als wahrhaft Bittende kommt, die keinerlei Ansprüche stellt. Sie legt alles in Gottes Hand. Sein Wille soll geschehen.

Damit offenbart sie sich als wahrhaft Gläubige und wird uns abschließend als Vorbild geordneten Bittens und liebenden Vertrauens vor Augen gestellt (Mt 15,28): »Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.«

Ist auch unser Beten und Bitten von einer solchen Demut und rechten Ordnung in der Liebe und im Vertrauen geprägt?

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 32/2011 - 19. Woche im Jahreskreis (A)

Überfuhr bei nahendem Unwetter, signiert, datiert W. Völker 1845, Öl auf Leinwand, 93,5 x 101 cm

 

LIebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Sturm auf dem See Genesaret hat immer wieder die großen Meister der Malerei zu eindrucksvollen Gemälden inspiriert. Darüber hinaus wird der „biblische Sturm“, wie ihn etwa der Evangelist Matthäus für diesen Sonntag (Mt., 14,22-33) erzählt, als Hauptereignis von bedeutsamen, die Haupterzählung erklärenden und deutenden Begleitumständen umrahmt.

Mit fünf Broten und zwei Fischen hatten die Jünger durch das geheimnisvolle und wunderbare Wirken des Herrn an einem abgelegnen Ort weit über 5.000 Menschen gesättigt; und von den Resten zwölf Körbe voll eingesammelt. Diese Erzählung von der wunderbaren Brotvermehrung wurde uns vergangenen Sonntag mit in die Woche gegeben.

Nun überrascht es, dass der Herr kurz nach diesem wundervollen Ereignis, offenbar mit einer gewissen Eile und mit Nachdruck, die Jünger auffordert, »ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten.« - So erzählt es der Evangelist Matthäus (Vers 22 f).

Der Evangelist scheint durch seine Erzählweise die Absicht des Herrn unterstreichen zu wollen, nicht beim Vordergründigen stehen zu bleiben und vor allem nicht im Glanz der durch Gottes Gnade bewirkten Wohltaten in trügerischer und selbstgefälliger Weise zu verweilen. … So drängt er sowohl die Jünger, wie auch die Leute, möglichst umgehend nach Hause zu gehen und besteigt selber den nahe gelegenen Berg, um zu beten.

Jesus wirkt also Wunder, um die Kraft eines Lebens ganz aus dem Glauben sichtbar zu machen; und zu einem solchen Leben zu motivieren. – Der Sturm auf dem See, der die Jünger kurz nach diesen Ereignissen überrascht, und schließlich zur Begegnung mit dem über das Wasser wandelnden Herrn führt, soll den Jünger dafür die Augen öffnen.

Sie hatten mit eigenen Augen gesehen und dabei mitgewirkt: Mit nur fünf Broten und zwei Fischen vermochten sie durch Gottes Gnade eine unüberschaubare Menschenmenge zu sättigen. – Aber jetzt, alleine auf dem See und dem gnadenlosen Sturm ausgesetzt, scheint das alles wie vergessen. Und noch schlimmer: Als der Herr ihnen auf dem Wasser entgegenkommt (Vers 26), »meinten sie, es sei ein Gespenst und sie schrien vor Angst«.

Nur Petrus wagt schließlich, es dem Herrn gleich zu tun: Auf Jesu Wort hin »komm«, »stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.« (Vers 28 f) – Aber auch dieses Mal ist der Glaube des Petrus nur von kurzer Dauer. Durch den Sturm, den Wind und die Wellen von seiner Sammlung auf Jesus hin eine kurzen Augenblick abgelenkt, »bekam er Angst und begann unterzugehen.« (Vers 30)

Wilhelm Völker hat in seinem 1845 geschaffenen Ölgemälde auf Leinwand (93,5 x 101 cm) die Hauptaussage dieser biblischen Erzählung in ganz eigener Weise ins Bild gesetzt: Ein junges Mädchen bittet den Pfarrer, erfüllt vom Glauben an die heilende und erlösende Kraft des in der Heiligen Eucharistie wirklich gegenwärtigen Jesu, ihrem sterbenden Vater den Lieb Christi als letzte Wegzehrung zu reichen.

Aber der Fährmann weigert sich und stemmt sich mit ganzer Kraft gegen den Glauben des Mädchen, des Priesters und des ihm vertrauensvoll folgenden Messners. Mädchen und Priester geben durch Gestik und Blicke dem Fährmann zu verstehen: Christus selber wird in der Hostie mit uns im Boot sein. Der nahende Sturm und die gefährlich wachsenden Wellen werden uns nichts anhaben können. … Der Fährmann aber denkt nur irdisch; und stemmt sich gegen den vertrauens– und hoffnungsvollen Glauben der Drei.

Wie würden denn Sie Ihr Vertrauen auf Jesu und Ihren Glauben an seine geheimnisvolle Wirksamkeit und Gegenwart im Sakrament des Altares, mindestens Sonntag für Sonntag, ins Bild setzten? – Beschäftigen Sei sich mit dieser Frage doch eine kurze Weile. Ihr Bemühen darum wird Sie die Aussageabsicht des Sonntagevangeliums sehr viel besser verstehen lassen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 31/2011 - 18. Woche im Jahreskreis (A)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die Sommerpause tut gut und sie ist auch nötig. Leicht wächst uns die Arbeit über den Kopf. Auch wenn wir da vielleicht manchmal übertreiben, ist es doch so, dass schon allein dieser Eindruck uns zusätzlich lähmt und Kraft raubt.

So fühlten sich offenbar auch die Apostel, ja sogar unser Herr Jesus Christus selber – insofern er nicht nur Gott sondern in der Einzigkeit seiner Person zugleich auch ein Mensch wie wir ist – immer wieder einmal überfordert und an der Grenze der eigenen Möglichkeiten angelangt. So berichtet der Evangelist Matthäus unter anderem, dass Jesus, nachdem er gehört hatte, „dass Johannes (der Täufer) enthauptet worden war, mit dem Boot in eine einsame Gegend fuhr, um allein zu sein.“ (Mt 14,13)

Der schmachvolle Tod seines Wegbereiters wird ihn nicht nur schmerzlich berührt, sondern auch vor Augen geführt haben, wie wenig wir als Menschen letztlich bewegen und bewirken können. Die Bewohner Israels waren wohl in Scharen zum Täufer an den Jordan gekommen. Viele haben sich taufen lassen. Aber all das schien wie vergessen. Wie ein heruntergekommener Verbrecher wurde Johannes enthauptet; und nur noch wenige nahmen Notiz davon.

Wird das auch sein Schicksal sein, wenn einmal sein Weg am Kreuz enden wird? Wird dann alles vergebens gewesen sein? – Diese und ähnliche Fragen werden dem Herrn gekommen sein und ihn bedrückt haben. So muss er sich zuerst einmal zurückziehen, Abstand gewinnen, Herz und Kopf sortieren, um wieder klar sehen zu können.

Schließlich siegt das Mitleid, angesichts all der „Leute, die ihm zu Fuß nachgingen.“ (Mt 14,13) Durch sie wird ihm bewusst: Sie brauchen ihn. Auf ihn haben sie große Hoffnung gesetzt. Sie erwarten vieles von ihm. „Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitlied mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.“ (Mt., 14,14)

Der Rahmen des Evangeliums von der Brotvermehrung (Mt 14,13-21), das wir an diesem Sonntag hören, ist höchst bedeutsam.

Als es Abend wurde, und die Vielen immer noch beim Herrn verweilten, werden die Apostel ungeduldig und sie drängen den Herrn voller Sorgen, sogar ein wenig vorwurfsvoll: „Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.“ (Mt., 14,15)

Als der Herr ihnen daraufhin erwidert (Mt 14,16): „Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen“, da bricht auch aus ihnen das menschliche Unvermögen hervor, das kurz vorher den Herrn, angesichts der menschenverachtenden Hinrichtung des Täufers, in die Einsamkeit getrieben hatte. – Sie sagten zu ihm (Mt 14,17): „Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.“ In der parallelen Überlieferung bei Johannes finden wir noch den Zusatz: „Was ist das für so viele.“ (Joh 6,9)

Der Herr ordnet an, dass sie die fünf Brote und zwei Fische herbringen und „die Leute sich ins Gras setzten“ (Mt 14,18 f) sollen. Mit der Formulierung: „Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern“ (Mt 14,9) deutet der Evangelist den tieferen Sinn der Brotvermehrung, der in der Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl in Erfüllung geht und fortan Bestand haben wird: „Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es seinen Jüngern und sagte: Nehmt und esst, das ist mein Leib.“ (Mt 26, 26)

Alle wurden satt. „Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll.“ (Mt 14,20) Von den fünf Broten und den zwei Fischen blieb also für jeden Apostel ein voller Korb übrig.

Die Sommerpause wird uns helfen, erneut zu realisieren: Solange wir das „Wenige“, was wir hervorbringen und bewirken können – die Herstellung und den Vertrieb von Brot und Wein, vielmehr können wir am Ende auch heue nicht –, in die Hände Gottes legen, wie dieser Junge auf dem Bild, werden wir, wie die Apostel, immer wieder von den Möglichkeiten Gottes überrascht, der unser Bemühen reich segnet und von Dauer sein lässt.

Ihr Pfr.. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 30/2011 - 17. Woche im Jahreskreis (A)

Der „hörende“ König David spielt Harfe - Weingarten, Museum für Klosterkultur - um 1770

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In den Beginn der großen Sommerferien werden uns an diesem Sonntag drei Schriftlesungen hinein gegeben, die zu betrachten sehr aufschlussreich ist.

Wieder einmal macht Jesus mit drei Gleichnissen über das Himmelreich nachdenklich. Die beiden ersten sind sich sehr ähnlich: Ein Feldarbeiter entdeckt im Acker einen Schatz und ein Perlenhändler woanders eine außergewöhnlich kostbare Perle. Beide sind klug und nicht auf den Kopf gefallen: beide gehen aufs Ganze: Sie setzen ihr gesamtes Vermögen ein, um das weit Wertvollere zu erwerben. Durch Wagemut und Schlauheit gehören sie zu den Gewinnern.

Wer verstanden hat, was Jesus anbietet, wird nicht zögern, alles auf eine Karte zu setzen. Er wird das Eigene uneingeschränkt und ohne Abzüge einsetzen, um vor Gott wie ein Armer zu werden. So kann er das von Gott Angebotene im reinen und ungetrübten Glauben erwerben: „Selig, die arm sind vor Gott – das heißt, die in ihrer Gesinnung auf alles verzichten –, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ (Mt 5,3)

Aber nicht jeder findet den Schatz oder die Perle; und nicht jeder vermag sofort aufs Ganze zu gehen. Deshalb folgt, wie am vorigen Sonntag, noch ein drittes Gleichnis: Fischer ziehen ihre Netze ans Land. Sie sortieren die guten Fische aus, die Schlechten aber werfen sie weg. – „So wird es auch am Ende der Welt sein.“ (Mt 13,49) Mit dieser Erklärung deutet der Herr das dritte Gleichnis zusammen mit den beiden vorausgehenden: Mit den klugen Entscheidungen im zeitlichen und irdischen Leben ist es wie mit den klugen Entscheidungen für die Ewigkeit: hinter dem Angebot Gottes, der einmaligen Chance, steht die ernste Warnung, sie nicht zu versäumen.

Es geht um Gewinn oder Verlust der gesamten menschlichen Existenz. Wie der mutige Landwirt und der kluge Kaufmann keinen Augenblick zögern, so wird der Christ, der begriffen hat, um was es geht, sogleich zu greifen.

Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten Ja.“ (ibid., 51) Womöglich haben die Jünger das alles erst nach Ostern richtig verstanden, als Jesus ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift öffnete: „Alles …, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.“ (Lk 24,44). – Im Licht des Neuen verstehen sie nun das „Gleichnis” des Alten. Und so kann nun Jesus die drei Gleichnisreden für die „Jünger des Himmelreichs“ mit einem letzten Vergleich abschließen. Wie er selber, sollen nun auch sie „einem Hausherrn” gleichen, „der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt" (ibid., 52): das Alte ist nicht obsolet geworden, sondern erhält im Licht des Neuen eine weitaus höhere und größere Bedeutung.

Die beiden Lesungen des ersten Feriensonntags spiegeln ‚das Alte und das Neue’ in der gemeinten Tiefe wieder. Gott will dem jungen, noch unerfahrenen König Salomo eine Bitte gewähren, und dieser bittet um „ein hörendes Herz, um als König das „Volk regieren und das Gute vom Bösen unterscheiden” zu können (1 Kön 3,9). Er bittet um genau das Richtige, er setzt alles auf den Schatz im Acker und die kostbare Perle. Das gefällt Gott. David erhält das kostbare Geschenk und alles Übrige wird ihm dazu gegeben. Ganz in diesem Sinne sagt der Herr dann auch wenig später noch im Mathäusevangelium (6, 33): „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“

Man kann dieses „Alte” also unverkürzt ins „Neue” hineinholen, wo freilich weit größere Güter angeboten werden. „Wir wissen“, sagt Paulus (zweite Sonntagslesung: Röm 8,28), „dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“. Wer sich aus seinem Innersten heraus für Gott entscheidet, der erfährt zunehmend, dass seine freie und ureigene Entscheidung schon ewig von Gottes Entscheidung zu ihm umgriffen und in ihr geborgen war. Die Gott wirklich lieben, sind immer schon in Christus gewesen; und nichts kann sie aus der Bahn werfen, wenn sie in dieser Liebe blieben. Diese Vorherbestimmung, von Gott angesprochen und berufen zu sein, zur Gerechtsprechung und zum ewigen Leben, ist kein schicksalhaftes Rad (vgl. Jak 3,6), sondern der in sich geschlossene Kreis der Liebe, der immer auf die ureigene Antwort jedes Menschen angewiesen bleibt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 29/2011 - 16. Woche im Jahreskreis (A)

Der Taumel-Lolch (Quelle: Wikimedia Commons)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In altrömischen Archiven aus der Zeit Jesu sind Strafttatbelege böswilligen Unkrautsäens bis heute erhalten geblieben. Um dem Konkurrenten zu schaden, kamen solche böswilligen Aktionen offenbar häufiger vor. Eigentümer wie Pächter des Ackers gingen damals also auch gerichtlich gegen die Täter vor.

Auch der Name der Unkrautpflanze ist bekannt: Taumel-Lolch (Lolium temulentum). Im biblischen Buch Hiob (31,40) wird der Taumel-Lolch hebräisch B'oscha (באשה = „Unkraut“) und im Matthäusevangelium (13,24 ff), wie wir es diesen Sonntag hören, griechisch Zizanion (ζιζάνιον = „Unkraut“) genannt.

Dieses Unkraut ist eine bekannte Art aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Die Bezeichnung als „Taumel-Lolch“ beruht auf den Vergiftungserscheinungen, die in der Vergangenheit nach dem Verzehr von mit Taumel-Lolch verunreinigtem Getreide auftraten.

Er sieht dem guten Weizen zum Verwechseln ähnlich, kann sich schnell ausbreiten und ist alles andere als harmlos. Vom flüchtigen äußeren Erscheinungsbild her kann man ihn vom Weizen erst kurz vor der Ernte deutlich unterscheiden. Werden seine Körner zusammen mit der Weizenernte gemahlen, verbacken und verzehrt, kommt es zu ernsten Kreislaufproblemen, Schwindel, Sehstörungen und in einigen Fällen kann die Vergiftung auch zum Tod führen. Der Taumel-Lolch ist also höchst gesundheitsschädlich und war wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Weizen sehr gefürchtet.

Das feindliche Ausstreuen dieses Unkrautes blieb dem geschädigten Bauern lange Zeit unbemerkt. Wurde das „Unkraut“ schließlich erkannt, war es längst zu spät. Die Wurzeln des Taumel-Lolchs umklammern tückischerweise auch noch die Wurzeln des Weizens. Man musste, um doch noch einen guten Ertrag zu bekommen, bis zur Ernte warten und dann genau so, wie Jesus es im Gleichnis (Mt 13,24 ff: s.o.) beschreibt, erst das „Unkraut“ mit einer Sichel direkt unterhalb der Ähren vorsichtig abschneiden und einsammeln, um es später zu verbrennen, und konnte erst danach den guten Weizen ernten. Die Ernte musste sicherheitshalber noch mehrmals gründlich gesiebt und in Augenschein genommen werden.

Das war den in ländlichen Dingen bestens bewanderten Zuhörern Jesu alles sehr gut bekannt. So verstanden sie auch, was er ihnen mit dem Gleichnis vom Unkraut sagen wollte, das der Feind nach der Aussaat guten Samens „während … die Leute schliefen … unter den Weizen säte“.

Der Gutsherr im Gleichnis hält die Knechte in ihrem Übereifer davon ab, das Unkraut, als es schließlich zum Vorschein kam, schon vor der Ernte zu vernichten: „… sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

Die Zeit nach Jesus Christus „ist Zeit der Aussaat und des Wachstums. Jesus ist der Sämann. Aber nicht alles, was da wächst, ist guter Weizen“. Es wächst auch viel Unkraut: Besserwisserei, Hochmut, Unglaube, Unzucht, Spott, gegenseitige Verachtung, verletzende Entzweiung und anderes mehr. „Soll man alles Unkraut ausreißen, Menschen ausschließen? Die Antwort Jesu: Lasst beides wachsen: Es gibt den Tag des Gerichts und der großen Scheidung, das aber ist nicht Sache der Menschen.“ (vgl. Kommentar zum Sonntagsevangelium aus dem „Schott-Messbuch“).

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 28/2011 - 15. Woche im Jahreskreis (A)

Ausaat - Gotisches Monatsbild Oktober - Gothem Kyrka auf Gotland

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Der Evangelist Matthäus (13,1-23) erzählt von einer großen Menschenmenge, die sich versammelt hatte, um den Worten Jesu zu lauschen. Der Herr bestieg deshalb ein Boot. In der Art eines bedeutenden Lehrers, der Wichtiges zu sagen hat, setzte er sich dort wie auf einen Lehrstuhl und redete zu der Menge in Gleichnissen. Wir hören davon diesen Sonntag.

Das uns überlieferte Gleichnis greift die Alltagserfahrung der Menschen vom Lande auf: Ein gewisser Teil der Saat, die ein Sämann aussät, bringt keine Frucht, weil dieser Teil entweder auf den Weg, auf felsigen Boden oder unter die Dornen fällt. Der Teil aber, der auf fruchtbaren Boden fällt, bringt reiche Frucht: »teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach«.

Interessant ist, dass Matthäus zu der gleichnishaften Rede auch ihre Interpretation überliefert, die Jesus selber auf die Frage seiner Apostel: »Warum redest du ihnen in Gleichnissen?« gegeben hat. Es bedarf nach der Erklärung des Herrn als Vorraussetzung zum Verstehen zuerst einmal eines gewissen Grundverständnisses. »Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat« - gemeint ist: wer dieses Grundverständnis hat –, »dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch genommen, was er hat.«

Im Grunde kann man von Gott nur in Bildern reden. Wer aber diese Bilder nicht verstehen kann oder will, weil sein Herz verhärtet (V. 15), durch weltliche Sorgen (V. 22) oder Oberflächlichkeit (V. 15) vereinnahmt ist, der kann die in den Bildern gemeinte göttliche Wirklichkeit nicht verstehen: Die Saat verdorrt, der Böse nimmt auch noch die Keime weg (V. 19).

Seinen Jüngern jedoch sagt er: »Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören«. Durch Gottes Gnade können seine Jünger ansatzweise verstehen, was Jesus ihnen erklärend darlegt. Aber das volle Verständnis ist ihnen erst nach Ostern und erst nach der Sendung des Heiligen Geistes möglich. So fragen sie jetzt nach dem Sinn der Gleichnisse, die sie erst der Heilige Geist und Wirklichkeit der Kirche recht verstehen lassen.

In der zweiten Lesung aus dem Römerbrief (8,18-23) sagt Paulus, und so versteht man besser, was im Sonntagsevangelium auch hintergründig gemeint ist, »dass die ganze Schöpfung sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes wartet.« Die Schöpfung, so Paulus, »ist der Vergänglichkeit, der Sklaverei und Verlorenheit unterworfen«. Sie liegt in Geburtswehen und bringt noch keine Frucht hervor. So ist es auch mit uns, sagt Paulus, »obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben«. Wir »seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.

Der gläubige Christ gehört zu denen, in dessen Herz ein anfängliches Verstehen der Gleichnisse Jesu bereits gelegt ist. Aber schon er hat Mühe, im Gleichnis die Wahrheit Jesu zu finden! Und er muss fürchten, dass auch in ihm, der durch Gottes Gnade und im Heilige Geist und in seiner Kirchen zu sehen und zu hören vermag, steiniger Boden das Aufgehen der Saat Gottes verhindert!

Der gläubige Christ muss also auch heute der Versuchung widerstehen, angepasst leben zu wollen. Er muss stark sein und aushalten können, einer Minderheit anzugehören. Dass es sich lohnt, darin bekräftigt ihn die Heilige Schrift, weil sie zugleich bezeugt, dass die Saat auf dem guten Erdreich hundertfach, sechzigfach, dreißigfach aufgeht, dass also die Ernte doch eine im Ganzen überwiegend gute sein wird. Und das unbedingt (vgl. die erste Lesung: Jes 55, 10-11).

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 27/2011 - 14. Woche im Jahreskreis (A)

Pfarrprozession St. Pantaleon: Ecke Waisenhausgasse/Pantaleonstraße

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

An diesem Sonntag beginnen wir das Pfarrfest mit dem Gottesdienst. Im Anschluss daran ziehen wir mit dem Allerheiligsten in der Monstranz durch die Straßen unseres Viertels. Es hat einen tiefen Sinn, so zu beginnen, und das folgende Feiern auf diese Grundlage zu stellen.

Gott hat uns Menschen etwas ganz Besonderes geschenkt, das wir als Allerheiligstes, als das höchste der Sakramente, in Prozession durch die Straßen tragen. So zeigen wir, dass der Auferstandene Christus mitten unter uns ist und uns wunderbar durch dieses Leben bis in das Reich des Himmels führen möchte.

Das Besondere an diesem Sakrament ist die Wandlung, die Verwandlung in insgesamt drei Richtungen. Da ist zum einen die Verwandlung der Substanz des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi. Diese Verwandlung ist die Grundlage der anderen zwei. Sie ist uns von Gott geschenkt; sie ist das Geschenk, »das Christus mit sich selbst gegeben hat.« (Papst Benedikt XVI)

Über diese erste und grundlegende Verwandlung und dieses besondere Geschenk sagte jüngst Papst Benedikt: »Die Eucharistie ist Nahrung für das ewige Leben, Brot des Lebens. Aus dem Herzen Christi, aus seinem „Eucharistischen Gebet“ am Abend vor seinem Leiden, geht diese Dynamik hervor, die die Realität in seiner kosmischen, menschlichen und historischen Dimension umgestaltet. Alles geschieht durch Gott, durch die Allmacht seiner Liebe innerhalb der Dreifaltigkeit ... In dieser Liebe ist das Herz Christi eingetaucht. Weil er, auch in Verrat und Gewalt, Gott zu danken und zu loben weiß, werden sich auf diese Weise die Dinge, die Personen und die Welt verändern.«

Nachdem durch Gottes Größe und Liebe Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt worden sind, und Gott selber sich im Leib und Blut seines Sohnes zur Speise und zum Trank gibt, wird der Gläubige, der entsprechend vorbereitet zur Kommunion geht, ebenfalls verwandelt. Und das ist die zweite Dimension dieser Verwandlung. Papst Benedikt erklärte es so:

»Das Wort „Kommunion“, das wir auch für die Eucharistie benutzen, schließt in sich die vertikale und horizontale Dimension … ein. Den Augenblick, in dem wir das eucharistische Brot essen, als „die Kommunion empfangen“ zu bezeichnen, ist schön und äußerst vielsagend. Tatsächlich, wenn wir dies tun, treten wir in die Gemeinschaft des Lebens mit Jesu selbst ein, in die Dynamik dieses Lebens, das sich an uns und für uns hingegeben hat. Von Gott her, durch Jesus, bis hin zu uns: Es ist eine einzige Gemeinschaft, die durch die heilige Eucharistie vermittelt wird.«

Der große Augustinus etwa erzählt von einer Vision, in der er die Stimme Gottes vernahm: »Ich bin Speise der Starken ... Nicht wirst du mich in dich verwandeln wie [es sonst bei der] Speise deines Fleisches [geschieht], sondern du wirst verwandelt werden in mich.« (Bekenntnisse VII, 10,18). Anders als bei der gewöhnlichen Nahrungsaufnahme, wo die Nahrung in unser Fleisch und Blut „verwandelt“ wird, verwandelt die Eucharistie als das ganz andere Brot uns in Gott hinein.

»Dies ist entscheidend«, sagt Papst Benedikt und erklärt: »In der eucharistischen Gemeinschaft … verwandelt Christus … uns in sich selbst. … Bei dieser Begegnung wird unsere Individualität geöffnet, von ihrem Egozentrismus befreit und der Person Jesu eingefügt, der wiederum in der Gemeinschaft der Trinität lebt.«

Diese zweite Verwandlung zieht eine dritte nach sich.

Während die Eucharistie uns mit Christus vereinigt, öffnet sie uns gleichzeitig für die anderen: wir sind nicht mehr getrennt sondern eins in Christus. Die Solidarität und Einheit der Menschheitsfamilie wird nicht länger mehr von oben durch ideologische oder ökonomische Interessen bestimmt, führt Papst Benedikt aus. Solidarität und Einheit gehen nun »von der gegenseitigen Verantwortung aus, weil … wir alle Glieder eines Leibes sind, des Leibes Christi. Wir haben vom Sakrament des Altares gelernt und lernen immer wieder, was Teilen, Liebe und der Weg der wahren Gerechtigkeit bedeuten.«

hr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 26/2011 - 13. Woche im Jahreskreis (A)

Bleiglasfenster (Ausschnitt): Jesus lädt zur Anbetung der Eucharistie ein. "Chapelle des Catéchismes" in der Kirche St-Étienne-du-Mont, Paris

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaelon!

In einem Brief vom 20. Juni des Jahres hat sich der Generalvikar des Erzbistums Köln kurzfristig an alle in der Seelsorge Tätigen gewendet und schreibt: „Am 29. Juni 2011, dem Hochfest Peter und Paul, feiert Papst Benedikt XVI. den 60. Jahrestag seiner Priesterweihe. Aus diesem Grund hat die Kleruskongregation dazu eingeladen, in allen Diözesen eine 60-stündige Eucharistische Anbetung, quasi als Geschenk für den Hl. Vater mit der Bitte um Ordens- und Priesterberufungen zu halten.“

Im Schlusswort zu Stadt-Prozession am Fronleichnamstag hat unser Erzbischof dankbar auf diese Initiative hingewiesen und zu einer großzügigen Teilnahme eingeladen.

Dem möchte ich mich gerne anschließen. Im Schaukasten finden Sie eine Übersicht, an welchen Orten wann für dieses Anliegen Jesus Christus, gegenwärtig in der Heiligen Hostie, intensiv gebeten und angebetet wird.

Der selige Papst Johannes Paul II. schrieb in seinem bekannten Brief ‚Dominicae cenae’: „Die Kirche und die Welt haben die Verehrung der Eucharistie sehr nötig. In diesem Sakrament der Liebe wartet Jesus selbst auf uns. Keine Zeit sei uns dafür zu schade, um ihm dort zu begegnen: in der Anbetung, in einer Kontemplation voller Glauben, bereit, die große Schuld und alles Unrecht der Welt zu sühnen. Unsere Anbetung sollte nie aufhören.“

Schon in früher Christenheit haben die Kirchenväter, etwa der Heilige Ambrosius, den Glauben an die wirkliche Gegenwart Jesu in der Hostie unter der Gestalt des Brotes wie folgt als höchst vernünftig dargestellt: „Hier liegt etwas vor, was nicht die Natur gebildet, sondern die Segnung konsekriert (zu etwas Heiligem gemacht) hat, und die Wirksamkeit der Segnung geht über die Natur hinaus, indem sogar die Natur selbst kraft der Segnung verwandelt wird ... Das Wort Christi, das noch nicht Seiende aus dem Nichts zu schaffen vermochte, soll Seiendes nicht in etwas verwandeln können, was es vorher nicht war? Nichts Geringeres ist es, neue Dinge zu erschaffen, als Naturen zu verwandeln“ (myst. 9,50,52).

In dem auf den Heiligen Thomas von Aquin zurückgehenden Hymnus ‚Gottheit tief verborgen’, der im gängigen Gotteslob unter der Nr. 546 zu finden ist, wird darauf hingewiesen, „dass der wahre Leib und das wahre Blut Christi in diesem Sakrament sich nicht mit den Sinnen erfassen lässt, sondern nur durch den Glauben, der sich auf die göttliche Autorität stützt.“ Deshalb kommentierte etwa schon der Heilige Cyrill in altkirchlicher Zeit die Worte des Herrn; ‚Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird‘ (Lk 22,19) wie folgt: „Zweifle nicht, ob das wahr sei. Nimm vielmehr die Worte des Erlösers im Glauben auf. Da er die Wahrheit ist, lügt er nicht“ (zitiert nach KKK 1381).

Die Heilige Schrift lässt keine Alternative zu: In der Hl. Hostie, im heiligsten Sakrament der Eucharistie, ist „wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten“ (K. v. Trient: DS 1651).

Wer den Herrn in der Eucharistie anbetet und verehrt, bringt seine Anliegen nicht vergeblich zu ihm. Deshalb ist es schlicht und einfach so, allen abschätzigen Äußerungen zum Trotz: Wenn wir gute und zahlreiche Priester wollen, werden sie uns von Gott geschenkt, wenn wir uns durch die Anbetung Gottes in der Eucharistie in das Geheimnis seiner göttlichen Liebe hineinnehmen und verwandeln lassen. Auf dieser Grundlage werden uns viele und gute Priester geschenkt. Ohne diese Grundlage werden viele Pfarreien und Kirchen weiterhin verwaist und priesterlos bleiben.

Im Aushang finden Sie die Übersicht der Anbetungsstunden vor ausgesetztem Allerheiligsten vom 22. Juni bis zur Priesterweihe am 01. Juli im Dom. Auf dem Gebiet unserer Pfarrei findet die Anbetung statt in der Kirche Maria vom Frieden (Karmelitinnenkloster) am Do., dem 30.6., von 14.30-17.30 Uhr.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 25/2011 - Dreifaltigkeitssonntag und 12. Woche im Jahreskreis (A)

Stiftsmuseum St. Paul - Gnadenstuhl

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleoen!

Mit dem Pfingstfest ist die Osterzeit zu Ende gegangen. Der liturgische Kalender sieht unmittelbar im Anschluss daran drei sogenannte Herrenfeste vor: das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit; am kommenden Donnerstag das Fronleichnamsfest, und schließlich, am Freitag der dritten Wochen nach Pfingsten, das Fest des Heiligsten Herzens Jesu.

Jeder dieser Festtage schenkt dem Gläubigen eine besondere der vielen Dimensionen, die das Ganze des christlichen Glaubens umfassen: die Wirklichkeit des einen und dreifaltigen Gottes, das Sakrament der Eucharistie und die gottmenschliche Mitte der Person Christi. Es sind Aspekte des einen Heils, das uns von Gott geschenkt ist, und die »in gewisser Weise den ganzen Verlauf der Offenbarung Jesu zusammenfassen, von der Menschwerdung angefangen über den Tod und die Auferstehung bis hin zur Himmelfahrt und zum Geschenk des Heiligen Geistes« (Papst Benedikt XVI.)

An diesem Dreifaltigkeitssonntag feiert die Kirche den wahren Gott so, wie Jesus ihn uns zu verstehen gegeben hat: Als den einen Gott in drei Personen, was in der Präfation des Hochfestes theologisch genauer wie folgt formuliert ist: »nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in den drei Personen des einen göttlichen Wesens«.

Das sogenannte Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche erteilt auf die Frage »Welches ist das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens?« die folgende Antwort: »Das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit.«

Die fundamentale Bedeutung des einen Gottes in drei Personen als Dreifaltigen wird in der Glaubenspraxis etwa beim Bekreuzigen deutlich, die der christlich Betende mit den Worten begleitet: »Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes«. Auch wird die Taufe, das erste und für alle folgenden Sakramente grundlegende und notwendige, mit den Worten gespendet: »Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes«.

In der gesamten Schöpfung, und in besonderer Weise in der Gemeinschaft der Mensch, spiegelt sich wider, was in ihrem Ursprung konstitutiv und wesentlich ist: Der eine Gott ist lebendige Gemeinschaft in drei Personen, er ist gegenseitiges Geben und Nehmen, Schenken und Beschenkt-Werden.

Das spiegelt sich wider bis hinein in den Makro- und Mikrokosmos, worauf Papst Benedikt XVI. in Anlehnung an frühchristliche Traditionen erinnert: »Wenn wir den Makrokosmos betrachten: unsere Erde, die Planeten, die Sterne, die Galaxien, oder aber den Mikrokosmos: die Zellen, die Atome, die Elementarteilchen. In allem, was ist, ist in einer gewissen Weise der „Name" der Heiligsten Dreifaltigkeit eingeprägt, da das ganze Sein, bis hin zum letzten Teilchen, ein Sein in Beziehung ist. Und so wird der Gott erkennbar, der Beziehung ist, so wird letztlich die schöpferische Liebe erkennbar. Alles geht aus der Liebe hervor, strebt hin zur Liebe und bewegt sich angetrieben von der Liebe - natürlich mit verschiedenen Graden des Bewusstseins und der Freiheit.«

Und mit besonderem Blick auf den Menschen fügt der heilige Vater hinzu: »Der stärkste Beweis dafür, dass wir nach dem Bild der Dreifaltigkeit gemacht sind, ist dieser: Nur die Liebe macht uns glücklich, denn wir leben in Beziehung; und wir leben, um zu lieben und geliebt zu werden. Unter Verwendung einer Analogie, die der Biologie entstammt, könnten wir sagen, dass das Sein des Menschen die tiefe Spur der Dreifaltigkeit – des Gottes, der die Liebe ist – in seinem „Genom" trägt.«

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 24/2011 - Pfingsten und 11. Woche im Jahreskreis (A)

Pfingstszene vom Altarretabel des Sieneser Doms, Rückseite – von Duccio di Buoninsegna

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Beim letzten großen Weltjugendtag in Sydney, 2008, hat Papst Benedikt XVI. den Jugendlichen seine eigene Erfahrung geschildert, wie er dem Heiligen Geist als junger Priester näher kam und ‚begegnete’.

„Als ich ein kleiner Junge war“, so Papst Benedikt, „lehrten mich meine Eltern – wie Eure auch – das Kreuzzeichen. Und so kam ich bald zu der Einsicht, dass es einen Gott in drei Personen gibt und dass die Dreifaltigkeit das Zentrum unseres christlichen Glaubens und Lebens ist. Während ich zu einem gewissen Verständnis von Gott Vater und Gott Sohn heranwuchs – die Namen sagten mir bereits viel –, blieb mein Verständnis der dritten Person in der Trinität unvollständig. Als junger Priester, der Theologie lehrte, entschied ich mich darum, die herausragenden Zeugen über den Geist in der Kirchengeschichte zu studieren. Auf diesem Weg geschah es, dass ich mich unter anderem in die Lektüre des großen Heiligen Augustinus vertiefte."

Das ‚Verstehen’ des Heiligen Geistes habe sich auch bei Augustinus schrittweise vollzogen. Es wäre ein inneres Ringen gewesen. Schließlich habe ihn die Erfahrung der in der Kirche gegenwärtigen Liebe Gottes dazu gebracht, deren Quelle im Leben des dreieinigen Gottes zu suchen. „Das führte ihn zu drei besonderen Einsichten über den Heiligen Geist als das Band der Einheit innerhalb der Heiligen Dreifaltigkeit: Einheit als Gemeinschaft, Einheit als bleibende Liebe und Einheit als Geben und Gabe.“

Dieser Einsichten seien hilfreich in einer Welt, „in der sowohl einzelne Menschen als auch Gemeinschaften oft an einem Mangel an Einheit oder Zusammenhalt leiden". Der Heilige Geist stelle sie wieder her und stärke sie.

Der heilige Augustinus habe bemerkt, „dass sich die beiden Begriffe ‚heilig’ und ‚Geist’ auf das Göttliche in Gott beziehen; mit anderen Worten: auf das, was der Vater und der Sohn gemeinsam haben – auf ihre Communio. Wenn also das charakteristische Merkmal des Heiligen Geistes darin besteht, dass er das ist, was der Vater und der Sohn gemeinsam haben, dann – so folgerte Augustinus – ist die besondere Eigenschaft des Geistes die Einheit. Es ist eine Einheit aus gelebter Gemeinschaft: eine Einheit von Personen in einer Beziehung ständigen Gebens, in der der Vater und der Sohn sich einander schenken.“

Das Studium des ersten Johannesbriefes – „Gott ist die Liebe … wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm“ –, habe Augustin schließlich fragen lassen, ob ‚Einheit als bleibende Liebe’ durch die Liebe selber oder durch den heiligen Geist gegeben und garantieret würde. Augustinus sei zu folgendem Schluss gekommen: „Der Heilige Geist lässt uns in Gott bleiben und Gott in uns; doch die Liebe ist es, die dies bewirkt. So ist der Geist also Gott als Liebe!" (De Trinitate, 15,17,31)

„Das ist eine wundervolle Erklärung", so Papst Benedikt: „Gott teilt sich selbst mit als Liebe im Heiligen Geist." Liebe ist also das Zeichen für die Gegenwart des Heiligen Geistes. All das, dem es an Liebe mangelt, stammt also nicht „vom Geist“. Darüber hinaus ist Liebe ihrem Wesen nach etwas Bleibendes. Sie ist folglich göttlichen Ursprungs und verwandelt von daher die Welt.

Zuletzt ist der Heilige Geist Gott selber, der sich uns als Gabe mitteilt (s.o.: „Einheit als Geben und Gabe“). „Der Heilige Geist ist Gott“, so Papst Benedikt, „der ewiglich sich selbst schenkt; wie eine nie versiegende Quelle gießt er nichts Geringeres aus als sich selbst. Angesichts dieser unaufhörlichen Gabe gehen uns die Augen auf für die Begrenztheiten alles Vergänglichen, für die Torheit der Konsum-Mentalität. Wir beginnen zu verstehen, warum die Suche nach dem Neuen uns unbefriedigt und sehnsuchtsvoll bleiben lässt. Schauen wir nicht nach einer ewigen Gabe aus? Nach der Quelle, die nie versiegen wird? Lasst uns mit der Samariterin ausrufen: ‚Gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr haben muss!’ (vgl. Joh. 4,15).“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 23/2011 - 7. Osterwoche (A)

Kloster der heiligen Agnes von Böhmen ( Prag ). Kunstsammlung: Meister des Hohenfurter Altars - Maria belehrt die Apostel.

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Die Apostelgeschichte (Kapitel 1, Verse 12-14) berichtet, dass die Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn vom Ölberg nach Jerusalem zurückkehrten. Dort angekommen »gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben«. Dieses »ständige Bleiben« beschreibt die Apostelgeschichte dann noch pointiert wie folgt: »Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern«.

Über dieses »ständige Bleiben « im »Obergemach im einmütigen Gebet « gibt es nur wenige bildhafte Darstellungen. Das auf dieser Seite wiedergegebene Ikonengemälde aus dem Kloster der heiligen Agnes von Böhmen (Prag) vom Meister des Hohenfurter Altars zeigt Maria in der Mitte der Apostel, wie sie diese belehrt, wohl in Erwartung des Heiligen Geistes.

Die christliche Frömmigkeit und der Glaube des Volkes haben nie Schwierigkeiten damit gehabt, nach der Himmelfahrt des Herrn nun Maria einen bevorzugten Platz in der Mitte der Apostel zuzuweisen. Von allen „Zurückgebliebenen“ steht sie dem Herrn am nächsten. Sie ist und bliebt ihm in besonderer Weise verbunden.

Darüber hinaus hat sich ihr Leben und Dasein darin erfüllt, allen Menschen den Erlöser zu schenken. Diesem ihren Lebensinhalt bleibt sie treu und füllt nun die Lücke des in den Himmel Aufgefahrenen bis zu Herabkunft des Heiligen Geistes.

All diese Darstellungen mit Maria in der Mitte der Apostel haben etwas ausdrücklich Frommes an sich. Die darstellende Kunst hat sich hier ganz offensichtlich an den oben zitierten Worten der Apostelgeschichte inspiriert: »Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet«.

Es täte uns gut, ließen wir uns auf die Weite und auf den Horizont ein, die in allen Erzählungen der neutestamentlichen Berichte immer mitgemeint und deshalb auch mitzuhören sind. Beten kann man nicht nur in der Kirche; und auch nicht nur im Wald oder in der wunderbaren Natur. Beten ist überall möglich. Beten ist ein Lebensstil.

Beten heißt, freundschaftlich verbunden zu leben mit dem Schöpfer und dem Erlöser. Beten heißt, mit ihm zu sprechen und auf ihn zu hören. Das kann und sollte man beständig. Regelmäßige Gottesdienste und Gebetszeiten helfen einem dabei, in allen Situationen im Alltag diesen Lebensstil des beständigen Redens und Hörens durchzuhalten und dabei zu bleiben, alles Wichtige wie auch das ganz Alltägliche, in anhaltender und nachhaltiger Rücksprache mit Gott, dem Herrn, anzugehen und umzusetzen.

So ist diese Zeit der Apostel im Obergemach eine für sie höchst wertvolle Zeit. Sie erhalten nun gewissermaßen von Maria „den letzten Schliff“, um sich nun angesichts der physischen Abwesenheit ihres Herrn daran zu gewöhnen und darauf einzustimmen, mit und in seiner geheimnisvolle, deshalb aber nicht weniger realen Anwesenheit und Gegenwart zu leben.

Wie wäre es, wenn auch Sie in diesem Sinne einmal „in die Schule“ von Maria gingen? »Man geht zu Jesus und man kehrt zu Ihm zurück immer durch Maria«, so hat es der Heilige Josefmaria Escrivá in einem seiner bekannten Aphorismen erklärt (Der Weg, Nr. 495).

Man vermag hinter dem frommen Charakter dieser bildhaften Darstellung auch den Kern des Gemeinten erkennen: Nur in einer lebendigen Beziehung zu Gott gelingt das Leben. Da Maria immer auch für die Kirche steht, wird dem Betrachter also auch mitgeteilt: Nur mit und im lebendigen Leben der Kirche wird gelingen, was das Leben gelingen lässt: Ein Freund und Kind Gottes zu werden und es ein Leben lang zu bleiben. – Das wünsche ich auch Ihnen von Herzen.

Beachten Sei bitte unsere Einladung zur Teilnahme am Papstbesuch in Berlin; die Ankündigungen zu unserm diesjährigen Theophanu-Gedenken (insbesondere die traditionsreiche Hl. Messe am 15. Juni mit orthodoxem Totengedenken am Grab der Kaiserin) und die Ankündigungen zu unserem Pfarrfest am Sonntag, dem 3. Juli.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 22/2011 - 6. Osterwoche (A)

Georgische Miniatur von Mamuka Schengelia; Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 1. Juni, 16.00 Uhr

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Vergleich zu den vergangenen Sonntagen ist der Text des Evangeliums von diesem Sonntag ausgesprochen kurz. Um so mehr fällt auf, dass das Wort „lieben“ gleich fünfmal darin vorkommt. Das Wort „lieben“ umschließt den Text wie eine Klammer. Es bestimmt den Anfang und den Schluss und umrahmt die in der Mitte stehende Aussage des Herrn, er werde die Seinen – die Apostel, wie alle anderen, die ihm einmal folgen werden – nicht alleine zurücklassen.

Darüber hinaus führen diese Evangelienverse das weiter fort, was der Herr den Seinen durch die Fußwaschung (vgl. Johannesevangelium, Kapitel 13) anschaulich erklärt hatte. Er, der Herr und Meister, hatte sein Obergewand abgelegt, sich mit einem Leinentuch umgürtet und den Aposteln die Füße gewaschen. Dieser von außen betrachtete „Sklavendienst“ war ein Liebesdienst, eine Liebeserklärung an die Seinen.

Diese anschauliche Liebeserklärung setzt er nun, sie mit Kopf und Herz erklärend, weiter fort. Seine Liebe kann ja nur dort begriffen werden, nur dort ist sie erfahrbar, wo sie auch beantwortet und erwidert wird und werden kann. Nun ist aber der Mensch aus eigenem Vermögen nur sehr bedingt dazu in der Lage; denn die Größe der Liebe Gottes zu ihm übersteigt sein Fassungsvermögen. Aus eigener Kraft hat keiner von uns eine Vorstellung davon, wie groß in der Tat Gottes Liebe zu uns Menschen ist.

Das kann der Mensch, ein jeder von uns, nur aus dem Licht heraus verstehen, mit dem Gott den Menschen gnadenhaft erleuchtet. Es ist das Licht des Heiligen Geistes, den der Herr als Beistand, als Tröster vom Vater für uns erbeten und gesendet hat.

„Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.“

Anders als die „Welt“ können jedoch Jesu Jünger diesen Geist verstehen: „Ihr aber kennt ihn“, erklärt der Herr den Seinen, „weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“

Jesus lässt die Seinen also „nicht als Waisen“ zurück. Er bleibt in und bei ihnen durch den Heiligen Geist. Obwohl Jesus nicht mehr physisch unter seine Jüngern ist, bleibt er im und durch den Heiligen Geist und kann so erklären: „Ihr seid in mir und ich bin in euch.“

Das Ganze ist sehr konkret und bleibt nicht irgendwie abgehoben im rein Geistigen. Ein bestimmter Lebensstil, der Lebensstil unseres Herrn Jesus Christus, macht das alles möglich. Dieser Lebensstil spiegelt im lebendigen Vollzug die Gebote wider, die Gott in das Herz des Menschen als seine Bestimmung hineingelegt hat. Das meint Jesus, wenn er im Sonntagsevangelium sagt: „Wer meine Gebote hat uns sie hält, der ist es, der mich liebt.“

Der indische Philosoph Tagore hat dies als allgemeinmenschliche Erfahrung einmal mit den folgenden drei Sätzen auf den Punkt gebracht: „Ich schlief und träumte, das Leben sei Glück und Freude. Ich wurde wach und bemerkte, das Leben ist Pflicht. Ich begann die Pflicht zu erfüllen, und siehe, sie wurde mir zu Glück und Freude.“

Das tägliche Bemühen um einen Lebensstil im Sinne Jesu nach den zehn Geboten schafft die Vorraussetzung dafür, dass Gottes Liebe den Menschen erreichen und erfüllen kann. Die Erwiderung dieser Liebe folgt dann wie von selber und führt zur Vollendung eines solchen Lebens in der grenzenlosen Liebe Gottes.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 21/2011 - 5. Osterwoche (A)

»Wer mich sieht, sieht den Vater.« (Joh 14,9) – Matthias Grünewald – Isenheimer-Altar – Antlitz des Auferstandenen (Detail)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Es ist ein gutes Gefühl, eine Buchungsbestätigung in der Hand zu halten. Ein reservierter Platz schafft Sicherheit und schenkt Ruhe.

Ganz so einfach ist es jedoch mit einer Platzreservierung für den Himmel nicht.

Auf der einen Seite steht die zuversichtliche Gewissheit, die Gott uns mit Worten seines Sohnes im kommenden Sonntagsevangelium vermitteln möchte: » Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.«

Genauer übersetzt heißt es eigentlich: »Euer Herz lasse sich nicht durcheinander schütteln.« – Das trifft genauer auf die Situation der Jünger wie auch auf die des Christgläubigen zu. Auch der gläubige Mensch ist nicht immer frei davon, zwischen Vertrauen und Besorgnis hin- und hergerissen, eben durcheinandergeschüttelt zu sein.

Auf der anderen Seite steht die Distanz, in der auch der Gläubige als irdischer Mensch im Gegensatz zur Wirklichkeit der himmlischen Dinge lebt. Der Herr deutet an, dass diese Distanz für den, der glaubt, überbrückbar ist. Er fügt hinzu: »Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.«

Aber ist das wirklich so? Kennen wir denn den Weg zum Himmel; den Weg zu einem Frieden und einer Erfüllung, die bereits jetzt beginnen und dann für immer in Fülle sein werden? Den Weg, den unser Herr selber gegangen ist?

Da hatten sogar die Apostel ihre Zweifel. Wie uns das Evangelium im Folgenden berichtet, entgegnete ihm Thomas: »Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?«

Nicht weniger nachdrücklich ist die Ergänzung, mit der Jesus darauf antwortet: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.«

Der gläubige Christ, und das ist ein herausragendes Merkmal, glaubt nicht an Theorien. Er glaubt nicht an ein in sich schlüssiges Gedankengebäude. Er glaubt auch nicht nur einer Person; sondern er glaubt an eine Person, an die Person des menschgewordenen Gottes, unseren Herrn Jesus Christus.

In, mit und durch ihn sind die Distanz und der übergroße Abstand zwischen Himmel und Erde nicht mehr. Sie sind überwunden. In Jesus Christus verbindet sich der wahre und eine Gott mit dem wahren Menschen Jesus Christus.

Notwendig ist, und dazu schenkt Gott alle notwendige Hilfe, an Jesus als den menschgewordenen Gott zu glauben; d.h. in seine Fußstapfen treten zu wollen und sein Leben als Vorbild und Maßstab für das eigene Leben anzunehmen. So erklärt der Herr selber »Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.«

Damit ist zwar alles gesagt, aber es muss im Leben derer, die im Glauben Jesus nachfolgen, erst noch Wirklichkeit werden. Das zeigt auch der Fortgang des Gespräches Jesu mit seinen Jüngern.

Für diese Zeilen begnügen wir uns mit dem Hinweis darauf, es doch einfach immer wieder neu zu erproben. Etwa durch die vertrauensvollen Worte, die jeder an den Herrn wenden kann: »Hilf mir Herr, Deinen Lebenseinstellung und Deine Art zu leben, zum Maßstab und Vorbild meines Lebens zu machen.«

Sie werden überrascht sein, wie sehr die eingangs wiedergegebenen Worte unseres Herrn auch für Sie schon in diesem Leben in Erfüllung gehen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 20/2011 - 4. Osterwoche (A)

Jesus als der gute Hirt – vgl. Evangelium vom 4. Ostersonntag

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Uns erreichen weiterhin Zeilen des Dankes für die gemeinsamen Tage in Rom anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., zu der wir uns mit über 90 Pilgern, darunter auch 36 Jugendliche, vor zwei Wochen auf den Weg gemacht hatten. So schließt sich Martin J., der hier in St. Pantaleon viele Jahre Messdiener war, einem der jugendlichen Vorredner an und schreibt bestätigend: »… ich kann mich nur mit ganzem Herzen dem Statement eines anderen Teilnehmers anschließen, das Sie in den letzten Pfarrnachrichten zitierten. Auch ich werde noch lange von dieser Pilgerfahrt und ihrem Höhepunkt, der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., zehren. Vielen Dank, dass ich an dieser Fahrt teilnehmen durfte.«

Diese weitere Rückmeldung, von noch anderen, beflügelt in der Absicht, auch zum Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland eine interessante und schöne Reise etwa nach Berlin anzubieten, zum Ausdruck sowohl unsere Solidarität mit dem Heiligen Vater, wie auch zur Stärkung, zur Verlebendigung und Vertiefung der eigenen Beziehung zum Herrn, die sich immer wieder neu und ganz überraschend als ungemein befreiend und beglückend erweist.

Darüber hinaus ist auch eine erste kleine Fahrt mit unserer neuen Messdienergruppe im Gespräch; vielleicht schon über Christi Himmelfahrt, sonst auch in den Sommerferien.

Mittlerweile laufen auch die Vorbereitungen für das kommende Pfarrfest am Sonntag, dem 3. Juli. Nach erprobter Weise schließt sich an die einzige Heilige Messe am Sonntagvormittag um 10.00 Uhr die Prozession mit dem eucharistischen Herrn durch unser Veedel an. Sie endet mit dem sakramentalen Segen in der Kirche um 12.00 Uhr. Daran schließt sich unmittelbar das Pfarrfest im Papst Benedikthof, unserem Innenhof, an. Wie in jedem Jahr werden auch für dieses Mal noch zahlreiche Helfer und fleißige Hände gesucht. Auch Kuchen- und sonstige Sachspenden sind immer herzlich willkommen. – Am Mittwoch, dem 08. Juni findet dafür um 19.30 Uhr eine weiter Vorbesprechung im Sitzungssaal des Pfarrbüros statt, zu der alle Interessierte herzlich eingeladen sind.

Aber das ist nicht alles. Auch in diesem Jahr werden wir im festlichen Rahmen unseres traditionsreichen und ökumenisch ausgerichteten Theophanugedenkens am 15. Juni um 18.30 in einer feierlich gehaltenen Abendmesse für die Einheit der Christen in Ost und West beten, mit sich daran anschließendem orthodoxen Totengedenken (Mnemosynon) am Grab der Kaiserin.

Das diesjährigen Theophanugedenken wird am Mittwoch, dem 1. Juni um 16.00 Uhr mit einer Ikonenausstellung – »Georgische Miniaturen von Mamuka Schengelia« eröffnet. Diese Ausstellung bleibt im Kapitelsaal, vor allem am Wochenende, für Interessierte bis Samstag, dem 25. Juni zugänglich.

Als weitere Höhepunkte des traditionsreichen Gedenkens »unserer« griechisch-deutschen Kaiserin sind vorgesehen:

·         am Montag, dem 6. Juni um 19.30 Uhr im Domforum ein Vortrag von Prof. Dr. Günther Binding: »Die Kirche St. Pantaleon und neue Erkenntnisse der zeitlichen Einordnung«;

·         am Freitag, dem 17. Juni um 19.30 Uhr in unserem Pfarrsaal eine Autorenlesung von Gabrielle Alioth aus ihrem brandneuen Roman über Kaiserin Theophanu zwischen 980 bis 991: »Die griechische Kaiserin«; und

·         am Samstag, dem 18. Juni um 16.15 Uhr in der Kirche St. Pantaleon eine orthodoxe Vesper mit gemeinsamem Gebet für den Frieden, an der sich unterhaltsame und stimmungsvolle griechische Folklore mit Tanz und Musik und einem kulinarischen griechischen Imbiss im Pfarrsaal etwa gegen 17.00 Uhr anschließen werden

Es wäre schön, wenn hierdurch auch die Absicht der Völkerverständigung, die viele der Initiatoren zu diesem ihren Engagement inspiriert, von vielen anderen verstanden, aufgegriffen und mitgetragen würde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 19/2011 - 3. Osterwoche (A)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Kurz nach unserer Romfahrt zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. erreicht mich von einem der 36 jungendlichen von insgesamt 93 Teilnehmern die folgende Rückmeldung:

»Im Namen der Jugendlichen möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Ihnen dafür bedanken, dass wir die Chance hatten, an der Seligsprechung teilzunehmen. Es waren wirklich schöne Tage in Rom und gerade auch die geistige Dimension war sehr schön. Auch andere Jugendliche haben mir erzählt, dass sie in Rom Gott spüren konnten. Ich denke, dass das ein beeindruckendes Zeugnis für diese Pilgerfahrt ist.«

Papst Benedikt hat in seiner Predigt zur Seligsprechung besonders auch zwischen den Zeilen verdeutlicht, warum das Leben als gläubiger Christ besser gelingt und mehr Freude und Seligkeit schenkt als ohne Gott. Wörtlich sagte der Heilige Vater unter anderem:

»„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29). Im heutigen Evangelium spricht Jesus diese Seligpreisung aus, die Seligpreisung des Glaubens. Sie berührt uns auf besondere Weise, da wir versammelt sind, um eben eine Seligsprechung zu feiern, und noch mehr, da heute ein Papst seliggesprochen wird, ein Nachfolger Petri, der dazu berufen war, die Brüder im Glauben zu stärken. Johannes Paul II. ist selig durch seinen starken und großherzigen, seinen apostolischen Glauben.«

Über viele Jahre haben wir miterleben können, wie dieser außergewöhnliche Mensch Karol Wojtyla durch die Kraft, die Gott all denen schenkt, der ihm glauben und sich ihm anvertrauen, nicht nur den eisernen Vorhang entschieden zu Fall gebracht hat, sondern auch die hartnäckigen Verhärtungen und Verkrampfung im Herzen vieler Menschen durch sein Lebensbeispiel und seine Worte zu überwinden verhalf.

Nur eine einzige Vorraussetzung ist dafür nötig: Sich Gott vorbehaltlos anvertrauen und ihm glauben und den fatalen, immer wiederkehrenden Irrtum endlich als dumme Lüge zu durchschauen, als ob wir selber alles besser wüssten. Papst Johannes Paul II hat durch das Beispiel seines Lebens gezeigt, je älter er wurde, dass Kraft und Weisheit Gottes um ein Vielfaches größer als von uns Menschen sind.

In seiner Predigt hat Papst Benedikt die seligmachende Größe des Glaubens durch noch weitere Dimensionen aufgezeigt. Er sagte unter anderem: »Unsere Gedanken gehen (noch) zu einer anderen Seligpreisung, die im Evangelium allen anderen vorausgeht. Es ist jene der Jungfrau Maria, der Mutter des Erlösers. Ihr, die soeben Jesus in ihrem Schoß empfangen hat, sagt die heilige Elisabeth: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,45).«

Passend zum Marienmonat Mai betonte Papst Benedikt dann: »Die Seligpreisung des Glaubens hat ihr Vorbild in Maria. Wir alle freuen uns, dass die Seligsprechung von Johannes Paul II. am ersten Tag des Marienmonats stattfindet, unter dem mütterlichen Blick Marias, die durch ihren Glauben den Glauben der Apostel gestützt hat und fortwährend den Glauben ihrer Nachfolger stützt, besonders jener, die auf den Stuhl Petri berufen sind. Maria kommt in den Erzählungen der Auferstehung Christi nicht vor, aber ihre Anwesenheit ist gleichsam überall verborgen: Sie ist die Mutter, der Jesus jeden einzelnen der Jünger und die ganze Gemeinschaft anvertraut hat.«

In der Freude über den neuen Seligen und in der Freude des Marienmonates Mai wünsche ich Ihnen, in den kommenden Tagen und Wochen ein wenig mehr die seligmachende Freude und Zuversicht dieses von Gott kommenden und geschenkten Glaubens auch in ihrem persönliche Leben erfahren zu können. Öffnen auch Sie weit die Türen für Christus den Erlöser; ganz im Sinne des neuen Seligen, und wie er es so oft in seinen weltbekannten Predigten wiederholt hat: »Spalancate le porte a Cristo! Non abbiate paura di accogliere Cristo. e di accettare la Sua potestà!« (Öffnet Christus die Türen! Habt keine Angst davor, Christus aufzunehmen und seine Herrschaft zu akzeptieren!)

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 18/2011 - 2. Osterwoche (A)

Abendmahl von Matthias Grünewald – Coburger Tafel

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am weißen Sonntag, wo manche von uns zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II in Rom sein werden, gehen anderen Orts wieder zahlreiche Kinder zur Erstkommunion. So möchte ich Ihnen die Fragen von Erstkommunionkindern an Papst Benedikt – es war während der Bischofssynode über die Eucharistie (2005) – und seine Antworten darauf auszugsweise mit in die Woche geben.

"Jesus ist gegenwärtig in der Eucharistie. Aber wie? Ich sehe ihn nicht!", fragte etwa der kleine Andrea. Und der Papst antwortete ihm und weiteren Jungen und Mädchen:

Papst Benedikt XVI.: „Ja, wir sehen ihn nicht, aber es gibt so viele Dinge, die wir nicht sehen, die doch existieren und wesentlich sind. Zum Beispiel sehen wir unseren Verstand nicht, obwohl wir Verstand haben. Wir sehen unsere Intelligenz nicht, und haben sie doch. Wir sehen, mit einem Wort, unsere Seele nicht und doch existiert sie; wir sehen ihre Wirkungen, denn wir können reden, denken, entscheiden usw. So sehen wir auch nicht, zum Beispiel, die Elektrizität, und doch merken wir, dass sie existiert. Wir sehen dieses Mikrofon, wie es funktioniert. Wir sehen das Licht. In einem Wort: Gerade die tiefsten Dinge, die das Leben und die Welt tatsächlich ausmachen, sehen wir nicht, aber wir können ihre Wirkungen sehen und fühlen. Die Elektrizität, den Strom sehen wir nicht, aber das Licht sehen wir. Und so sehen wir auch nicht den auferstandenen Herrn mit unseren Augen, aber wir sehen, dass dort, wo Jesus ist, die Menschen sich ändern und besser werden. Es entsteht eine größere Fähigkeit zum Frieden, zur Versöhnung usw. Also, wir sehen den Herrn selbst nicht, aber wir sehen die Wirkungen: So können wir begreifen, dass Jesus gegenwärtig ist. Wie ich gesagt habe: Gerade die unsichtbaren Dinge sind die tiefsten und wichtigsten. Gehen wir also diesem unsichtbaren, aber starken Herrn entgegen, der uns hilft, gut zu leben!“

Ein anders Kind fragte ihn: „Lieber Papst, welche Erinnerung hast du an deine Erstkommunion?“

Papst Benedikt XVI.: „Zunächst möchte ich danken für dieses Fest des Glaubens, das ihr mir schenkt, für eure Anwesenheit und Freude. Ich danke für die Umarmung, die ich von einigen von euch bekommen habe, eine Umarmung, die natürlich symbolisch euch allen gilt. Was die Frage angeht, so erinnere ich mich gut an den Tag meiner Erstkommunion. Es war ein schöner Märzsonntag des Jahres 1936, also vor 69 Jahren. Es war ein sonniger Tag, die Kirche sehr schön, die Musik, alles schöne Dinge, an die ich mich erinnere. Wir waren etwa 30 Jungen und Mädchen unseres kleinen Dorfes, das nicht mehr als 500 Einwohner hatte. Aber im Mittelpunkt meiner frohen und schönen Erinnerungen steht dieser Gedanke, dass ich verstanden habe, dass Jesus in mein Herz eingetreten ist und gerade mich besucht hat. Und mit Jesus ist Gott selbst bei mir. Das ist ein Geschenk, das tatsächlich mehr wert ist als der ganze Rest, der uns vom Leben gegeben werden kann. Und ich habe begriffen, dass jetzt eine neue Etappe meines Lebens begonnen hat. Ich war neun Jahre alt; jetzt war es wichtig, dieser Begegnung treu zu bleiben, dieser Kommunion. Ich habe dem Herrn versprochen, so gut ich konnte: "Ich möchte immer bei dir sein" und habe gebetet: "Aber sei du vor allem bei mir!" Und so bin ich in meinem Leben weitergegangen. Gott sei Dank, der Herr hat mich immer bei der Hand genommen, mich auch in schwierigen Situationen geführt. Und so war diese Freude der Erstkommunion der Anfang eines gemeinsamen Weges. Ich hoffe, auch für euch alle, dass die Erstkommunion, die ihr in diesem Jahr der Eucharistie empfangen habt, der Anfang einer Freundschaft mit Jesus für das ganze Leben ist. Der Anfang eines gemeinsamen Weges, weil wir dann gut gehen und das Leben gut wird, wenn wir mit Jesus gehen.“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 17/2011 - 1. Osterwoche (A)

Fra Angelico – Auferstehung Jesu – Fresko

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

In seinem neuen Buch, dem zweiten Band »Jesus von Nazareth«, äußert sich Papst Benedikt ausführlich zu der Frage »worum es bei der Auferstehung Jesu geht«. … Auch wenn der Heilige Vater betont, nicht ausschließlich als Papst, sondern auch als der Professor und Gelehrte Joseph Ratzinger zu schreiben, kommt diesem Buch dennoch eine besondere Bedeutung zu.

Das Buch als Ganzes beschäftigt sich mit den österlichen Fragen »vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung«. Deshalb ist dieses neue Papstbuch eine für die Osterzeit sehr zu empfehlende Lektüre. Dem Kapitel »Worum es bei der Auferstehung Jesu geht« stellt Papst Benedikt eine aufschlussreiche Einleitung voran. Er schreibt dort:

»“Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt“ (1 Kor 15,14f). Mit diesen Worten stellt der heilige Paulus ganz drastisch heraus, welche Bedeutung der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi für die christliche Botschaft als Ganze hat: Er ist ihre Grundlage. Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist.

Wenn man dies wegnimmt, dann kann man aus der christlichen Überlieferung zwar immer noch eine Reihe bedenkenswerter Vorstellungen über Gott und den Menschen, über dessen Sein und Sollen zusammenfügen – eine Art von religiöser Weltanschauung –, aber der christliche Glaube ist tot. Dann war Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die gescheitert ist; die auch in ihrem Scheitern groß bleibt, uns zum Nachdenken zwingen kann. Aber er bleibt dann im rein Menschlichen, und seine Autorität reicht so weit, wie uns seine Botschaft einsichtig ist. Er ist kein Maßstab mehr; der Maßstab ist dann nur noch unser eigenes Urteil, das von seinem Erbe auswählt, was uns hilfreich erscheint. Und das bedeutet: Dann sind wir alleingelassen. Unser eigenes Urteil ist die letzte Instanz.

Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt.«

Ganz in diesem Sinne wünsche ich im ungebrochenen Glauben an die wirkliche Auferstehung Jesu von den Toten und all dem, was für das Alltagsleben daraus folgt, gesegnete und besinnliche Ostertage.

Haben Sie bitte vor Augen, dass am kommenden Sonntag, dem 01. Mai, die Hl. Messe von 10 Uhr ausfallen wird. Am kommenden Sonntagvormittag wird nur das Hochamt um 11.00 Uhr gefeiert!

Christus ist wahrhaft auferstanden, halleluja!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 16/2011 - Karwoche (A)

Glasmalerei – Einzug Jesu in Jerusalem – um 1900, Gotland, Schweden

Lieber Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Beachten Sie bitte, dass am Sonntag, dem 1. Mai, dem Tag der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., die Familienmesse um 10:00 Uhr ausnahmsweise ausfallen wird. An diesem Sonntagvormittag (1. Mai) gibt es nur eine heilige Messe: Um 11:00 Uhr das Hochamt.

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Für eine gute Mitfeier dieser besonderen Tage möchte ich Ihnen folgende zwei Leitgedanken mitgeben.

Pilatus, ein Nicht-Gläubiger, stellt unserem Herrn nach seiner Verhaftung die Frage »Bist du der König der Juden?«.

Vom Glauben her wissen wir: Christus ist nicht nur der König der Juden. Er ist auch der König der Heiden und der König der Männer und Frauen aller Zeiten, der Herr des Lebens und der Geschichte. Er ist der Sohn Gottes. Christus ist der eine, dreifaltige Gott, der in der zweiten Person des Sohnes Mensch und zugleich König aller geworden ist.

Es ist gut und wichtig, diesen Glauben zu vertiefen. Das geschieht vor allem im Gebet. Ohne das Gebet gerät man leicht auf die Seite derer, die am Palmsonntag Christus bejubelten, als er in Jerusalem einzog, aber ihn schon einige Tage später ablehnten.

Wer betet, dem wird unser Herr und Gott die Gnade geben, an ihn zu glauben! Im Gebet und aus ihm heraus erfährt der Gläubige in jedem Fall, dass Jesu Christus König aller Menschen ist.

Bei dem Schauprozess, den die damaligen Machthaber Jesus Christus bereiteten, schrie die Menge, angestachelt durch die Drahtzieher unter eben diesen Machthabern: »Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.«

Es sind Worte, welche die Leidenschaft der Menge zeigen, durch die sie wie blind geworden sind. So lässt die Volksmenge nicht nur zu, sondern sie stimmen mit ein in das ungerechteste Urteil, das je gefällt wurde: Er, der ganz ohne Sünde war, wurde wie ein Verbrecher zum Tode verurteilt.

Auch wir sind nicht frei von Leidenschaften, die uns blind machen, und wohl jeden von uns schon viel zu oft blind gemacht haben.

Die Worte der Mehrheit: »Sein Blut komme über uns und unsere Kinder« deuten aber zugleich geheimnisvoll etwas an, was den erregten Menschen damals gar nicht bewusst war. – Was sie riefen, ging in Erfüllung; aber ganz anders, als sie es meinten: Ihrer Ablehnung zum Trotz hat der Herr sein Blut auch für sie und ihre Kinder, für alle Menschen vergossen.

Wir sollten die Tage der Karwoche ganz nah bei Christus in der Eucharistie durchleben. In der Eucharistie ist der ganze Herr gegenwärtig, auch und besonders mit seinem Leib, den er für uns hingegeben, und mit seinem Blut, das er für uns vergossen hat.

»Das Fundament und die Quelle der Kirche«, so Papst Benedikt (vgl. Ecclesia de Eucharistia, No. 5), »ist das Triduum Paschale.« Das sind die drei Tage von Gründonnerstagabend bis zur Osternacht. »Dieses Triduum Paschale ist in der eucharistischen Gabe gewissermaßen gesammelt … und für immer „konzentriert“.«

In diesen Gaben, so Papst Benedikt, stifte Jesus Christus eine geheimnisvolle »Gleichzeitigkeit« zwischen jenem Triduum vor 2000 Jahren und dem Triduum Paschale aller Jahrhunderte; auch dem Triduum Paschale, das wir in wenigen Tagen beginnend mit dem Gründonnerstag feiern werden.

So lade ich Sie herzlich ein, die Feier der Heiligen Drei Tage: die Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, die Karfreitagsliturgie am Karfreitag und die Osternacht gemeinsam mit uns allen mitzufeiern. – In der Kirche liegt eine Übersicht aus, in der alle Gottesdienste einschließlich der besonderen Beizeiten aufgenommen sind.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 15/2011 - 5. Woche in der Fastenzeit (A)

Auferweckung des Lazarus

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Inzwischen haben sich für unsere Romfahrt zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II fast 100 Teilnehmer angemeldet. Die beiden Busse sowie unsere Unterkunft sind damit weitgehend ausgebucht.

Die Seligsprechung dieses geliebten Papstes wird als eine unvergessene und einmalige Stunde in die Kirchengeschichte eingehen. Wir alle freuen uns darauf.

Da auch die Priester von St. Pantaleon unterwegs sein werden: Bitte merken Sie sich schon jetzt vor: Am Tag der Seligsprechung, am Sonntag, dem 1. Mai, wird hier in St. Pantaleon ausnahmsweise die Familienmesse am Vormittag um 10:00 Uhr ausfallen. Es wird nur um 11:00 Uhr das Hochamt gefeiert.

Gerne gebe ich Ihnen für den Rest der Fastenzeit die folgenden Worte von Papst Benedikt XVI. Weiter: „Durch die traditionellen Übungen des Fastens, des Almosengebens und des Gebetes, Ausdrucksweisen der Verpflichtung zur Umkehr, erzieht die Fastenzeit dazu, die Liebe Christi immer radikaler zu leben. Das Fasten, das unterschiedlich begründet sein kann, hat für den Christen einen tief religiösen Sinn: Indem wir unseren Tisch ärmer machen, lernen wir unseren Egoismus zu überwinden, um in der Logik des Schenkens und der Liebe zu leben; indem wir den Verzicht auf etwas auf uns nehmen - nicht bloß auf etwas Überflüssiges - lernen wir, unseren Blick vom eigenen „Ich“ abzuwenden, um jemanden an unserer Seite zu entdecken und Gott im Angesicht vieler unserer Brüder zu erkennen. Für den Christen hat das Fasten nichts mit einer Ichbezogenheit zu tun, sondern es öffnet mehr und mehr auf Gott hin und auf die Bedürfnisse der Menschen und sorgt dafür, dass die Liebe zu Gott auch die Liebe zum Nächsten einschließt (vgl. Mk 12,31).

Auf unserem Weg sehen wir uns auch der Versuchung des Haben-Wollens gegenüber, der Habsucht nach Geld, die die Vorrangstellung Gottes in unserem Leben gefährdet. Die Besitzgier bringt Gewalt, Missbrauch und Tod hervor; aus diesem Grunde erinnert die Kirche besonders in der Fastenzeit an die Übung des Almosengebens, das heißt an das Teilen. Die Vergötterung der Güter hingegen entfernt nicht nur vom anderen, sondern sie entblößt den Menschen, macht ihn unglücklich, betrügt ihn, weckt falsche Hoffnungen, ohne das zu verwirklichen, was sie verspricht, weil sie die materiellen Dinge an die Stelle Gottes setzt, der allein Quelle des Lebens ist. Wie kann man die Vatergüte Gottes verstehen, wenn das Herz voll von sich selbst und den eigenen Plänen ist, mit denen man sich einbildet, sich die Zukunft sichern zu können? Es ist die Versuchung, so zu denken wie der Reiche im Gleichnis: „Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht...“. Wir kennen das Urteil des Herrn: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern...“ (Lk 12,19-20). Die Übung des Almosengebens ist ein Aufruf, Gott den Vorrang zu geben und dem anderen gegenüber aufmerksam zu sein, um unseren guten Vater neu zu entdecken und sein Erbarmen zu empfangen.«

An diesem Sonntag hören wir das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. Möge unser Bemühen in der Fastenzeit dazu führen, dass auch wir im Herzen lebendig bleiben und, indem wir den Herrn wirken lassen, nur noch mehr zum Leben geführt werden.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 14/2011 - 4. Woche in der Fastenzeit (A)

Liebe Mitchristen und Freudn evon St. Pantaleon!

Gewöhnlich gebe ich ausdrucksvoll-klassischen und meist auch frommen Bildern für diese wöchentlichen Pfarrernachrichten den Vorzug. So darf ich mir in der Fastenzeit ruhigen Gewissens auch einmal eine Ausnahme erlauben und einer satirischen Karikatur, einer provokanten Zeichnung an dieser Stelle einmal den Vorrang geben. Sie passt zum Evangelium dieses vierten Fastensonntags.

Der Herr hatte sich gerade vor den Pharisäern, die ihm wieder nachstellten, in Sicherheit gebracht, als er einem von Geburt an Blinden begegnet. Ohne ihn zu fragen, wie der Heilige Johannes in seinem Evangelium deutlich werden lässt, »spuckte Jesus auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach.«

In der antiken Medizin wurde Speichel häufig bei Augenleiden verwendet. Das Lecken von Wunden ist auch heute noch etwas ganz Gewöhnliches, nicht nur im Tierreich. Darüber hinaus erinnert der Lehmteig an die Schöpfungsgeschichte, bei der Gott den Menschen aus Erde formte. Bei der Heilung des Blindgeborenen formt Jesus einen Menschen neu, weil er Mitleid mit ihm hat.

Erst vor wenigen Jahrzehnten wurde von Archäologen auch der Teich Shiloach (oder Shiloah) ausgegraben. Er liegt in der Nähe des Tempels von Jerusalem und diente der Wasserversorgung. Gespeist wurde er von der berühmten Gihonquelle, an der unter anderem auch Salomo zum König über ganz Israel gesalbt wurde.

Es fällt auf, dass die Initiative bei der Heilung zuerst einmal ganz beim Herrn liegt. Der Blinde folgt anfangs »blindlings« nur seinen Anweisungen. So wurde ihm das Augenlicht geschenkt; später kommt er auch durch sein Mittun zum Glauben an Jesus Christus.

Die Pharisäer hingegen sehen nur auf das Sabbatverbot. Für sie ist die Bereitung des heilenden Lehmteiges genauso Arbeit wie der segensreiche Gang zum Teich Shiloach. Die Not des Blinden sehen Sie genauso wenig wie Gottes Barmherzigkeit. Deshalb gelangen bekanntlich auch nach Jesu Worte (Matthäusevangelium, 21,31) »Zöllner und Dirnen eher in das Himmelreich« als sie, die Pharisäer.

Die Ereignisse spitzen sich zu, als die Pharisäer die auch für sie evidente Heilung durch einen Betrug abzutun versuchen. Um sich dem Glauben und damit all dem zu verschließen, was Gott spürbar für die Menschen Gutes tut, haben den Ungläubigen noch nie Worte und Argumente gefehlt. Die Karikatur spitzt es darauf zu, dass sogar die Botschaft des Herrn für Eigenes missbraucht werden kann.

Die Fastenzeit kann und soll dabei helfen, das Vertrauen auf Gottes Wort und seine spürbare Hilfe im alltäglichen Leben uneingeschränkt zu erneuern. Wie macht man das? Wie kann das gelingen?

Auch hier gilt das bekannte Wort: »learning by doing«. Die Kraft des Glaubens kann Gott uns Menschen nur dann schenken, wenn wir ihm uneingeschränkt vertrauen, mit all unserer Kraft. Jeder, der das tut, kann dann früher oder später bezeugen – und ich kenne keine Ausnahme davon –, dass die Kraft Gottes durch den Glauben im Alltag dann in der Tat wirkmächtig erfahren wird.

So wünsche ich für diese Fastenzeit Ihnen und uns allen, all die vielen Argumente und Einwände aufdecken zu können, die einem Vertrauen ohne Vorbehalte Gott gegenüber und damit einer Entfaltung der uneingeschränkten Kraft des Glaubens im Wege stehen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 13/2011 - 3. Woche in der Fastenzeit (A)

Jan Joest von Kalkar (1455-1519) – Christus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Dieser Sonntag beschenkt uns mit einem der schönsten Dialoge aus der Heiligen Schrift.

Eine Frau aus Samarien kommt in der vollen Mittagshitze, zu einer ganz ungewöhnlichen Zeit also, an den Jakobsbrunnen zum Wasserschöpfen. In der unerträglichen Mittagssonne geht nur zum Brunnen, wer all die anderen und die vielen zur frischen Morgen- oder zur lauen Abendzeit meiden möchte. Nur selten tut man dies freiwillig. Meist aus Notwendigkeit, weil man von all den anderen gemieden wird.

Eine solche ist diese Frau. Vielleicht möchte Jan Joest von Kalkar in seinem einfühlsamen Gemälde mit der Schadstelle im Krug andeuten, dass auch im Leben der Frau nicht alles in Ordnung ist. Auch der Herr, obwohl ein Fremder, weiß es genau. Aber er fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. Noch weniger macht er ihr deshalb Vorhaltungen oder verurteilt er sie.

In gewissem Sinne kehrt der Herr die Verhältnisse sogar um. Er scheint der Unterlegene, der Bedürftige, der als Dürstender auf die Hilfe der Frau Angewiesene zu sein. Als die Frau zum Brunnen kommt, um Wasser zu schöpfen, sagt Jesus zu ihr: »Gib mir zu trinken!«

So macht er es der Frau leicht, sich ihm als Hilfesuchender zu öffnen. Er baut ihr eine Brücke, so dass sie sich auf das Gespräch mit ihm einlassen kann. Sie drückt ganz unbefangen ihr Erstaunen aus: »Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?« Der Evangelist Johannes fügt erklärend hierzu: »Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.«

Einmal ins Gespräch gekommen, kann der Herr Stück für Stück die Perspektive verändern und schließlich sogar umdrehen. Der Evangelist Johannes berichtet, dass Jesus ihr daraufhin antwortete: »Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.«

Im weiteren Verlauf des Gespräches erkennt die Frau, dass der Herr wirklich ein Prophet ist. Er ist als Fremder uneingeschränkt im Bilde darüber, dass sie bereits fünf Männer hatte und der jetzige auch nicht ihr Mann ist. Er weiß um ihre Not, aus der sie mit eigener Kraft nicht mehr heraus kommt. Er weiß auch um ihre Schuld, die mit dafür verantwortlich ist.

Er nennt ihre Schuld klar beim Namen. Aber er wirft sie ihr nicht im Geringsten in verletzender Weise vor. So kann sie ihm weiter zuhören, und sich von ihm an ihren Glauben erinnern lassen, den sie verborgen in der Tiefe ihres Herzens trägt. Durch das Gespräch verhilft ihr der Herr, diesen ihren Glauben erneut zu bekennen: »Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.«

Erst jetzt ist für den Herrn der Augenblick gekommen, solange hat er einfühlsam gewartet und das Gespräch schrittweise in die Tiefe geführt, dass er sich ihr offenbaren und sie nun auch glauben kann. »Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.«

»Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen«, berichtet Johannes, «eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?

Die Frau, berührt von der vornehm zurückhaltenden Klugheit des Herrn, geht nun in derselben Weise vor. Sie hilft denen, die sie bislang wie eine Ausgestoßene gemieden haben, zum Herrn und zum Glauben zu finden. Es gelingt ihr – nicht allein aus eigener Kraft, sondern mit Gottes Gnade.

Ich wünsche auch Ihnen, dem Herrn so begegnen zu können, wie die Samariterin am Brunnen, und einmal vom Herrn berührt dann klug das weiterzugeben, was er in diese seiner Art längst auch Ihnen geschenkt haben wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 12/2011 - 2. Woche in der Fastenzeit (A)

Verklärung Christi – Fra Angelico (1395-1455) – Freskenzyklus im Dominikanerkloster San Marco in Florenz

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Fra Angelico malt den verklärten Christus in Kreuzesform. Das Kreuz im Heiligenschein verstärkt seine Absicht. Zugleich sind Wundmale nicht zu erkennen. Ein Unkundiger, der vom bevorstehenden Kreuzestod Jesu Christi nichts weiß, könnte durchaus meinen, dass der vom Licht umstrahlte Christus die ganze Welt umarmen möchte.

Das eine schließt das andere nicht aus. Der Herr hat denen, die ihm nachfolgen wollen, keine sichere und unangefochtene Existenz versprochen. Schon kurz nach der ersten Leidensankündigung spricht er von der Möglichkeit, dass auch seine Jünger ihr kurzes irdisches Leben „verlieren“ werden, um es dann jedoch für ewig „wiederzugewinnen“ (vgl. Mt 16,24f). Nur in dieser durch Jesus geoffenbarten und vorgelebten „Logik des Verlierens und Wiedergewinnens“ kann man sich Gott und den anderen eingeschränkt und vollendet schenken.

Diese Logik ist bestechend. Sie ist auch klar und bis ins Letzte nachvollziehbar. Dennoch sträubt sich etwas in uns immer wieder gegen diese Logik. Es ist der alte Mensch, der das nicht begreifen will und sich dagegen auflehnt.

Auch die Apostel haben mit dieser Logik ihre Schwierigkeiten gehabt. Deshalb »nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.« (Mt 17,1-3)

Vor ihren Augen wurde Jesus verklärt. Die Verklärung des Herrn stellt ihnen seine göttliche Herrlichkeit vor Augen, die seine Auferstehung vorwegnahm. Zugleich kündigt die Verklärung die von Christus ermöglichte Vergöttlichung nun auch des Menschen an, sofern er, der Mensch, sich im Glauben einlässt auf diese Logik des „Verlierens und Gewinnens“ und des damit möglich gewordenen uneingeschränkten sich „Verschenkens.“

Ganz in diesem Sinne schreibt Paulus an Timotheus (2 Tim 1, 8b-10), und wir werden auch diese Schriftstelle am zweiten Fastensonntag hören: »Mein Sohn! Leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft« um Timotheus dann zu erklären: »Er [Christus] hat dem Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium.«

So sind die Bibelstellen des zweiten Fastensonntags eine Einladung, in dieser Fastenzeit »vom Lärm des Alltags Abstand zu nehmen, um in die Gegenwart Gottes einzutauchen: er möchte uns täglich ein Wort zukommen lassen, das tief in unseren Geist eindringt, wo es gut und böse unterscheidet (vgl. Hebräerbrief 4,12), und das den Willen stärkt, dem Herrn nachzufolgen.« (Papst Benedikt XVI)

Wer sich diesen Ratschlag des Heiligen Vaters zu Herzen nimmt, was sehr zu empfehlen ist, wird die Erfahrung machen, dass er den alten Mensch, der sich auf diese Logik des „Verlierens“ und „Gewinnens“ und des daraus folgenden „Sich-Schenken-Könnens“ nicht einlassen möchte, überwinden kann. Die in Form des Kreuzes ausgebreiteten Hände vermögen Gott und seine Schöpfung zu umarmen und beide aus ganzem Herzen zu bejahen und sich ihrer anzunehmen; nicht nur trotz, sondern auch wegen aller Katastrophen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 11/2011 - 1. Woche in der Fastenzeit (A)

Millstätter Fastentuch – 1591 – Die Versuchung Jesu

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Mit dem Aschermittwoch hat die 40tägige Fastenzeit begonnen. Am Aschermittwoch hörten wir im Tagesevangelium: »Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.«

Wenn jemand fasten möchte, empfiehlt ihm der Herr, das Haar zu salben und das Gesicht zu waschen. Die anderen sollen nicht merken, dass man fastet, sondern nur der »Vater im Himmel, der auch das Verborgene sieht«.

Beim christlichen Fasten geht es nicht darum, anderen oder sich selber zu beweisen, dass man sich im Griff hat. Es geht auch nicht darum, durch unsere Höchstleistung Gott unserer Sünden wegen wieder gnädig zu stimmen. Es geht vielmehr darum, vor Gott, vor sich selber und vor den anderen wieder ehrlich zu sein.

Ohne es recht zu merken, verfällt der Mensch sehr leicht in zumindest kleinere, manchmal auch größere Lügen sich selber gegenüber. Dann ist man auch Gott gegenüber nicht mehr aufrichtig; dann auch gegenüber dem Nächten nicht mehr. Wir machen uns mit all dem, was wir für unsere Gesundheit, für unser Wohlbefinden oder wofür auch sonst noch brauchen, schnell und relativ leicht immer wieder etwas vor. Auf manches von dem, was uns gewohnheitsmäßig fast ganz unentbehrlich geworden ist, könnten wir ohne weiteres verzichten.

Und es tut gut, bewusst und aus freien Stücken, zumindest auf die ein oder andere Kleinigkeit einmal 40 Tage lang zu verzichten. Man kann zum Beispiel den Fernsehkonsum einmal deutlich drosseln. Oder die Snacks zwischendurch. Oder auch auf das Bierchen am Abend verzichten. Für andere wäre es heilsam, die Zeit im Internet einmal ganz bewusst zu reduzieren. Für wieder andere wäre es sinnvoll, die Zeit des „Verquatschens“ zu beschneiden. Das ist dann vielleicht zugleich ein Akt der Nächstenliebe. Andere hingegen sollten einmal bewusst bestimmte Tätigkeiten eingrenzen, um etwas mehr Zeit für die Familie und das Gespräch miteinander zu haben.

Das bewusste Verzichten hilft, wieder mehr das zu sehen, was wesentlich und wichtig ist. Fasten macht frei. Fasten legt Abhängigkeiten offen, die uns im Griff haben und fremd bestimmen; manchmal so sehr, dass wir für Gott, für unseren Nächsten und auch für uns selber gar nicht mehr richtig frei und zugänglich sind.

Aus christlicher Sicht ist das Fasten eine Teilhabe am erlösenden Kreuz Jesu Christi. Christus hat uns nicht durch Wohlergehen und eine gute Gesundheit erlöst, sondern durch das Kreuz. Das Kreuz in rechter, in der Weise Jesu Christi verstanden, schenkt eine größere und umfassendere Gesundheit. Nicht nur die des Leibes, die sehr relativ ist, sondern die von Leib und Seele.

Der erste Sonntag der Fastenzeit macht unsere Situation hier auf Erden deutlich. Darauf hat Papst Benedikt in seiner diesjährigen Fastenbotschaft hingewiesen: »Der siegreiche Kampf gegen die Versuchungen, mit dem die Sendung Jesu beginnt, ist eine Einladung, sich der eigenen Schwachheit bewusst zu werden, um die Gnade zu empfangen, die von Sünden frei macht und neue Kraft in Christus ausgießt, der Weg, Wahrheit und Leben ist.«

Dieser siegreiche Kampf Jesu gegen die drei Versuchungen in der Wüst, so Papst Benedikt, »ist ein deutlicher Aufruf, sich daran zu erinnern, dass der christliche Glaube, nach dem Beispiel Jesu und in Gemeinschaft mit Ihm, einen Kampf „gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt“ (Eph 6,12) einschließt, in welcher der Teufel am Werk ist, der auch heute nicht müde wird, den Menschen, der sich dem Herrn nähern will, zu versuchen: Christus geht daraus als Sieger hervor, um auch unser Herz für die Hoffnung zu öffnen und uns darin zu leiten, die Verführungen des Bösen zu besiegen.«

So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Fastenzeit. Wenn es Sie tröstet: Auch ich werde es wohl in diesem Jahr erneut nicht schaffen, meinen Fastenvorsätzen immer ganz treu zu bleiben. Aber das ist auch gar nicht entscheidend. Entscheidend ist vielmehr, dass wir es mit Gottes Hilfe jeden Tag erneut versuchen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 10/2011 - 9. Woche im Jahreskreis (A)

Köln-Rosenmontag-Neumarkt-1836

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am Karnevalssonntag hören wir im Sonntagsevangelium den Schluss der Bergpredigt. Es wird nochmals klar, worauf es ankommt und der Herrn bringt es wie folgt auf den Punkt: »Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.«

Das gilt auch für die, die am Tag des Gerichtes zu ihm sagen werden: »Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?«

Um es einmal pointiert auf den Punkt zu bringen: Nicht einmal die Mitarbeit als kirchlicher Angestellter oder in kirchlichen Strukturen, etwa in den so genannten Gremien, reicht aus, um in den Himmel zu kommen. Manchmal ist vielleicht dieser Personenkreis sogar besonders gefährdet, dass der Herr – wie in diesem Evangelium – ihnen einmal wird antworten müssen: »Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!«; denn sie sollten ja eigentlich wie der »kluge Mann, der sein Haus auf Fels baute« wissen, worum es geht.

Der Herr beschreibt den klugen Mann als jemanden, der »diese meine Worte hört und danach handelt«.

Die Worte des Herrn hören und danach handeln: Das also ist entscheidend! Entscheidend ist also nicht, dass sich die Kirche durch karnevalistische Veranstaltungen wieder füllen, sondern dass die Kirche den Menschen getreu ihrer Sendung all das vermittelt was notwendig ist, um Karneval wieder so zu feiern, wie er ursprünglich gedacht war.

Dafür ist es notwendig, den Menschen nicht nach dem Mund zu reden. Der Herr verdeutlicht dies durch das Bild vom Haus, das auf Sand gebaut wurde.

Es ist leicht, ein Haus auf Sand zu bauen, der oft ganz in der Nähe von Flüssen reichlich zu finden ist. Dort ist der Weg zum Wasser kurz; der Untergrund ist meist eben und leicht zu bebauen. Wenn aber ein Wolkenbruch kommt, »und die Wassermassen heranfluten, die Stürme toben und an dem Haus rütteln« dann »stürzt es ein und wird völlig zerstört.«

Der Herr rät davon ab, als Leichtgewicht zu leben. Konzepte und Vorschläge, die nur kurzfristigen Erfolg bringen, lehnte er entschieden ab, wenn sie mit seinen Worten, mit dem was er möchte, nicht übereinstimmen.

Die Worte im Vaterunser, »Dein Wille geschehe«, sind also mit Bedacht zu sprechen. Nur dem wirklichen Beter wird von Gott geschenkt, seinen Willen zu erforschen.

Der wirkliche Beter scheut nicht die Mühe, das Haus auf Felsen zu bauen. Gott schenkt ihm die Kraft dafür. Wenn dann ein Wolkenbruch kommt, die Wassermassen heranfluten, die Stürme toben und an dem Haus rütteln, stützt es nicht ein; denn es ist auf Fels gebaut.

So wünsche ich uns allen, auch die ausgelassenen Tage um Karneval auf dem Fundament zu gründen, das einer Verflachung und Banalisierung, einer Sexualisierung und Kommerzialisierung und damit einem Ausverkauf dieser von ihrem Ursprung her so herrlichen Tage widersteht.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 09/2011 - 8. Woche im Jahreskreis (A)

»Doch ich sage euch: Selbst Salono war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von Ihnen.« (Mt 6, 29) – König Salomo, Glasfenster, Kathedrale Notre-Dame in Chartres, um 1230

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Jesus spricht im Evangelium des achten Sonntags im Jahreskreis grundsätzliche Fragen an, an denen sich alles entscheidet: Wem dienen wir? … Wem unterwerfen wir uns? … Wen beten wir an? … Wer hat das Sagen in unserem persönlichen Leben?

Das Lebensgefühl heute ist zunehmend geprägt – und es ist eine richtige Plage – von Gier, Habsucht und Egoismus. Haltungen, die sogar als natürlich und folglich erstrebenswert betrachtet werde. Der Inbegriff des Glücks besteht für viele darin, sich alles kaufen und leisten zu können.

Umwelt, Medien und Werbung bestärken in der Überzeugung, man könne die Herausforderungen des Lebens durch Technik, eigene Fähigkeiten und eigenes Wissen, am Ende durch die Macht des Geldes, und was man damit machen kann, bewältigen. In der Folge wird der Wert eines Menschen nach seiner erbrachten Leistung beurteilt.

Wer viel kann, wer viel hat, wer das Leben scheinbar meistert, der hat es gut, der ist wichtig, der erscheint glücklich, dessen Leben scheint gelungen. – Menschen beziehen daraus ihre Identität und übersehen ein Problem: Bleiben diese Erfahrungen, bleibt der Erfolg aus, schwindet das Leben dahin. Es fehlt, was ihm bis dahin Fundament schien.

Auch heute sind Geld, irdische Macht, weltliches Ansehen erneut listige Gegenspieler Gottes geworden: »Niemand kann zwei Herren dienen«, sagt der Herr, »er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben oder er wird zu dem einen halten und den Anderen verachten. ... Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und der Mammon.«

Wer Genau hinschaut, wird leicht erkennen: Das Geld ist nicht nur bei den Reichen zum Gegenspieler Gottes geworden. Auch der Normalbürger hat schnell das Gefühl, ohne eigene Besitz im Leben zu kurz gekommen zu sein. Es ist dieser Kontext, in dem Jesus Grundsätze aus spricht, an denen sich alles entscheidet: »Man kann nicht zwei Herren dienen.«

Indirekt fragt hier der Herr einen jeden von uns: Wem dienst du? … Wem unterwirfst du dich? … Wen oder was betest du an? … Wer oder was bestimmt dein Leben?

Geld nimmt nicht nur sehr schnell den Schmutz der Welt an, Geld macht auch abhängig und unfrei. Geld beherrscht den, der es zu besitzen meint; denn es meist umgekehrt ist: Sehr schnell knechtet und versklavt das Geld seinen Besitzer und vereinnahmt ihn.

Deshalb sind die obigen Fragen wie folgt zu präzisieren: Wem dienst du: Gott oder dem Geld? … Wem unterwirfst du dich: Gott oder dem irdischen Ansehen? … Wen betest du an: Gott oder dein leibliches Wohlergehen? Wer hat das Sagen in deinem Leben: Gott oder du selber mit deinen Möglichkeiten?

Das heutige Evangelium hat etwas Faszinierendes an sich. Hier wird einer paradiesischen Sorglosigkeit das Wort geredet: »Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.«

In manchem gibt es ein »entweder – oder«; in anderem ein »sowohl als auch«. Man muss sehr genau hinschauen und das eine vom anderen unterscheiden.

Das Sonntagsevangelium hilft dabei, die einen jeden prägende Grundhaltung und Lebenseinstellung zu unterscheiden. Für die christliche Lebenshaltung gilt »Gott und die Welt«; sowohl Gott wie die Welt spielen eine wichtige Rolle. Für die unchristliche Lebenshaltung gilt: »Gott oder die Welt«, wobei dann Gott keine Rolle spielt.

Auch wir müssen unterscheiden und uns dabei zugleich entscheiden. Und wir müssen es immer wieder. Bejahen wir die Welt, so wie Gott sie will? Oder wollen wir eine andere, eine eigene Welt, nach unseren Vorstellungen? – Letzteres wird uns nicht gelingen; weil wir uns damit zugleich gegen Gott entscheiden würden. Gott und die Welt sind sehr wohl vereinbar: Immer dann nämlich, wenn auch wir die Welt so wollen, wie Gott sie will und wie er sie gewollt hat.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 08/2011 - 7. Woche im Jahreskreis (A)

Angriff und Gegenangriff – Russlandfeldzug 1942 – Heiligkeit ist anderer Art

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Buch Levitikus (19,2) überliefert, wie der Herr zu Mose sprach: »Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten, und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.«

Das letzte große vatikanische Konzil vor nunmehr 50 Jahren hat es der Menschheit wieder vor Augen geführt, dass die einzig wirklich große Bewährung im Leben die Heiligkeit ist, der gegenüber aller anderen Herausforderungen untergeordnet sind. Dieses Konzil hat ebenfalls daran erinnert, was über Jahrhunderte bis heute vielen gar nicht so recht bewusst war und ist, das Heiligkeit als einzig wirklich große Bewährung im Leben nicht »ausschließlich Sache der Priester und Ordensleute« sondern aller Menschen ist, wie es schon in den dreißiger Jahren der Heilige Josefmaria Escrivá beständig wiederholt hat: »Der Herr nahm keinen aus, als Er sagte (Mt 5,48): ,Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.’« (Der Weg, Punkt 291).

Dieser Aufforderung zieht sich wie ein roter Faden durch die Schriftlesungen des siebten Sonntags im Jahreskreis und wird in ihnen praktisch. Heiligkeit ist eine Haltung nicht von verstaubten und kitschigen Gipsfiguren in ekstatischer Pose, sondern von Menschen wie du und ich, die sich die Heilige Schrift zu Herzen nehmen.

So heißt es dann, folgend auf die zitierte Stelle im Buch Levitikus (19,17-18): »Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.«

Die letzten vier Worte sind der Schlüssel zum Ganzen: Mit Gottes Hilfe ist es möglich, so, das heißt: wie ein waschechter Heiliger, zu leben.

Darum geht es auch dem heiligen Paulus im dritten Kapitel aus dem Brief an die Korinther (Verse 16-17): »Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? … Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.«

In der Fortführung der Bergpredigt im fünften Kapitel bei Matthäus legt Jesus dar, dass mit Blick auf den Nächsten Heiligkeit bis zur Feindesliebe führt. Die alttestamentliche Regel: »Auge für Auge und Zahn für Zahn« hat ungerechter Willkür einen mächtigen Riegel vorgeschoben. Aber Heiligkeit geht noch weiter: »Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.«

Ein Rechtshändler, und zu einem solchen wurde man in der Antike auf jeden Fall erzogen, kann einem Gegenüber nur mit dem Handrücken auf die rechte Wange schlagen. Diese Art, jemanden zu schlagen, konnte sich damals nur ein Mächtiger und Stärkerer leisten. Es war für alle sichtbar eine Geste der Demütigung.

Hier fordert Jesus auf, im Vertrauen auf ihn standzuhalten und dem Ungerechten, scheinbar Mächtigerem auch die andere Wange hinzuhalten. Das ist für alle sichtbar eine Geste ethischer Überlegenheit und moralischer Zurechtweisung dem ungerecht Stärkeren gegenüber.

Ähnliches sagte der Herr am Beispiel von Hemd und Mantel: »Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.«

Ein Mantel war damals für die Armen so etwas wie die Lebensversicherung, der bei der empfindlichen Kälte der Nacht vor dem Erfrieren bewahrte. Deshalb war es verboten, jemanden über Nacht den Mantel zu pfänden.

Wer den Mantel dem das Hemd zu unrecht Erpressenden gibt »liebt seinen Feind«, weil er im Vertrauen auf Gott gegen den Strom geduldeter Ungerechtigkeit (alle machen es doch so mit dem Schwächeren) die Gefahr des eigene Erfrierens nicht scheut, um die Ungerechtigkeit offen zu legen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 07/2011 - 6. Woche im Jahreskreis (A)

BERGPREDIGT - St. Blasius, Weiler, Landkreis Lindau, Bayern – Andreas Brugger 1737 – 1812

 

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Etliche Theologie-Professoren haben in einer „Denkschrift“ zu tiefgreifenden Reformen in der katholischen Kirche aufgerufen. Die lange Liste ihrer Forderungen reicht über verheiratete Priester bis hin zur Wahlbeteiligung aller Gläubigen vor Ort bei der Auswahl ihres Pfarrers und Bischofs. Über die mediale Öffentlichkeit haben sie ihre Forderungen vor den deutschen Bischöfen und dem Papst medienwirksam in Szene gesetzt. Inhalte und Methode dieses Aufrufs sind schon von daher sehr fragwürdig.

Das Evangelium dieses Sonntags ist ebenfalls ein Aufruf zur Kirchenreform. Auch hier geht es um Forderungen. Allerdings geht Jesus, der Herr, ganz andere Wege, als diese Theologen. Gleich im ersten Vers legt er seine Absicht offen: »Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.«

In den folgenden sechs sogenannten "Antithesen" (»Ihr habt gehört … Ich aber sage euch …«) stellt Jesus eine neue, in die Tiefe gehende Auslegung der Tora der traditionellen Auffassung gegenüber, wie sie Schriftgelehrten und Pharisäern seiner Zeit lehrten. Dem Herrn geht es um eine qualitativ neue Interpretation der alttestamentlichen Gesetze; nicht um eine neue zusätzliche Last. Er bürdet den Menschen nicht weiteres auf, sondern erhellt den Sinn des Gesetzes.

»Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.« Dem Herrn geht es nicht um äußere Erfüllung von Gesetzen, also nicht um formale Gerechtigkeit. Er legt den Sinn der Gebote und Gesetze offen und erklärt, warum etwas vor Gott und Mensch recht und richtig ist.

Das im tieferen Sinne Richtige führt zu jener Freiheit, zu der wir von Anfang an berufen sind. Es geht um Beziehung, um die Beziehung der Menschen untereinander und um die Beziehung der Menschen zu Gott. Beziehungen können nur schwer in ein Regelwerk gepresst werden. Bestrafung und Verurteilung alleine machen wenig Sinn, wenn sich die Gesinnung, die inneren Beweggründe und das Herz des Menschen nicht ändern. Die „Reform“ muss dort ansetzen, wo die Entscheidungen gefällt werden.

»Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.« Die Antithesen lenken die Aufmerksamkeit auf den ganzen Menschen. Es reicht nicht, und es würde auch nicht funktionieren, einfach nur bestimmte böse Handlungen größeren Ausmaßes zu unterlassen. Die innere Ausrichtung muss stimmen. Sie schafft einen Raum der Freiheit von allem Bösen, in dem es keine Falschheit mehr gibt. Die innere Einstellung ist dann ganz auf das Wohl des Nächsten bedacht, ganz so, wie Gott es mit uns gemeint hat. Dann wird nicht mehr nur kein Mord oder Ehebruch begangen.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind dann geprägt von einem tiefen Gespür für die Würde des anderen. Der Nächste wird dann nicht mehr als Objekt, als Gegenstand egoistischer Befriedigung missbraucht. Das Gegenteil von Liebe ist bekanntlich weniger Hassen, sondern meist mehr das „Brauchen“ bzw. „Benutzen“.

Wo das Herz in der Tiefe frei ist vom Bösen, schwört nicht nur keiner einen Meineid. Vielmehr redet und handelt jeder dann so wahrhaftig, dass man sich bedingungslos aufeinander verlassen kann. – Diese Reform ist nötig. Die oben genannte erledigt sich dann.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 06/2011 - 5. Woche im Jahreskreis (A)

Die Sieben Sakramente. An sechster und siebter Stelle die sogenannten Sakrament für die Gemeinschaft: Priesterweihe und Eheschließung

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wieder einmal ist über die Medien in der Öffentlichkeit eine Diskussion über den Zölibat entfacht. Namhafte katholische CDU-Politiker – unter ihnen Bundestagspräsident Norbert Lammert – haben die deutschen Bischöfe gebeten, die so genannte »Zölibatspflicht« zu hinterfragen und somit etwas gegen den Priestermangel zu unternehmen.

Unter anderen hat der katholische Focus-Journalist Alexander Kissler dagegen festgestellt, dass der Rückgang an praktizierenden Katholiken wesentlich stärker ist als der Rückgang an Priestern. Die Zahl der »Geistlichen in der Pfarrseelsorge« ist in Deutschland seit 1960 von 15.500 auf 8.500 zurückgegangen, also um 45 Prozent. In derselben Zeit ist hingegen der Anteil der sonntäglichen Gottesdienstbesucher unter den Katholiken von 46 auf 13 Prozent, also um 70 Prozent zurückgegangen.

So fragt Kissler verwundert, ob der im Vergleich zum Rückgang an Priestern wesentlich stärkere Rückgang an praktizierenden Katholiken nicht viel mehr Sorge bereiten müsste: »Ist die Verdunstung des Glaubens nicht der dramatischere Befund als die wachsende Entfernung zwischen den Stätten sonntäglicher Eucharistiefeier?«

Kissler kritisiert die rein soziologische Argumentation dieser Politiker. Sie sprächen davon, dass Gläubige »ein Recht auf die sonntägliche Messfeier« hätten, dieses aber durch den so genannten Priestermangel »unverhältnismäßig erschwert« werde. Kissler fragt verwundert, warum sie von einem »Recht« und »von erschwerten Bedingungen sonntags zur Messe zu gelangen« sprechen anstelle von »Sonntagspflicht«, und ob es in Zeiten fast maximaler Mobilität »unverhältnismäßig« wäre, fünf oder zehn oder mehr Kilometer zurückzulegen?

Könne man von Unverhältnismäßigkeit sprechen, wo es hier doch darum gehe »vielleicht gemeinsam sich aufzumachen zum Höhepunkt kirchlichen Lebens, zur Feier von Wochenanfang und Auferstehung, zur persönlichen Begegnung mit dem Herrn der Geschichte und des Kosmos, dem Erlöser? Sind Christen Menschen, die nur zu „verhältnismäßigen“ Einschränkungen ihrer Bequemlichkeit bereit sind, nicht aber zur Liebestat, die auch opfernd sich verschenkt?«

Die Politiker würden im Ganzen soziologisch und quantitativ argumentieren und strikt säkular. So fragt Kissler: »Darf eine Kirche, die Kirche sein will … sich solchen Argumenten öffnen?«

Die Politiker bemühten eine Umfrage, der zufolge 87 Prozent der Deutschen das »Eheverbot für das Priesteramt« für »nicht mehr zeitgemäß« halten. Darauf Kissler: »War Jesus zeitgemäß? Hätte man vor 2000 Jahren eine Umfrage im Heiligen Land gemacht, wofür die Menschen ihn hielten und ob man seiner Botschaft folgen solle, hätten gewiss mehr als 87 Prozent ihn außer Landes gewünscht, den „Störenfried“. Und war das „zeitgemäße“ Christentum nicht zu allen Zeiten ein von Christus möglichst weit entferntes Christentum, das mit der Macht kungelte, mit dem Staat, mit Kaiser, Zar und Führer?«

Schließlich, so Kissler, »hat mir noch niemand … die Frage beantwortet, warum es in jenen evangelischen, altkatholischen oder sonstigen christlichen Gemeinschaften, die den Zölibat nicht kennen, keineswegs boomt, sondern der Glaube noch weit rascher sich verzieht. Auch um den Nachwuchs steht es dort keineswegs leuchtend bestellt.«

Kissler kommt durch seine ganz andere Perspektive auf den Punkt: »Katholische Priester folgen Christus auch insofern nach, als sie dessen Ehelosigkeit sich zur eigenen Lebensform erwählen. Sie setzen dadurch … radikal und mit Haut und mit Haar und ganz freiwillig lebenslang auf diesen Christus. Manchmal denke ich, der Zölibat wird nur deshalb von nicht-zölibatär lebenden Menschen angegriffen, weil sie es nicht ertragen, dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die leibhaft beweisen, dass es auch im 21. Jahrhundert lebenslange Treue, lebenslange Eindeutigkeit geben kann. Jeder katholische Priester ist ein wandelnder Einspruch gegen die Allmacht der Diesseitigkeit.«

Gerne möchte ich die im Schaukasten ausgehängten weiteren Beiträge Ihrer Lektüre empfehlen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 05/2011 - 4. Woche im Jahreskreis (A)

Bergpredigt – Fra Angelico

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am 25. Januar ist die Gebetswoche für die Einheit der Christen zu Ende gegangen. In mehreren Gottesdiensten haben wird dieser Einheit ausdrücklich gedacht und für sie gebetet.

Bei einem Vespergottesdienst zum Abschluss der Gebetswoche am Dienstagabend (25.01.2011) hat Papst Benedikt XVI. betont, dass die Bemühungen um eine Wiederherstellung der Einheit aller Christen sich nicht in einer Anerkennung der jeweiligen Unterschiede erschöpfen dürfe. Zugleich würdigte er »bedeutende Fortschritte« im Dialog zwischen den christlichen Kirchen.

In diesem Jahr stand die Gebetswoche unter dem Motto: »Geeint in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und im Gebet«.

Das Ziel der ökumenischen Bemühungen müsse letztlich eine Einheit der Christen sein, die in der Gemeinschaft des Glaubens, der Sakramente und des Amtes zum Ausdruck komme, sagte der Papst in seiner Predigt in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Auf dem Weg zu dieser Einheit bestehe die Versuchung, zu resignieren und in Pessimismus zu verfallen. Eine solche Haltung müsse überwunden werden. »Es ist unsere Pflicht, dem Weg in diese Mitte mit Begeisterung zu folgen und durch einen ernsthaften und konsequenten Dialog das gemeinsame theologische, liturgische und geistliche Erbe zu vertiefen“, sagte der Papst vor ranghohen Vertretern verschiedener christlicher Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften.

Von meinem Vorgänger hier in St. Pantaleon, Msgr. Dr. Peter von Steinitz, habe ich ein äußerst wertvolles Erbe übernehmen dürfen: Die besonderen Tage des Gebetes um die Einheit der Christen, vor allem mit Vertretern der Orthodoxie, im Zusammenhang unseres alljährlichen Kaiserin Theophanu Gedenkens.

Auf die Ökumene angesprochen hat Papst Benedikt im Buch »Licht der Welt« gesagt: »Die Ökumene ist vielschichtig und vielgesichtig. Wir haben hier die ganze Weltorthodoxie, die in sich schon sehr vielfältig ist, dann den Weltprotestantismus, wo sich die klassischen Konfessionen vom neuen Protestantismus unterscheiden, der jetzt wächst und ein Zeichen der Zeit ist. Der Ort, wo wir sozusagen am nächsten zu Hause sind und am ehesten auch hoffen können, zueinander zu kommen, ist die Orthodoxie.«

Papst Benedikt betont dann die Wichtigkeit, »dass diese orthodoxe Welt mit ihren inneren Spannungen doch auch ihre innere Einheit mit der so anders gearteten lateinischen Weltkirche sieht. Dass wir uns bei allen Unterschieden, die die Jahrhunderte aufgebaut haben und die durch die kulturellen Trennungen und anderes bedingt sind, doch wieder wirklich in unserer inneren geistlichen Nähe sehen und verstehen.«

Die Seligpreisungen, die wir an diesem Sonntag aus dem Evangelium wieder vernehmen werden, gelten auch denen, »die hungern und dürsten« nach der Einheit; »denn sie werden Gott schauen«.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 04/2011 - 3. Woche im Jahreskreis (A)

Berufung der Apostel Petrus und Andreas, San Pedro de Roda, Barcelona, um 1150

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Es gibt wohl kaum einen Tag in unserem Leben, wo alles glatt läuft. Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat erleben wir Höhen und Tiefen. Manchmal zurückhaltend, manchmal ausgeprägt, hin und wieder dramatisch. In der Heiligen Schrift spiegelt sich diese Wirklichkeit wider.

Dem Text der ersten Sonntagslesung (Jes 8,23b-9) geht die Beschreibung einer gefahrvollen Zeit voraus. Verursacht wurde sie durch Unglaube und Untreue Gott gegenüber. Wer nicht an Gott glaubte, kam zu Fall; denn: Dem Gottlosen ist Gott ein Stein des Anstoßes. Er wird über ihn stolpern und zerschellen (vgl. Jes 8,14-15). Worte dieser Art finden ihren Widerhall bis weit hinein in das Neue Testament (vgl. z.B. Mt, 21,44; Lk 20,17; Apg 4,11; Röm 9,33).

In diesem Gesamt verkündet die erste Sonntagslesung aus dem Prophetenbuch Jesaja alles andere als idyllische Romantik. Sie verkündete die Rettung des Menschen; seine Erlösung.

Das Land Sebulon und das Land Naftali werden genannt: »Einst hat er das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet, aber später bringt er die Straße am Meer wieder zu Ehren, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden« (Jes 8,23b). Sebulon und Naftali sind fruchtbare Landstriche. Sie liegen weit oben im Norden, oberhalb des Sees Gennesaret.

Vor allem Sebulon war durch Verschleppung und erst spätere Heimkehr der Juden im Laufe der Zeit ein Vielvölkergebiet geworden; auch vom Glauben her. Darum nennt es Jesaja das Land der (vielen) Völker, das Land der Heiden, in dem der Glaube schwach und die Menschen bildlich gesprochen im Dunkel sitzen. Hier hinein lässt Gott ein strahlendes Licht fallen: »Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf« (V. 9,1).

Dieses Licht nimmt den Menschen eine große Last von den Schultern. »Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers« (V.3).

Sebulon und Naftali, dazu noch das Gebiet Ascher, wurden schon früh zum Land Galiläa. In dieses vom Glauben her schwaches Vielvölkergebiet zieht es Jesus, als er hört, was mit Johannes geschehen ist. »Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazareth um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist« (Mt 4,12-14).

Matthäus zitiert ganz bewusst das prophetische Wort aus dem Prophetenbuch Jesaja, das sich am Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu nun erfüllt! Schon wieder ein überaus deutlicher Hinweis aus den alten Schriften, die Jesu Sendung bestätigen!

Wenn Matthäus sagt, dass Jesus sich nach Galiäa »zurückzog«, denkt er nicht an Flucht oder Resignation. Er meint vielmehr, dass Jesus sich nicht an verhärteten Strukturen und Besserwissern aufzureiben gedenkt. Jesus beginnt sein öffentliches Wirken dort, wo Kopf und Herz noch offen sind, wo nicht alles sofort in Schubladen und Denkschablonen eingeordnet wird. Hier fällt sein Wort auf fruchtbaren Boden.

"Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!" (V.17)

Er predigt eine Umkehr von moralischer und religiöser Beliebigkeit hin zum Reich Gottes; von Dunkelheit und Finsternis hin zum hellen Licht. – Die ersten, die sich diese Aufforderung zu Herzen nahmen, waren Petrus und sein Bruder Andreas. Matthäus berichtet: »Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.«

Petrus und Andreas waren keine Schriftgelehrten, keine Lehrer, keine Priester. Auch keine Schwärmer oder Theoretiker. Und wohl auch keine wortgewandten Redner. Sie waren einfache Fischer: bodenständig, mit der Natur verbunden; praktische und handfeste Männer, die mitten im Leben standen. Sie ließen alles stehen und folgten ihm nach.

Heute wie damals wird Gottes Licht dort erstrahlen und Frieden bringen, wo sich Menschen ihm vorbehaltlos anvertrauen: Mitten in der Welt oder auf dem „Sonderweg“ einer klösterlichen Berufung.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 03/2011 - 2. Woche im Jahreskreis (A)

Lamm Gottes - Isenheimer Altar (Detail)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Das Evangelium dieses Sonntags schlägt eine Brücke von der Advents–und Weihnachtszeit in die inzwischen begonnene Jahreszeit. Noch einmal erhebt Johannes der Täufer machtvoll seine Stimme. Als er Jesus auf sich zukommen sieht, so wird uns diesen Sonntag berichtet, bezeugt er unbeirrt und voller Kraft: »Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt«.

Auffällig ist, dass Johannes gleich zweimal unterstreicht: »Auch ich kannte ihn nicht«.

Damit meint Johannes nicht, dass er seinen Cousin Jesus noch nie gesehen habe. Vielmehr legt er Zeugnis dafür ab, ihn nun mit ganz anderen Augen zu sehen. Diese nämlich wurden ihm bei der Taufe Jesu geheimnisvoll geöffnet: »Und Johannes bezeugte: ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb«. Der ihn gesandt habe, mit Wasser zu taufen, habe ihm auch gesagt: »Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft«.

Schon als Bußprediger stand Johannes da wie ein Leuchtturm in der Brandung. Nicht wie ein schwankendes Schilfrohr (vgl. Mt 11,7), sondern unerschütterlich und fest spricht er nun aus: »Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: er ist der Sohn Gottes«.

Der Ernst dieser Worte ist unüberhörbar; und er berührt. Für dieses Zeugnis hat Johannes später den Tod auf sich genommen, wie viele Märtyrer nach ihm bis heute. Wir denken z.B. an Pater Maximilian Kolbe oder an die vielen, in den letzten Jahren weltweit verfolgten Christen.

So also bekennt der Täufer Jesus als »Sohn Gottes«, der zugleich als »Lamm Gottes … die Sünde der Welt hinwegnimmt«. Darauf geht zurück, was wir als Gläubige in jeder Heiligen Messe beten und bekennen: »Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser… gibt uns deinen Frieden« bzw.: »Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt«.

Als gläubige Juden verbanden die Zuhörer des Johannes mit dem Wort „Lamm“ spontan die biblische Erinnerung an die Flucht aus Ägypten. Damals rettete das Blut von Lämmern, das ihre Vorfahren auf Anweisung des Mose an die Türpfosten strichen, vor dem tödlichen Zugriff der Gerichtsengel auf jede Erstgeburt (vgl. Exodus 12,22 f).

Mit dem Wort „Lamm“ verbanden gläubige Juden intuitiv auch den Versöhnungskult im Tempel. Am jährlichen Versöhnungstag legte der Hohepriester, wenn er dann auch das Allerheiligste des Tempels betreten durfte, die ganze Sündenlast des Volkes durch Handauflegung auf ein männliches Schaf. Diesem friedfertigen und unschuldigen Tier wurden in diesem Zeichen die Sünden aller symbolhaft aufgebürdet. Dann wurde das Schaf in die Wüste getrieben, wo es hilflos verendete; und mit ihm vermeintlich auch all die vielen Sünden.

Darüber hinaus wurden das Jahr über im Opferbereich des Tempels so viele Opfertiere getötet, dass die Priester zuweilen bis zu den Fußknöchel im Blut standen.

Damit ist die Botschaft entschlüsselt: In Jesus Christus wird Gott zum Lamm, zum Knecht, der als Gottmensch unsere Schuld freiwillig übernimmt und auf sich lädt. Er tut, was wir nicht können: er nimmt unsere Schuld, die Sünde der Welt hinweg. So war es auch nicht Zufall, dass Jesus am Kreuz genau an dem Tag starb, als im Tempel die Paschalämmer geschlachtet wurden.

»Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer«, betont Jesus mehrfach. Darüber hinaus nennt er seinen Vater im Himmel liebevoll »abba«. Jesus ist also nicht in diesem Sinne Lamm Gottes, dass ein grausamer Gottvater nur durch das Blut des eigenen Sohnes besänftigt werden könne.

Als »Lamm Gottes« setzt er vielmehr den entschlossenen Willen des Vaters ins Werk, das Böse in der Welt endgültig zu besiegen. So werden wir in die Lage versetzt, uns fortan nicht mehr über die wahre und unheilvolle Größe der Sünde zu täuschen und selbstgerecht hinweg zu setzten; vorausgesetzt, wir winken nicht schon wieder ab und verhärten das Herz mit neuer Blindheit und weiterer Sünde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 02/2011 - 1. Woche im Jahreskreis (A)

Annibale Carracci - Taufe Jesu (1584) - Bologna, San Gregorio

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nun ist die schöne Zeit der vielen Fest- und Feiertage, der besonderen Gottesdienste und familiären Begegnungen schon wieder vorbei. Das Neue Jahr hat seinen gewohnten Lauf genommen. Und auch der Alltag wird uns nun wieder fest im Griff haben.

Aber ist es wirklich so: Alles nur wieder Alltag? – Das Fest der Taufe des Herrn zeigt eine andere Perspektive.

Johannes der Täufer ist nicht wenig überrascht, als unvermittelt aus der Schar der umkehrwilligen Sünder der Herr vor ihn tritt, um sich taufen zu lassen. Der Evangelist Matthäus bemerkt dazu: »Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?«

Im griechischen, dem originalen Bibeltext heißt es ausdrucksstärker als in unserer Einheitsübersetzung: »Aber Johannes versuchte heftig, ihn zu hindern.« Der Herr, der ganz ohne Sünde ist, bedarf nicht der Umkehr und Reinigung. Dennoch bittet er Johannes um die Taufe: »Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen.«

Die aufschlussreichen Worte, auch das überraschende »wir«, lassen verstehen, dass sowohl der Herr wie auch Johannes sich nicht nur an eigenen Vorstellungen und Maßstäben orientieren, sondern an höheren, denen sie die eigenen unterordnen. Beide lassen sich auf das ein, was Gott mit ihnen vorhat. Sie identifizieren sich damit. – Das ist so ganz anders, als was Selbstverwirklichungspropheten predigen und für das einzig Richtige halten.

Über den Vorgang der Taufe sagt das Evangelium nichts. Das ist dem Evangelisten auch nicht wichtig. Wichtig ist ihm allein die Botschaft, dass Jesus sich taufen ließ, und dass auch Johannes im Gehorsam will, was Gott der Vater will.

Weil beide »mitspielten« konnte geschehen, was Gott alles noch wollte: »Kaum war Jesus getauft …, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe.«

Wo Menschen sich auf Gottes Willen einlassen, wo sie ihren eigenen, bei aller Größe immer sehr beschränkten, dem größeren und besseren Willen Gottes öffnen und ihn zum Maßstab für ihren eigenen nehmen, da öffnet sich der Himmel. In Anlehnung an das biblische Ereignis der Taufe Jesu bedeutet die Öffnung des Himmels konkret: Durch den Gehorsam dafür empfänglich geworden, kann Gott uns Menschen den Himmel öffnen und erklären, wie sehr er uns liebt.

Der eigene Genius befreit nur bedingt aus der Monotonie des Alltags, die einen am Ende doch immer wieder einholt. Wirklich befreit aus ihr nur die Liebe: Die Liebe, mit der Gott uns liebt und die er uns zeigen und zuwenden kann, wenn wir uns seinem Wollen öffnen und es zum Maßstab für unser Wollen annehmen. Dabei entdeckt man auch zusehends die eigene Liebesfähigkeit Gott und der Welt gegenüber, die aus dem Glauben erwächst, und einen mehr beglückt als die jene Erfüllung durch Hingabe und Liebe, zu dem der Alltagsgenius in der Lage ist.

»Lass es nur zu«, forderte Jesus den Täufer auf, um »die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz (zu) erfüllen.« Die Gerechtigkeit und das Rechte, die Gott fordert, sind irdisch und himmlisch zugleich. Damit überdauern sie das eigene Leben und die ganze Geschichte. Das Rechte, was Gott fordert, hat nicht nur kosmische Dimension. Es ist ewig. Das Rechte in dieser Größe lieben, sich ihm öffnen und mit Hingabe anvertrauen zu können, erfüllt über die Maßen und schenkt ungeahntes Glück.

Dafür muss man sich allerdings jeweils neu bewusst machen, was Gott fordert; was er von mir in meiner jeweiligen Situation aus seiner Perspektive erwartet.

So schwer ist das nicht. Man muss in sich hineinhören, zur Orientierung die Heilige Schrift in die Hand nehmen und sich in der Sammlung bei Gebet und Gottesdienst üben. Dann hört und versteht man schließlich. Man erkennt und sieht dann, wie Gott sich das alles gedacht hat, und man begegnet jener kraftvollen Liebe Gottes, mit der er uns hilft, das umzusetzen. – Mit dem Evangelium von der Taufe Jesu sagt Matthäus, dass und warum es sich lohnt!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt