Pfarrnachrichten 53 / 2009 - Weihnachtsoktav (C)

Aufruf der deutschen Bischöfe zur Aktion Dreikönigssingen 2010

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Verantwortliche in den Gemeinden und Gruppen, liebe Schwestern und Brüder,

„Kinder finden neue Wege“. So lautet dieses Mal das Motto der Aktion Dreikönigssingen. Es erinnert an die oft langen Wege, die Kinder und Jugendliche in vielen Teilen der Welt täglich gehen müssen, um leben und überleben zu können: zur Schule, zur Kirche, zur Wasserstelle, zum Holzsammeln oder auf den Markt in der weit entfernten Stadt. So ist es auch im Senegal, dem diesjährigen Beispielland des Dreikönigssingens. Immer wieder dürfen wir aber auch die erstaunliche Erfahrung machen, mit welchem Mut und welcher Beharrlichkeit Kinder trotz der schwierigen Verhältnisse ihr eigenes Leben und das ihrer Familien meistern. Viele finden dabei Zuversicht und Orientierung im Glauben.

In den kommenden Wochen machen sich die Sternsinger in unseren Gemeinden wieder auf den Weg. Wenn sie von Haus zu Haus ziehen, nehmen sie teil am Leben ihrer Altersgenossen aus den Armutszonen der Welt. Zugleich verkünden sie dabei Jesus Christus. In ihm geht Gott selbst unsere Wege des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe mit.

Alle Pfarrgemeinden, Jugendverbände und Initiativen, aber auch die vielen persönlich Engagierten bitten wir, die Aktion Dreikönigssingen wieder nach Kräften zu unterstützen.

Fulda, den 24. September 2009

Für das Erzbistum Köln: + Joachim Card. Meisner, Erzbischof von Köln

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Die Sternsinger kommen zu Ihnen nach Hause, entweder am 04. Januar, Montagvormittag, zwischen 10 und 12 Uhr, oder am 05. Januar, Dienstagnachmittag, zwischen 16 und 18 Uhr. Teilen Sie den Sternsingern Ihren Terminwunsch bitte mit dem entsprechenden Zettel mit, der in der Kirche ausliegt oder über das Pfarrbüro.

Darüber hinaus werden die Sternsinger Ihnen ihr Anliegen auch beim Neujahrsempfang, am Sonntag, dem 10 Januar ab 12 Uhr im Pfarrsaal vortragen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 52 / 2009 - 4. Adventswoche (C)

Rogier van der Weyden. Besuch Marias bei Elisabeth, 1440-1445

Liebe Mitchristen!

Im Evangelium vom 4. Advents-Sonntag begegnen sich Maria und Elisabeth, zwei Angehörige des auserwählten Volkes. Ihre Begegnung ist Zeichen und Ausdruck der besonderen Geschichte Gottes mit den Menschen, die von Liebe geprägt ist.

Gott hat den Menschen geschaffen als Mann und Frau, nach seinem Abbild. Er leidet unter der Schuld des Menschen, gibt ihn aber nicht auf. So wählt er sich sein Volk aus, damit die Liebe Gottes zu allen Völkern zeichenhaft deutlich werde. Obwohl das auserwählte Volk ihn verlässt, verlässt er es nicht. Ihm bleibt er treu in guten und in bösen Stunden. Als größtes Zeichen seiner Liebe sendet er seinen Sohn, der „Jesus“ genannt wird, was soviel bedeutet wie: „In Gott ist das Heil.“

So begegnen sich nun zwei Frauen, die Gott mit seiner Liebe überrascht hat.

Elisabeth, die als unfruchtbar galt, wurde dank der Verheißung Gottes überraschend doch noch schwanger, obwohl sie längst über das Alter hinaus war. Und auch Maria, erstaunt über Gottes Anliegen, kann anfangs nur die Frage stellen: „Wie soll das geschehen?“ Auf die klärenden Worte des Engels hin hat sie dann uneingeschränkt sagen können: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

So begegnen sich nun zwei Frauen, durch deren Söhne sich Gott endgültig offenbaren wird.

Der Evangelist Lukas lässt uns teilhaben an dieser Begegnung. Kaum hat Maria Elisabet begrüßt, reagiert das Kind im Mutterleib. Im Evangelium heißt es: „Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.“

Johannes hüpfte in ihrem Leib. – Man weiß heute sehr genau, wie sensibel Kinder im Mutterleib auf ihre Umwelt reagieren, auf Musik, auf laute Geräusche und vieles mehr. Johannes reagiert darüber hinaus „vor Freude“.

Schon im Mutterleib ist Johannes durch Einwirkung des Heiligen Geistes von Freude über den kommenden Messias erfüllt. Die Reaktion des Kindes bewirkt nun auch in Elisabeth, dass sie vom Heiligen Geist erfüllt wird. „Mit lauter Stimme“ ruft sie aus: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“

Immer wieder haben – auch in der Kunst – gläubige Menschen das Vertrauen und die Liebe dieser beiden Frauen zu verdeutlichen versucht, die sie miteinander verbinden. Gemeint ist das Vertrauen zueinander; zugleich aber auch Gott gegenüber, der ihre Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder lenken wird.

Vertrauen auf den unbegreiflichen Gott! Warum gerade sie? Wie kommt Gott dazu, gerade sie auszuwählen?

Das ist Liebe, die man nie endgültig versteht und deren Gründe man nie wirklich enträtseln kann, auch unter Menschen nicht: Warum liebt mich meine Frau, mein Mann? Warum liebe ich meine Kinder, warum sie mich? – Wir werden es nie endgültig verstehen, insbesondere nicht, wenn es um die Liebe zwischen Gott und den Menschen geht! Wie kann Gott so sein, wie er ist?

Maria und Elisabeth halten sich nicht bei ihren Fragen auf, auch wenn sie noch keine abschließende Antwort kennen. Sie rühmen nicht sich selbst, sondern preisen Gott und seine Liebe. Sie staunen und sind dankbar. – Das ist die beste Antwort auf diese Fragen!

Die Begegnung von Maria und Elisabeth lädt ein, alles was wir an Liebe erfahren haben, in dieser Weise zu bedenken und zu beantworten: Dankend und preisend! – Dann ist es gar nicht einmal so schwer, Gottes Wohltaten als Ausdruck seiner Liebe zu erkennen, und schweigend und staunend inne zu halten, anzubeten und zu danken

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 51 / 2009 - 3. Adventswoche (C)

„Es kommt einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (Lukasevangelium: 3,16) – Johannes der Täufer, Isenheimer Altar, Matthias Grünewald - Detail

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Es passiert an einem Samstag vor Weihnachten. Im Haushalt steht bei Familie Meier der große Hausputz an, und so gibt es wieder einmal Eintopf zum Mittagessen. Beim Anblick dieser Köstlichkeit auf seinem Teller verfinstert sich die Miene des 12-jährigen Sohnes deutlich. Das bleibt der Mutter natürlich nicht verborgen, und so weist sie ihren Sohn zurecht: „Dir geht es viel zu gut! Viele Kinder in armen Ländern wären froh, wenn sie die Hälfte dieser Suppe hätten!“ – Der Sohn antwortet darauf: „Ich wäre darüber auch froh, Mama, ich auch!“

So ist das manchmal mit unseren Erziehungsmaßnahmen. Immer wieder müssen wir erleben, dass unsere gutgemeinten Ratschläge nicht auf fruchtbaren Boden fallen

Im Evangelium vom 3. Adventssonntag erleben wir mit, wie Menschen tief beeindruckt sind von Johannes dem Täufer. Er ist ein Prophet, ein regelrechter Lautsprecher Gottes. Mitten in der Einöde lebt er, ganz auf Gott und dessen Wort konzentriert. Dieser Mann ist sich absolut sicher: Sehr bald schon wird der so sehnsüchtig erwartete Messias kommen.

Doch das Erstaunlichste ist nicht sein karges Leben in der lebensfeindlichen Wüste, sondern dass sich überall im Lande herumspricht: In der Wüste lebt ein gewaltiger Bußprediger!

Viele Menschen ziehen dorthin, um diesen Mann zu erleben, weil sie tief in ihrem Herzen eine innere Unruhe spüren. Ihnen wird bewusst, dass sie sich in ihrem Leben eigentlich neu auf Gott hin orientieren müssen.

Das, was ihnen die Schriftgelehrten und Priester in Jerusalem an frommen Belehrungen verkünden, ist zu eintönig und begeistert nicht. Johannes hingegen, der Täufer in der Wüste, nimmt kein Blatt vor den Mund. Viele wollen sich zum Zeichen der Reue und Umkehr von ihm taufen lassen. Doch so einfach geht das nicht.

Johannes hält seinen Zuhörern vor: Ihr seid eine „Schlangenbrut“, wenn eure Umkehr nicht durch Taten sichtbar wird. So fragen sie ihn: „Was sollen wir also tun?“

Viele sind offenbar bereit, ein neues Leben mit Gott zu beginnen. Aber sie sind verunsichert. Was ist dabei wirklich wichtig? Wie soll ich mich verhalten?

Johannes antwortet ihnen konkret: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“

Vielleicht hatten einige mit dem Rat gerechnet, die vielen jüdischen Vorschriften strenger einzuhalten. Oder einfach mehr zu beten.

Die Antwort des Johannes fällt jedoch ganz anders aus, handfest und praktisch, aber deshalb keineswegs leichter.

Johannes sagt ihnen: Gebt großzügig von dem, was ihr besitzt. Gebt so euren Mitmenschen eine Chance, die in Not sind und weder genug zum Essen noch zum Anziehen haben und kein menschenwürdiges Leben führen können.

Johannes nimmt damit die Illusion, sich mit Frömmigkeitsleistungen bei Gott etwas erkaufen zu können. Umkehr, so sagt Johannes, muss konkret und handfest sein: So wie Gott im Himmel barmherzig ist, so sollt auch ihr es sein. Dient Gott in eurem ganz normalen Alltag. Teilt euer Geld, euren Überfluss, eure Zeit, euer Leben mit denen, die auf eure Nächstenliebe angewiesen sind.

Johannes sagt dies den vom Volk verhassten Zöllnern und Soldaten. Damit erklärt er indirekt, dass jeder Nächstenliebe und Barmherzigkeit dort zeigen kann, wohin er durch die Lebensumstände geführt worden ist; wo er lebt und arbeitet; auch als Zöllner und Besatzungssoldat.

So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Zeit adventlicher Besinnung und Kurskorrektur; und dass wir die Worte des Wüstenpredigers nicht so verdrehen wie der 12-jährige Sohn die Worte seiner Mutter anlässlich seines Blicks in den Eintopf. Nehmen wir die Worte des Täufers so an wie sie gemeint sind.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 50 / 2009 - 2. Adventswoche (C)

Meine Adventswünsche an den lieben Gott

Darf ich Dir, lieber Gott, anlässlich Advent meine vielen Wünsche vortragen, samt dem Versprechen besser mein Bestes zu tun? Darf ich Dir auch sagen, was ich gern zur Adventszeit hätte?

Hör denn, lieber Gott:

Ich hätte gern einen neuen Kopf. ... Mit diesem hier wollte ich schon so oft durch die Wand; ich habe ihn in schweren Zeiten unschön hängen lassen, und zwischendurch habe ich ihn auch einige Male verloren.

Schenk mir dann auch bitte neue Augen. … Zur Zeit verliere ich so wichtige Dinge aus dem Auge. Ich sehe vieles nur noch schwarz‑weiß, gern sähe ich alles wieder in Farben.

Vielleicht hast Du für mich auch noch eine neue Nase. … Meine habe ich vor vielem gerümpft; ich stecke sie auch überall hinein, wo es nicht sein müsste.

Eine andere Zunge käme mir auch ganz gut zustatten! … Die ich jetzt habe, ist bereits ein wenig scharf geworden. Sie redet zuviel und kritisiert auch gern. Zwischendurch spreche ich auch schnell einmal zweideutig.

Selbst, neue Ohren könnte ich brauchen. … Ich stecke über beide in Arbeit und Sorgen. Das eine Ohr klingt vom Tratsch um mich herum; das andere ist fast taub; es hört wenig Gutes und Fröhliches. Ich möchte gern wieder ruhig und ausgeglichen sein.

Und dann meine Zähne, lieber Gott. … Ich musste sie oft zusammenbeißen. Ich habe sie auch zu oft gezeigt. Manchmal stehen zu viele Haare darauf, und manchmal zu wenig.

Und dann zum Schluss, lieber Gott, mein Mund! … In der letzten Zeit habe ich so einen großen Mund. Ich nehme ihn schnell zu voll. Er hat das Singen und auch das Pfeifen verlernt, und er schweigt, wenn er sprechen sollte. Gib mir einen etwas kleineren, der wieder herzlich lachen kann.

Und dann, ja, wenn ich noch um eine ganz kleine Zugabe bitten darf, sorg darin bitte auch noch für neue Ellbogen. … Ich habe so fest damit gearbeitet und gestoßen. Ich habe beinahe keine mehr.

Ich danke Dir sehr, lieber Gott!

In Erwartung auf Dein Kommen … und von Dir beschenkt zu werden.

(G. de Vooght)

 

Pfarrnachrichten 49 / 2009 - 1. Adventswoche (C)

Der Weihnachtsteufel

Wenn ich der Teufel wäre ... Gedanken zum Advent

Ich stelle mir vor, wie mir wohl in dieser schönen Vorweihnachtszeit zumute sein würde, wenn ich der Teufel wäre...

Wenn ich der Teufel wäre, wüsste ich also ganz genau, worum es zur Weihnacht geht ‑ um das genaue Gegenteil dessen, was ich will. Ich wüsste auch ganz genau, was ich zu tun hätte. Wenn ich der Teufel wäre, würde ich zunächst einmal an den gesunden Menschenverstand appellieren.

Seit wann gibt's denn so was? ‑ würde ich die Menschen fragen. Gott ein Mensch? Gott ein Kind? Und ausgerechnet in Palästina? In einem Dorf? In einem Stall? Wie geschmacklos!

Wenn ich der Teufel wäre, würde ich gerade in der Weihnachtszeit eine meiner bewährtesten Theorien zur Anwendung bringen ‑ die Beschäftigungstheorie. Wenn man weiß, dass die Menschen hinter dem Gelde her sind, wie ich Teufel hinter den armen Seelen, gelingt einem das ja sehr leicht. Man lässt die Menschen an den blanken Talern riechen, dann machen sie Überstunden. Überstunden in den Fabriken. Überstunden in den Kaufhäusern, Überstunden in den Geschäften. Die Frauen würde ich in ihren Wohnungen beschäftigen, mit Hausputz, Kuchenbacken und dergleichen. Ich würde ihnen allen keine Ruhe geben und keine Ruhe lassen. Wer sich nämlich auf die Weihnacht rüsten will, muss Ruhe haben. Wer keine Ruhe hat, kann sich nicht rüsten. Wer sich nicht rüsten kann, kann auch nicht Weihnacht feiern.

Wenn ich der Teufel wäre, wüsste ich natürlich, dass es zur Weihnacht auch um den Frieden geht, den inneren Frieden, wie man so sagt. Gegen den Frieden gibt es ein ganz herrliches Mittel. Dieses Mittel heißt Tempo. Ich würde die Menschen also gerade in der Weihnachtszeit auf Touren bringen. Ich würde ihnen das Herz hochjagen wie einen Motor. Ich würde sie in einen Haufen tempotoller Ameisen verwandeln. Ich würde sie schon um ihren Frieden bringen.

Wenn ich der Teufel wäre, wüsste ich natürlich auch, dass man Stille haben muss, wenn man das Schlagen der rettenden Stunde hören will; dass Stille walten

muss, wenn die Menschen hören sollen, was Gott mit ihnen redet. Allein ‑ auch gegen die Stille lässt sich schon etwas tun. Nachgerade ein Wundermittel gegen die Stille ist der Rummel. Ich würde also einen Rummel inszenieren, eine Art Gegenstück zum Karneval. Einen Rummel, von dem die Menschen ganz toll und verrückt werden. Das lässt sich machen. Das ist nicht einmal Hexerei. Die Weihnachtslieder würde ich in Weihnachtsschlager verwandeln, in Weihnachtsgassenhauer. Eine Kleinigkeit. Man braucht sie nur durch die Lautsprecher zu jagen. Und die Lautsprecher braucht man nur brüllen zu lassen. An jeder Straßenecke...

Ich würde die Menschen dahin bringen, dass sie Weihnachten auf der Straße feiern, dass sie gar keine Lust mehr haben, Weihnachten noch bei sich zu Hause zu feiern. Und eine Weihnacht, die nicht zu Hause gefeiert wird, ist überhaupt keine.

Das heißt natürlich nicht, dass eine Weihnacht, die zu Hause gefeiert wird, nun auch eine echte Weihnacht sein müsste. Wer sollte das besser wissen als ich, wenn ich der Teufel wäre? Dafür wollen die Menschen viel zu gern sein wie der liebe Gott selber. Das fehlte gerade noch, dass die Menschen sich von Gott beschenken lassen müssten. Das können sie selber doch auch, so wie sie nun einmal gebaut sind. Eigentlich müsste die ganze Weihnacht um die Armut der Menschen kreisen, in die Gott seinen Sohn hineingeschenkt hat. Aber wer redet denn da von Armut? Ich? ‑ Ich bin doch der Teufel. Ich rede den Menschen doch gerade ein, dass sie gar nicht so arm sind, dass sie Gott gar nicht brauchen, zum Schenken bestimmt nicht. Das können sie selber doch viel besser. Sie haben doch Geld.

Und wenn sie jetzt immer noch auf den Gedanken kommen sollten, Weihnachten zu feiern, wirkliche Weihnacht, dann ‑ ja dann würde ich einfach wieder von vorn anfangen...

Gekürzte Fassung, Verfasser unbekannt


Pfarrnachrichten 48 / 2009 - 34. Woche im Jahreskreis (B)

Hans Memling (um 1430/40 1494) – Das jüngste Gericht

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Die Heilsgeheimnisse, die wir im Laufe des Kirchenjahres gefeiert haben, münden in das Fest von Christus, dem König. Auch andere Hochfeste wie Epiphanie (Hl. drei Könige), Ostern oder Christi Himmelfahrt verweisen auf das Königtum unseres Herrn.

Als Papst Pius XI. im Jahre 1925 das Christkönigsfest einführte, ging es ihm jedoch »nicht so sehr um das heilsgeschichtliche Königtum Christi, sondern um den sozialen und staatspolitischen Wert der Christkönigsidee: die Völker können in sich und untereinander den Frieden nicht finden, wenn sie sich nicht Christus unterordnen.«

Die Messtexte, insbesondere die Lesung, weisen auf die Herrschaft eines Königs hin, der sein Reich nicht auf Eroberung gründet, sondern auf die Fürsorglichkeit eines Hirten: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.

Zu unserem  Glauben gehört die Tatsache, dass Gott die durch die Sünde verirrten Menschen aufgesucht hat: Sie waren krank, er heilt ihre Wunden.

Christus ist gekommen als der die Liebe Gottes offenbarende König, als Erlöser der Menschen und Mittler des Neuen Bundes. Sein Reich ist Zeichen des Heiles unter den Menschen, damit diese eine Welt aufbauen in Gerechtigkeit und geschwisterliche und solidarische Gesinnung in der Hoffnung auf das künftige Heil herrschen.

Deshalb heißt es in der Präfation der heutigen Messe: Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich übergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.

Vor allem das Evangelium vom Lesejahr A bekräftigt dies in sehr anschaulicher Weise. Matthäus gibt im 25. Kapitel wieder, was Jesus seinen Jüngern mitgeteilt hat: Am Ende dieser unserer sichtbaren Welt, am sogenannten jüngsten Tag, wird Christus das letzte Urteil sprechen, dem keiner mehr wird widersprechen können. Ohne die Möglichkeit des Einspruchs, weil Gottes Urteil der Wahrheit entspricht, wird Christus als in Herrlichkeit Wiedergekommener den Gerechten und damit denen, die Christi Königsherrschaft anerkannt und sich von ihm als dem guten Hirten wie Schafe haben führen und leiten lassen, erklären: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ bzw. „was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, dass habt ihr auch mir nicht getan.“

Jesus der Herr möchte sein Reich in dieser unserer Zeit also durch uns errichten, um uns am Tag des Unterganges dieser Welt dereinst sagen zu können, dass unsere vergänglichen Bemühungen mit dieser Welt nicht untergehen werden. All das Gute haben wir ja auch ihm getan. Es bleibt für immer und uns voll und ganz zugänglich aufgehoben in seinem Herzen und damit bis in alle Ewigkeit. Dort werden wir uns als die wiederfinden, deren Einsatz für das Gute und Gerechte endgültig alles Böse und Gemeine überwunden haben wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 47 / 2009 - 33. Woche im Jahreskreis (B)

Die Priesterweihe wird durch die Handauflegung des Bischofs gespendet.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

An diesem Sonntag wird in allen Gottesdiensten ein Hirtenwort unseres Erzbischofs über den Zölibat verlesen. Dabei geht es unserem Erzbischof darum, den Gläubigen den Sinn des Zölibates näher zu bringen: „Denn immer wieder ist es der Zölibat, der angefragt wird oder gar auf Unverständnis stößt.“

„Die gelebte, gottgewollte Ehelosigkeit, der Zölibat“, so der Kardinal, „ist ein unübersehbares Zeugnis, für den lebendigen Gott mitten in der Welt.“ Deshalb binde die Kirche das Priestertum an Menschen, „deren Lebensstil nur erklärbar ist, wenn es Gott gibt.“

So wie die unauflösliche Ehe, so ist auch der treu durchgetragene Zölibat „Zeichen für das nahe gekommene Reich Gottes.“ Was der Priester verkündigt, das Reich Gottes, bezeuge er somit „zeichenhaft und wirksam zugleich durch seinen (zölibatären) Lebensstil.“

Der Kölner Erzbischof präzisiert die zeichenhafte und wirksame Bedeutung von Ehe und Ehelosigkeit: „Das unauflösliche Ja der Eheleute wie die vorbehaltlose Verfügbarkeit im Zölibat zeugen davon, dass Menschen sich voll und ganz einlassen auf Gottes entgegenkommende Liebe.“ So werden sie zu neuen Menschen. „Christliche Ehe und zölibatäres Leben sind daher zwei Ausprägungen derselben Botschaft von Gottes unbedingter Nähe und Treue.“

Im Zentrum des christlichen Glaubens stehe die Tatsache, das „Gottes Herz in der Welt … nicht irgendein Herz angenommen hat, sondern die Gestalt des Priesters. Jesus ist der … einzig wahre Priester, weil er als Opfergabe nicht irgendetwas, sondern sich selbst darbringt.“ Hier habe auch „der Zölibat Jesu seinen Ursprung: Jesus gehört nicht nur einem Menschen, einer Frau, einer Familie. Jesus ist ehelos geblieben und hat keine Familie im üblichen Sinn gegründet, weil er etwa das Geschlechtliche abgewertet oder Frau und Familie gering geschätzt hätte. Er wollte in seinem zölibatren Leben ein Zeichen dafür setzten, dass Gott der Vater aller ist.“

So wird dann auch „der zölibatäre Priester in seiner Treue … ein getreues Abbild Christi.“ Er werde „allen zum Bruder … und bindet sich nicht an einen einzelnen Menschen.“ Das ermögliche ihm, „in größerer Freiheit ein um so klareres Zeugnis zu geben von der entgegenkommenden Liebe Gottes.“ Das habe auch ganz praktische Auswirkungen: „Weil ein Priester weniger Rücksicht auf unmittelbare Angehörige nehmen muss, kann er sich freier den Menschen zuwenden.“ Zölibat und Ehe würden sich dabei einander stützen, sofern sich „beide Lebensformen als glaubwürdiges Zeichen erweisen.“

In Abgrenzung zu den Eheleuten wollte Jesus „sein eigenes priesterliches Dasein“ in besonderer Weise „in den geweihten Priestern … fortsetzen und vergegenwärtigen.“ Unser Erzbischof schreibt hierzu: „Im Zölibat will sich Gott unter den Menschen bekannt machen. Er will zeigen, dass er uns Menschen so nahe ist und uns so überschwänglich liebt, dass ein Mann als zölibatärer Priester sich ganz an Gott und an die Menschen verschwendet und dabei ganz Mensch ist und bleibt. Hier wird deutlich: Nur wer wirklich an Gott glaubt, versteht etwas vom Zölibat.“

Neben vielen weiteren Gründen spricht Kardinal Meisner auch den sogenannten eschatologischen an: „Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen hält mitten unter uns die Sehnsucht wach nach der einen, endgültigen, vollkommenen Liebe. Der zölibatäre Mensch streckt sich mit seinem ganzen Dasein aus nach jener letzten Erfüllung, die nur Gott schenken kann. Der Zölibat ist deshalb ein Charisma, eine Gnadengabe, und damit ein kostbares Geschenk der Freiheit.“ Mit Blick auf unsere oft nur pragmatische, funktionale oder psychologische Sichtweise stellt der Kardinal die zukunftsweisende Frage „Könnte es nicht sein, dass der Zölibat gerade in seiner gesellschaftlichen Widerspenstigkeit ein Schatz ist, den es neu zu heben gilt und dessen prophetische Botschaft neu verstanden werden muss?“

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 46 / 2009 - 32. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Kaum vergehen hier die Tage, ohne dass es immer wieder etwas Schönes und Neues gäbe.

Am 2. November etwa haben wir die Allerseelenmesse gemeinsam mit Msgr. Anthony Muheria, seit 2008 Bischof von Kitui / Kenia feiern können. Das war nicht nur für die kleine Messdienerschar (mehr ...) etwas ganz Besonderes.

Inzwischen ist auch das Kreuzigungsbild, das viele Jahre an der Rückwand des südlichen Seitenschiffes hing – seitlich neben, aber räumlich höher als der Windfang –, durch den Kunstrestaurator Vladimir Tkatchenko, der seit Monaten hier in St. Pantaleon arbeitet, wieder in einen sehr guten Zustand gebracht worden. Da den langjährigen Platz dieses Bildes nun schon seit einiger Zeit das ebenfalls restaurierte, etwa 400 kg schwere Wappen von Abt Schallenberg eingenommen hat, wir aber dieses schöne, den „Pantaleönern“ gut vertraute Bild wieder in der Kirche aufhängen möchten, haben wir dafür einen neuen Ort gefunden: in der Marienkapelle, relativ hoch an der Rückwand gegenüber der Schmerzenmutter.

Aller guten Dinge sind drei. So gibt es auch eine dritte gute Nachricht.

Ab diesem Wochenende werden wir bis etwa September 2010 einen vierten Seelsorger in unseren Reihen begrüßen: Ein Diakon auf dem Weg und in der Vorbereitung zum Priesteramt.

Es ist ein etwas außergewöhnlicher Diakon: Prof. Dr. Dr. Harm Klueting, ein katholischer Theologe und Historiker, der als Theologieprofessor an der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg in der Schweiz Kirchengeschichte lehrt und auch Professor der Universität zu Köln ist für Geschichte und Katholische Theologie im Fach Kirchengeschichte (mehr ...).

Prof. Klueting wird in St. Pantaleon seinen Dienst zunächst als Diakon verrichten, zugleich seine Lehrtätigkeit fortführen, und, so Gott will, im Frühjahr im Alter von 60 Jahren zum Priester geweiht. Er war früher evangelischer Geistlicher der Evangelischen Kirche von Westfalen sowie evangelischer Theologieprofessor im Fach Kirchengeschichte (in Sibiu / Rumänien) und ist 2004 zur katholischen Kirche konvertiert.

Wir heißen ihn herzlich willkommen und freuen uns sehr auf die gemeinsame, vor uns liegende Zeit.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 45 / 2009 - 31. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Nach altem Brauch besuchen katholische Christen in unserem Land, weil er zugleich ein staatlicher Feiertag ist, bereits an Allerheiligen den Friedhof, um dort ihrer Verstorbenen betend zu gedenken. Meist wird das Gebet begleitet durch das Aufstellen von Kerzen und eine besonderer Grabpflege.

Auch wenn der eigentliche Gebetstag für die Verstorbenen der Allerseelentag ist, gehört der ihm vorausgehende Allerheiligentag wie ein Zwilling untrennbar zu ihm: Beide Tage bilden eine gewisse Einheit.

Was bringt es, so könnte man kritisch fragen, für die Verstorbenen zu beten? Die sind doch tot! … Die haben doch nichts mehr davon, könnte ein Skeptiker vorbringen!

Eine erste Antwort darauf gibt uns die Liturgie. In der Allerseelenmesse betet die Kirche in der Präfation: „Vita mutatur, non tollitur“, was übersetzt heißt: „Das Leben wird gewandelt, nicht genommen.“

Damit glaubt und verkündet die Kirche, dass die Seele, das Innere und Eigentliche des Menschen nicht stirbt, sondern der Mensch ohne seinen Körper, der im Grab zurückbleibt und verfällt, als körperloses Individuum mit seinem bisherigen Selbstbewusstsein, mit seinem Ich und seiner Persönlichkeit – allerdings ohne Haut, ohne Knochen und ganz ohne seine materiell biologischen Organe – weiter- und fortlebt.

Hier wird deutlich, wie wichtig das Innere des Menschen ist. Weder die äußere Kraft noch der äußere Glanz des irdischen Lebens sind entscheidend, sondern die innere Herzenskraft und Größe eines Menschen.

Am Allerseelentag beten wir auf dem Friedhof, im Gottesdienst oder zu Hause, dass das Innere der Verstorbenen, das einzige was ihnen als gewandelte aber weiterhin als Inhaber des eigenen Lebens und Daseins geblieben ist, gereinigt werde von aller falschen Anhänglichkeit an irdisch-vergänglichem und verführerischem Glanz.

Nach dem Tod eröffnen sich dem Menschen drei Möglichkeiten seines zukünftigen, zeitlich und von der Dauer her unbegrenzten Lebens und Daseins.

Wer hier auf Erden aus ganzem Herzen Gott gesucht, seine Liebe erfleht und nach Maß der eigenen Möglichkeiten gerne angenommen und an seinen Nächsten weitergegeben hat, der ist für immer und ewig bei Gott. Dieser Verstorbenen gedenken wir nicht bittend, sondern feierlich an Allerheiligen. Wir feiern ihretwegen, die keiner Fürbitte und keiner reinigenden Veränderung mehr bedürfen. Sie sind im Himmel.

Wer hier auf Erden zwar nicht unbelehrbar und verbohrt böse war, aber doch in vielem gleichgültig und nachlässig, und Gott und den Nächsten nicht in Liebe und Anteilnahme aus ganzem Herzen gesucht hat, der bedarf nach seinem Tod noch einer reinigenden Veränderung, um von Gottes Liebe nicht erschlagen und erdrückt zu werden. Für diese Verstorbenen beten wir. Wir beten dafür, dass die Dauer und Intensität der für sie schmerzhaft und qualvoll empfundenen reinigenden und läuternden Änderung verkürzt werde und nicht allzu schmerzhaft ausfalle. Diese Verstorbenen befinden sich im Zustand der Läuterung. Sie sind im Fegefeuer, sagt man. Aber sie sind voller Zuversicht, weil sie bereits definitiv wissen, nach der Läuterung endgültig und für immer bei Gott zu sein.

Wer aber das Böse zugelassen und gewollt, wer den Streit und die Verachtung des Schwächeren gesucht hat … usw., und das bis in den Tod hinein, der wird Gottes Liebe und seiner vergebenden Barmherzigkeit nie mehr begegnen können. Der ist und bleibt für immer in der Hölle.

So sind beide Tage, Allerheiligen und Allerseelen, für uns, die wir noch im irdischen Leben stehen, ein guter Anlass, erneut auf unser Herz zu hören und Gott zu bitten, dass unser Leben gelinge. Beide Tage machen uns Mut, Gott noch mehr zu vertrauen. Er erneuert unsere Kraft und hilft uns, beharrlich und Tag für Tag ihn und unseren Nächsten im Guten zu suchen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 44 / 2009 - 30. Woche im Jahreskreis (B)

Die Heilung des blinden Bartimäus - Codex Egberti

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Das Sonntagsevangelium berichtet über die Heilung des blinden Bartimäus. Jesus hört den Schrei des Blinden und bleibt stehen; denn für solche Menschen ist er gekommen: Für Menschen, die aus Erfahrung davon überzeugt sind, dass Gott uns zu Höherem berufen hat und zu Größerem führen möchte, als was wir sehen beziehungsweise noch nicht sehen können.

Der biblische Heilungsbericht ist gespickt mit interessanten Details. Er erwähnt etwa, dass die Umstehenden anfangs ärgerlich auf den Hilferuf des Blinden reagieren. Sie fahren ihn an, er soll schweigen. Doch Bartimäus schreit daraufhin noch viel lauter: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“

Der Herr hat ihn wohl vom ersten Augenblick an gehört. Aber er ließ ihn weiter rufen.

So macht er es auch mit uns. Er vernimmt unser erstes Bitten. Aber er wartet; denn so begreifen wir besser, dass wir ihn brauchen und ohne ihn keine wirkliche Chance im Leben haben.

Gott will, dass wir ihn mit der Hartnäckigkeit des Blinden am Rande des Weges von Jericho bitten. „Hierin sollen wir ihn (den Blinden) nachahmen“, empfiehlt der Hl. Johannes Chrysostomus (In Matthaeum homiliae, 66, 1; PG 58, 626): „Wenn Gott die Erhörung hinausschiebt, wenn manche uns vom Beten abhalten wollen, so dürfen wir trotzdem nicht nachlassen.“

Weiterhin ist auffällig, dass der Herr den Blinden schließlich nicht selber zu sich ruft. Er fordert vielmehr die Umstehenden auf, dem Blinden zu sagen, er solle zu ihm kommen. Also waren auch die Umstehenden anfangs blind: Sie waren blind für die Not des Blinden und sie waren blind für das, was der Herr uns Menschen geben möchte. So heilt er auch sie.

Überlegen Sie selber einmal, was der von Gott inspirierte Evangelist mit dem nächsten Detail sagen möchte. Er erzählt, dass der Blinde auf die Aufforderung der Umstehenden hin aufspringt und seinen Mantel wegwirft. Ohne den schützenden Mantel ist er eigentlich noch ärmer dran!

Ist das nicht wie ein Hinweis, dass man, um ganz nahe bei Gott sein zu können, manches zurücklassen und sich auch von bislang scheinbar Notwendigem trennen muss? – Überlegen Sie einmal, was für Sie bislang Notwendiges möglicherweise nicht mehr nötiger Ballast darstellt, der sie von einer größeren Nähe zu Gott zurückhält!

Und schließlich: Als der Blinde vor Jesus auf die Knie fällt, fragt er ihn, obwohl er doch genau weiß, was der Blinde möchte: „Was soll ich dir tun?“ – Es ist es also gut, weiterhin zu bitten und darin nicht nachzulassen, obwohl Gott längst weiß, was wir brauchen.

Es ist gut für uns! Es führt mit Gottes Gnade dazu, dass wir immer weniger blind sind.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 43 / 2009 - 29. Woche im Jahreskreis (B)

Dieser herrliche barocke Messkelch (Augsburg 1710 von Johann I. Mittnacht) wurde St. Pantaleon am 23. April dieses Jahres gestiftet.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Zwei Apostel, Jakobus und Johannes, kommen zum Herrn und tragen ihm eine Bitte vor. Sie möchten im Reich Gottes zur Rechten und zur Linken des Herrn sitzen. So steht es im Sonntags-Evangelium dieser Woche (Mk 19,35-45).

Jesus erwidert ihnen, dass sie nicht wirklich wissen, worum sie eigentlich bitten. Deshalb stellt er ihnen die Frage: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“

Mit der „Taufe“ meint der Herr ohne Zweifel seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung, wo all sein Tun hinführt und von wo aus er seine Erlösung schenken wird. So ist der Kelch von daher auch als Leidens-Kelch zu verstehen. Aber er ist nicht nur Leidenskelch.

So ist auch die Taufe nicht nur Hinabsteigen in den Taufbrunnen mit Hineingehalten- und Untergetaucht-Werden in den reinigenden Tod Jesu Christi. Taufe ist auch das Aufsteigen aus dem Bad der „Wiedergeburt“ und der „Erneuerung“.

So hat es einmal der Hl. Paulus im Römerbrief (6,3-5) ausgedrückt: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“

In der Taufe wird der Mensch neu und wieder geboren. Die Taufe befähigt, als neuer Mensch zu leben. So ist der Kelch, von dem der Herr spricht, auch Inbegriff eines guten und erfüllten Lebens. Er ist immer zugleich auch Ausdruck üppiger Lebensfreude: Er ist Leidenskelch und Siegerpokal in einem.

Der Herr beschließt den Dialog mit der Feststellung, dass er die gewünschten Plätze nicht vergeben kann. Auf diesen Plätzen „werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.“

Damit weist Jesus hin auf die Gnade des göttlichen Vaters, für den die Zukunft immer zugleich Gegenwart ist: Gott Vater im Himmel weiß, wer von uns Menschen seine Gnade aus freien Stücken annehmen und wer sie ablehnen wird. Gott weiß im Voraus, wer sich ihm anvertrauen wird, und wer nichts von ihm wissen will und die entscheidende Gnade Gottes ablehnen wird. In diesem Sinne gibt es eine Vorsehung Gottes und eine ewige Bestimmung des Menschen.

Uns aber ist das noch verborgen; denn wir haben uns noch nicht endgültig entschieden. Auch darum geht es in diesem Sonntagsevangelium.

Was in der Taufe durch Gott grundgelegt ist, muss durch das Tun des Menschen Gestalt gewinnen. Ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und seid zu einem neuen Menschen geworden“, schreibt Paulus an die Kolosser (3,9-10). Das Neue muss wachsen, es muss beschützt und umhegt werden.

Manche Verhaltensweisen des alten Menschen leben in uns weiter, sind vielleicht sogar tief in uns verwurzelt. Deshalb ist ein Bemühen notwendig, das einem wahren Kampf gleicht. Dieses auch kämpferische Bemühen bereitet den Boden, auf dem die Freundschaft mit dem Herrn gedeihen kann. Schritt für Schritt können wir uns so der Gestalt Christi nähern.

Der Heilige Vater hat das als Kardinal Ratzinger einmal so formuliert: „Nachfolge Jesu Christi bedeutet, dass wir einen Weg gehen müssen und gehen können, der gegen die natürliche Schwerkraft gerichtet ist, gegen die Schwerkraft des Egoismus, der Suche nach dem bloß Materiellen und nach dem Maximum an Lustgewinn, das man mit Glück verwechselt. Nachfolge ist ein Weg durch die aufgeregten, stürmischen Wasser, den wir nur gehen können, wenn wir im Schwerefeld der Liebe Jesu Christi sind, den Blick auf ihn gerichtet und so getragen von der neuen Schwerkraft der Gnade, die uns den Weg zur Wahrheit und zu Gott hin möglich macht, den wir aus eigenem nicht durchschreiten können. Deswegen ist Nachfolge Christi mehr als Zustimmung zu einem bestimmten Programm, mehr als Sympathie und Solidarität mit einem Menschen, den wir als Vorbild ansehen. Wir folgen nicht nur Jesus, einem Menschen; wir folgen Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes. Wir gehen einen göttlichen Weg.“ (J.Kard.Ratzinger, Diener eurer Freude, Freiburg 1989, S.68-69)

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrand

 

Pfarrnachrichten 42 / 2009 - 28. Woche im Jahreskreis (B)

Berufung ist ein Weg bewussten Hinhörens und Sprechens: zwischen Gott und Mensch. Berufung entsteht und wächst in der Beziehung zu Gott. // Berufung ist kein ausgetretener Pfad, aber es gibt Wegweiser. Berufung braucht Aufmerksamkeit, waches Unterscheiden, wohin ich von wem und was gezogen werde.

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Im Evangelium der Messe berichtet Markus von einem jungen Mann, den seine irdischen Güter daran hinderten, Christus nachzufolgen.

Der Herr war auf dem Weg nach Jerusalem, berichtet Markus. Da lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

Der Herr antwortet ihm mit den Geboten, den göttlichen Weisungen im Alten Testament. Er erfülle sie schon, sagt ihm darauf der junge Mann.

Hier wird sichtbar, dass die Erfüllung der Gebote den jungen Mann noch nicht ausfüllte. Er war von einem Verlangen nach Höherem erfüllt. Ihn drängt eine innere Sehnsucht, zu einer Höhe und Größe aufzusteigen, die über dem Gebot liegen. In dieses Verlangen geht der Blick, mit dem Jesus ihn daraufhin ansieht.

Da sah ihn Jesus an, berichtet Markus, und weil er ihn liebt, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkauf was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!

Der Herr blickt ihn in Liebe an, um ihm einen neuen Weg zu zeigen, der sich mit seinem Kommen aufgetan hat: Alles verlassen und ihm, dem Herrn, nachfolgen.

Halten wir einen Moment beim Blick des Herrn inne.

Der Blick des Herrn kann herzlich gewinnend sein wie hier, da er zur Nachfolge aufruft, oder von Mitleid erfüllt, wie angesichts des Leichenzugs in Nain (vgl. Lk 7,13), oder fordernd wie beim Ruf an Matthäus (vgl. Mt 9,9), zur inneren Bekehrung führend wie bei Zachäus (vgl. Lk 19,5), zärtliche Rührung ausdrückend wie bei der armen Witwe, die zwei kleine Münzen, alles, was sie besaß, in den Opferkasten warf (vgl. Mk 12,41-44). In seinem Blick wird die Gnade spürbar, die einen Menschen durchdringt und verändert - so bei der Ehebrecherin (vgl. Joh 8,10) und bei Petrus, der nach seinem Versagen hinausging und bitterlich weinte (vgl. Lk 22,61). – So schaute der Herr auch den jungen Mann an: voll Liebe.

Papst Johannes Paul II. bezog sich darauf vor jungen Leuten: »Der Mensch braucht diesen liebevollen Blick: Er muss das Bewusstsein haben, geliebt zu sein, von Ewigkeit her geliebt und erwählt zu sein (vgl. Eph 1,4). Diese ewige Liebe göttlicher Erwählung begleitet den Menschen durch sein ganzes Leben wie der liebende Blick Christi. Und vielleicht am stärksten im Augenblick der Prüfung, der Niederlage, wenn unser Menschsein vor den Augen der Leute fast erlöscht ist, geschändet und zertreten. Dann wird das Bewusstsein, dass der Vater uns immer schon in seinem Sohn geliebt hat, dass Christus selbst einen jeden ohne Unterlass liebt, zu einem festen Halt für unsere gesamte menschliche Existenz. Wenn alles für den Zweifel an sich selbst und am Sinn des eigenen Lebens spricht, dann läst uns dieser Blick Christi überleben, das Bewusstsein von jener Liebe, die sich in ihm mächtiger als jedes Übel und jede Zerstörung erwiesen hat.« (Apost. Schreiben An die Jugend, 31.3.85)

Christus, der Herr, ruft jeden und spricht jeden darauf an, ihm zu folgen. Der junge Mann aber ging traurig weg. Sein Herz hing an seinem Geld; an seiner Karriere, am äußeren Glanz und Schein. Das aber machte ihn nicht glücklich, sondern traurig.

Wer dagegen zu Christus »Ja« sagt, findet Frieden und Freude. So vielfältig die Menschen, so vielfältig sind die Wege, die Gott für einen jeden vorgesehen und bereitet hat. Einige wenige beruft er dazu, Priester zu sein und zu werden. Andere beruft er in die Abgeschiedenheit eines Klosters. Die Mehrzahl beruft er dazu, inmitten der Welt, in allen ehrbaren Berufen und Unternehmungen, in Familie und Gesellschaft uneingeschränkt nach Gottes Willen, der für uns Menschen nur das Beste will, zu leben. – Da ist nun jeder einzelne gefragt, ob er das auch will, und wie er es am besten mit Gottes Hilfe umsetzen kann.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 41 / 2009 - 27. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Erst jüngst wurden uns in verschiedenen Gottesdiensten Schriftlesungen vorgetragen, in denen der Herr dazu auffordert, vor Gott wie Kinder zu sein. Diese Aufforderung unterstreicht der Herr wiederholt durch eine bewegende Geste: Er ruft Kinder herbei und stellt sie mitten unter die Apostel.

Darüber hinaus berichtet der hl. Matthäus im 19. Kapitel, dass man Kinder zu ihm brachte, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete, die Jünger aber die Leute schroff abwiesen. Darauf reagierte Jesus überaus deutlich und wies seine Jünger mit den Worten zurecht: »Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.«

Kinder gehören beim Gottesdienst unbedingt mit dazu und sie haben hier einen Platz, der nicht zu verhandeln und ihnen nicht abzustreiten ist.

Es ist nachvollziehbar, wenn sich vor allem ältere Gottesdienstbesucher in ihrer Andacht durch unruhige und schreiende Kinder gestört fühlen. Aber es ist nicht nachvollziehbar, wenn diese Gottesdienstbesucher den Eltern dieser Kinder ihr Unverständnis über die Unruhe äußern. Durch ein solches Verhalten lösen sie bei den betroffenen Eltern nur noch mehr das Gefühl aus – sicher unbeabsichtigt –, was ihnen unsere oft kinderfeindliche Gesellschaft schon mehr als genug vermittelt, nämlich mit ihren Kindern unerwünscht zu sein.

Für St. Pantaleon haben wir seit geraumer Zeit folgende Regelung getroffen und dies auch mehrfach in Form eines Hinweises / einer Vermeldung deutlich gesagt: In der Familienmesse am Sonntag um 10:00 Uhr ist jede Mutter und ist jeder Vater mit Kind, in welchem Alter auch immer, in jedem einzelnen Fall uneingeschränkt willkommen und braucht sich wegen kindlicher Unruhe des ihm von Gott geschenkten Kindes nicht die geringste Sorge zu machen. – Mit seinem Mikrofon und seiner körperlichen Überlegenheit ist der Pastor immer noch lauter und stärker als alle Kinder zusammen; sollten sie einmal auch alle gemeinsam und laut schreiend auf ihn losrennen.

Ich hoffe, dass das nun endlich auch vom Letzten verstanden worden ist. Und so sage ich noch einmal, und hoffentlich das letzte Mal: Wenn Sie sich als Gottesdienstbesucher der Familienmesse um 10:00 Uhr von der kindlichen Unruhe gestört fühlen, bitte ich Sie, einen der anderen Sonntagsgottesdienste zu besuchen: Die Vorabendmesse, das Hochamt oder die Abendmesse. Oder gehen Sie bitte in eine andere Kirche. Das ist mir alles Recht. Aber lassen Sie bitte Eltern mit ihren Kindern in Ruhe, wenn deren Bemühen, die kindliche Unruhe während der Familienmesse in einem angebrachten Maß zu halten, einmal vergeblich war.

Welches Maß angebrachte ist, entscheiden nicht jene Gottesdienstbesucher, die in ihrer Andacht nicht gestört werden möchten – für sie gibt es genug andere Gottesdienste –, sondern – was die Familienmesse betrifft – die Eltern in Absprache und in Übereinstimmung mit dem Pfarrer.

Ich möchte nicht noch einmal erleben, dass eine Mutter mit Tränen in den Augen mir davon berichtet, dass eine »fromme« ältere Dame ihr Nachhilfe in religiöser Kindererziehung zu geben versucht habe, ihr dabei zugleich unmissverständlich gesagt hat, dass ihr unruhiges Kind nicht erwünscht sei.

Es gilt, was der Herr sagt (Mt 18,3): »Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen«; was ich für die Familienmesse Sonntags um 10:00 Uhr mit diesen Zeilen definitiv hoffentlich für alle verständlich hiermit noch einmal konkretisiert habe.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 40 / 2009 - 26. Woche im Jahreskreis (B)

Mauritus-Schrein in St. Maurice / Schweiz

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Als am 13. September auf einem S-Bahnhof in München zwei Jugendliche am Sonnabend einen Mann angegriffen und zu Boden geschlagen haben, waren viele zu Recht erschrocken.

Der Mann war dazwischengegangen, als die Jugendlichen in einer S-Bahn vier 13- bis 15-Jährige bedroht und Geld von ihnen verlangt hatten. Als er ausstieg, folgten ihm die jungen Männer. Der Polizei zufolge schlugen und traten die 17 und 18 Jahre alten Deutschen brutal auf ihr Opfer ein. Der Mann sei mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen und bewusstlos liegengeblieben. Der 50-Jährige erlag kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Der Überlieferung nach geschah am 22. September – allerdings vor wohl 1706 Jahren – in der jetzigen Schweiz in mancher Hinsicht noch weitaus Erschreckendes bzw. Erhebendes. Einer alten, von Eucherius, dem um 450 gestorbenen Bischof von Lyon, aufgeschriebenen Legende zufolge, gehörte einer zur Zeit der römischen Kaiser Diokletian und Maximian bei Theben in Ägypten aus vorwiegend christlichen Männern ausgehobenen Legion ein Offizier Namens Mauritius (dt: Moritz, frz. Maurice) mit seinen Gefährten an.

Die Legende berichtet: »Für den Kaiser kämpften sie mit Tapferkeit, für Christus aber mit Frömmigkeit. Auch als Soldaten vergaßen sie das Gebot des Evangeliums nicht und gaben Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers war.«

Eines Tages wurden sie »zu gewaltsamem Vorgehen gegen die zahlreichen Christen aufgeboten.« Mauritius und seine Gefährten stellten sich schützend vor die unschuldigen Menschen und verweigerten den Befehl.

Als der Kaiser das vernahm, ließ er die Legion antreten, durchzählen und jeden Zehnten vortreten, die vor den Augen der anderen hingerichtet wurden. »Als … der Befehl zum zweiten Mal … erging, und sie erkannten, dass sie wieder zu verbrecherischen Handlungen verpflichtet werden sollten, erhob sich im Lager überall Lärm und Aufruhr. Alle schrien, keiner werde je zu solchen Verbrechen Beihilfe leisten. Sie zögen es vor, eher den Tod zu erleiden, als Befehlen gegen den christlichen Glauben zu folgen.«

Der erzürnte Kaiser ließ wiederum jeden zehnten Mann hinrichten. »Die übrigen Soldaten aber munterten sich gegenseitig auf, in diesem herrlichen Kampfe durchzuhalten. Den größten Überredungseifer zeigte dabei Mauritius.« Gemeinsam mit anderen Offizieren »ermunterten und ermahnten sie jeden einzelnen Mann. Gestärkt durch diese Offiziere, ließen sie (dem Kaiser) Maximianus ihren Entschluss übermitteln. Als er ihn vernommen hatte, gab er die Hoffnung auf, ihre Standhaftigkeit erschüttern zu können, gab den Befehl, … alle hinzurichten und ließ zur Vollstreckung von allen Seiten zahlreiche Truppen heranziehen. So wurden alle mit dem Schwert enthauptet, ohne dass sie sich widersetzten. Sie legten ihre Waffen freiwillig nieder und hielten den Nacken ihren Henkern hin.«

Eine unserer Kirche St. Pantaleon unmittelbar benachbarte ist dem Hl. Mauritius geweiht: St. Mauritius; und man gelangt von hier nach dort über den Mauritius - Steinweg.

Der Heilige Mauritius ist St. Pantaleon auch über den deutschen Kaiser Otto I., dem Schwiegervater der in St. Pantaleon begrabenen Kaiserin Theophanu, besonders nahe. – Otto I. erhielt anlässlich seiner Heirat 951 mit Adelheid, der Tochter des Königs von Burgund, von diesem zum Weihnachtsfest 960 Reliquien von Mauritius für den gleichnamigen Dom (St. Mauritius) in Magdeburg. Sie galten damals als das ehrwürdigste Heiligtum auf deutschem Boden. Otto führte seinen Sieg gegen Ungarn von 955 auf Mauritius' Hilfe zurück und ließ 962 sein Fest vom Papst bestätigen.

Von seiner bis hin zur Stauferzeit blühte die Verehrung des Heiligen in Deutschland. Mauritius wurde zum Reichsheiligen und zum Kriegerheiligen, dessen Heilige Lanze in wichtigen Kriegszügen des Reiches zum Schutz vorangetragen wurde.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 39 / 2009 - 25. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und liebe Freunde von St. Pantaleon!

Ein schwergewichtiger Mann ist nach St. Pantaleon zurückgekehrt. Er wiegt über 1.500 Kilogramm! Seine Heimkehr hat viel Schweiß gekostet. Mit nicht gerade geringem Kraftaufwand wurde er unter großer Vorsicht die Eingangsstufen bis zum Hochalter hinauf gehoben.

Gemeint ist der Hl. Bruno; nicht seine Reliquien, die unbeschadet gewissermaßen auch als Fundament unserer Kirche in der Krypta ruhen, sondern das barocke Grabdenkmal.

Seit 1922 stand das Grabdenkmal bis zur Einrichtung der Josefmaria – Kapelle eher unbeachtet und deplaziert ganz in der Ecke der nördlichen Seitenapsis. Nach jahrelanger Zwischenlagerung wurde es von den Restauratoren im Karthäuserhof sorgfältig in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Nun hat das Grabdenkmal einen Platz in die Nähe seines ursprünglichen im Hochchor erhalten.

Das Grabdenkmal entstand unter Abt Eberhard Schallenberg, nachdem die in Vergessenheit geratenen Gräber des Heiligen Bruno und der Kaiserin Theophanu 1747 in der zugeschütteten Krypta neu entdeckt wurden. Über dieses Ereignis berichtet ein zeitgenössisches Dokument folgendes:

»Nach Entfernung des Steines sah man den verehrungswürdigen Leib und das Haupt, beide vom Fleisch entblößt, aber in richtiger Anordnung der Gliedmaßen daliegend und angethan mit violett seidenen bischöflichen Gewändern, die hier und da mit reinen Goldfäden durchwoben waren. Unter seinem h.Haupte lag als Polster oder Kissen ein Tuffstein, die Füße waren mit spitzen Schuhen bekleidet, wie die Frauen sie tragen, und die Hände mit Handschuhen bekleidet. Nachdem dies in Gegenwart des Abtes Everhard und des ganzen Conventes so gefunden, wurde ein weißes Tuch ehrfurchtsvoll darüber ausgebreitet bis zum folgenden Tage, an dem man das Grab wieder aufdeckte und der Notar Hoedt in Gegenwart der vorhin genannten und noch vieler anderer Personen eine Urkunde darüber ausfertigte. Als nun der Sacristanpriester Heinrich Sauvage das Haupt in die Hand nahm und es den Umstehenden zeigte, so sah man, wie der Gaumen noch röthlich war, als gehöre er einem lebenden Menschen an, ebenso war es mit den beiden Kinnbacken. Auch alle Zähne waren mit Ausnahme eines einzigen weiß und fest. Ein Schenkel, der noch mit Haut und Fleisch, aber etwas eingetrocknet, bedeckt war und im Innern so zu sagen noch lebendfrisches Mark hatte, zeigte eine frische röthliche Farbe. Das übrige Gebein war theils in Staub zerfallen, theils ausgetrocknet, aber wohl erhalten«.

Abt Schallenberg beließ das Grab in der Krypta, errichtete aber im Hochchor vor dem Hochaltar Denkmäler für Bruno, Theophanu und Abt Hermann I. Ein 1819 auf Veranlassung des Kölner Bürgermeisters angefertigter Bericht beschreibt das Ensemble aus drei schwarzen Tumben mit Liegefiguren aus hellem Stuck. Brunos Sarkophag stand in der Mittelachse vor dem Hauptaltar, westlich von seiner Gruft, die Tumba Theophanus rechts vom Hochaltar, und ihr gegenüber die Tumba Hermanns. – Auch wenn das Ensemble aus künstlerischer Sicht wenig bedeutend war, so waren mit ihm die wichtigsten Persönlichkeiten der Klostergeschichte der Vergessenheit enthoben und erneut in die Liturgie eingebunden.

Als Historiker darf ich dazu abschließend bemerken: Geschichte wiederholt sich nicht, aber die Ereignisse ähneln sich. So freut es mich, dass der Heilige Bruno, wie schon einmal vor fast 300 Jahren, als maßgeblicher Stifter unserer schönen Kirche und als heiliger Fürsprecher auf diese Weise erneut erhoben in lebendiger Erinnerung bleibt und angerufen und verehrt wird.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 38 / 2009 - 24. Woche im Jahreskreis (B)

Cäsaréa Philippi: der historische, wundervolle Ort des Messiasbekenntnisses des Hl. Petrus

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Im Evangelium von diesem Sonntag fragt Jesus seine Jünger: »Für wen halten mich die Menschen?« Mit dieser Frage will Jesus am Ende darauf hinaus, dass seine Jüngern und auch wir darüber nachdenken, wer Jesus ist und welche Bedeutung er in unserem Leben hat.

Der Herr führt seine Jünger wie ein kluger Erzieher schrittweise zu dieser schwierigeren Fragen: »Für wen halten mich die Menschen?« – Diese Frage ist noch leicht. Aber sie regt an zum Innehalten und Nachdenken. Alle Jünger beteiligen sich an der Beantwortung.

Die zweite Frage ist schon schwieriger. Sie verlangt, über sich selbst nach zu denken, in sich hinein zu horchen und zu einer Standortbestimmung zu kommen. – Ist nicht genau das einer der ganz wichtigen Wege, Christus immer näher zu kommen? – Diesmal hat nur Petrus den Mut zu antworten.

Ähnlich wie den Jüngern stellt Christus auch uns immer wieder überraschend Fragen. Er stellt uns vor Situationen, in denen wir gefordert sind, die berühmte „Gretchen-Frage“ zu stellen: »Wie hältst du es mit der Religion?« Oder: »Welche Rolle spielt Jesus in deinem Leben? … Ist er für dich nicht nur der Theorie nach der menschgewordene Gott, der dir als wahrer Gott den wahren Weg, auch den für dich wahren Weg als Mensch auf Erden hin zu seiner ewigen Heimat zeigt?«

Wie den Jüngern so geht es auch uns. Nähern wir uns Christus, dann gibt er sich uns zu erkennen.

Wie damals, so gibt es auch heute viele falsche Vorstellungen über den Messias. Er ist nicht der politische Befreier von der römischen Fremdherrschaft. Er ist auch nicht der Wunderdoktor oder der Brotvermehrer, der das irische Leben in ein Schlaraffenland verwandelt. Ganz unmissverständlich macht er Petrus und den Jüngern klar, dass er der leidende Gottesknecht Jahwes sei, der leiden müsse, verworfen werden aber durch diese Läuterung hindurch in seiner Auferstehung alles in einer Weise verwandelt, die uns wirklich entspricht und Perspektive wie Zukunft hat.

Der Weg zur Erlösung führt über die Leiden des Kreuzes zur Freude der Auferstehung. Der Herr stärkt jeden, der ihn ernst und wichtig nimmt und seine Nähe sucht, seinen Fußstapfen zu folgen und die Schwierigkeiten des Tages mit Freude an zu nehmen.

Dann noch eine Mitteilung zum Messplan: Die tägliche 12.00 Uhr - Messe ist so gut angenommen worden, dass wir ab Oktober die bisherige Frauengemeinschaftsmesse von Mittwoch auf Dienstag verlegen und in die 12.00 Uhr – Messe mit integrieren werden. Am ersten Dienstag des Monats gibt es dann nach der 12.00 Uhr – und zugleich Frauen-Messe, etwas Gutes und Kräftiges zum Speisen in geselliger Runde im Pfarrsaal.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 37 / 2009 - 23. Woche im Jahreskreis (B)

Zum Sonntagsevangelium: Jesus heilt einen Taubstummen

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Ein wunderschönes Pfarrfest liegt hinter uns: Zuerst die jedes Herz immer wieder öffnende Sonntagsmesse mit sich unmittelbar daran anschließender Pfarrprozession und danach unvergessliche Stunden des Zusammenseins mit durchweg gutgelaunten und angenehmen Menschen jeden Alters.

So viele quirlige und muntere Kinder auf einem Raum kann man sonst nur noch ganz selten erleben. Das abwechslungsreiche Programm war ihnen auf den Leib geschneidert. Omas, Opas und natürlich die Eltern waren auf das Höchste zufrieden; aber nicht nur deshalb: Jeder, ob jung oder alt, fand Gleichgesinnte. Das biblische Wort, dass »die Gemeinde der Gläubigen ein Herz und eine Seele war« und dass »keiner etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum nannte, sondern sie alles gemeinsam hatten«, gehört also definitiv nicht der Vergangenheit an.

Zu dem schönen Zeitungsbericht werden bald auch noch Fotos ausgehängt und ins Internet gestellt. – Allen Beteiligten sei von Herzen für ihren Einsatz und ihr Mitwirken gedankt!

Nicht weniger positiv ist die neue »12.00 Uhr Messe« angenommen worden, die von nun an ohne Ausnahme jeden Montag bis Freitag, bis auf weiteres noch in der Josefmaria-Kapelle, gefeiert werden wird. Sie war vom ersten Mal an mit durchschnittlich 10 Gläubigen eigentlich recht gut besucht. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Möglichkeit, zur Mittagszeit eine Heilige Messe besuchen zu können, »herumspricht«, und es wäre schön, wenn Sie bei der »Mund-zu-Mund – Propaganda«, die sich immer wieder als die wirksamste erweist, kräftig mithelfen würden.

Eine E-Mail, die uns vor kurzem erreichte, bestätigt, dass diese Eucharistiefeier zur Mittagszeit eine Lücke füllt und wohl »Zukunft hat«. In dieser E-Mail schreibt der Verfasser: »Eben habe ich von der Möglichkeit erfahren, ab sofort jeden Tag zur Mittagszeit eine hl. Messe zu besuchen. Ich möchte Ihnen auf diesem Wege meinen herzlichen Dank für die Einrichtung dieses zusätzlichen Angebotes sagen. Seit 2003 ist mir aufgrund des langen Arbeitstages und der anderen familiären Verpflichtungen oft nur noch die Sonntagsmesse geblieben. … Ich freue mich daher sehr auf die Möglichkeit in der Mittagspause diese Nähe zum Herrn erfahren zu können.«

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 36 / 2009 - 22. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Wer betet, der darf auch feiern. – Und wer feiert, sollte zumindest dieselbe Energie aufwenden, um zu beten. Denn nur wer betet, verliert nicht den Boden unter den Füßen und bleibt, so paradox es klingen mag, „geerdet“ und „mit beiden Füßen auf dem Teppich“. Der Grund dafür ist ganz einfach und im Prinzip selbstverständlich.

Gott schuf die Welt und gab ihr eine Ordnung. So bezeugt es das Buch der Weisheit (11,20): »Allmächtiger Gott: Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet.« So liebt Gott diese Welt und er verabscheut nichts von all dem, was er gemacht hat. Darüber hinaus hat ohne seinen Willen nichts Bestand. »Wie könnte etwas erhalten bleiben«, heißt es im Buch der Weisheit (11,25), »das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?«

Durch Beten und Glauben bleibt der Mensch somit Gott als dem Urherber von allem, was ist, verbunden. Durch Beten und Glauben bleibt der Mensch damit auch sich selber treu. Denn: Durch Beten und Glauben findet der Mensch nicht nur zu Gott als Mitte und Ursprung allen Lebens. Er findet auch zu sich selber; so wie er von Gott gewollt und geschaffen worden ist.

»Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist«, erklärt das Buch der Weisheit (12,1). Durch das Beten bleibt der Mensch in Ordnung und findet dahin wieder zurück, wenn etwas durcheinandergeraten ist. So ist und bleibt der Mensch gut, kann sich darüber freuen und vermag in rechter Weise zu feiern.

Am Tag unseres Pfarrfestes wird beides besonders sichtbar. Nach dem Sonntagsgottesdienst um 10:00 Uhr und der sich unmittelbar daran anschließenden Prozession wird das Pfarrfest pünktlich um 12:15 Uhr mit einem schönen und abwechslungsreichen Programm mit bekannten Stars und Gruppen eröffnet.

Vom 31. August an gilt dann unsere neues und zusätzliches Angebot geistlich-religiöser Art: Täglich von Montag bis Freitag wird zwischen 10:00 und 12:00 Uhr immer ein Priester in der Kirche anwesend und für Gespräche wie für Beichte ansprechbar sein. Im Anschluss daran wird täglich von Montag bis Freitag um 12:00 Uhr eine Hl. Messe gefeiert.

Die unregelmäßige Frühmesse wird entfallen. Die neue 12:00 Uhr – Messe wird dagegen von Montag bis Freitag jeden Tag ohne Ausnahme immer gefeiert werden.

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 35 / 2009 - 21. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Nachdem nun auch der Pfarrgemeinderat darüber beraten hat, wollen wir das Jahr des Priesters zum Anlass nehmen, das geistliche Angebot in St. Pantaleon zu erweitern. Ab Montag, dem 31. August, wird nun auch vormittags von Montag bis Freitag zwischen 10:00 und 12:00 Uhr immer ein Priester in der Kirche anwesend und für Gespräche wie für Beichte ansprechbar sein. Im Anschluss daran wird täglich von Montag bis Freitag um 12:00 Uhr eine Hl. Messe gefeiert.

Die unregelmäßige Frühmesse wird entfallen. Die neue 12:00 Uhr – Messe wird dagegen täglich von Montag bis Freitag ohne Ausnahme immer gefeiert werden. Was in Zukunft mit der bisherigen Frauengemeinschaftsmesse am Mittwoch um 08:15 Uhr geschehen wird, das müssen wir noch gemeinsam mit allen Beteiligten bereden. Möglich wäre, dass diese Heilige Messe, die eine lange Tradition hat, für eine gewisse Zeit nur noch am ersten Mittwoch des Monats mit anschließendem Frühstück gefeiert wird.

Ich bitte um Ihr Gebet und um Ihre Unterstürzung, dass dieses zusätzliche und zeitintensive Angebot geistlicher Natur reiche Früchte bringt; spirituell-seelische Früchte, die man oft nicht sieht oder unmittelbar wahrnimmt, die aber Grundlage für alles andere sind.

Dann möchte ich noch einmal auf unser diesjähriges Pfarrfest am Sonntag, dem 30. August hinweisen. Haben Sie bitte vor Augen, dass an diesem Sonntagvormittag nur eine Heilige Messe als Familienmesse um 10:00 Uhr stattfinden wird. Daran schließt sich die Pfarrprozession an. Am Sonntag, dem 30. August, entfällt also das Hochamt!

Der Prozessionsweg verläuft wie folgt:

  • Von der Kirche St. Pantaleon über die Straßen „Am Weidenbach / Am Pantaleonsberg“ auf den Schulhof Trierer Straße: 1. Statio
  • Von dort über die Straßen „Am Pantaleonsberg / Waisenhausgasse / Pantaleonswall / Am Trutzenberg / Vor den Siebenburgen“ zur Kirche der Karmelitinnen (Maria vom Frieden): 2. Statio
  • Von dort über die Straßen „Schnurgase / Steinstraße / Heinrichtstraße / Martinsfeld / Quirinstraße / Waisenhausgasse“ bis zur Madonna an der Wand: 3. Statio
  • Von dort über die Straßen „Trierer Straße / Am Weidenbach“ zur Kirche St. Pantaleon: 4. Statio

Es wäre schön, wenn Sie als Anwohner mit einem kleinen Zeichen der Verbundenheit den Weg schmücken könnten. - Im Anschluss an die Prozession gibt es bei fröhlicher und der über die Pfarrgrenzen hinaus gut bekannten Geselligkeit bei Würstchen, Erbsensuppe, Kaffe, Kuchen, Limo und Bier unterhaltsame Programmpunkte wie Greifvogelschau, Darbietungen und Auftritte bekannter Stars und Tanzgruppen.

Kommen Sie vorbei, beten und feiern Sie mit uns!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 34 / 2009 - 20. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen und Freunde von St. Pantaleon!

Am Sonntag, dem 30. August feiern wir unser diesjähriges Pfarrfest. Haben Sie bitte vor Augen, dass an diesem Sonntagvormittag nur eine Heilige Messe um 10:00 Uhr als Familienmesse stattfinden wird. Daran schließt sich die Pfarrprozession an. Am Sonntag, dem 30. August, entfällt also das Hochamt!

Der Prozessionsweg verläuft wie folgt:

·        Von der Kirche St. Pantaleon über die Straßen „Am Weidenbach / Am Pantaleonsberg“ auf den Schulhof Trierer Straße: 1. Statio

·        Von dort über die Straßen „Am Pantaleonsberg / Waisenhausgasse / Pantaleonswall / Am Trutzenberg / Vor den Siebenburgen“ zur Kirche der Karmelitinnen (Maria vom Frieden): 2. Statio

·        Von dort über die Straßen „Schnurgase / Steinstraße / Heinrichtstraße / Martinsfeld / Quirinstraße / Waisenhausgasse“ bis zur Madonna an der Wand: 3. Statio

·        Von dort über die Straßen „Trierer Straße / Am Weidenbach“ zur Kirche St. Pantaleon: 4. Statio

Es wäre schön, wenn Sie als Anwohner mit einem kleinen Zeichen der Verbundenheit den Weg schmücken könnten. - Im Anschluss an die Prozession gibt es bei fröhlicher und über die Pfarrgrenzen hinaus gut bekannter Geselligkeit bei Würstchen, Erbsensuppe, Kaffe, Kuchen, Limo und Bier ein unterhaltsames Programm mit Greifvogelschau, Darbietungen und Auftritte bekannter Stars und Tanzgruppen.

Kommen Sie vorbei! Beten und feiern Sie mit uns!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 33 / 2009 - 19. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

In seinem Schreiben zum Jahr der Priester spricht Papst Benedikt auch das Leben der Priester an, das ganz vom Wort Gottes bestimmt und durchdrungen sein müsse. Wörtlich sagt der Heilige Vater: »In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, dass die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“«

So ermutigt Papst Benedikt die Priester – wobei er sich als Priester auch selber mit hinein nimmt: »Damit in uns nicht eine existenzielle Leere entsteht und die Wirksamkeit unseres Dienstes nicht gefährdet wird, müssen wir uns immer neu fragen: „Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so dass es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?“ Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein sollten (vgl. Mk 3, 14), und sie erst danach zum Predigen aussandte, so sind auch in unseren Tagen die Priester berufen, jenen „neuen Lebensstil“ anzunehmen, den Jesus, der Herr, eingeführt hat und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben.«

Diesen neuen Lebensstil verdeutlicht Papst Benedikt an den drei großen christlichen Grundhaltungen Armut, Keuschheit und Gehorsam, wobei er erneut auf das Lebenszeugnis des Pfarrers von Ars zurückgreift.

»Seine Armut war ... die, welche von einem Weltpriester erwartet wird: Obwohl er mit viel Geld wirtschaftete (da die wohlhabenderen Pilger nicht versäumten, sich seiner karitativen Werke anzunehmen), wusste er, dass alles seiner Kirche, seinen Armen, seinen Waisen, den Mädchen seiner „Providence“, den am meisten notleidenden Familien zugedacht war. Darum war er „reich, um den anderen zu geben, und sehr arm für sich selbst“. Er erklärte: „Mein Geheimnis ist einfach: Alles geben und nichts behalten.“ Wenn er mit leeren Händen dastand, sagte er zufrieden zu den Armen, die sich an ihn wendeten: „Heute bin ich arm wie ihr, bin einer von euch.“ So konnte er am Ende seines Lebens in aller Ruhe sagen: „Ich habe nichts mehr. Nun kann der liebe Gott mich rufen, wann er will!“ Auch seine Keuschheit war so, wie sie für den Dienst eines Priesters nötig ist. Man kann sagen, es war die angemessene Keuschheit dessen, der gewöhnlich die Eucharistie berühren muss und der sie gewöhnlich mit der ganzen Begeisterung seines Herzens betrachtet und sie mit derselben Begeisterung seinen Gläubigen reicht. Man sagte von ihm, „die Keuschheit strahle in seinem Blick“, und die Gläubigen bemerkten es, wenn er mit den Augen eines Verliebten zum Tabernakel schaute. Auch der Gehorsam von Johannes Maria Vianney war ganz und gar verkörpert in der leidvoll errungenen inneren Einwilligung in die täglichen Anforderungen seines Amtes. Es ist bekannt, wie sehr ihn der Gedanke an seine Unzulänglichkeit für den Dienst des Pfarrers quälte und wie sehr ihn der Wunsch umtrieb, zu fliehen „um in Einsamkeit sein armes Leben zu beweinen“. Nur der Gehorsam und seine Leidenschaft für die Seelen konnten ihn überzeugen, an seinem Platz zu bleiben. Sich selbst und seinen Gläubigen erklärte er: „Es gibt nicht zwei gute Arten, Gott zu dienen. Es gibt nur eine einzige: ihm so zu dienen, wie er es will.“ Die goldene Regel für ein Leben im Gehorsam schien ihm diese zu sein: „Nur das tun, was dem lieben Gott dargebracht werden kann.“«

Möge dieser Lebensstil uns alle ansprechen und Orientierung und Maßstab sein.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 32 / 2009 - 18. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Einem weiteren Abschnitt des Schreibens von Papst Benedikt zum Jahr des Priesters könnte man die Überschrift geben: »Bußsakrament als Dialog des Heils«.

Vom heiligen Pfarrer von Ars könnten die Priester ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, so Papst Benedikt. Das lässt sich ganz allgemein gewiss für alle Christen sagen.

Für die Priester regt der Heiligen Vater an, indem er sich selber als Priester mit einschließt, »das Bußsakrament wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen« und konkretisiert das an einer Fähigkeit, die den Heiligen Pfarrer von Ars auszeichnete und die „wir Priester“ durch sein Beispiel ebenfalls lernen könnten: nämlich »die Methode des „Dialogs des Heiles“, der sich darin (im Bußsakrament) vollziehen muss«. Was Papst Benedikt unter dem »Dialog des Heils« versteht und wie er besonders im Bußsakrament stattfindet, verdeutlicht er dann am Beispiel des Heiligen Pfarrers von Ars.

»Der Pfarrer von Ars hatte gegenüber den verschiedenen Büßern eine jeweils unterschiedliche Verhaltensweise. Wer zu seinem Beichtstuhl kam, weil er von einem inneren und demütigen Bedürfnis nach der Vergebung Gottes angezogen war, fand bei ihm die Ermutigung, in den „Strom der göttlichen Barmherzigkeit“ einzutauchen, der in seiner Wucht alles mit sich fortreißt. Und wenn jemand niedergeschlagen war beim Gedanken an seine Schwäche und Unbeständigkeit und sich vor zukünftigen Rückfällen fürchtete, offenbarte der Pfarrer ihm das Geheimnis Gottes mit einem Ausspruch von rührender Schönheit: „Der liebe Gott weiß alles. Noch bevor ihr sündigt, weiß er schon, dass ihr wieder sündigen werdet, und trotzdem vergibt er euch. Wie groß ist die Liebe unseres Gottes, der so weit geht, freiwillig die Zukunft zu vergessen, nur damit er uns vergeben kann!“ Wer sich dagegen lau und fast gleichgültig anklagte, dem bot er durch seine eigenen Tränen die ernste und erlittene deutliche Einsicht, wie „abscheulich“ diese Haltung sei: „Ich weine, weil ihr nicht weint“, sagte er. „Wenn der Herr bloß nicht so gut wäre! Aber er ist so gut! Man muss ein Barbar sei, um sich einem so guten Vater gegenüber so zu verhalten!“ Er ließ die Reue im Herzen der Lauen aufkommen, indem er sie zwang, das im Gesicht des Beichtvaters gleichsam „verkörperte“ Leiden Gottes wegen der Sünden mit eigenen Augen zu sehen. Wer sich dagegen voll Verlangen und fähig zu einem tieferen geistlichen Leben zeigte, dem öffnete er weit die Tiefen der Liebe, indem er ihm erklärte, wie unbeschreiblich schön es ist, mit Gott vereint und in seiner Gegenwart zu leben: „Alles unter den Augen Gottes, alles mit Gott, alles, um Gott zu gefallen … Wie schön ist das!“ Und er lehrte sie zu beten: „Mein Gott, erweise mir die Gnade, dich so sehr wie nur möglich zu lieben.“

So beende ich das Wort für den Pfarrbrief dieser Woche mit der Anregung und Bitte, uns Priester durch Gebet und Ihre Ermutigung zu stärken, der anspruchsvollen Aufgabe der Beichtpastoral viel Zeit und Einsatz zu widmen und uns der Herausforderung des »Dialogs des Heils« zu stellen.

Darüber hinaus lege ich Ihnen ans Herz, sich auch selber auf diesen »Dialog des Heils« einzulassen. – Das ist kein Theater. Dieser »Dialog des Heiles« wird gnadenhaft von Gott geschenkt, wo Christen, Priester und Gläubige, den Glauben zulassen, dass Gott in besonderer Weise durch den Heiligen Geist wirkt und spricht, wo wir uns auf die Heilsdynamik des Bußsakramentes neu einlassen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 31 / 2009 - 17. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Wer das Schreiben von Papst Benedikt zum Jahr des Priesters unvoreingenommen liest, fühlt sich unwillkürlich angesprochen, sich mit einbinden zu lassen in die Dringlichkeit des Anliegens, Sorge für viele gute Priester zu tragen. Im Schreiben des Heiligen Vaters wird deutlich, wie nahe ihm dieses Anliegen auch persönlich ist. So fühlt sich der Leser liebevoll aber bestimmt gedrängt, sein Herz diesem Anliegen nicht zu verschließen.

Papst Benedikt macht dieses Anliegen an dem Heiligen Pfarrer von Ars fest und schreibt: »Der Pfarrer von Ars hat in seiner Zeit das Herz und das Leben so vieler Menschen zu verwandeln vermocht, weil es ihm gelungen ist, sie die barmherzige Liebe des Herrn wahrnehmen zu lassen. Auch in unserer Zeit ist eine solche Verkündigung und ein solches Zeugnis der Wahrheit der Liebe dringend: Deus caritas est (1 Joh 4, 8 - [Gott ist Liebe]). Mit dem Wort und den Sakramenten seines Jesus wusste Johannes Maria Vianney sein Volk aufzubauen, auch wenn er, überzeugt von seiner persönlichen Unzulänglichkeit, oft schauderte, so dass er mehrmals wünschte, sich der Verantwortung des Dienstes in der Pfarrei zu entziehen, dessen er sich unwürdig fühlte. Trotzdem blieb er in vorbildlichem Gehorsam stets an seinem Posten, denn die apostolische Leidenschaft für das Heil der Seelen verzehrte ihn. Durch eine strenge Askese versuchte er, seiner Berufung völlig nachzukommen: „Das große Unglück für uns Pfarrer“, beklagte der Heilige, „besteht darin, daß die Seele abstumpft“, und er meinte damit ein gefährliches Sich-Gewöhnen des Hirten an den Zustand der Sünde oder der Gleichgültigkeit, in der viele seiner Schafe leben. Mit Wachen und Fasten zügelte er den Leib, um zu vermeiden, dass dieser sich seiner priesterlichen Seele widersetzte. Und er schreckte nicht davor zurück, sich selbst zu kasteien zum Wohl der ihm anvertrauten Seelen und um zur Sühne all der Sünden beizutragen, die er in der Beichte gehört hatte. Einem priesterlichen Mitbruder erklärte er: „Ich verrate Euch mein Rezept: Ich gebe den Sündern eine kleine Buße auf, und den Rest tue ich an ihrer Stelle.“ Jenseits der konkreten Bußübungen, denen der Pfarrer von Ars sich unterzog, bleibt in jedem Fall der Kern seiner Lehre für alle gültig: die Seelen sind mit dem Blut Jesu erkauft, und der Priester kann sich nicht ihrer Rettung widmen, wenn er sich weigert, sich persönlich an dem „teuren Preis“ ihrer Erlösung zu beteiligen.«

Davon ausgehend lenkt im folgenden Abschnitt Papst Benedikt, mit der Absicht entsprechend zu motivieren, den Blick in unserer Zeit: »In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, dass die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“ Damit in uns nicht eine existenzielle Leere entsteht und die Wirksamkeit unseres Dienstes nicht gefährdet wird, müssen wir uns immer neu fragen: „Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so dass es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?“ Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein sollten (vgl. Mk 3, 14), und sie erst danach zum Predigen aussandte, so sind auch in unseren Tagen die Priester berufen, jenen „neuen Lebensstil“ anzunehmen, den Jesus, der Herr, eingeführt hat und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben.«

Lassen wir uns vom Heiligen Vater mit auf den Weg nehmen und nehmen auch wir uns dieses Anliegen zu Herzen – jeder in der ihm möglichen Weise.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 30 / 2009 - 16. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Von den verschiedenen Qualitäten des Heiligen Pfarrers von Ars, die wir über das Schrieben von Papst Benedikt zum Jahr des Priesters in den vorausgehenden Pfarrnachrichten bereits vorgestellt haben, ragt eine ganz besonders hervor: Die Führung der Seelen zu einem guten und heiligen Leben durch das Bußsakrament.

Papst Benedikt sieht diese Qualität in enger Verbindung mit der inneren Einstellung, in der der Pfarrer von Ars täglich Eucharistie feierte: »Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, bei der Zelebration immer auch das eigene Leben aufzuopfern: „Wie gut tut ein Priester, wenn er Gott allmorgendlich sich selbst als Opfer darbringt!“

Dieses persönliche Sicheinfühlen in das Kreuzesopfer führte ihn – in einer einzigen inneren Bewegung – vom Altar zum Beichtstuhl«, fährt Papst Benedikt fort, und führt weiter aus: »Die Priester dürften niemals resignieren, wenn sie ihre Beichtstühle verlassen sehen, noch sich darauf beschränken, die Abneigung der Gläubigen gegenüber diesem Sakrament festzustellen. Zur Zeit des heiligen Pfarrers war in Frankreich die Beichte weder einfacher, noch häufiger als in unseren Tagen, da der eisige Sturm der Revolution die religiöse Praxis auf lange Zeit erstickt hatte. Doch er versuchte auf alle Arten, durch Predigt und überzeugenden Ratschlag, die Mitglieder seiner Pfarrei die Bedeutung und die Schönheit der sakramentalen Buße neu entdecken zu lassen, indem er sie als eine mit der eucharistischen Gegenwart innerlich verbundene Notwendigkeit darstellte. Auf diese Weise verstand er, einen Kreislauf der Tugend in Gang zu setzen. Durch seine langen Aufenthalte in der Kirche vor dem Tabernakel erreichte er, dass die Gläubigen begannen, es ihm nachzutun; sie begaben sich dorthin, um Jesus zu besuchen, und waren zugleich sicher, den Pfarrer anzutreffen, der bereit war zum Hören und zum Vergeben. Später war es dann die wachsende Menge der Bußfertigen aus ganz Frankreich, die ihn bis zu 16 Stunden täglich im Beichtstuhl hielt. Man sagte damals, Ars sei „das große Krankenhaus der Seelen“ geworden. „Die Gnade, die er empfing [für die Bekehrung der Sünder], war so stark, dass sie ihnen nachging, ohne ihnen einen Moment der Ruhe zu lassen“, sagt der erste Biograph. Der heilige Pfarrer sah das nicht anders, wenn er sagte: „Nicht der Sünder ist es, der zu Gott zurückkehrt, um ihn um Vergebung zu bitten, sondern Gott selbst läuft dem Sünder nach und lässt ihn zu sich zurückkehren.“ „Dieser gute Heiland ist so von Liebe erfüllt, dass er uns überall sucht.“

Den Priestern erklärt Papst Benedikt daraufhin, dass sie alle spüren müssten, »dass jene Worte, die er Christus in den Mund legte, uns persönlich angehen: „Ich beauftrage meine Diener, den Sündern zu verkünden, dass ich immer bereit bin, sie zu empfangen, dass meine Barmherzigkeit unbegrenzt ist.“ Vom heiligen Pfarrer von Ars können wir Priester … ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, das uns drängt, es wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen.«

Dieses Anliegen darf nicht, nachdem es gehört und vernommen wurde, doch wieder in den bekannten und oben bereits genannten Schwierigkeiten untergehen. Es ist eine Frage des Glaubens, nicht eines theoretischen sondern eines gelebten Glaubens.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 29 / 2009 - 15. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Erneut möchte ich Ihnen die Anliegen von Papst Benedikt XVI. zum Jahr des Priesters ans Herz legen.

In dem für dieses Priesterjahr veröffentlichten Schreiben weist Papst Benedikt auf Situationen hin, »die nie genug beklagt werden können«. Er bezieht sich auf die Untreue einiger Diener der Kirche. In solchen Fällen sei »weniger die eigensinnige Aufdeckung der Schwächen ihrer Diener« hilfreich.

Damit leugnet der Heilige Vater nicht die Notwendigkeit, alles Notwendige aufzudecken und ggf. auch öffentlich zu machen. Aber er betont, dass in solchen Fällen für die Kirche »das erneute und frohe Bewusstsein der Größe des Geschenkes Gottes« weitaus hilfreicher sei, »das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten, in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern.«

So stellt der Heilige Vater in seinem bewegenden Schreiben das priesterliche Format des heiligen Pfarrers von Ars in den Mittelpunkt und erneuert damit den Blick aller für die Größe des Priestertums, die durch eine Skandale suchende Presse beeinträchtig oder sogar verloren gegangen ist.

Die gläubige Seelengröße des Heiligen Pfarrers von Ars äußert sich nicht nur darin, dass er ein Mann des Gebetes, sondern auch der Tat war. »Er besuchte systematisch die Kranken und die Familien; er organisierte Volksmissionen und Patronatsfeste; er sammelte und verwaltete Geld für seine karitativen und missionarischen Werke; er verschönerte seine Kirche und stattete sie mit Kirchengerät aus; er kümmerte sich um die Waisenmädchen der „Providence“ (einer von ihm gegründeten Einrichtung) und ihre Erzieherinnen; er kümmerte sich um die Schulausbildung der Kinder; er gründete Bruderschaften und forderte die Laien zur Zusammenarbeit mit ihm auf«, schreibt Papst Benedikt.

Der Heilige Pfarrer von Ars war als leuchtendes Priester-Vorbild also nicht nur ein Mann des Gebetes. Wohl war das die Grundlage von allem anderem. – Der Heilige Vater nimmt das an Tätigkeit reiche Leben des Pfarrers von Ars zum Anlass, die Zusammenarbeit zu betonen, mittels der »die Priester das eine priesterliche Volk bilden und in deren Mitte sie leben, um kraft des Weihepriestertums alle zur Einheit in der Liebe zu führen, „indem sie in Bruderliebe einander herzlich zugetan sind, in Ehrerbietung einander übertreffen“ (Röm 12,10).«

Das Zweite Vatikanischen Konzils habe die Priester aufgefordert, so der Papst, »die Würde der Laien und die bestimmte Funktion, die den Laien für die Sendung der Kirche zukommt, wahrhaft [zu] erkennen und [zu] fördern … Sie sollen gern auf die Laien hören, ihre Wünsche brüderlich erwägen und ihre Erfahrung und Zuständigkeit in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Wirkens anerkennen, damit sie gemeinsam mit ihnen die Zeichen der Zeit erkennen können.«

So sollen die Priester nach dem, was Papst Benedikt durch Gestalt und Person des Heiligen Pfarrers von Ars kraftvoll sagt, auch heute wieder vermehrt aus der Kraft des Gebetes und ihrer besonderen Verbundenheit mit Christus in einer Weise aktiv sein, dass sie ihr Amt und ihre Aufgabe nicht mit dem eines Managers verwechseln. Sie würden das auf Dauer auch nicht durchhalten. Niemand kann rund um die Uhr im Einsatz wein.

Vom Priester wird dies aber zu Recht, allerdings in anderer Weise erwartet: Er soll Pastor (Hirt) sein, der Christus durch sein Gebet und seinen Einsatz in einer Weise für die Gläubigen gegenwärtig macht, dass sich alle angesprochen wissen, gemeinsam, zugleich jeder durch seine Begabung und seine Arbeit, dem erlösenden Heilswillen Gottes den Weg zu bahnen.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 28 / 2009 - 14. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Gerne fahre ich damit fort, die Anliegen von Papst Benedikt XVI. zum Jahr des Priesters weiter bekannt zu machen.

Papst Benedikt schreibt: »Als er (der Hl. Pfarrer) nach Ars, einem kleinen Dorf mit 230 Einwohnern, kam, war er vom Bischof bereits vorgewarnt worden, dass er eine religiös prekäre Situation vorfinden werde: „Es gibt in dieser Pfarrei nicht viel Liebe zu Gott; Sie werden Sie dort einführen.“ Folglich war er sich völlig bewusst, dass er dorthin gehen musste, um die Gegenwart Christi zu verkörpern, in dem er dessen heilbringende Sanftmut bezeugte. „[Mein Gott,] gewährt mir die Bekehrung meiner Pfarrei; ich will dafür alles erleiden, was ihr wollt, mein ganzes Leben lang!“ – mit diesem Gebet begann er seine Mission. Die Bekehrung seiner Pfarrei widmete sich der Heilige Pfarrer mit all seinen Kräften …

Er begann sofort … sein Leben als Priester mit der Tätigkeit des ihm anvertrauten Dienstes in Einklang zu bringen und sagte, dass er sogar materiell in seiner Pfarrkirche „wohne“: „Kaum war er angekommen, wählte er die Kirche zu seinem Wohnsitz … Vor dem Morgenrot betrat er die Kirche und kam erst nach dem abendlichen Angelus wieder heraus. Dort musste man ihn suchen, wenn man ihn brauchte“, heißt es in seiner ersten Biografie (Nodet).«

Manches daran ist gewiss »fromme Übertreibung des ehrfurchtsvollen Hagiographen«, so Papst Benedikt. Dennoch steht fest, dass der Heilige Pfarrer seine Pfarreimitglieder »vor allem mit dem Zeugnis seines Lebens belehrte. Durch sein Vorbild lernten die Gläubigen zu beten und für einen Besuch beim eucharistischen Jesus gern vor dem Tabernakel zu verharren. „Es ist nicht nötig, viel zu sprechen, um gut zu beten“, erklärte ihnen der Pfarrer. „Man weiß, dass Jesus dort ist, im heiligen Tabernakel: Öffnen wir ihm unser Herz, freuen wir uns über seine heilige Gegenwart. Das ist das beste Gebet.“ Und er ermunterte sie: „Kommt zur Kommunion, meine Brüder, kommt zu Jesus. Kommt, um von ihm zu leben, damit ihr mit ihm leben könnt … Es stimmt, dass ihr dessen nicht würdig seid, aber ihr habt es nötig!“

Diese Erziehung der Gläubigen zur eucharistischen Gegenwart und zur Kommunionempfang«, so Papst Benedikt, »wurde besonders wirkkräftig, wenn die Gläubigen ihn das Heilige Messopfer zelebrieren sahen. Wer ihm beiwohnte, sagte, dass „es nicht möglich war, eine Gestalt zu finden, welche die Anbetung besser ausgedrückt hätte … Er betrachtete die Hostie liebevoll.“ „Alle guten Werke zusammen wiegen das Messopfer nicht auf, denn sie sind Werke von Menschen, während die heilige Messe Werk Gottes ist“, sagte er. Er war überzeugt«, so Papst Benedikt, »dass von der Messe der ganze Eifer eines Priesterlebens abhängt: „Die Ursache der Erschlaffung des Priesters liegt darin, dass er bei der Messe nicht aufmerksam ist! Mein Gott, wie ist ein Priester zu beklagen, der so zelebriert, als ob er etwas Gewöhnliches täte!“«

Papst Benedikt beschließt diesen Abschnitt mit der Feststellung, dass der Heilige Pfarrer von Ars »es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, bei der Zelebration immer auch das eigene Leben aufzuopfern: „Wie gut tut ein Priester, wenn er Gott allmorgendlich sich selbst als Opfer darbringt!“«

So kann ich für heute mit der evidenten Feststellung schließen, dass Papst Benedikt mit dem Jahr des Priesters für alle christgläubigen Laien und Priester weltweit genau das gleiche wünscht und beabsichtigt, was der Heilige Pfarrer von Ars für die Gläubigen seiner Pfarrei gewünscht und Gott durch sein Leben und Beten erlangt hat: Dass sie sich alle bekehren.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 27 / 2009 - 13. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Gerne löse ich mein Wort von letzter Woche ein, Ihnen in den nächsten Pfarrbriefen die Anliegen unseres Heiligen Vaters, Papst Benedikts, die er mit dem »Jahr des Priesters« verbindet, näher zu bringen.

Das »Jahr des Priesters« soll nach dem Wunsch des Papstes »dazu beitragen ... eine innere Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis zu fördern.« (Schreiben von Papst Benedikt XVI. zum Beginn des Priesterjahres)

Für dieses Anliegen greift Papst Benedikt viele Formulierung des Heiligen Pfarrers von Ars auf. Etwa: »Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu«. Der Papst erklärt dazu: »Diese bewegende Formulierung veranlasst uns ... innerlich angerührt und dankbar bewusst zu werden, welch unermessliches Geschenk die Priester nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Menschheit überhaupt sind.«

Der demütige Pfarrer von Ars habe sehr wohl gewusst, »dass er als Priester ein unermessliches Geschenk für seine Leute war«, und so habe er in aller Demut vom Priestertum so gesprochen, »als könne er die Größe der dem Geschöpf Mensch anvertrauten Gabe und Aufgabe einfach nicht fassen«.

Dies wird etwa in den folgenden, vom Papst wiedergegebenen Aussagen des Heiligen deutlich: »Oh, wie groß ist der Priester! … Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben … Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein…«

Und weiter: Als er seinen Gläubigen die Bedeutsamkeit der Sakramente erklärte, hat er gesagt: »Ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat Eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester. Und wenn diese Seele [durch die Sünde] stirbt, wer wird sie auferwecken, wer wird ihr die Ruhe und den Frieden geben? Wieder der Priester … Nach Gott ist der Priester alles! … Erst im Himmel wird er sich selbst recht verstehen.«

Papst Benedikt kommentiert diese Worte wie folgt: »Diese Aussagen, die aus dem priesterlichen Herzen eines heiligen Priesters hervorgegangen sind, mögen übertrieben erscheinen. Doch in ihnen offenbart sich die außerordentliche Achtung, die er dem Sakrament des Priestertums entgegenbrachte. Er schien überwältigt von einem grenzenlosen Verantwortungsbewusstsein.«

Papst Benedikt hat wohl nicht ohne Grund gerade diese Worte dieses einfachen und bescheidenen, aber überaus heiligen Priesters ausgewählt. Er möchte damit nicht nur den Priestern sondern allen Christen sagen, dass sie sich mit der Größe des Weihesakramentes sowie des Priestertums und seiner Bedeutung für Kirche und Welt neu befassen mögen.

Dazu muss man sich wieder bewusst werden, dass uns durch Priesterweihe, Priesteramt und die Priester eine ganz besondere Gegenwart Christi geschenkt ist, die im Entscheidenden unabhängig von der Persönlichkeit, den Vorzügen und Charakterstärken des jeweiligen Priesters wie umgekehrt im Entscheidenden auch unabhängig  von seinen Schwächen, Defiziten oder sogar Verfehlungen ist.

Das entpflichtet den Priester nicht, sich auch als Mensch um ein heiligmäßiges Leben zu bemühen. Im Gegenteil: Es lässt etwas Vergessenes wieder sichtbar werden; dass nämlich unabhängig von seiner eigenen Person als Mensch der Priester in besonderer Weise Christus gegenwärtig macht. Von daher muss er sich dann auch selber in besonderer Weise um ein heiligmäßiges Leben bemühen.

Diese Anliegen des Heiligen Vaters im Jahr des Priesters werden wir in den nächsten Pfarrnachrichten weiter vertiefen; aber schon jetzt wie in den folgenden Wochen für dieses Anliegen intensiv beten und uns dafür einsetzen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 26 / 2009 - 12. Woche im Jahreskreis (B)

Der Heilige Pfarrer von Ars Jean Maria Vainney

Liebe Mitchristen!

Am Freitag, dem 19. Juni hat das weltweite »Jahr des Priesters« begonnen. Papst Benedikt XVI. hat es maßgeblich initiiert und es ganz bewusst mit dem 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars – Jean Marie Vianney – in Verbindung gebracht, der nach einem ungemein segensreichen Leben als Priester und Seelsorger am 4. August 1859 gestorben ist. Außergewöhnlich an diesem Heiligen ist, dass die kirchlichen Autoritäten ihn anfangs gar nicht zum Priester weihen wollten; denn er konnte weder fehlerfrei reden geschweige predigen und hatte die größten Schwierigkeiten mit dem Latein.

Schließlich konnte sich der Bischof von Grenoble im Vertrauen auf Gottes Gnade dazu durchringen. Allerdings weihte er ihn zum Priester mit der Einschränkung, ihm die Erlaubnis zur Spendung des Beichtsakramentes erst nach Ablauf einer längeren Zeit zu gewähren. Gemeinsam mit den für die Priesterausbildung Verantwortlichen traute er Jean Marie Vianney die Fähigkeit der Unterscheidung der Sünden nicht zu.

Vianney hat diesen kränkenden Vorbehalt demütig entgegen nehmen müssen. – Später wurde Vianney der größte Beichtvater des Jahrhunderts. Zu Hunderten, auch aus höchstem Adel, pilgerten die Menschen nach Ars und nahmen tagelange Wartezeiten in Kauf, um bei diesem „Dorf-Priester“ beichten zu können.

Als Jean Marie zum Pfarrer von Ars ernannt wurde, schickte ihn der Generalvikar mit den Worten dorthin: „Gehen Sie, mein Freund, es ist nicht viel Gottesliebe in dieser Pfarrei. Sie sollen ihr diese bringen.“

Johannes-Maria war relativ rasch über den Zustand seiner Gemeinde im Bilde. Die Einwohner zeigten ihrem Pfarrer die kalte Schulter; sie waren an einem gottwohlgefälligen Leben überhaupt nicht interessiert. Vianney wusste, dass er seine Pfarrei zur Umkehr bewegen musste.

Dazu bemühte er sich auf verschiedene Weise zuerst selber einem heiligen Leben näher zu kommen. Er verbrachte Stunden auf den Knien in der Kirche und lebte ungewöhnlich asketisch. Seine Hauptmahlzeit bestand aus Kartoffeln, die er jeweils für eine ganze Woche kochte. Es störte ihn nicht, wenn sie am Ende der Woche schimmelig waren.

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit versuchte Johannes-Maria Vianney, seine Pfarrkinder kennenzulernen und alle zu besuchen. Der Kampf um die „Seelen von Ars“ sollte zwar ein Leben lang dauern, trotzdem war es vor allem das erste Jahrzehnt, in dem sich in Ars die wichtigsten Veränderungen ergaben. ...

Als zwei Tage nach seinem Tod der Leichnam dieses „Dorfpfarrers“ zu Grabe getragen wurde, gaben dreihundert Priester und Ordensleute und mehr als sechstausend Gläubige Johannes-Maria Vianney das letzte Geleit. Man trug ihn im Triumph durch den Ort. Die Menge, die die Straßen säumte, sank vor dem Toten in die Knie wie einst vor dem Lebenden. In der Rede des Bischofs hieß es: „Wohlan denn, du guter und getreuer Knecht, geh’ ein in die Freude deines Herrn! ... In wie vielen Jahren, in wie vielen Jahrhunderten vielleicht hat man einen solchen Priester nicht gesehen, einen Priester in ähnlichen Verhältnissen, so fruchtbringend, so heilig, so fortwährend beschäftigt und tätig im Dienste des Herrn ... Wir haben viel verloren; man kann den Pfarrer von Ars nicht ersetzen ... Ganz Frankreich hat einen Priester verloren, der ihm zur Ehre gereichte ... Die armen Sünder, ach, was haben sie verloren ...!“

Gerne möchte ich Ihnen in den nächsten Pfarrbriefen die Anliegen unseres Heiligen Vaters, Papst Benedikts, die er mit dem »Jahr des Priesters« verbindet, näher bringen, und sie einladen, in diesem »Jahr des Priesters«, das vor uns liegt, gemeinsam – besonders auch in der Gebetsstunde vor dem Allerheiligsten jeden Freitag – zu beten, dass unser Herr uns gute und zahlreiche Priester schenken möge. – Wir brauchen sie!

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 25 / 2009 - 11. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

In ihren kraftvollen Hymnen an die Kirche, die Gertrud v. le Fort, eine der profiliertesten Vertreterinnen der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, 1924 noch kurz vor ihrer Konversion zur Katholischen Kirche verfasst hat, schreibt sie: »Ein Priester am Altar hat kein Antlitz, und die Arme, die den Herrn erheben, sind ohne Schmuck noch Staub.«

Damit weist die Dichterin, deren eigenwillige Sprache an Ausdrucksstärke und Gestaltungskraft nur von wenigen erreicht wird, auf eine Kirche im Vollzug ihres Wesens hin; auf eine Kirche in dem Wagnis, im Gespräch mit dem Ewigen zu sein.

Deshalb hat für le Fort der Priester am Altar kein Antlitz: Nicht seine Person steht im Vordergrund, sondern sein Dienst. Deshalb sind auch seine Arme ohne Schmuck noch Staub. Zeitlos, und ohne dass Eitles noch des Priesters Schwäche und Vergänglichkeit stören würden, verrichtet er kraft seiner Weihe, die ihn von allen Gläubigen in dieser Hinsicht aus- und absondert, den Dienst der Anbetung und Gottesverehrung, des Lobpreises und des Dankes, aber auch der Wiedergutmachung und Versöhnung wie des fürbittenden Gebetes.

Viele schrecken davor zurück, auch weil dieser Dienst aus rein menschlicher Kraft so nie vollzogen werden könnte. Dieser Dienst setzt eine besondere Identifikation mit Christus durch die Priesterweihe voraus.

Gleich zwei Ereignisse in den kommenden Tagen lassen dies Besondere eindrucksvoll erfahrbar werden: Die Vorabendmesse am 13. Juni im byzantinischen Ritus und der von Papst Benedikt festgesetzte Beginn des Jahres der Priester, zum 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars, am 19. Juni, dem Hochfest Herz-Jesu. An diesem Tag werden im Kölner Dom 9 Kandidaten zum Priester geweiht. In St. Pantaleon werden wir von diesem Tag an das ganze Jahr jeden Freitag während der eucharistischen Anbetung für die Priester und für zahlreiche und gute Berufungen beten.

Die byzantinische Liturgie vermittelt in bemerkenswerter Weise die Zeitlosigkeit des Gespräches mit dem Ewigen: Sie gehört mit zu den ältesten Liturgien und wird dem Heiligen Chrysostomus († 14. September 407) zugeschrieben. Sie hilft uns »lateinischen« Christen die ort- und kulturübergreifende Weite des Katholischen ein Stück besser zu begreifen. In der byzantinische Liturgie vollzieht sich vom Wesen her, was uns von der römischen Liturgie vertraut sein sollte: Anbetung und Dank, Wiedergutmachung und Bitte. Aber die byzantinische Liturgie vollzieht es in einer Weise, die uns aus unserer römisch lateinischen Prägung herausholt und so den Blick weiten und den Horizont öffnen kann.

Es fügt sich gut, dass diese Liturgie bei uns in St. Pantaleon anlässlich unseres diesjährigen Theophanu – Gedenkens zum Beginn des Jahres für die Priester gefeiert wird. So kann sie Hilfe sein für eine gute Einstimmung auf das Jahr der Priester und bewirken, unser Gebet für gute Priester und Berufungen in diesem Jahr in eine größere als der uns bisher vertrauten Weite hinein zu geben.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 24 / 2009 - Dreifaltigkeitswoche (B)

Dreifaltigkeit von Roland Peter Litzenburger (1917-88)

Liebe Mitchristen!

Am Sonntag nach Pfingsten begeht die Kirche den Dreifaltigkeitssonntag. Zu diesem Festtag möchte ich Ihnen das Geheimnis des dreifaltigen Gottes über einen Vergleich mit dem Kreuzzeichen näher bringen! Wir machen dieses Zeichen ja öfter: Zum Beginn unseres Betens und auf jeden Fall immer zu Beginn der heiligen Messe. Oft aber machen wir es unandächtig und mechanisch, obwohl es uns helfen kann, ganz bewusst den dreifaltigen Gott zu grüßen und ihn zu bitten, uns zu segnen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Bei einer in Südeuropa und in Südamerika bekannteren Form berühren wir als Gläubige beim Bekreuzigen mit unserer Hand 1) unsere Stirn, 2) unseren Mund und 3) unsere Brust. Diese drei Körperbereiche stehen für drei verschiedene Kräfte und Fähigkeiten. Wir haben 1) einen Verstand, mit dem wir denken; 2) einen Mund, mit dem wir reden, und 3) ein Herz, mit dem wir fühlen und lieben.

Es sind drei verschiedene Fähigkeiten, aber es ist ein und derselbe Mensch, der denkt, redet und liebt. – In einem ersten Schritt kann man das mit Gott vergleichen, in dem drei Personen sind: 1) der Vater, 2) der Sohn und 3) der Heilige Geist, und es ist doch nur ein Gott. – Der Vergleich kann uns noch tiefer führen.

1) Beim Nennen des Vaters bezeichnen wir unsere Stirn, in der wir den Sitz des Verstandes sehen. Am Anfang all unsres Tuns soll das Denken, die Überlegung stehen. Wir ehren in besonderer Weise den Vater, wenn wir uns darum bemühen, zuerst richtig zu denken und dann besonnen zu handeln.

Gönnen Sie sich wenigstens fünf Minuten, in denen sie innerlich ruhig werden und ganz bewusst zu Gott beten und auf ihn hören. Wenn wir uns gegenüber ehrlich sind, dann werden uns unsere Gedankenlosigkeit und unsere Oberflächlichkeit immer wieder auffallen. Wir gehen nicht nur mit Gott gedankenlos um. Wie wenig mitdenkend gehen wir oft auch mit den liebsten Menschen um!

2) Wir bezeichnen dann beim Bekreuzigen unseren Mund und nennen dabei den Sohn. Wir Menschen äußern uns im Reden und im Wort und teilen auch etwas von uns selber dabei mit. Das Wort ist die Brücke, auf der wir aufeinander zugehen und miteinander in Berührung kommen. Im Gespräch können wir uns austauschen und gegenseitig bereichern. Im schlechten Reden vermögen wir andere und sogar Gott herabzusetzen und in den Schmutz zu ziehen. Jeder, der die Fähigkeit zum Reden hat, hat auch die Macht des Wortes und kann sie zum Guten wie auch zum Gegenteil benützen.

Unser Reden mit- und untereinander hat mit Jesus zu tun; denn im Johannesevangelium wird Jesus das „Wort“ genannt. Wir ehren Jesus, wenn wir mit unserem Mund wahr und gut reden; wenn unsere Worte Licht, Wärme und Freude schenken. Wir kommen Jesus näher, wenn wir uns im Glauben austauschen und vor allem seine Worte bedenken.

3) Wir nennen schließlich den Heiligen Geist, bezeichnen dabei unsere Brust und meinen damit das Herz. Das Herz steht für die Kraft zu fühlen, zu lieben, zu wollen. Dem entspricht der Heilige Geist. Seine höchste Gabe ist die Liebe. Um diese Gabe und damit um den Heiligen Geist müssen wir immer wieder beten und ihn anrufen. Alle tiefen Gefühle und Regungen gehen zum Herzen und kommen vom Herzen. Wo wir echte Trauer und Schmerz empfinden, wo wir Freude haben, da ist ebenso der Heilige Geist am Werk; wie auch in unseren Denken und Reden.

Unsere Empfindungen sind nicht religiös neutral und unbedeutend, sie sind Werke des Heiligen Geistes, der oft weht, wo wir es gar nicht wollen. Manche Mitmenschlichkeit, der liebevolle Umgang miteinander, könnte eine Überprüfung von dieser Seite her gut vertragen.

Ich möchte Ihnen raten, die Anrufung der Dreifaltigkeit als immerwährendes Gebet zu pflegen. Die Dreifaltigkeit nimmt im Beten der Kirche eine überragende Bedeutung bei. So betet man am Ende vieler Gebete: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“ In ähnlicher Weise beschließen wir das Hochgebet der Heiligen Messe: „Durch ihn (Christus) und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre, jetzt und in Ewigkeit.“

Wenn wir das Kreuzzeichen machen, dann ist dies eine Kurzformel unseres Glaubens, ein Bekenntnis und ein Programm für jeden Tag; ein Gebet, mit dem wir jeden Tag unseres Lebens beginnen und beschließen können. – Wir empfangen dieses Zeichen bei unserer Taufe, bei der wir Kinder Gottes werden, und beschließen unsere Leben mit diesem Zeichen. Mit dem Kreuzzeichen und der Anrufung der Dreifaltigkeit erbitten wir Segen und Heil für uns und andere.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 23 / 2009 - Pfingstwoche (B)

Liebe Mitchristen!

Der heilige Geist, Gott selber in seiner dritten Person, hat zu allen Zeiten Menschen erfüllt und tut es heute noch. Gerne und mit Freude darf ich Ihnen mitteilen, dass nach entsprechender Vorbereitung hier in Sankt Pantaleon sechs jüngere Erwachsene am Pfingst-Samstag in der Vorabendmesse im Kölner Dom von Abt Raphael Bahrs OSB (vom Benediktinerkloster auf dem Siegburger Michelsberg) zusammen mit zahlreichen anderen Erwachsenen das Sakrament der Firmung empfangen werden.

Diese Erwachsenen haben sich dafür entschieden, Gott selber und die Gaben des Heiligen Geistes in Fülle zu empfangen. In der Firmung geschieht dies tatsächlich, wenngleich immer auch geheimnisvoll. Nicht der momentane Eindruck einer erhebenden Firmfeier und auch nicht das sich dabei oft spontan einstellende und beglückende Gefühl, von Gott selber geliebt, ausdrücklich gewollt und bestätigt zu sein, ist dabei das Entscheidende.

Wenn es im Rahmen einer solchen Firmfeier so empfunden und erfahren wird, ist das gut und hilfreich. Entscheidend aber ist, dass es sich bei der Firmung um ein reales, ein wirkliches und gnadenhaftes Ereignis handelt, das der Seele ein unauslöschliches Siegel einprägt. Das Sakrament der Firmung bewirkt die Ausgießung des Heiligen Geistes in Fülle, wie sie einst am Pfingsttag den Aposteln zuteil wurde. Durch diese Ausgießung des Heiligen Geistes führt die Firmung zum Wachstum und zur Vertiefung der Taufgnade:

·        Sie verwurzelt uns tiefer in der Gotteskindschaft;

·        sie vereint uns fester mit Christus;

·        sie vermehrt in uns die Gaben des Heiligen Geistes;

·        sie verbindet uns vollkommener mit der Kirche;

·        sie schenkt uns eine besondere Kraft, um in Wort und Tat als wahre Zeugen Christie den Glauben auszubreiten und zu verteidigen.

Von daher ist von der Seite des Gefirmten entscheidend, sich mit ganzem Glauben an dieses Ereignis seiner Firmung alle Tage seines irdischen Lebens zu erinnern und es so zu vergegenwärtigen. Dann wird die Firmung sein alltägliches Leben erfüllen und positiv verändern.

In diesem Sinne hat etwa der heilige Kirchenvater Ambrosius den Gefirmten der Antike ausdrücklich dazu ermuntert: »Erinnere dich daran, dass du die Besiegelung durch den Geist empfangen hast: den Geist der Weisheit und der Einsicht, den Geist des Rates und der Stärke, den Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit, den Geist der heiligen Furcht, und bewahre was du empfangen hast! Gott Vater hat dicht besiegelt, Christus der Herr dich gestärkt und das Pfand des Geistes in dein Herz gegeben.«

Nehmen auch wir heute uns das zu Herzen und wir werden neu erfahren, was bei unserer Firmung geheimnis- aber kraftvoll wirklich geschehen ist.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 22 / 2009 - 7. Osterwoche (B)

Liebe Mitchristen!

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten sind es genau 10 Tage, die uns dabei helfen können, wie die Apostel mit beiden Füßen im Leben zu stehen und zugleich mit Verstand und Herz dem himmelwärts Aufgefahrenen sehr nahe zu sein. Beides gehört zusammen: Das Stehen in der Mitte des Lebens und das gleichzeitige Verbundensein mit dem Himmlischen. Beides widerspricht sich nicht; im Gegenteil: Von der Art des Mensche zu sein her ergänzt sich beides und gehört zum wahren und vollen Menschensein dazu.

Ein Leben in diesem Sinne gelingt vor allem durch eine der Gaben, die der Heilige Geist den Menschen großzügig schenkt, sofern der Mensch das aus ganzem Herzen wünscht und danach verlangt: Die Gabe der Weisheit.

Auch wenn diese Gabe dem Verstand zugeordnet wird, vermag sie das Tun des Menschen zu leiten. Der von Gott, vom Heiligen Geist mit Weisheit Gesegnete, erfreut sich nicht nur einer außergewöhnlichen, einer verständigen und sinnstiftenden Sicht der ganzen Welt und seines eigenen Lebens. Aus der von Gott geschenkten Weisheit heraus vermag der Mensch dann auch danach zu leben.

Durch die Weisheit erlangt der Mensch in gewisser Weise Anteil an der Sicht, die Gott von seiner Schöpfung hat, und diese gnadenhafte Einsicht prägt als Folge das menschliche Tun. Deshalb ist diese Gaben des Heiligen Geistes – die Weisheit – eine Gabe, die wir Christen besonders nötig haben. »Sie lässt uns Gott kennen und kosten«, so hat es einmal der Heilige Josefmaria Escrivá formuliert, und ermöglicht, »in Wahrheit die Situationen und Geschehnisse unseres Lebens zu beurteilen.«

So haben dann besonders auch die Heiligen im Lichte dieser Gabe der Weisheit den wahren Sinn ihres Lebens erfasst. So wurden sie fähig, Widerwärtigkeiten nicht als Unglück zu sehen. Sie verstanden, dass Gott auf vielfache Art segnet - und oft mit dem Kreuz. Sie wussten, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt (Röm 8,28) – auch die Dinge, die uns »schleierhaft« bleiben.

Statt in unerwarteten, schmerzlichen Situationen ratlos zu werden, führt die Weisheit dazu sich einzufügen in die größere Sichtweise Gottes. Durch die Weisheit erkennt der Gläubige, dass nichts der wunderbaren Ordnung der göttlichen Vorsehung entraten kann.

Somit schenkt die Weisheit auch großen Frieden, nicht nur einem selbst, sondern auch unseren Mitmenschen. Sie hilft, Freundlichkeit weiterzugeben und das versöhnende Wort zu finden. Die Weisheit entspricht der Seligpreisung der Friedliebenden. Dieser Friede, den die Welt nicht geben kann, entspringt einer Sicht der Dinge, die um die göttliche Vorsorge weiß.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 21 / 2009 - 6. Osterwoche (B)

Himmelfahrt Christi - romanisch

Liebe Mitchristen!

»Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.« So hören wir es vom Herrn an diesem Sonntag im Evangelium. – Die Freude ist Folge der Erlösung, und sie prägt das Leben all derer, die dem vertrauen, was Jesus zu unserem Heil gesagt und getan hat.

Nach dem Osterfest, der Auferstehung des Herrn, folgt als nächstes größeres Fest Christi Himmelfahrt. In Wort und Tat führt Jesus uns mit diesem Ereignis noch einmal, nun abschließend, den Grund, das Fundament wirklicher und dauerhafter Freude vor Augen.

Wenn uns einmal Schmerz niederdrückt oder Treue und Beharrlichkeit bei der Arbeit oder im alltäglichen Ablauf schwer fallen, richtet der Gedanke an das himmlische Ende auch uns und unser Leben wieder auf. Ein Kirchenvater sagt: »Die Hoffnung auf den Lohn stärkt die Seele beim Verrichten von guten Werken.« (Cyrill von Jerusalem, Katechese 348,18,1.)

Die reizvolle romanische Darstellung der Himmelfahrt Christi drückt dies in schöner Weise bildhaft aus:

Wie einen Wanderstab trägt Christus das Kreuz mit leichter Hand auf der Schulter: »Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht«, so hat er selber im Matthäus Evangelium gesagt (11,30). Von daher kann er guten Gewissens dazu auffordern, dass wir sein Joch / Kreuz auf uns nehmen und von ihm lernen: »denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.« (Mt 11,29)

Gottes Gebote sind nur für den eine quälende Last, der seinem eigenen Willen und damit der eigenen Begrenztheit verhaftet bleibt. Wer aber darauf vertraut, in Gottes Geboten die Fülle der Liebe zu entdecken, mit der Gott uns Menschen zum wahren, dauerhaften und endgültigen Glück führen möchte, der geht mit Ihnen so leicht um, wie der Herr auf dieser Darstellung mit seinem Kreuz. Und dieses »Kreuz«, diese »Gebote« lassen den Weg unbeschwerter gehen, weil wir durch sie mit dem himmlischen Vater verbunden bleiben. Es geht dann in unserem Leben in Erfüllung, was er uns an Liebe, Glück und Freude schenken möchte. So heißt es deshalb an diesem Sonntag: »Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.«

Nicht wir haben ihn, sonder er hat uns erwählt. Auch daran erinnert uns der Herr an diesem Sonntag. Mit ihm können deshalb auch wir leichten Schritts mit dem Kreuz wie mit einem Wanderstab durchs Leben gehen, wobei die starke Hand des Vaters, wie sie einfühlsam auf diesem Bild dargestellt wird, vor jeder Zerstreuung und jedem Niveauverlust bewahrt.

Herz, Seele und Gesicht des Herrn sind nach oben gerichtet. Das Flache, das Oberflächliche und Ordinäre sind nicht seine Sache: Wenn, dann schenken sie nur kurze Befriedigung, aber keine wahre Freude und ebenso wenig echte Liebe. Genau das aber kann und wird der Herr denen geben können, die, gemäß seiner Aufforderung im Sonntagsevangelium, durch Einhalten der Gebote in seiner Liebe bleiben.

 

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 20 / 2009 - 5. Osterwoche (B)

Liebe Mitchristen!

An diesem Sonntag hören wir im Gottesdienst ein weiteres Ich - Wort des Herrn. Letzte Woche hieß es: »Ich bin der gute Hirt.« In dieser Woche nun: »Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer.« Weitere Erklärungen machen diese Bilder noch stärker.

So wie etwa unsere Haushaltsgeräte ohne den Steckdosenstrom nicht allzu viel Wert sind, so auch wir Menschen nicht ohne Gott. Bei dem Bild vom Weinstock, den Reben und dem Winzer kommt noch hinzu, dass die Reben nicht nur mit dem Weinstock als ihrer »Strom–, Kraft– und Nahrungsquelle« um wachsen und gedeihen zu können eng verbunden sein, sondern vom Winzer »erzogen« werden müssen.

In der Tat sprechen Winzer von der »Erziehung der Reben« und meinen damit, dass alle Reben mehrfach beschnitten und hochgebunden werden. Ein Weinstock kostet viele Jahre Mühe und Geduld, bis er gute Reben trägt. Jeder ungeordnete, so genannter Wildwuchs führt zur Minderung der Traubenqualität. Der Winzer muss alle Reben am Weinstock »erziehen« oder »reinigen«, wie es im heutigen Evangelium heißt: Alle minderwertigen Trauben müssen herausgeschnitten werden, sonst können die guten Reben ihre volle Qualität nicht entfalten.

Bildhaft heißt es hierzu im Evangelium: »Jede Rede, die keine Frucht bringt, schneidet er ab.« Wortgetreuer übersetzt müsste es eigentlich heißen: »Jede Rebe, die keine Frucht bringen will ...« Damit betont der Urtext, dass der Winzer, Gott Vater, nicht nach Belieben herausschneidet. Als »Rebe mit Vernunft und freiem Willen« löst sich der Mensch durch das eigene Verhalten selber aus der Verbundenheit mit dem Weinstock Jesu: Meist sind es Unterlassungen und Gleichgültigkeiten Gott und den Menschen gegenüber.

Wenn der Winzer etwas zurechtstutzt, ist das für die Rebe erst einmal unangenehm: Saft tritt heraus. Die Rebe »blutet«. So muss auch in unserem Leben manches weg– und abgeschnitten werden, was oft vordergründig als Schmerz und Verlust empfunden wird. Aber es ist nötig, damit die guten Reben ausreichend Nahrung und Licht bekommen.

Sicher ist auch unsere Leben noch davon gekennzeichnet, dass wir nicht durchgängig und ganz entschlossen Frucht bringen wollen. Das sind die Unterlassungen. Und sicher ist auch unsere Leben noch davon gekennzeichnet, dass es durch Selbsterziehung weiterhin der Reinigung bedarf. – Das Gute daran ist, dass der Winzer, Gott, auch unser Vater ist, dem viel an uns, seinen Reben, liegt, und der deshalb auch alle denkbare Hilfe gibt, dass uns beides gelingt.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 19 / 2009 - 4. Osterwoche (B)

Liebe Mitchristen!

An diesem vierten Sonntag in der Osterzeit begeht die Kirche weltweit den 46. Weltgebetstag um Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben. Er steht unter dem Leitwort „Das Vertrauen in die Initiative Gottes und die menschliche Antwort“.

Dazu schreibt Papst Benedikt: „Liebe Freunde, werdet nicht mutlos angesichts von Schwierigkeiten und Zweifeln; vertraut auf Gott und folgt Christus treu nach, und ihr werdet Zeugen der Freude sein, die der innigen Vereinigung mit ihm entspringt.“ Der Heilige Vater möchte das ganze Gottesvolk dazu einladen, über das Leitwort “Das Vertrauen in die Initiative Gottes und die menschliche Antwort“ nachzudenken. In der Kirche sei stets die Mahnung Jesu an seine Jünger zu vernehmen: »Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden« (Mt 9,38).

„Bittet!“, so der Heilige Vater. „Der eindringliche Aufruf des Herrn macht deutlich, dass das Gebet für die Berufungen unablässig und voll Vertrauen sein muss. Nur wenn sie vom Gebet beseelt ist, kann die christliche Gemeinschaft ... mit mehr Glauben und Hoffnung auf die Initiative Gottes vertrauen.“

Die Berufung zum Priestertum und zum geweihten Leben sei ein besonderes göttliches Geschenk, „das sich in den großen Liebes- und Heilsplan einfügt, den Gott für jeden Menschen und für die gesamte Menschheit hat. ... Innerhalb der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit tritt die besondere Initiative Gottes hervor, durch die er einige dazu auserwählt, seinem Sohn Jesus Christus enger nachzufolgen und dessen bevorzugte Diener und Zeugen zu sein.“

Dann geht der Heilige Vater auch auf die Schwierigkeiten ein: „Wenn es tatsächlich in einigen Regionen der Erde einen besorgniserregenden Priestermangel gibt ..., so trägt uns doch die unerschütterliche Gewissheit, dass der Herr seine Kirche ... sicher führt bis hin zur endgültigen Vollendung des Gottesreiches.“ Und dann spricht der Papst jeden Gläubigen an: „Unsere erste Pflicht ist es daher, diesen Ruf der göttlichen Initiative in den Familien und in den Pfarreien, in den Bewegungen und in den apostolisch tätigen Verbänden ... durch das unablässige Gebet lebendig zu erhalten. Wir müssen beten, dass das ganze christliche Volk im Vertrauen auf Gott wachsen möge – in der Überzeugung, dass der »Herr der Ernte« nicht aufhört, manche zu rufen, ihr Leben aus freiem Willen dafür einzusetzen, enger mit ihm am Heilswerk mitzuarbeiten.“

Von Seiten der Berufenen sei „aufmerksames Hören und kluges Unterscheiden gefordert, großherzige und bereitwillige Zustimmung zum göttlichen Plan, ernsthafte Vertiefung dessen, was zur Berufung zum Priestertum und zum Ordensleben gehört.“ Der Katechismus der Katholischen Kirche erinnere zu Recht daran, „dass die freie Initiative Gottes die freie Antwort des Menschen verlangt: eine positive Antwort, die immer voraussetzt, daß der Plan, den Gott mit einem jeden Menschen hat, angenommen und geteilt wird; eine Antwort, die die Initiative der Liebe des Herrn aufgreift und die für den Berufenen zum verbindlichen moralischen Anspruch wird, zur dankbaren Ehrerbietung an Gott und zur völligen Mitwirkung am Plan, den er in der Geschichte verfolgt (vgl. Nr. 2062).“

Das vollständige Schreiben des Papstes ist im Internet auf der Homepage des Vatikans zu finden. Dieser Auszug mag ein erster Anstoß sein, sich im Glauben an Gottes Treue und seine Möglichkeiten neu zu besinnen, um ihm dann voll Vertrauen, verwurzelt im Gebet, durch Taten zu entsprechen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 18 / 2009 - 3. Osterwoche (B)

Abendmahl - Evangeliar Augustinus

Liebe Mitchristen!

»Am Tag, den man Sonntag nennt, findet eine Zusammenkunft aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen. Dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es üblich ist. Hat der Vorleser aufgehört, so hält der Vorsteher eine Ansprache, worin er zur Nachahmung all dieses Guten ermahnt und auffordert. Dann stehen wir alle auf und senden Gebete empor. Und wenn das Beten beendet ist, wird Brot, Wein und Wasser herbeigebracht. Der Vorsteher spricht mit aller Kraft Gebete und Danksagungen, und das Volk stimmt ein, indem es >Amen< sagt. Darauf findet die Ausspendung und Entgegennahme (der Eucharistie) statt.« Mit diesen Worten schildert Justin der Märtyrer um die Mitte des 2. Jahrhunderts eine Eucharistiefeier (Justin der Märtyrer, Apologie, 67).

Nicht mehr der jüdische Sabbat, sondern der Sonntag steht von Anfang an in der Mitte des christlichen Kults, weil – so schreibt Justin weiter – der Sonntag der Tag ist, »an dem Gott (...) die Welt erschuf, und weil an diesem Tag Jesus Christus, unser Erlöser, von den Toten wieder auferstanden ist.« (ibid.)

Der Sabbat war im Alten Gesetz der Tag Jahwes, eingesetzt auf dessen Befehl (Gen 2,3) und durch Enthaltung von gewissen Arbeiten seiner Verherrlichung gewidmet (Ex 20,8-11; 21,13; Dt 5,14). Neben dem humanen Aspekt – Erholung von der Arbeit – verweist der Sabbat auf die Vollendung der Schöpfung: Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte (Gen 2,2), und damit auf die heilige Ruhe Gottes, die der Mensch nachahmen soll: und er ruhte am siebten Tag (ibid.). Hinzu kommt das Gedenken an die Befreiung Israels aus dem Sklavenhaus. Die Sabbatruhe wurde vom Gesetz sehr streng ausgelegt. Es war verboten, Feuer anzuzünden, Holz zu sammeln oder Speisen zu bereiten.

Nach der Auferstehung wird der erste Tag der Woche für die Christen zum dominica dies, zum Tag des Herrn (Offb 1,10). Es ist der Tag seines Sieges über Tod und Sünde. Daher die ständige Praxis der Kirche von Anfang an, die gottesdienstliche Versammlung am Sonntag zu feiern. In der Liturgie-Konstitution des Zweiten Vatikanums heißt es dazu: »Aus apostolischer Überlieferung, die ihren Ursprung auf den Auferstehungstag Christi zurückführt, feiert die Kirche das Pascha-Mysterium jeweils am achten Tage, der deshalb mit Recht Tag des Herrn oder Herrentag genannt wird.« (Sacrosanctum Concilium, 106)

Das Gebot der Sonntagsheiligung ist also keine willkürliche Verfügung der Kirche, sondern die Konkretisierung der wesentlichen Pflicht des erlösten Geschöpfes, seinem Schöpfer und Erlöser zu huldigen. »Die Heiligung des Sonntags ist in der Schöpfungsordnung begründet und verankert. Der Mensch soll und darf an der Souveränität und Freiheit Gottes teilnehmen. Er ist nicht so wie das Tier in die Mechanismen des Lebens eingespannt. Der Mensch kann aussteigen. Er muss nicht täglich wie ein Maulwurf die Erde durchwühlen. Als Ebenbild Gottes darf er aus den Zwecken und Zwängen des Lebens wenigstens einmal in der Woche aussteigen, um an der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes teilzunehmen. Das entlastet und entsorgt ihn. Die Konstruktion von Maschinen und die Organisation von Produktionsbetrieben aber, die das nicht mehr möglich machen, stellen die Schöpfungsordnung auf den Kopf.« (J.Kard.Meisner, Wider die Entsinnlichung des Glaubens, Graz 1991, S.49)

So wünsche ich uns allen, dass die Freude des Osterfestes Sonntag für Sonntag erneuert und uns für jede Woche in der Sonntagsmesse neu geschenkt werde und ganz lebendig bleibe.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 17 / 2009 - 2. Osterwoche (B)

Der Auferstandene fordert den ungläubigen Thomas auf, seine Wunden zu überprüfen - Caravaggio (1573 – 1610).

Liebe Mitchristen!

Vom Weißen Sonntag her ist vielen das Evangelium vom so genannten »ungläubigen Thomas« wohl bekannt (Johannes 20,19-31). Kurz skizziert: Der Herr erschien den Aposteln. Dabei »hauchte er sie an« und sie empfingen den Heiligen Geist; jene Kraft Gottes, um fortan Sünden nachzulassen: »Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.« – Der Apostel Thomas jedoch war nicht dabei.

Man darf sich vorstellen, wie begeistert ihm die anderen bei seiner Rückkehr von dieser geheimnisvollen und doch zugleich so ungemein vertrauten Begegnung mit dem Herrn berichteten. Thomas aber sperrte sich. Er wollte das alles nur glauben, wenn er die Wunden des Herrn sehen und betasten könne. – Als acht Tage darauf der Herr erneut erschien, diesmal war Thomas dabei, bot er ihm nach dem Friedensgruß seine Wunden zum Überprüfen an: »Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!«

Der in die Wunde gelegte Finger war auch schon vor Caravaggio dargestellt worden. Erst Caravaggios Realismus (vgl. das rechte Bild) macht ihn zum physisch spürbaren, fast unerträglichen Vorgang.

Die Hl. Schrift berichtet nichts Näheres darüber; lediglich, dass Thomas auf die Aufforderung Jesu hin diese wunderbare Antwort gibt: »Mein Herr und mein Gott!« und daraufhin der Herr jene selig preist, »die nicht sehen und doch glauben.«

Das Entscheidende ist gewiss nicht, ob Thomas überhaupt und wenn, in welcher Intensität er die Wunden Jesu untersucht hat. Entscheidend ist, dass Gott uns Menschen fassbare und in gewissem Sinn wahrnehmbare Hilfen und Unterstützungen im Glauben gibt, damit er gestärkt werde und wachse.

Natürlich preist der Herr selig, »die nicht sehen und doch glauben«. Zugleich kommt er unserer menschlichen Bedingtheit entgegen; denn immer noch bleibt im Vertrauen auf Gottes Wort so viel an »Unsichtbarem« für den dann selig gepriesenen Glauben, dass wir für jede Glaubenshilfe dankbar sein müssen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wir glauben, dass Gott unsere Schuld vergibt. Aber dieser Glaube alleine reicht nicht. Er wäre längst kraftlos und hätte sich in einem diffusen und vagen Allerlei-Glauben an Gottes Vergebung verloren, wenn Gott die Sündenvergebung nicht an das Bußsakrament, an die Heilige Beichte gebunden hätte. Hier wird Sündenvergebung »wahrnehmbar«, ersetzt aber nicht den Glauben daran, sondern stärkt ihn. Und deshalb ist das Bußsakrament ein Segen. – Wo nicht mehr gebeichtet wird, verdunstet der Geist Jesu und geht langsam, meist unbemerkt immer mehr verloren. Diese traurige Erfahrung macht jeder, der einmal mit Blick darauf verschiedene Gemeinden besucht.

Ähnliches gilt für alle anderen Sakramente, die sichtbare Zeichen dessen sind, was Jesus für uns tut. Sie ersetzen den Glauben nicht, sind aber unverzichtbare Stärkung und Nährboden, auf dem alleine der Glaube nach dem Maßstab Gottes wachsen kann.

Ihr Pfr. Dr. V. Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 16 / 2009 - Osterwoche (B)

Der auferstandene Christus - romanisch– Wienhausen

Liebe Mitchristen!

 

Im letzten Jahr hat unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., in seiner Osterbotschaft die Osterfreude von der Liebe Gottes her erklärt und wie folgt dargelegt:

»Das erstaunliche Ereignis der Auferstehung Jesu ist im wesentlichen ein Ereignis der Liebe: Liebe des Vaters, der den Sohn zum Heil der Welt hingibt; Liebe des Sohnes, der sich dem Willen des Vaters für uns alle überlässt; Liebe des Geistes, der Jesus in seinem verklärten Leib von den Toten erweckt. Und weiter: Liebe des Vaters, der den Sohn „wieder umarmt“, indem er ihn in seine Herrlichkeit hüllt; Liebe des Sohnes, der in der Kraft des Geistes mit unserer verklärten Menschengestalt zum Vater zurückkehrt.

Vom heutigen Festtag, der uns die unbedingte und einzigartige Erfahrung der Auferstehung Jesu neu erleben lässt, ergeht also an uns ein Aufruf, dass wir uns zu der Liebe bekehren; eine Einladung, den Hass und den Egoismus von uns zu weisen und gelehrig der Spur des Lammes, das zu unserem Heil geopfert wurde, zu folgen, den „gütigen und von Herzen demütigen“ Erlöser nachzuahmen, der „Ruhe für unsere Seelen“ ist (vgl. Mt 11, 29).«

Nachdem wir uns in den dem Osterfest vorausgehenden und auf dieses große Fest einstimmenden Tagen der Karwoche letztlich genau darauf vorbereitet haben, wünsche ich Ihnen von Herzen in der nun beginnenden Osterzeit, die bis zum Pfingstfest dauern wird, in dieser versöhnenden Liebe unseres Herrn miteinander gut auszukommen und zu einem Segen in Ihrer Familie, Ihrem Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis zu werden.

 

Ihr Pfr. Dr. V. Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 15 / 2009 - Karwoche (B)

Liebe Mitchristen!

Aus den Berichten der Evangelien können wir uns ein gutes Bild von den Ereignissen am Palmsonntag machen. Vom Gebiet Betfage und Betanien am Ölberg bricht Jesus auf. Er lässt vom nahe gelegenen Dorf einen Esel holen. Im damaligen Palästina galt der Esel schon seit den Tagen Bileams als Reittier hochgestellter Persönlichkeiten (vgl. Num 22,21 ff).

Es war nicht ungewöhnlich, dass man von der Stadt aus größeren Pilgergruppen entgegenging, um mit ihnen gemeinsam unter Gesängen und Jubelrufen in Jerusalem einzuziehen. Das geschah wohl auch jetzt. So hat sich eine beachtliche Menge zu einem großen Zug versammelt. Einige legen ihre Kleider über den Rücken des Tieres, andere breiten ihre Kleider wie einen Teppich auf dem Boden aus; wieder andere schneiden »Zweige von den Büschen ab«, wohl Oliven- und Palmzweige, »und streuten sei auf den Weg«.

Das Evangelium berichtet weiter: »Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!« (Mk 11,9-10)

Für den Gläubigen geht hier das prophetische Wort aus dem Buch Sacharja (9,9) in Erfüllung: »Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.« Auch der Jubelgesang des Volkes trägt messianische Züge.

Jesus nimmt die Huldigung an und entgegnet den Pharisäern, die die gläubige, überaus freudige und kraftvolle Manifestation zu ersticken suchen: »Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.« (Lk 19,40)

Trotzdem ist Jesu Triumph ohne Pomp. Der Heilige Josefmaria bringt beides in interessanter Weise zusammen: »Seht ihr? Jesus ist zufrieden mit einem armen Tier als Thron. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist; für mich ist es nicht erniedrigend, mich vor Gott als armer Esel zu fühlen: Wie ein Esel, so war ich vor dir. Nun aber bleibe ich immer vor dir, du hast mich ergriffen mit deiner Rechten (Ps 73,22-23), du führst mich am Halfterstrick.« (J. Escrivá, Christus begegnen, 181)

Zu allen Zeiten will der Herr mit sanfter Mächtigkeit in das Leben der Menschen Einzug halten; und wir dürfen und sollen dafür »gute Esel« sein. Gott will durch uns als seine Esel im Leben der Menschen gegenwärtig sein und überall hingetragen werden: durch unser freudiges und unaufdringliches Zeugnis einer gut verrichteten Arbeit etwa, durch das Zeugnis unserer Freude und Gelassenheit, wie auch durch unser Zeugnis ehrlicher Sorge um den Nächsten.

So weitet sich das Psalmwort »Wie ein Esel, so war ich vor dir« (Ps 73,22) und kann im Gebet auch so verstanden werden, wie es etwa der Heilige Josefmaria gesehen hat: »Wie ein Esel. Heute sieht man dieses Lasttier nicht mehr so oft wie früher, aber denkt einmal an seine Eigenschaften. Nicht den alten, starrköpfigen, nachtragenden Esel meine ich, der sich hinterhältig mit einem Tritt rächt, sondern ein junges Tier: die Ohren steil wie Antennen, genügsam im Futter, hart in der Arbeit, entschieden und freudig im Trott. Viele Tiere sind schöner, tüchtiger und urwüchsiger. Christus aber hat sich einen Esel ausgesucht, um als König vor dem jubelnden Volk zu erscheinen. Denn Jesus weiß nichts anzufangen mit berechnender Schläue, mit der Grausamkeit eines kalten Herzens, mit augenfälliger, aber leerer Schönheit. Unser Herr schätzt die Freude eines jungen Herzens, den einfachen Schritt, eine Stimme ohne Falsch, klare Augen, ein Ohr, das sein liebevolles Wort sucht.« (J. Escrivá, Christus begegnen, 181)

Von Herzen wünsche ich Ihnen eine gesegnete Karwoche und ein gnadenvolles Osterfest.

Ihr Pfr. Dr. V. Hildebrandt

Pfarrnachrichten 14 /2009 - 5. Fastenwoche (B)

Dorfkirche in Kamerun

Benedikt XVI. zwischen Wirklichkeit und künstlicher Polemik. – Die zwei Reisen des Papstes.

Eine Bilanz Von Andrea Tornielli

Andrea Tornielli hat den Papst auf seiner Reise nach Afrika begleitet, die Berichterstattung in unseren Medien verfolgt und beides miteinander verglichen. Er zählt zu den besten Kennern des Vatikans und arbeitet als Vatikanist für die Mailänder Zeitung „Il Giornale“. Den folgenden Kommentar hat er in seinem »Blog« veröffentlicht; Übersetzung vom Nachrichtendienst »Zenit«.

Bei seinem Afrikabesuch hat Benedikt XVI. in den sechs Tagen seines Aufenthalts auf dem schwarzen Kontinent zwei Reisen unternommen. Zwei Reisen, die sich sehr voneinander unterschieden.

Die erste Reise war die wirkliche, die sich durch den Kontakt mit den Menschenmengen in Kamerun und Angola auszeichnete. Es war die Reise der Themen, die der Papst in seinen Ansprachen und Predigten angegangen hat, die Reise des Aufeinanderprallens mit den Widersprüchen der beiden Hauptstädte, in denen Reichtum und extremste Armut Seite an Seite leben.

Die andere Reise war die virtuelle, jene Reise, mit der sich Kommentatoren, Bürokraten und westliche Meinungsumfrager beschäftigt haben, die Ratzinger der Unverantwortlichkeit bezichtigten, weil er das gesagt hatte, was alle mittlerweile anerkennen müssten und durch wissenschaftliche Studien bestätigt ist: Die Verteilung von Präservativen ist keine wirksame Methode zur Bekämpfung der Verbreitung von AIDS in diesen Ländern.

Drei Tage lang – während der Papst von Armut, Entwicklung und Menschenrechten sprach – diskutierte man über Präservative. Um dann während der folgenden drei Tage dazu überzugehen, über die therapeutische Abtreibung zu debattieren, auf der Grundlage eines Satzes, den Benedikt XVI. in einer starken Rede über die Übel ausgesprochen hatte, die Afrika quälen.

Die Maschine der Massenmedien und der Politik setzte in Gang und kam nicht mehr zur Ruhe. Und so wurden in Frankreich, wo es in der letzten Zeit zu einem Nationalsport geworden zu sein scheint, auf den Papst zu schießen, Meinungsumfragen veranstaltet, um zu beweisen, dass wenigstens die Hälfte der Katholiken des Landes den Rücktritt von Ratzinger fordert.

Liest man die Erklärungen von einigen Ministern und deren Sprechern, so entsteht der Eindruck, dass der Papst zum ersten Mal seit langer Zeit nicht mehr von jenem Respekt umgeben ist, der einer Person „super partes“ gezollt wird, sondern dass er wie ein Parteichef betrachtet wird, der dem täglichen Hin und Her von Erklärungen ausgesetzt ist, die typisch für den politischen „Eintopf“ sind.

Da sind die, die ihn zum Schweigen auffordern, andere wollen, dass er zurücktritt, wieder andere erklären ihm, was er zu sagen hat und wie dies geschehen soll. Auf diese Weise wurden 16 Ansprachen, die auf afrikanischem Boden gehalten wurden, auf zwei Sätze reduziert, wobei der erste sogar spontan während der Pressekonferenz im Flugzeug gefallen ist.

Man hat den Eindruck, dass Benedikt XVI. nicht übermäßig über diese wachsende Feindseligkeit besorgt ist. Nie wie in diesen Tagen konnte man die enorme Distanz wahrnehmen, die zwischen der wirklichen und der virtuellen Reise lag. Und wenn es wahr ist, dass die aufschäumende Kritik seitens gewisser westlicher Bürokratien in der jüngsten Zeit beispiellos ist, so ist auch in Erinnerung zu rufen, dass Johannes Paul II. in den ersten Jahren seines Pontifikats extrem harten Kritiken ausgesetzt war.

Ebenso ist an das Leiden und die Isolierung Pauls VI. in dem Moment zu erinnern, als er mutige Entscheidungen wie jene der Enzyklika „Humanae vitae“ traf und so zum Zeichen des Widerspruches wurde.

Was bleibt also von der Reise Benedikts XVI. nach Kamerun und Angola?

Vor allen Botschaften des Papstes zum Kampf gegen die Armut, für die Würde der Frau, für eine Wirtschaft, die nicht unmenschlich ist, für die Erziehung und die Entwicklung, bleibt eine Gegenwart und ein außerordentlicher Strom von menschlicher Sympathie, die in Angola ihren Höhepunkt gefunden hatte.

Viele einfache und außerordentliche Menschen haben eine Stunde nach der anderen unter der Sonne ausgeharrt: nicht um Joseph Ratzinger zu grüßen, sondern den Nachfolger des Petrus, der bis dort hin gekommen war, um die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken. Und in Ländern, die unter inneren Kriegen, Missbräuchen, Unterdrückung, Elend und Gewalt leiden, sind die Umarmung des Petrus, sein Lächeln und seine Nähe mehr wert gewesen als tausend Ansprachen.

 

Pfarrnachrichten 13 /2009 - 4. Fastenwoche (B)

Liebe Pfarrangehörige!

Erneut wurde Papst Benedikt XVI. in Schlagzeilen kritisiert. Was er allerdings wirklich gesagt hat, das erfährt man nicht. – Und erneut kritisieren namhafte Politiker und Gesundheitsbehörden, was der Papst laut Schlagzeilen gesagt hat. Aber mit dem, was er wirklich gesagt und an konkreten Vorschlägen und Anregungen zur AIDS – Bekämpfung vorgetragen hat, setzen sie sich nicht weiter auseinander und geben damit ein Armutszeugnis ab.

Auf dem Flug von Rom nach Yaoundé, Kamerun wurde Papst Benedikt gefragt: »Heiligkeit, unter den vielen Übeln, die Afrika heimsuchen, ist insbesondere auch das der Verbreitung von Aids. Die Position der katholischen Kirche in Bezug auf die Art und Weise, dagegen anzukämpfen, wird oft als unrealistisch und unwirksam betrachtet. Werden Sie auf Ihrer Reise über dieses Thema sprechen?«

Darauf antwortete Papst Benedikt XVI. spontan: »Ich würde das Gegenteil behaupten. Ich denke, dass die wirksamste, am meisten präsente Realität im Kampf gegen Aids gerade die katholische Kirche mit ihren Bewegungen und verschiedenen Strukturen ist.

Ich denke an die Gemeinschaft Sant’Egidio, die im Kampf gegen Aids so viel tut – sichtbar und auch im Verborgenen –, ich denke an die Kamillianer, an viele andere Dinge, an all die Ordensschwestern, die sich um die Kranken kümmern… Ich würde sagen, dass man das Aidsproblem nicht nur mit Geld lösen kann, das zwar auch notwendig ist. Aber wenn die Seele nicht beteiligt ist, wenn die Afrikaner nicht mithelfen (indem sie eigene Verantwortung übernehmen), kann man es mit der Verteilung von Präservativen nicht bewältigen. Im Gegenteil, sie vergrößern das Problem. Die Lösung kann nur in einem zweifachen Bemühen gefunden werden: erstens in einer Humanisierung der Sexualität, das heißt in einer spirituellen und menschlichen Erneuerung, die eine neue Verhaltensweise im gegenseitigen Umgang mit sich bringt; und zweitens in einer wahren Freundschaft auch und vor allem zu den Leidenden, in einer Verfügbarkeit, auch mit Opfern und persönlichem Verzicht an der Seite der Leidenden zu sein.

Das sind die Faktoren, die helfen und sichtbare Fortschritte bringen. Deshalb würde ich sagen, es geht um diese unsere doppelte Kraft, einmal den Menschen von innen her zu erneuern, ihm spirituelle und menschliche Kraft zu geben für ein rechtes Verhalten zu seinem eigenen Leib und dem des anderen, und dann diese Fähigkeit mit den Leidenden zu leiden, in Situationen innerer Prüfung präsent zu bleiben. Mir scheint das die richtige Antwort zu sein, und die Kirche tut dies und leistet so einen sehr großen und wichtigen Beitrag. Danken wir all denen, die dies tun.« (http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2009/march/documents/hf_ben-xvi_spe_20090317_africa-interview_ge.html)

Die Statistiken geben Papst und Kirche Recht. Die Devise „Sei enthaltsam und treu” erwies sich bisher als einzig wirksamer Weg der AIDS-Bekämpfung. Die Daten sprechen eine klare Sprache: Mehr Kondome heißt nicht weniger HIV.

So hat sich etwa in Botswana von 1993 bis 2001 der Absatz an Kondomen verdreifacht (3 Millionen Stück). Entgegen aller Erwartungen stieg etwa die HIV-Rate von Schwangeren von 27% auf 45% (im Gegensatz zu Europa sind in Afrika mehrheitlich Frauen von HIV betroffen); ähnliches wird auch von Kamerun berichtet.

Dagegen konnte in Uganda durch eine konsequente Gesundheitspolitik nach dem Motto „common sense” statt „condom sense” mit Rückkehr zu traditionellen Familienwerten die Häufigkeit der HIV-Neuinfektionen um 70% reduziert werden; unter den Schwangeren sogar von 21,1% im Jahre 1991 auf 5,0% im Jahre 2001. Als ausschlaggebend für die günstigen Ergebnisse zeigten sich sexuelle Abstinenz bei den Unverheirateten, spätere Aufnahme sexueller Kontakte sowie daraus resultierende geringere Promiskuität. Auch in Kenia oder Zimbabwe wurde durch die Veränderung der Verhaltensweise mit Zunahme von Treue und Verringerung der Partnerzahl ein deutlicher Rückgang der HIV-Fälle verzeichnet. Entgegen der etablierten Meinung erwies sich in diesen Ländern der Kondomverbrauch bei der HIV-Prävention als nebensächlich. (Quelle: Imago Hominis, Quartalsschrift für Medizinische Anthropologie und Bioethik, Band 15, Heft 2, 2008, S. 96–98. ISSN 1021-9803)

Fazit: Eine auf Kondomverteilung basierte Prävention hat sich als völlig unzureichend und kontraproduktiv erwiesen. Sie hat kläglich versagt. Der Ansatz der Kirche hingegen ist alles andere als „weltfremd“; er entspricht dem Menschen, ist nüchtern und realistisch.

Es ist erfrischend, dass Werte wie Enthaltsamkeit, Warten bis zur Ehe, Keuschheit und Treue auch statistisch mit Abstand im Trend liegen und sich als wahr und richtig erweisen. Wer das nicht wahrnimmt, ist blind und unverantwortlich und muss sich fragen, ob er wirklich bereit ist, das eigentlich Wichtige und Entscheidende zu tun, um der Ausbreitung der tödlichen Immunschwäche AIDS entgegen zu treten. Die Kirche jedenfalls hat es bislang nachweislich mit sehr gutem Erfolg getan.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 12 /2009 - 3. Fastenwoche (B)

Modell des von Herodes wiederaufgebauten Tempels

Liebe Pfarrangehörige!

Im Evangelium des 3. Fastensonntages lassen sich drei Abschnitte unterscheiden. Nachdem der Herr Schafe und Rinder aus dem Tempel heraus getrieben, das Geld der Wechsler ausgeschüttet und ihre Tische umgestoßen hatte, stellten ihn Juden zur Rede und fordern einen Nachweis, »dass du dies tun darfst.«

Zum »Beweis« erklärt der Herr, er werde den niedergerissenen Tempel in drei Tagen wieder aufbauen. Seine ungläubigen Gesprächspartner halten ihm entgegen, sie hätten 46 Jahre lang an diesem Tempel gebaut, weshalb er ihn unmöglich in drei Tagen wieder aufrichten könne.

Der Evangelist fügt zur Erläuterung hinzu, Jesus meine »den Tempel seines Leibes«; und seine Jünger hätten sich nach seiner Auferstehung an seine Worte erinnert, weshalb sie nun der Schrift und Jesu Worten glaubten.

Jesu Tun ist vom heiligen Eifer geprägt. Mit leidenschaftlicher Liebe zu Gott, seinem Vater, führt er sein Haus, den Tempel, wieder dem ursprünglichen Gebrauch zu und lehrt dabei, dass sein und damit auch unser Leib Tempel Gottes ist. So wird ein tiefer Zusammenhang deutlich zwischen der Tempelreinigung und der Reinigung von uns selber: Als Menschen müssen wir uns vertrauensvoll immer wieder Gott zu wenden. Allein mit seiner Hilfe vermögen wir uns zu reinigen, uns frei zu machen von jedem Egoismus und jedem Nützlichkeitsdenken. Nur mit seiner Gnade können wir all das ablegen, was zwischen Gott, uns und unserem Nächsten steht.

Mit diesen Worten über den Tempel, über seine Zerstörung und Aufrichtung spricht der Herr über die innere Reinigung, in der das Geheimnis von Ostern, das Geheimnis von Sterben und Auferstehen konkret wird. Der Mensch muss sich selber sterben; er muss der irdischen Sorgen sterben, die Herz und Verstand beherrschen, um zu leben. So gereinigt kann er wieder aufstehen. So wird er reinen Herzens wieder die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen.

Der Herr kennt den Menschen. Er hat ihn geschaffen und ist es als Gott selber geworden. Er kennt die menschliche Natur und ihre Widerstände. Er weiß, wie schwer es ist, sich von sich selber zu verabschieden, um so geläutert sich selber wieder zu finden. Er kennt aus eigener Erfahrung die Versuchungen, denen jeder Mensch ausgesetzt ist. Wie oft etwa denkt der Mensch nur an das Brot!

Durch seine Aufforderungen, diesen Tempel nieder zu reißen und ihn mit Gottes Hilfe in drei Tagen wieder aufzubauen, führt er zum Kern und an die Wurzeln des Glaubens. Glaube muss immer an die Wurzel – lateinisch: »radix« – gehen. Nur wer sich »radikal«, an die Wurzeln gehend, für Gott entscheidet und ihn voller Vertrauen und mit Mut an die erste Stelle seines Lebens setzt, kann gerettet und zur Liebe und zur Freiheit Gottes erlöst und da hinein verwandelt werden.

So lautet eine wichtige Frage in der Fastenzeit: Nimmt Gott die erste Stelle in meiner Arbeit, meiner Familie und meinem Privatleben ein? – Reißen wir alles Falsche nieder, und wir werden leben!

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 11 / 2009 - 2. Fastenwoche (B)

Liebe Pfarrangehörige!

Nachdem der Herr den Aposteln reinen Wein eingeschenkt hatte, waren diese zuerst einmal schlichtweg geschockt. Sie hatten Angst (vgl. Mk 10,32).

Der Evangelist Markus etwa berichtet im 8. Kapitel, Vers 31-33, wie Jesus seine Jünger zum ersten Mal über seine bevorstehende Verurteilung durch die Ältesten und Hohenpriester unterrichtet. Er werde getötet werden, aber nach drei Tagen wieder auferstehen. Petrus nahm ihn daraufhin beiseite und machte ihm schwere Vorwürfe. Jesus aber wies ihn zurecht (Mk 8,33): »Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.«

Jesu Lehre von der Kreuzesnachfolge hängt damit natürlich eng zusammen (Mk 16,24): »Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.«

All das ist uns zwar längst irgendwie vertraut. Aber wir wissen, dass diese Wirklichkeit des Lebens, die Anwesenheit des Kreuzes, nicht wie Zucker schmeckt. Sie hat etwas Ernstes, Anspruchsvolles, Herausforderndes und manchmal auch eine gewisse Härte an sich. Von daher erklärt sich, warum Jesus drei Apostel mit auf den Taborberg nimmt und vor ihren Augen in seine himmlische Herrlichkeit verwandelt wird: Der Herr stärkt die Apostel auf dem Weg nach Jerusalem, wo er für unsere Erlösung das Kreuz auf sich nehmen und sterben wird. Er gewährt den Aposteln auf dem Taborberg einen kurzen Einblick in das Ziel, zu dem wir alle unterwegs sind, nämlich einmal für immer, und damit endgültig bei Gott in diesem unbeschreibbaren Licht seiner Liebe und Seinsfülle zu sein.

Schon hier auf Erden gewährt uns der Herr lichte und erhabene Augenblicke, die auf das Zukünftige und Kommende hinweisen. Das kann die Geburt eines Kindes sein, ein wunderschöner Abend im Kreis der Familie, ein besonderer beruflicher Erfolg oder ein ergreifendes Jubiläum, oder einfach eine schöne Stunde, die man einmal in Ruhe genießen kann. Dann aber müssen wir erneut heruntersteigen in die scheinbaren Niederungen des täglichen Alltages.

Die Fastenzeit soll uns stark machen gerade dafür. Sie ist besondere Einübung in die Nüchternheit des Alltags und in die Härten des täglichen Kreuzes. Deshalb sagen wir als Christen in diesen Tagen bewusst „Ja“ zu ihnen; wir nehmen sie auf uns und stellen uns ihnen. Als Christen wissen wir um ihre reinigende Notwendigkeit, die uns vorbereiten auf die Taborstunden in diesem Leben und uns vor allem befähigen für das ewige Leben bei Gott, dem Herrn, das ohne Erlösung über das Kreuz nicht möglich wäre.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 10 / 2009 - 1. Fastenwoche (B)

Carl Spitzweg "Aschermittwoch"

Liebe Mitchristen!

„Kehr um zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen und Klagen. – Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ (Joel 2,12f) – Mit diesen eindringlichen Worten werden die Gläubigen jedes Jahr am Aschermittwoch auf die Fastenzeit eingeschworen. Sie ist eine segensreiche, eine befreiende Zeit, die all jenen Ballast zurück lassen hilft, der nach unten zieht und nicht richtig frei und froh sein lässt.

Jeder kennt diese Verschattungen, die es im Leben gibt: Die kleinen oder auch die größeren Unzufriedenheiten, die wie eine geheime Last in unserem Leben anwesend sind und sich allzuoft auf unser Tun legen. So ist unser Leben zu selten von einer sorglosen und tiefgehenden Freude und einer Leichtigkeit geprägt, wie wir sie doch eigentlich wünschen.

In der Fastenzeit geht es darum, wieder zur Quelle unserer Lebensfreude und Zuversicht vorzudringen. Diese Quelle ist Gott alleine. Und deshalb fordert die Kirche mit diesen so eindringlichen Worten der Bibel zur Umkehr, zu einer neuen Hinwendung zu Gott auf: „Kehr um zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen und Klagen. – Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ (Joel 2,12f)

Eine alte jüdische Geschichte verdeutlicht, worum es hier geht. Gott habe den Menschen mit einem Mantel umkleidet, der zwei Taschen habe. Abwechselnd solle der Mensch in diese Taschen greifen, denn in ihnen finde er zwei Wahrheiten über sein Leben. In der einen Tasche stecke die Wahrheit: Du bist Staub. Und in der anderen die Wahrheit: Um deinetwillen wurde die Welt erschaffen. – So veranschaulicht diese Geschichte, dass sich zwischen diesen beiden Polen unser Leben abspielt.

Auf der einen Seite sind wir winzige Wesen, ein Pünktchen angesichts der unendlichen Weite des Kosmos; unbedeutend, vergänglich, wie ein Sandkorn oder wie Staub, nur ein Hauch angesichts der Unendlichkeit Gottes. Es ist unser Los, aus dem Staub genommen zu sein, kurz aufzublühen, zu vergehen und wieder zu Staub zu werden. Diese Wahrheit unseres Lebens ist Anlass genug, allen Stolz und alle Überheblichkeit abzulegen. Wie lächerlich ist es, wenn einer so tut, als müsse sich alles in der Welt um ihn drehen.

Wäre aber dies die einzige Wahrheit über unser Leben, müssten wir verzweifeln: alle Arbeit und Mühe, alles Leiden, alle Freude wären vergeblich. Darum steckt in der anderen Tasche die zweite Wahrheit, nämlich: Um deinetwillen wurde die Welt erschaffen! Jeder Mensch ist ein einmaliger Gedanke Gottes. In jeden einzelnen hinein hat Gott seine Phantasie verschwendet. Jeder ist je ein Wunder auf dieser Erde.

Sicher - wir sind vergänglich wie Staub. Aber zugleich sind wir unendlich wertvoll, weil von Gott gewollt und geliebt. Beide Seiten sind wahr. Und um diese Wahrheit der beiden Seiten geht es in der Fastenzeit.

Um uns als Menschen zu verstehen, die von Gott unendlich geliebt sind, ist es notwendig, dass wir unsere Armut vor Gott nicht vergessen. – In der Fastenzeit wird uns gesagt: Steige von Deinem hohen Ross herab und lass Dich von Gott wieder lieben.

So ist die Fastenzeit Umkehr, Versöhnung und neu erwachende Liebe. Sie ist Hinkehr zu Gott über diese beiden Wahrheiten. Sie ist die Entdeckung, dass wir in aller Vergänglichkeit zum Leben berufen sind!

Die Asche, die katholische Christen am Aschermittwoch in der Form des Kreuzes empfangen, drückt kraftvoll und zeichenhaft aus, dass wir alle ohne Ausnahme „Staub sind und zum Staub zurückkehren"; aber zugleich auch, dass dieses so verfasste Leben durch Christi Kreuz Anteil hat am Licht des Ostermorgens, der Auferstehung und es ewigen Lebens in Herrlichkeit.

Ihr Pfarrer Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 09 / 2009 - 7. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen

Die jecke Zeit lädt ein, über den eigentlichen und tieferen Grund der Freude nachzudenken, die uns im Leben geschenkt ist. Das Sonntagsevangelium vor dem diesjährigen Aschermittwoch ist dafür hilfreich.

Es berichtet darüber, wie vier Männer in das Dach eines Hauses eine Öffnung „schlagen“ und von dort ihren gelähmten Freund auf seiner Bahre in das überfüllte Haus unmittelbar vor dem Herrn hinunterlassen. Der Herr spricht ihn an und erklärt ihm: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“

Der griechische Urtext benutzt das Wort „téknon“ und sagt damit noch viel schöner: „Mein geliebtes Kind. ...“ „Téknon“ ist eine zärtliche Form der Anrede, wie sie bei Eltern für ihr kleines Kind üblich war. Der hilflose und gelähmte Mann ist Gottes geliebtes Kind. Eine ergreifende Nuance, die damit in das Ganze des Geschehens hineinkommt!

Die Schriftgelehrten denken sofort an Gotteslästerung. Zum Beweis, dass er als Sohn des Vaters aus der Vollmacht seiner Gottheit Sünden vergeben kann, gebietet Jesus dem Gelähmten: „Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause!“

Die zärtliche Anrede deutet darauf hin, dass es hier nicht einfach nur um den Nachweis der Gottheit Jesu und seiner engen Verbundenheit zum Vater geht. Der Herr möchte auch sein Verhältnis zu uns Menschen „unter Beweis stellen“. Ihm geht es darum, auch seine Verbundenheit mit uns Menschen sichtbar zu machen. Sie ist Grundlage und krisenfestes Fundament unserer Freude und Zuversicht.

Der Herr sieht nicht nur auf die äußere Lähmung des Kranken. Er sieht auch sein Inneres, so wie er ebenfalls die Gedanken der Schriftgelehrten kannte. Und im Inneren des Gelähmten wird es wohl keine Hoffnung auf Besserung gegeben haben. Mehr noch! Den Gelähmten werden auch Gewissenszweifel geplagt haben.

Nach antiker Vorstellung ist jede schwere Krankheit ursächlich in einer moralischen Schuld, in einer Sünde begründet. Ganz falsch ist diese Vorstellung nicht. Denn Krankheit und Tod kamen erst nach dem Sündenfall, nach der ersten Sünde von Adam und Eva in die Welt. Im Paradies gab es sie nicht. Krankheit und Tod sind Folgen der Sünde. Nach dem Sündenfall ist es allerdings nicht mehr möglich, Krankheit, Lähmung und Tod auf eine weitere, der Ursünde folgende individuelle Sünde zurückzuführen.

Das war Vielen in der Antike so nicht bewusst. Ein Gelähmter lebte deshalb mit der unterschwelligen Angst, an seiner Lähmung ursächlich mit verantwortlich und für sie schuldig zu sein. Zur Lähmung des Körpers kam die Lähmung des Geistes. Jesus befreit seine „geliebten Kinder“ von beidem. – So ist er, der Herr, der eigentliche und krisenfeste Grund jeder Freude, die uns im Leben geschenkt wird.

Die kommende, jährliche Fastenzeit ist eine gute Chance, die eigenen Lähmungen genau zu beobachten, sie im Sakrament der Buße und Beichte vor den Herrn zu bringen. Denn nur wer bekennt, und dabei Ross und Reiter nennt, der erkennt wirklich. Und nur so kann er jene Vergebung erlangen, die den Gelähmten zu einem wirklich und umfassend freien und frohen Menschen werden ließen.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 08 / 2009 - 6. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Seit fast einem Jahr ist nun auch in unserem Seelsorgebereich der Prozess der notwenig gewordenen Umstrukturierung im Gange. Im Moment steht die Frage an, ob die Pfarreien unseres Seelsorgebereiches für die Zukunft eine Fusion der Pfarreien zu einer einzigen oder die Bildung einer Pfarreiengemeinschaft wünschen; in beiden Fällen unter einem leitenden Pfarrer. Über diese Frage werden am 2. April in St. Maria im Kapitol nun auch die Kirchenvorstände und Pfarrgemeindräte diskutieren und am Ende ein Votum abgeben. Zu unserem Seelsorgebereich gehören St. Georg, St. Maria im Kapitol, St. Maria Lyskirchen, St. Pantaleon und St. Peter.

Haben Sie bei dem Umstrukturierungsprozess bitte vor Augen, dass unser Erzbischof die je eigene Ausprägung der Kirchorte in der Innenstadt ausdrücklich wünscht und unterstützt. Durch die nötige Umstrukturierung wird diese Prägung nicht angetastet. Es ist unser aller, vom Erzbischof ausdrücklich gewolltes Anliegen, dass auch in der Kölner Innenstadt die Administration zentralisiert, aber die bisherige Vielfalt der Seelsorge und der Pastoral erhalten bleibt. Für die Kirche St. Pantaleon wird dies am Ende bedeuten, dass sich nach außen hin eigentlich wenig ändern wird.

Die Mitglieder des bisherigen Pfarrgemeinderates St. Pantaleon und alle Ehrenamtlichen werden sich weiterhin und auch wie bisher in und für St. Pantaleon engagieren können. Wir werden dafür schon eine adäquate Form finden. Seien Sie alle deshalb bitte ohne Angst und ohne jede Sorge: Hier wird niemandem von Ihnen etwas weggenommen; und keiner von Ihnen wird nicht mehr tun können, was er und was wir bislang gemeinsam haben tun können.

Anders ist es mit dem Kirchenvorstand. Die Administration wird zentralisiert. Im Falle der Fusion heißt das: Die Kirchengemeindevermögen "kommen in einen Topf" und werden über ein zentrales Verwaltungsbüro von einem Kirchenvorstand unter dem Vorsitz des einen leitenden Pfarrers verwaltet. – Im Fall der Pfarreiengemeinschaft bleiben die Pfarreien als Pfarrei mit eigenem Kirchenvermögen bestehen, das von den ebenfalls bestehen bleibenden Kirchenvorständen unter Leitung des einen leitenden Pfarrers aller Pfarreien über ein zentrales Verwaltungsbüro verwaltet wird. Die jeweiligen Kirchenvorstände oder, im Fall der Fusion, der eine zentrale Kirchenvorstand sind dann natürlich der je eigenen Ausprägung ihres Kirchortes beziehungsweise der dezentralen Kirchorte verpflichtet.

Nach reiflicher Überlegung scheint uns Pfarrern für unseren Seelsorgebereich die Fusion zu einer einzigen Pfarrei mit Abstand die beste Lösung.

Unabhängig davon, ob die administrative Zentralisierung über eine Pfarreiengemeinschaft oder eine Pfarreienfusion geregelt wird, wird es in unserem Innenstadt-Seelsorgebereich in Zukunft nur noch einen einzigen Pfarrgemeinderat mit dem leitenden Pfarrer geben, unter der dann ebenso selbstverständlichen Vorgabe, die jeweils eigene Ausprägung der Kirchorte zu bewahren und zu unterstützen.

Bei dem gesamten Umstrukturierungsprozess bleiben bisherige Absprachen mit Ordensgemeinschaften (hier: St. Peter) oder der Gehörlosenseelsorge (hier: St. Georg) unberührt. Ähnliches gilt für St. Pantaleon: Bei den derzeitigen Gesprächen zwischen dem Opus Dei und dem Generalvikar geht es um die Form der Anstellung der Priester und die Bewahrung der bisherigen, Ihnen bekannten und vertrauten Prägung von St. Pantaleon. Diese Gespräche und Absprachen entsprechen dem Wunsch, um es noch einmal anders zu formulieren, die pastorale Prägung von St. Pantaleon nach der administrativen und seelsorglichen Neustrukturierung des Seelsorgebereiches zu wahren und zu fördern.

Zuletzt noch ein wichtiges Anliegen, das mir sehr am Herzen liegt. Wer von Ihnen wäre bereit, in den zukünftigen zentralen Gremien (Kirchenvorstand und Pfarrgemeindrat) – oder im Falle der Pfarreiengemeinschaft: des örtlichen Kirchenvorstandes – jeweils unter Leitung des einen und einzigen zukünftigen leitenden Pfarrers mitzuarbeiten? Ich bitte Sie, das zum Wohl des Gesamtbereiches ernsthaft zu überlegen und in Erwägung zu ziehen.

Ihr  Pfarrer Dr. Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 07 / 2009 - 5. Woche im Jahreskreis (B)

Liebe Mitchristen!

Nachdem sich alles wieder etwas beruhigt hat und die kontroversen Wortmeldungen zu Papst, Kirche, Holocaust und Erzkonservative ihr vorläufiges Ende gefunden zu haben scheinen, ist ein klärendes Wort sicher sinnvoll und hilfreich.

1. Es stimmt traurig, dass manche, die wissen, wie es sich wirklich verhält, wider besseres Wissen die Unwahrheit sagen und eine verantwortungslose Presse gerade solche Stimmen aufgreift, um der Kirche zu schaden und Verwirrung zu stiften. Darauf hat indirekt der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Kurt Koch, in einem Interview hingewiesen. Er habe kein Verständnis, so Koch, „für Reaktionen von sogenannt kritischen Theologen wie Hans Küng. Er tut so, als ob sich der Papst mit der Aufhebung der Exkommunikation definitiv mit den Traditionalisten versöhnt hätte. Dabei weiß er genau, dass das falsch ist. Er redet wider besseres Wissen. Das ist verantwortungslos.“

2. Es stimmt nachdenklich, dass unsere Bundeskanzlerin Anfang Februar fordert, Papst und Vatikan müssten "eindeutig klarstellen, dass es keine Leugnung des Holocaust geben darf. ... Diese Klarstellung“, so Frau Merkel, „ist aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt.“

Die Antwort aus dem Vatikan kam prompt. Der deutsche Papst, so Vatikansprecher Lombardi, habe seine Position zum Holocaust „mit großer Klarheit“ unter anderem am 19. August 2005 in der Kölner Synagoge, dann am 28. Mai 2006 beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, in der darauf folgenden Generalaudienz vom 31. Mai 2006 und erneut am Ende der Generalaudienz vom 28. Januar 2009 dargelegt.

In dieser Audienz erklärte der Heilige Vater: „In diesen Tagen, in denen wir der Shoah gedenken, kommen mir Bilder meiner wiederholten Besuche in Auschwitz wieder neu in Erinnerung, einem jener Lager, in denen ein höhnischer Mord an Millionen von Juden, den unschuldigen Opfern eines blinden Rassen- und Religionshasses, verübt wurde.

Während ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare Solidariät für unsere Brüder, die Träger des ersten Bundes, bekunde, wünsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu veranlassen möge, über die unvorhersehbare Macht des Bösen, wenn es das Herz des Menschen ergreift, nachzudenken.

Die Shoah sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Verharmlosung. Denn Gewalt, die gegen einen einzigen Menschen verübt wird, wird gegen alle verübt. ,Kein Mensch ist eine Insel‘, schrieb ein bekannter Poet.

Die Shoah lehre sowohl den alten als auch den jungen Generationen, dass nur der mühsame Weg des aufeinander Hörens, der Weg des Dialogs, der Liebe und der Vergebung die Völker, Kulturen und Religionen der Welt zum gewünschten Ziel der Brüderlichkeit und des Friedens in Wahrheit führt. Gewalt soll die Würde des Menschen nie wieder demütigen.“ – So Papst Benedikt XVI. am 28. Januar 2009.

3. Im Innenbetrieb des Vatikans hat es in dieser ganzen Sache mit der Aufhebung der Exkommunikation wohl Kommunikationsschwierigkeiten und falsche Situationseinschätzungen gegeben. Demgegenüber sind die Pannen, die der Bundeskanzlerin hier unterlaufen sind, gravierender.

Die Manipulationen der Presse und anderer tun das Ihrige. Manche haben offenbar lange darauf gewartet, dem bisher guten Image von Papst Benedikt endlich einmal schaden zu können. Und viele sind darauf hereingefallen.

Was im Zusammenhang der Aufhebung der Exkommunikation wirklich passiert ist und warum der Hl. Vater sie vorgenommen hat, können sie in den nächsten Tagen auf unserer Home-Page nachlesen.

Ihr

Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 06 / 2009 - 4. Woche im Jahreskreis (B)

Der von Gott zur Heiligkeit berufene Mensch ist schnell von Unheiligem „besessen“.

Liebe Pfarrangehörige!

Im Evangelium vom 4. Sonntag im Jahreskreis begegnen wir auf eindringliche Weise dem Herrn als Erlöser. Am Sabbat in der Synagoge »lehrte er wie einer, der göttliche Vollmacht hat.«

Mit einer Vollmacht betreibt man Geschäfte für einen anderen; man handelt im Namen des anderen. – So lehrt auch der Herr nicht im eigenen, sondern im Namen Gottes. Aus diesem Grunde waren die Zuhörer in der Synagoge »sehr betroffen«, wie es im Evangelium heißt. Was Gott uns Menschen zu sagen hat, das geht an die Substanz.

Worüber der Herr im Einzelnen gesprochen hat, wird nicht überliefert. Aber man kann spekulieren und vermuten. Wahrscheinlich hat er über uns Menschen gesprochen und über die Notwendigkeit, in Beziehung zu Gott zu leben.

Wir sind, weil Gott die Liebe ist und er uns in Freiheit gewollt hat. Gott bringt Schaffen und Geben unmittelbar keine Erfüllung. Gott hat alles. Ihm fehlt nichts. Bei uns ist das anders. Zu unserem Leben gehören Tun und Schaffen unbedingt dazu. Nur so können wir uns entfalten und wir selber werden.

In vollendeter Weise gelingt das allerdings nur in enger Verbundenheit mit Gott. – Das wird es wohl gewesen sein, was der Herr seinen Zuhörern in einer Weise gepredigt hat, dass es sie mitten ins Herz traf.

Zum anderen berichtet das Evangelium von einem Besessenen, der vom Herrn geheilt wird. Auf den ersten Blick scheint das eine mit dem anderen nichts zu tun zu haben. Schauen wir aber genauer hin, wird ein tiefer Zusammenhang deutlich.

Jemand ist besessen, wenn er im Besitz von etwas anderem und nicht mehr Herr seiner selber ist. So kann jemand vom Sport, vom Geld oder von Machtwillen besessen sein. Besessenheit ist weit verbreitet. Es ist auch eine Form von Besessenheit, dass einer Umfrage nach in unserer Leistungsgesellschaft nahezu 90 % unserer Bürger das Zerbrechen anderer kalt lässt.

Die Predigt Jesu im Namen Gottes, der er selber als Mensch in der Einheit seiner Person ist, wie auch die Kraft, die von ihm ausgeht, rütteln die Menschen damals und uns heute auf und helfen frei zu sein von jeder Form von Besessenheit; frei von all dem, was uns in Beschlag nimmt, so dass wir nicht mehr das tun, was wir eigentlich und ganz tief von Innen heraus, wo Selbstsucht und Eigensinn uns noch nicht verbogen haben, tun wollen. Genau darauf spielt der Hl. Paulus im Römerbrief (7,15) an: »Ich begreife mein Handeln nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse.«

Damit schließt sich der Kreis. Der Herr erklärt, dass und wie er uns aus dieser verstrickten Situation herausholt und erlöst. Er hilft uns, so zu wirken und zu arbeiten, dass wir uns nicht selber im Wege stehen und in Fesseln legen.

Im aufrichtigen Gespräch mit und vor Gott können wir diese unheilvolle Situation durchbrechen. Dann kommen wir auch zu uns selber.

Ich wünsche Ihnen, sich im Glauben auf das Gespräch mit Gott und vor ihm stehend einzulassen. – Lassen auch Sie sich, wie Jesu Jünger damals, von dieser Aufforderung »treffen«. Nehmen Sie sich Zeit für das Beten, für das Sprechen mit Gott über Ihr alltägliches Leben, Ihr Tun und Schaffen, und gehen Sie nicht gleich wieder zur Tagesordnung über.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 05 / 2009 - 3. Woche im Jahreskreis (B)

Die Bekehrung des Hl. Paulus, Caravaggio 1573 – 1610, Rom: S. Maria del Populo

Liebe Pfarrangehörige!

Anlässlich des Paulus-Jahres (2000 Jahre Apostel Paulus) wird am kommenden Sonntag die Hl. Messe von der „Bekehrung des Hl. Apostels Paulus“ mit den für diesen Festtag vorgesehenen Lesungen gefeiert. In ihnen geht es um Bekehrung. Aus dem Saulus wird ein Paulus. Und es geht um Auserwählung und Mission. Paulus ist ein von Gott »auserwähltes Werkzeug« (Apg 9,15), dazu bestimmt, Großes und Bleibendes zu bewirken.

In der Geschichte war der Mensch immer wieder versucht, religiöses Sendungsbewusstsein für eigene Vorstellungen zu bemühen. Demgegenüber muss wahre und segensreiche Sendung immer uneingeschränkt in Gott verwurzelt bleiben, und sie setzt Bekehrung voraus.

Anlässlich der neuen Präsidentschaft in den Vereinigten Staaten hat sich die Kirche durch den Vorsitzender der US-Bischofskonferenz deutlich zu Wort gemeldet. Wenn sie das tut, dann nicht in politischen Fragen, die der freien Meinung überlassen sind, sonder ausschließlich in solchen Fragen, welche die in Gott gründende Wahrheit über den als sein Abbild geschaffenen Menschen berühren. Diese Wahrheit sieht die Kirche durch den neuen Präsidenten vor allem beim Lebensschutz Ungeborener deutlich gefährdet.

In einem Brief an US-Präsident Barack Obama nennt Kardinal Francis George, Erzbischof von Chicago und Vorsitzender der US-Bischofskonferenz als zentrales Anliegen der katholischen Kirche den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Wörtlich schreibt der Kardinal: „Ganz besonders werden wir das Leben der verletzlichsten und stimmlosen Mitglieder der Menschheitsfamilie beschützen, allen voran der ungeborenen Kinder und derjenigen, die behindert oder unheilbar krank sind ... Wir werden uns gegen gesetzliche oder andere Maßnahmen stellen, die Abtreibung ausweiten. Wir werden daran arbeiten, eine wesentliche und breit unterstützte Politik zu erhalten, die Respekt vor dem ungeborenen Leben zeigt, die Gewissensrechte des Gesundheitspersonals und anderer Amerikaner schützt und die verhindert, dass die Regierung Abtreibung finanziell fördert und vorantreibt."

Dieser Passus bezieht sich auf einen entsprechenden Gesetzesvorschlag. Barack Obama hatte wenige Wochen vor seiner Wahl erklärt: „Die erste Sache, die ich als Präsident machen werde, ist es, den ‚Freedom of Choice Act' zu unterzeichnen." Der „Freedom of Choice Act" ist ein Gesetzentwurf, der die Regelungen einzelner Bundesstaaten zur rechtlichen Beschränkung von Abtreibungen wieder einschränken soll. Im Klartext: Mit diesem Gesetz soll jedes Krankenhaus und jede Klinik dazu verpflichtet werden können, dem Klienten eine Abtreibung zu ermöglichen. Für katholische Krankenhäuser ein Unding.

Demgegenüber betont Kardinal Francis George: „Bemühungen, Amerikaner zu zwingen, Abtreibungen mit ihrem Steuergeld zu finanzieren, würden ein ernsthaftes moralisches Problem bringen und das Durchgehen wesentlicher Gesundheitsreformen aufs Spiel setzen." Eine Gesundheitsreform müsse jedes Leben „einschließlich ungeborenes Leben" schützen sowie die moralischen und religiösen Überzeugungen von Gesundheitspersonal und Patienten respektieren.

Kardinal George spricht weitere Themen dieser Art an. Der Kampf gegen HIV sollte auf „wirksame und moralisch angemessene Weise" fortgesetzt werden. Auch die gesetzlich verankerte Ehe ist der Kirche ein zentrales, da die innere Wahrheit des Menschen betreffendes Anliegen: Die Ehe ist, wie Kardinal George in dem Brief bekräftigt, eine „treue, exklusive, lebenslange Verbindung von einem Mann und einer Frau und muss vor dem Gesetz eine solche bleiben".

Mehrfach hebt der Kardinal das Wohl der ärmsten Bevölkerungsschichten hervor, denen die besondere Sorge der Kirche gelte. Die Wiederherstellung der Wirtschaft dürfe sie nicht draußen vor lassen.

Damals wie heute sind Sendung und Auftrag wirksam und segensreich, wenn sie eng an Bekehrung gekoppelt bleiben. Mit letzterem, der Bekehrung, steht und fällt auch das US-amerikanische Sendungsbewusstsein. Die Geschichte der letzen Jahrzehnte hat dies immer wieder gezeigt. Dem neuen US-Präsidenten bleibt diese Verbindung von Sendung und Bekehrung von Herzen zu wünschen.

Papst Benedikt XVI. hat dies politisch korrekt dem neuen US-Präsidenten mit den folgenden Worten gewünscht: „Unter Ihrer Führung möge das amerikanische Volk damit fortfahren, in seinem beeindruckenden religiösen und politischen Erbe die geistigen Werte und ethischen Prinzipien zu finden, die für den Aufbau einer wahrhaft gerechten und freien Gesellschaft notwendig sind, welche sich durch die Achtung der Würde, der Gleichheit und der Rechte eines jeden ihrer Glieder und dabei besonders der Armen, der Ausgegrenzten und derjenigen auszeichnet, die keine Stimme besitzen."

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt

 

Pfarrnachrichten 04 / 2009 - 2. Woche im Jahreskreis (B)

Johannes der Täufer erklärt den Schriftgelehrten seine Sendung - Bernardo Strozzi

Liebe Pfarrangehörige!

Die Tannenbäume sind abgeräumt, die Weihnachtszeit ist zu Ende. In vielen Kirchen darf die Krippe bis zum 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn, noch stehen bleiben. So auch bei uns. Dennoch hat der Alltag uns längst wieder fest im Griff.

Alltag gab es auch im Leben Johannes des Täufers. Aus der Adventszeit ist er uns noch in guter Erinnerung. An diesem Sonntag hören wir erneut von ihm. Er stand am Jordan, „wo er taufte und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes.“ Daraufhin folgten die beiden Jünger dem Herrn und blieben fortan bei ihm.

Für Johannes gehörte das Taufen zum Alltag wie für uns Planen und Terminabsprachen, Kaufen und Verkaufen, Diskutieren und Studieren usw. Aus seinem Alltag heraus „richtete Johannes seinen Blick auf den Herrn.“ – Es heißt „richtete“ und nicht „sah“. Die Augen auf jemanden richten ist viel intensiver als einfach nur hinschauen.

In starkem Kontrast dazu heißt es über Jesus, dass er „vorüberging“. Er hatte offenbar nicht vor, dort zu verweilen und das Gespräch zu suchen. Das verwundert.

Im Neuen Testament ist Wichtiges oft nur zwischen den Zeilen zu lesen. Jesus ging vorüber. Er ist in Sichtweite, aber er bleibt in einer gewissen Distanz. Er will Niemandem zu nahe treten, Niemandem etwas wegnehmen. Er drängt sich nicht auf und bedrängt nicht. Und doch hat er Wichtiges zu sagen und Befreiendes zu geben.

Die Jünger des Täufers blieben fortan beim Herrn und ließen den Täufer zurück. Hat Jesus ihm damit etwas weggenommen, ihm „Freunde ausgespannt“ und Unannehmlichkeiten bereitet? ... Und wie ist das in unserem Alltag mit Unannehmlich- und Schwierigkeiten?

Wenn wir genau hinschauen und im Alltag, gewissermaßen gerade aus ihm heraus, unseren Blick auf Jesus richten, wird uns die Erfahrung des Täufers zuteil. Der meist zurückhaltende, immer in einer gewissen Entfernung „vorübergehende“ Herr wird dann auch uns auf einmal sehr nahe sein, überraschender Weise gerade im Alltag. Er wird uns beschenken wie Johannes den Täufer, obwohl ihm seine besten Freunde und lieb gewonnenen Jünger genommen wurden.

Schaut man genauer hin: Für den Täufer ist dies kein Verlust. Sein Lebenswerk bestand doch darin, den Herrn als das „Lamm Gottes“, als den Erlöser kund zu tun. Genau hier nun werden seine Träume wahr. Indem der Täufer aus seiner alltäglichen Tätigkeit heraus ganz wachsam und aufmerksam für den Herrn ist, fügt sich alles in wunderbarer Weise.

Wenn Sie das, was hier im Evangelium erzählt wird, auf Ihren Alltag beziehen und ihn so vor Gott bringen und bedenken, wird Ihnen ein Licht aufgehen. Sie werden manches, was Ihnen schwer fällt, viel besser als wahre Erfüllung Ihres alltäglichen Tun und Schaffens verstehen. ... Auch das ist Erlösung.

Ihr Pfr. Dr. Volker Hildebrandt